Autor Thema: Tierheime in Bayern  (Gelesen 3242 mal)

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Offline SiegiKamTopic starter

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Tierheime in Bayern
« am: 28.08.18, 18:24 »
Seit fast einem Jahr sammle ich Erfahrung in den verschiedensten Tierheimen im Umkreis von ca. 150 km. Und echt, ich kann mich nur wundern. Auslöser war der Tod unserer beiden Hunde kurz hintereinander. Im August vorigen Jahres hatten wir einen Welpen von einem Bauernhof gekauft, ein Labradormischling. 400 Euro verlangten die Besitzer für den letzten Welpen. nach einem halben Jahr konnte er nicht mehr schmerzfrei laufen und eine Röntgenuntersuchung ergab schwerste HD und ED an allen Gelenken. Er wurde eingeschläfert. Ich hatte viel Zeit mit ihm verbracht und eine enge Bindung aufgebaut, es war sehr schlimm und kostete mit den Untersuchungen auch noch einiges.

Wir versuchten es noch einmal und es ging ins in eine Pflegestelle des Tierheims Erding. Wir bekamen einen Zeitpunkt kurz vorm Dunkelwerden genannt für unseren Besuch und fanden einen Neubau "am Ende der Welt". Über eine Stahltreppe gings in den ersten Stock, wo im Flur ein Körbchen mit Welpen stand, es ziemlich roch und nebenan mehrere Waschmaschinen liefen. Die Welpen machten anscheinend einfach auf die überall ausgebreiteten Tücher, welche anschließend gewaschen wurden. Die Hundemama war kurz vor dem Wurf in Ungarn oder Kroatien, ich weiß nicht mehr genau "gerettet" worden, die wäre nämlich beinahe unter ein Auto gekommen  ::). So ein kleiner Welpe sollte so um die dreihundert Euro kosten. Ja, die Hunde kämen schon nach draußen, auf den Absatz der Treppe nämlich, die so ein Gittermuster hatte, wo Welpenfüße wahrscheinlich mehr durchfallen als laufen können. Unten an der Treppe war ein winziger Laufbereich.

Das Tierheim in Reisbach hatte leider keinen passenden Hund für uns aber eine sehr ausführliche Beratung. Es ist privat finanziert, klein aber sehr gut ausgestattet, da läuft wahrscheinlich vieles anders, besser. Aber eben kein Hund da, der zu einem später großen zweiten Hund passen würde.

Im Tierheim in München hatte niemand Interesse uns irgendeinen Hund zu zeigen, der abgegeben worden war. Und in dem Haus für "gerettete Auslandshunde" war gerade alles weg, "aber da kommen bald wieder neue Hunde, da können Sie einen retten. Die kommen aus der Türkei oder Spanien und sind alle sehr lieb und dankbar".

Dann fuhren wir noch in ein Tierheim in ca. 1ß0 km Entfernung, nachdem wir vorher angerufen hatten und uns nach einem Hund erkundigten, der auf der Homepage dem entsprochen hätte, was wir uns vorgestellt hatten. "Ja kommen Sie einfach vorbei".  Wir landeten gemeinsam mit drei anderen Paaren, die alle einen Hund suchten in einer Futterküche, wo einige Hunde hineingelassen wurden. Der Tierheimleiter erkärte unser Vorhaben einen Rassehund zu kaufen für falsch, weil schließlich alle Rassehunde in Heimen landen würden, weil sie nur auf Aussehen gezüchtet werden und die Besitzer nicht damit zurecht kämen. Er habe derart viele solche Hunde da, die teilweise ausrasten und Leute beißen. Wir trafen zum einen keinen einzigen Rassehund aber auch unter den vielen Mischlingen, die er angeblich hatte, konnte er keinen finden, der seiner Meinung nach zu uns passen würde  ???.

Im Tierheim Regensburg ergab ein Anruf, dass eine Hündin da sei, die evtl. etwas für uns wäre. Wir fuhren hin, die Hündin hatte einen ansteckenden Darmbazillus, das war auch außen am Zwinger so angeschrieben, wir konnten sie also weder spazierenführen noch wollten wir näheren Kontakt um unseren kleinen Welpen keine Krankheit nach Hause zu bringen. Wieder eine Fahrt umsonst.

In zwei anderen Tierheimen der näheren Umgebung ergaben Anrufe, dass die abgebildeten Hunde teilweise doch ziemlich schwierig, teilweise bissig waren, was so nicht dargestellt war.

Wir gaben auf, unser Rassehund ist inzwischen da und erhält eine gute Erziehung und vielleicht kaufe ich noch einen anderen Rassehund dazu, denn das Risiko mit einem Mischlingswelpen, der mir ans Herz wächst und danach todkrank ist, das gehe ich nicht mehr ein und in den Tierheimen scheinen nicht so arg viele Hunde tatsächlich zu vermitteln sein.

Heute Besuch im Tierheim Straubing, ich wollte nur einige Vögel, da in meiner Vogelvoliere viel Platz ist und wir sie neu hergerichtet haben. 15 Euro sollte ein Vogel kosten und ich bekäme ihn nur, wenn ich ein Foto der Vogelvoliere herzeigen könne. Noch einmal fünfzig Kilometer für zwei Vögel, die ein ungewisses Alter haben? Danke, mir reicht es mit dem Tiere retten. Ich habe langsam den Eindruck, die Tierheime verwalten sich mehr selbst oder finanzieren sich mit der Vermittlung von Auslandshunden, wie in München.

Gefrustete Siegi

Leben und leben lassen

Offline annelie

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #1 am: 28.08.18, 21:03 »
Solch eine erfolglose Odysee, da wäre ich echt stocksauer  :-X

Aber ich freue mich von Dir zu lesen, ich hab Deine Beiträge sehr vermisst.
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und jeder Augenblick ist ein Geschenk.

Liebe Grüße
Annelie

Offline anka

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #2 am: 28.08.18, 22:07 »
Liebe Siegi

Dieser Beitrag müsste an die Presse weitergeleitet werden.
Ist ja der Hammer.
Überall die Beiträge von den tollen Tierheimen und dann der Blick hinter die Kulissen. Möchte zu gerne wissen, wie die tollen Tierschützer das so sehen.
anka

Offline pauline971

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #3 am: 29.08.18, 09:09 »
Dein Bericht macht mich sprachlos....  :o
Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich hart erarbeiten

Offline Ingrid1

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #4 am: 29.08.18, 09:15 »
Und die Gemeinde zahlen pro abgegebenes Tier einen gewissen Betrag dazu.
Schöne Grüße von Ingrid

Offline Peppels

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #5 am: 29.08.18, 16:06 »
Hallo Siegi,
Deine Erfahrungen mit den sogenannten " Tierschüztzern " habe ich auch gemacht.
Ich finde es ja richtig, wenn sich die Leute in den Tierheimen vorab erkundigen wohin ihr Tier
kommt, aber oft habe ich festgestellt, daß sie über ihr Ziel hinausschießen.
Deinen Beitrag solltest Du wirklich an die Presse geben, damit diese Leute endlich aufwachen.
Grussi Peppels
"Hunde kommen, wenn sie gerufen werden.
Katzen nehmen die Mitteilung zur Kenntnis und kommen gelegentlich darauf zurück."

 Mary Bij.

Offline Anemarie

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #6 am: 29.08.18, 18:06 »
ich habe den Verdacht, daß sie die Tier gar nicht weggeben wollen. z.B. bekommt man keine Katze, wenn man einen Bauernhof hat, weil die dann vielleicht im Stall übernachten müßte. Das es den Tieren in der Freiheit vielleicht besser gefällt, als den ganzen Tag eingesperrt zu sein, darüber wird gar nicht nachgedacht.

Ich selber habe kürzlich im Internet einen Aufruf von einem Tierheim in unserer Nähe gelesen, daß sie eine Problemkatze haben, die nicht sauber ist, sich nicht mit anderen verträgt und schon 1 x wieder zurückgegeben wurde. Sie suchen einen Bauernhof mit Auslauf, wo sie regelmäßig gefüttert wird. Mir hat das Tier leid getan.

Dafür wollten Sie 95,00 Schutzgebühr. Ich habe ihnen dann gesagt, daß ich mich in Zukunft um sie kümmere, alle anfallenden Kosten übernehme und wir einen Bauernhof am Ortsrand haben, wo es ihr gut geht. Aber nicht dafür im Vorfeld zahle.  Dann wurde extra eine Sitzung einberufen, ich mußte einen Riesenfragebogen ausfüllen, bekam einen Vertrag  bei dem jeder andere sagen würde, behalts doch eure Viecher.

Dann bekam ich die Katze doch kostenlos, weil sie ja angeblich eine "Problemkatze" ist. Und was soll ich sagen, ich habe noch selten so ein verschmustes, dankbares Tier gesehen, daß die Freiheit über alles liebt. Sie verträgt sich problemlos mit meinen anderen 3 Katzen, sie ist vollkommen aufgeblüht und das in weniger als 2 Tagen.

Jetzt frage ich mich, wollen die Tierheime, daß es den Tieren gutgeht, dann sollten Sie doch für jeden dankbar sein, der sich in Zukunft darum kümmert. Aber nein, sie legen einem Steine ich den Weg, daß man nur den Kopf schütteln kann.
hoch lebe die Arbeit, so hoch, daß keiner rankommt.

Offline frankenpower41

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #7 am: 29.08.18, 20:02 »
Sorry, wenn ich das jetzt mal so  sag, aber diese "Tierschützer" vermenschlichen doch die Viecher alle.
Für viele sind wir als Landwirte sowieso die Tierquäler und passen nicht in deren Weltbild.
Vielen Organisationen geht es doch nur ums Geld, und dass man die Tiere in anderen Ländern alle "retten" muss, dazu hab ich auch meine Meinung.  (ich mag den rumänischen Hund bei Nachbarn sehr).
« Letzte Änderung: 29.08.18, 21:02 von frankenpower41 »

Offline LuckyLucy

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #8 am: 30.08.18, 08:25 »
Ich hatte mich vor einigen Jahren für einen Junghund interessiert, den eine Tierschutzorganisation im LK Ed abzugeben hatte. Ein süßes Kerlchen, aus Spanien hier eingeführt. Leider bin ich mit meinem Vermieter über die Hundehaltung nicht einig geworden, deshalb ist der Kleine nicht zu uns gekommen. Generell hatte ich dort aber auch keinen guten Eindruck, weil man mir 1. diesen Hund eigentlich nicht hätte geben wollen, sondern einen von den schwächeren Tieren des Wurfs, 2. hätte ich mich und mein Umfeld "nackig" machen müssen vor diesen Leuten, 3. wollte man mich vertraglich zur Kastration des Rüden verpflichten und 4. wäre es irgendwie gar nicht mein Tier geworden, sondern hätte diese Organisation das jederzeitige Verfügungsrecht. Ganz seltsame Bedingungen.

Abgesehen davon finde ich mittlerweile den Import von Hunden aus anderen Ländern mehr als zweifelhaft. So gut wie die Idee dahinter ist, hier gibt es genug Tiere, die adoptiert werden können und wir können nicht die ganze Welt retten.  :-\ Leider.
LuckyLucy

Offline frankenpower41

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #9 am: 30.08.18, 08:55 »
genau, Deinen Schlusssatz kann ich nur unterstreichen

Offline Rohana

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #10 am: 30.08.18, 10:10 »
Wenn jeder vor seiner eigenen Tür kehrte, wären die Strassen sauber...  diese ganze Importiererei ist doch nur Geschäftsmache. Die Hunde können nix dafür, die sind ja die eigentlich Leidtragenden.

Offline cara

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Re: Tierheime in Bayern
« Antwort #11 am: 10.11.18, 06:47 »
ich bin die Tage nach einer Wolfsdiskussion ("Im Tierheim sitzen genug HSH, da gibt es immer einen für die Herde ::) ) mal auf der Seite des TH Hannovers gelandet.
Eigentlich alles Problemhunde, Kampfhundrassen, Beisser oder sonstwie verhaltensgestört, aber es stand auch in den Beschreibungen drin. Das fand ich ganz positiv. Im TH Hildesheim dagegen wurde auf sowas überhaupt nicht eingegangen, ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die Hunde dort alle unproblematisch sind.
Da fand ich den Hannoveraner Internetauftritt schon ehrlicher.
Ich kenne aber die Situation vor Ort nicht.
LiGrüss cara

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