Autor Thema: Reisebericht Sardinen  (Gelesen 6240 mal)

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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #30 am: 29.03.20, 20:43 »
Noch mehr Korbwaren und im Pflaster dann die entsprechenden Korbflechtmotive dazu.









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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #31 am: 29.03.20, 20:52 »
Noch mehr enge Gassen in Castel Sardo... und die Kirche vom "Schweinetoni" äh Heiligen Antonius mit Schwein







und die Kirche vom "Schweinetoni" äh Heiligen Antonius mit Schwein


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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #32 am: 29.03.20, 21:09 »
Fahrt durch das Mondtal mit Picknick

Die Steine sind aus magmaartigem Tiefengestein und das Tal ist durch einen Vulkanausbruch entstanden. Es sieht aus, als habe ein Riese einen Beutel Kieselsteine ausgekippt.

Im Mondtal wurde immer Granit abgebaut, das ist jetzt aber verboten, um diese unwirklich erscheinende Landschaft zu schützen.























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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #33 am: 29.03.20, 21:33 »
Korkeichen und die Verarbeitung der Rinde kennen wir ja schon aus Portugal.

Korkeichen werden alle 9 Jahre geschält, immer im Sommer und immer von Hand mit einer speziellen Axt. Sie müssen dazu mindestens 30 Jahre alt sein. Ein Baum kann ca. 20 mal geschält werden.



Die erste Rinde, die geschält wird, wird männliche Rinde genannt und taugt nicht viel von der Qualtiät. 100 kg männliche Rinde kosten 20 Euro, 10 Jahre später wird weibliche Rinde gewonnen, da kosten 100 kg schon 600 Euro. Nur die erste Schälung ist männlich, jede weitere weiblich. Die männliche Rinde wird gemalen und daraus werden Fußböden und Tapeten gewonnen: "Wir latschen auf den Männern rum und klatschen sie an die Wand!" ;)




Frische Rinde muss 18 Monate lagern, ehe sie verarbeitet werden kann. Durch das Lagern werden die Rindenstücke gleichmäßiger. Anschließend werden sie gekocht, dadurch lösen sich die Gerbstoffe heraus.

Aus dem "gekochten" Kork werden Streifen geschnitten und Flaschenkorken ausgestanzt.  Früher schnitzte man die Korken von Hand.
Von Hand schaffte ein geübter Schnitzer 2000 Korken am Tag, 40 Jahre später teilmaschinell schon 5000 Stück und heute werden halbautomatisch bis zu 12000 Stück am Tag von einer Person geschafft.




Die fertigen Korken werden noch mal zur Desinfektion gekocht, denn im Kork kann ein Pilz sitzen. 1 verpilzter Korken kann 1000 Stück in einem Sack infizieren. Nach dem Kochen dürfen die Korken nicht mehr von Hand angefasst werden.

Korkreste werden gemahlen und mit Leim zu Verbundkorkmaterial gepresst, welches in allen möglichen Stärken zu haben ist. 10 cm Kork als Dämmmaterial entsprechen einer Betonschicht von  9m in ihrer Dämmeigenschaft.



Aus feineren Korkplatten kann man dann auch diverse Dekogegenstände herstellen.








Die Korkverarbeitende Fabrik in Tempio, die wir besichtigt haben, besteht derzeit in der 4. Generation. Ursprünglich stellte man ausschließlich Flaschenkorken her. 20 % des chinesischen Flaschenkorkenbedarfs kommt von Sardinien.

Bei bester Korkqualität kostet ein Korken zwischen 1 - 1,50 Euro. Die aktuelle Produktion liegt derzeit bei 20000 Korken pro Tag. Die Firma produziert inzwischen hauptsächlich Kunstartikel und Korkmehl für den Export nach Indien. Dort werden Kriketbälle aus dem Korkmehl gemacht.

Die Firma hat 15 gestangestellte Mitarbeiter übers ganze Jahr, im Sommer kommen noch mal 45 Verkäuferinnen in den 15 Shops hinzu, die über die ganze Insel verteilt sind.

Die Rinde wird von Subunternehmern geliefert, die sich um das Schälen der Bäume kümmern.
« Letzte Änderung: 29.03.20, 23:37 von martina »
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #34 am: 29.03.20, 21:46 »
Ein weiteres Standbein dieser Firma ist seit 15 Jahren die Keramikproduktion mit traditionellen Mustern. 4 von den 15 festangestellten MA sind in der Keramik beschäftigt, hauptsächlich als Maler.

Terracottarohlinge werden maschinell hergestellt und in weißer Glasur lasiert. Die Lasur trocknet an der Luft ab.


In den weißen Rohling wird mit Schablonen ein Motiv eingeritzt. Beim Brennen erscheinen diese Linien dann bräunlich. Die Motive können auch mit Farbe ausgemalt werden, deren Leuchtkraft beim Brennen herauskommt. Je mehr Glasanteil im aufgetragenen Lack, desto glänzender wird das Endprodukt. Gebrannt wird je nach Farbe bei 950 bis 960°C.




Der Betrieb hat sich auf ein Korallenmuster spezialisiert und auf den Pfau in verschieden Farbvarianten. Der Pfau gilt auf Sardinien als Fruchtbarkeitssymbol.









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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #35 am: 29.03.20, 22:22 »
Grabhöhlen aus der Jungsteinzeit 3000 - 2800 v Chr.




20 Grabhöhlen wurden in dem Komplex gefunden. In der Zeit, als die Gräber entstanden, wurden die Nomaden auf der Insel seßhaft.

Sardische Hirten nutzten die Höhlen später als Lagerstätten für Werkzeug, Ausrüstung und als Reifehöhle für den Käse.

Die Höhlen wurden in die Bergwand gekratzt und wie kleine Häuser angelegt, alle mit Ocker ausgemalt, der als heilige Farbe gilt. Vorne am Haupteingang kamen Opfergabe hin, in die Nischen wurden die Bewohner der Nuraghen in Fötusstellung bestattet, weil man von Wiedergeburt ausging. Jedes Wandloch umfasst 2 Gräber.










Die größte Höhle ist 240 qm groß und sie ist mit römischen und byzantinischen Fresken ausgemalt. Die Fresken wurden durch Hirtenfeuer konserviert. Diese große Höhle wurde später dann als Felsenkirche genutzt. Die byzantinischen Fresken überdecken die römischen. Da in den byzantinischen Fresken allgemein Geschichten immer auf die gleiche Art dargestellt werden, konnte man die Motive in dieser Höhle recht genau zuordnen.









Das Opfergabenloch wurde zum Taufbecken umfunktioniert. Durch ein Loch in der Decke kommt Regenwasser in die Höhle und wird mit Bodenrinnen ins Becken geleitet. 1313 wurde die Kirche dem heiligen Andreas geweiht, sie war erst orthodox und später römisch-katholisch.





Auf dem Berg oberhalb der Grabkammern findet sich eine Stierskulptur aus heidnischer Zeit. Die Christen, die dann kamen, haben ihm den Kopf abgeschlagen.





Auf dem Plateau über den Gräbern weiden im Sommer die Kühe. Kurz nach dem wir wieder im Bus sassen, kamen sie den gleichen Weg runter, den wir gerade gegangen waren, irgendwo in dieser Weite in den Büschen müssen sie lagern.



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Offline peka

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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #36 am: 29.03.20, 22:39 »
Hallo Martina,

toll dein Reisebericht. Solche Fahrten würden mich auch reizen.

Liebe Grüße
peka
Gönne dir Stille,
in der du nur Atem und Herzschlag lauschst.
Dann kehre in den Alltag zurück,
kraftvoll und gelassen.

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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #37 am: 29.03.20, 22:42 »
Agricultura "Sas Abelas"

Mittagessen auf dem wildromatischen "Urlaubsbauernhof" mit 2 Gästezimmern zu 2 Personen und Speiseraum für ca. 50 Sitzplätze, der nur für uns geöffnet hatte.




Dort gab es wirklich traditionell regional urtypisches Essen für uns. Serviert in großen Servierschalen aus Kork. Sehr urig.

Als Vorspeise die traditonelle Salami, luftgetrockneten Schweinespeck und Käse mit Brot, dazu wie immer ein einfacher roter Landwein.


Fladenbrot, gebackene Zwiebelringe, cremiger Schafsfrischkäse mit Honig und Walnüssen, den ich total lecker fand.



Das Hauptgericht war ein dünn gebackenes Fladenbrot, welches in Streifen geschnitten wie Nudeln gekocht und dann mit gedünsteten Austernpilzen gemischt wurde. Ein Gericht, welches es nur in dem Teil Sardiniens gibt, hieß es.


Als Dessert gab es verschiedene Kuchen.
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #38 am: 29.03.20, 23:02 »
Die Produkte des Betriebes, es wird nur vermarktet, was auch selbst produziert wird.

20 Schweine, davon 9 Sauen und 2 Eber; die Schweine werden mit Resten gefüttert, dazu Molke aus der Käserei, Maismehl und Gerste; Schweinerasse das sardische Schwein mit Duroc gekreuzt, Mastdauer  4-5 Jahre, langsam, aber gut. Eber werden im Alter von 2 Jahren kastriert.

Für den Eigenbedarf darf man selber schlachten, für den Gastbetrieb nicht, da muss man ins Schlachthaus wegen der EU-Vorschriften.

Das Schwein muss viel Speck haben. Faustformel 1 kg = 1 Tag in Salz. Große Stücke lagern 8 -10 Tage in Meersalz, dann werden sie mit Weißwein abgewaschen, mit schwarzem Pfeffer eingerieben und trocken ca. 10 Tage an der Luft. Anschließend wird eingeschweißt. 


Alle Edelteile gehen in die Salami, die man auf Sardinien Bratwurst nennt.

Speck und Salami, alles  was eingeschweißt wird, muss datiert und ettikettiert werden. Der einzelne Käseleib ist 10 Tage gereift.





70 Milchziegen, davon aktuell 30 in Milch. Die Ziegen laufen frei im großräumig eingezäunten Wald. Im Stall muss er zufüttern, im Wald nicht. Aktuell 2 Liter Milch pro Ziege und Tag. Bei Stallhaltung wäre die Milchleistung höher, aber die Qualität nicht so gut. Sie käsen selber.


Käse von gestern


Ricotta (= noch mal gekocht) in der Weiterverarbeitung



Ein paar Hobbypferde werden auch noch gehalten.
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #39 am: 29.03.20, 23:05 »
Bilder vom Betrieb










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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #40 am: 29.03.20, 23:15 »
Die schwarzweiße Kirche mit dem Kuhrelief  Santissima Trinità di Saccargia in der Provinz Sasseri

Es handelt sich um eine ehemalige Mönchsabtei mit Wallfahrtskirche. Ursprünglich romanischer Baustil, aber irgendwann vermixt mit anderen Stilen. Beide Steinarten die verbaut wurden, stammen aus der Gegend.



Von der Seite


Haupteingang

 
Es gibt 2 Gründungslegenden.

Ein Ehepaar war pilgernd auf der Durchreise und wurde von den Mönchen bewirtet. Die Frau war kinderlos und konnte nicht schwanger werden. Also hat sie hier gebetet und siehe da: 9 Monate später kam ein gesundes Kind an. Der stolze und reiche Papa stiftete die Kirche. Na, wenn da mal nicht einer der Mönche nachgeholfen hat ;)

Legende 2 berichtet von einer schwarzweißen wilden Kuh, die morgens und abends gekommen ist, um sich von den Mönchen melken zu lassen. Klingt doch auch schön und in eine der Säulen ist auch ein Kuhrelief eingemeisselt worden.


« Letzte Änderung: 30.03.20, 10:07 von martina »
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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #41 am: 29.03.20, 23:17 »
Zum Schluss...

Die Flaschen stecken auf den Reben zum Schuß vor Vogelfraß



Impressionen













Wir haben wieder viel gesehen und noch lange nicht alles.

Ich würde mich freuen, auch von Euch Fotos und Eindrücke zu sehen und zu lesen.
« Letzte Änderung: 29.03.20, 23:30 von martina »
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Offline Beate Mahr

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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #42 am: 30.03.20, 10:01 »
Hallo Martina

ist das geil ... fast so als ob man live dabei war

Danke für diesen Bericht ... tolle Abwechslung

Bleibt gesund
Beate 
Entscheidend ist nicht, ob man kritisiert wird;
entscheidend ist, ob die Kritiker die Mehrheit bilden.

© Ernst R. Hauschka

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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #43 am: 30.03.20, 10:11 »
Danke für die tollen Bilder

Offline samy

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Re: Reisebericht Sardinen
« Antwort #44 am: 31.03.20, 14:09 »
Martina hat mich gebeten ihren Bericht zu ergänzen. Ich war im Mai 2019 auf Sardinien. Während Martina überwiegend im Süden und Westen der Insel unterwegs war , bin ich eine Wochen  im Osten gewesen. Erst zu Fuß und später noch etwas nördlicher auf eine Olivenfarm zum Entspannen. Wir sind mit der Fähre gefahren, was ein Abenteuer für sich ist.
Von Olbia aus ging es auf der SS125 südwärts nach St. Maria Navarrese.


Samy