Autor Thema: Depression bei 15jährigem Mädchen  (Gelesen 14040 mal)

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Depression bei 15jährigem Mädchen
« am: 23.02.11, 17:52 »
Habe heute (glaubhaft) erzählt bekommen, dass ein 15jähriges Mädchen
(welches ich vom Sehen kenne und mir nie eingefallen wäre, dass das Mädchen
nicht gesund wäre) eine Depression hat, so dass sie schon
länger nicht zur Schule gehen kann und ein Antidepressivum nimmt.

Ich kenne ja von berufswegen einiges, aber das ist mir doch neu, dass
schon "Kinder" (naja, Jugendliche  ;)) schwere Depressionen haben können. :o

Und noch was, was mir bei dem "Fall" neu ist: Das Mädchen hatte wochenlang
immer wieder hohes Fieber, ohne nachweisbare Ursache.

Habt ihr sowas schon mal gehört?

Nachdenkliche Grüße von Elisabeth
Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne... (H.Hesse)

Offline martina

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #1 am: 23.02.11, 18:23 »
Hallo Elisabeth,

mich wundert das nicht, ich finde es eher schade.

Aber die Kinder und Teenies haben heute einen so vollen Terminkalender und stehen schulisch so unter Druck, dass es bei sensiblen Kindern schon dazu kommen kann, dass sie damit nicht fertig werden.

Wir haben hier im Ort auch so ein junges Mädchen, dem man das nachsagt.
Lasst uns miteinander reden - wir freuen uns auf Beiträge.
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manurtb

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #2 am: 23.02.11, 18:32 »
Elisabeth, hast Du Zugang zu den Leuten?

Die sollen mal nach Borrelien nachschauen lassen und die Autoimmun-AK checken.
Schilddrüse wäre da auch ganz wichtig und Untersuchen, ob es Pfeiffersches Drüsenfieber sein könnte.

Depressionen haben sehr oft eine andere Ursache, als nur Druck. Die haben sehr oft was mit Krankheiten zu tun, die den Hormonhaushalt durcheinander bringen.
Und gerade, wenn man 'auf dem platten Land' ist, dann werden von den Allgemeinärzten solche Sachen abgetan.
Ich kenn da jetzt mehrere Fälle, bei denen solche Krankheiten zu massiven Depressionen geführt haben. Wenn die Leute die Krankheiten in den Griff bekommen, bekommen sie meist auch die negativen Gefühle, die in die Depression führen, wieder in den Griff.

Einen Versuch wäre es wert...

Offline Sasa

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #3 am: 23.02.11, 19:42 »
Richtig. Endokrinologe wäre wichtig, auch die Ursache der Fieberschübe müßte festgestellt werden- man kann sich zwar so freuen oder auch aufregen, daß man Fieber bekommt ( ich zumindest  ;D als Kind bekam ich grundsätzlich an Heiligabend Fieber, glühte aber nur, war aber sonst nicht krank. Und an meinen Hochzeitstag wars wieder so ;D Allerdings bekomme ich auch bei sehr großen Aufregungen Fieber...).

Wichtig wäre einfach abzuklären, ob hinter den Depressionen keine körperliche Ursache steckt, die behandelt werden könnte. Dann wären die Antidepressiva überflüssig....

Online SteinbockTopic starter

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #4 am: 23.02.11, 19:55 »
Hm, danke schon mal für die bedachten Antworten.

Das mit dem Druck in der Schule glaube ich in dem Fall eher weniger.
Eher schon mit enttäuschter (erster) Liebe, Scheidung der Eltern usw.
Ich möchte diese Probleme nicht bagatellisieren, aber da gäbe es doch dann viel
mehr depressive Teenager, nicht wahr?

Was mir eben so gar nicht in den Kopf will. Das Mädchen hatte immer
wieder Fieberschübe. Wurde auch auf Pfeiffersches Drüsenfieber getestet....

Und jetzt hat die Mutter einen Arzt gefunden, der ihr glaubhaft erzählt,
das Fieber sei eben in diesem Fall ein körperliches Zeichen für die Depression.
Daneben leidet das Mädchen unter schlechtem Schlaf, Albträumen, usw.
(was natürlich schon zu Depression passt, aber auch bei vielen anderen
Krankheiten sein kann).

Nachdenkliche Grüße
Elisabeth
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manurtb

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #5 am: 23.02.11, 20:07 »
Das pfeiffersche Drüsenfieber ruhig dann nochmal mit checken lassen. Die Werte da sind nicht immer gleich feststellbar.
Vielleicht mal in eine größere Uniklinik überweisen lassen und alles durchchecken.

Hm, wenn die Ärzte nichts finden, dann ist es immer psychisch. Bis dann die körperlichen Ursachen gefunden werden...  ;) Ist irgendwie traurig, aber die Erwartungshaltung an Ärzte ist halt auch groß, dass die wissen müssen, was sowas ist...

Offline Sasa

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #6 am: 23.02.11, 21:22 »
Naja. Es gibt ja auch eine Menge depressiver Teenager, von den meisten weiß man es nur nicht. Ich weiß nur, daß die Kinder-und Jugendpsychologen - bzw. die Fachärzte für Kinder- Jugendpsychiatrie- hoffnungslos überlaufen sind, Wartezeiten auf einen Termin bis zu einem halben Jahr sind keine Seltenheit, und auch die  psychiatrischen Kliniken für Kinder und Jugendliche sind voll.

Oft merkt man es, auch als nahestehendes Familienmitglied, nicht. Unsere Tochter, z.B. war eigentlich immer sehr unauffällig, bis sie ja Anfang letzten Jahres völlig "verrückt spielte". Mittlerweile hat sie sich etwas gefangen, wir haben uns wieder angenähert. Damit hätte ich, nach allem was vorgefallen war, nicht mehr gerechnet. Aber sie wird jetzt seit 3 Monaten stationär behandelt; sie hat sich selbst in Behandlung begeben. Ihre Depressionen werden hervorgerufen von der Störung der Schilddrüse- wir sind mit ihr oft beim Arzt gewesen, weil sie eben als KInd sehr schnell sehr viel zunahm. Aber die "Wald- und Wiesen"-Internisten haben nichts Gravierendes gefunden; sonst wäre ihr  und uns vieles erspart geblieben....

Offline Melitta

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #7 am: 24.02.11, 09:33 »
Hallo,
auch wenn man natürlich abklären sollte, ob es keine physischen Gründe gibt, für eine Depression, ist schon zu beobachten, dass auch immer mehr Jugendliche und Kinder davon betroffen sind. Da kann man sich natürlich fragen, ist das neu oder wurde das früher gar nicht erkannt? Die Kinder waren dann halt mit Attributen wie introvertiert, schüchtern, verschlossen, unlustig etc. betitelt. Es gab ja auch schon früher Kinder, die den Klassenclown machten, immer Blödsinn im Kopf hatten, unkonzentriert waren und trotzdem kein ADHS hatten. Weil das auch nicht diagnostiziert wurde.
Die Essstörungen, die junge Mädchen heute haben, die sind ja auch den psychischen Erkrankungen zuzuordnen und die nehmen auch weiter zu. Enkopresis, Angststörungen, Zwangsstörungen, Suchterkrankungen... die Liste ist lang.
Da muss sich so eine Gesellschaft, die das hervorbringt schon mal fragen, woher und wie das kommt?
Die Ursachen sind da nicht nur körperlicher Natur.

Viele Grüße
Melitta

Offline Bullenmafia

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #8 am: 24.02.11, 13:14 »
Tja schau dir die Gesellschaft an, mich wunderts net. wieviele Kinder/Jugendliche sind heute schon alleine gelassen, weil Eltern nicht mehr Zeit haben etc. sitzen vorm Computer, Fernseher etc. Ich dachte mir heute früh erst wieder als ich die Zeitung aufschlug, was das noch werden soll. Eine Mutter die ihr vierjähriges schwer behindertes Kind schwer misshandelt bekommt Bewährung und bei uns in der Nähe bringt ein 18jähriger seine hochschwangere Freundin um weil er keinen Unterhalt zahlen möchte?????
Depressionen bei Kindern/Jugendlichen ist etwas was mich nicht verwundert und keine Neuerscheinung der Gesellschaft ist, das hat es schon Jahre zuvor gegeben.
Die Lösung für das Problem??? die weiß ich leider auch net.
LG Petra
Ganz liebe Grüße
Petra

Offline SiegiKam

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #9 am: 24.02.11, 13:34 »
Nein, ich glaube nicht, dass es zur Zeit besonders schlimm ist für Jugendliche, es gab zu allen Zeiten Grausamkeiten und alleine gelassen wurden Jugendliche auch früher oft, vor allem gab es ja die Zeiten in denen über viele Themen wie Sexualität nicht gesprochen wurde. Das ist heute schon fast ins Gegenteil umgeschlagen. Ich glaube auch nicht, dass Depressionen von einem vollen Terminkalender kommen.
Ich glaube eher, dass diese ganze Umstellung in der Pubertät, dieses Hinundhergerissensein - nicht mehr zu den Kindern gehören wollen aber zu den Erwachsenen auch nicht  - viel Verunsicherung für Jugendliche ausmacht. Auch sind Menschen in der Pubertät noch viel sensibler als in allen anderen Lebensaltern, dazu kommt die Phase des aus der Schulekommens, der Neubeginn mit allen Unwägbarkeiten, vielleicht auch Angst davor Abschlussprüfungen nicht zu bestehen, oder vor all dem Neuen in Beruf oder Studium. Dann gehen die einen Freunde schon fort oder haben bereits Partner, man selbst aber noch nicht, all das ist viel Veränderung im Leben und kann einen sensiblen Menschen evtl. vor Angst versteinern lassen, sich die Bettdecke über den Kopf ziehen und nichts mehr sehen und hören wollen, sich einfach der Umwelt verweigern. Und gerade, weil pubertierende Kinder sich von ihren Eltern abnabeln wollen, verschließen sie sich und erklären ihre Ängste nicht. Das führt zu Vorwürfen und Strafen, was die Situation auch nicht vereinfacht.


LG Siegi
Leben und leben lassen

manurtb

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #10 am: 24.02.11, 13:54 »
Da muss sich so eine Gesellschaft, die das hervorbringt schon mal fragen, woher und wie das kommt?
Die Ursachen sind da nicht nur körperlicher Natur.
Melitta, ich könnte mir vorstellen, dass auch das eine durch das andere beeinflusst wird.
Schau mal, früher hat es auch viel weniger Schilddrüsenkranke und Autoimmunerkrankte gegeben. Und dann hat man angefangen, alles mögliche, angeblich 'gesunde' den Leuten unterzujubeln. Jod ist ein Nervengift, genauso wie Selen. Aber noch mehr, bringt auch noch mehr Gesundheit. Seltsam, dass wir kränker werden, da müssen wir sicher noch mehr davon den Leuten geben...
Oder auch so Sachen, wie Untersuchungsmethoden. Dopplerultraschall bei Schwangerschaften. Der gleiche Ultraschall im Meer angewendet, sorgt dafür, dass sich Delphine umbringen, weil sie sich nicht mehr orientieren können.
Weiss denn einer, was das bei Föten ausrichtet, die sich dem überhaupt nicht entziehen können und auch in einer 'Wasserumgebung' leben, wie z.B. die Delphine?!?

Und früher gabs auch schon heftigen Druck, dem sich die Leute schwerer, als heute entziehen konnten. Vielleicht nicht, dass man schlank sein muss, aber wie hoch war denn der moralische Druck, dass man anständig zu sein hatte? Zack hat man seinen Ruf verloren und dann?
Oder auch der Kampf ums tägliche Überleben. Da war doch ein ganz anderer Druck dabei, als heute. Und heute soll das plötzlich so schlimm sein?
Ich glaub eher, dass das übliche 'Problem' alternder Menschen dazu kommt: Früher war alles besser.
Geht mir auch manchmal so, dass ich mir denke, also die Musik in den 80gern war doch viel besser oder sowas...

Offline Melitta

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #11 am: 24.02.11, 14:02 »
Hallo,

bei deinem Posting Siegi ging mir spontan durch den Kopf, dass ich mal irgendwo gelesen habe, dass die "Pubertät", zumindest wie wir das definieren (die psychologischen Erkenntnisse) eine Erfindung der westlichen Welt ist und bei z.B. in Südamerika oder Afrika so gar keine Rolle spielt.

@Manu das kann ich mir auch gut vorstellen, ich beschäftige mich momentan, unter anderem durch die ganzen Diskussionen hier über Lebensmittel, extrem mir Essen und Umwelt, mir wird immer schon beim informieren ganz anders. Ich habe manchmal gedacht, wir vergiften uns systematisch selbst.

Viele Grüße
Melitta

manurtb

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #12 am: 24.02.11, 14:06 »
bei deinem Posting Siegi ging mir spontan durch den Kopf, dass ich mal irgendwo gelesen habe, dass die "Pubertät", zumindest wie wir das definieren (die psychologischen Erkenntnisse) eine Erfindung der westlichen Welt ist und bei z.B. in Südamerika oder Afrika so gar keine Rolle spielt.
Ist wie mit den Wechseljahren...  ;D

Was ich mir da immer überlege, wie in anderen Ländern prinzipiell gesehen wird, wie man zusammenlebt. Wieviel Druck ist da dabei? Wo kommen Kinder besser durch die Pubertät? Wo man sie auch mal spinnen lässt und nicht glaubt, dass das Abendland zerfällt, nur weil einen ein Pubertierender Jugendlicher die Zunge rausstreckt oder dort, wo es heisst: Solange Du die Füsse unter meinen Tisch stellst... solange... ???
Ich glaube, mehr Gelassenheit täte den Erwachsenen echt gut.

Offline SiegiKam

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #13 am: 24.02.11, 14:17 »
@manu: Ja, möglich, dass andere Nationen lockerer mit dem Wesen von Jugendlichen umgehen. Aber wenn du so ein Kind zuhause hast, kurz vor dem Abi und es mag einfach nicht mehr zur Schule gehen, ohne Erklärung, schwänzt einen Tag um den anderen, sitzt vor dem PC, stellt sich der Welt in keiner Weise, da wird dir als Eltern schon ein wenig Angst um die Zukunft des Kindes, locker damit umgehen ist leicht gesagt.

@melitta: Erfindung? Die Umstellung des Körpers, der Hormone soll keinen Einfluss auf die Psyche haben? Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass ich mir mit 14 als der einsamste Mensch auf der Welt vorkam, obwohl ich liebevolle Eltern hatte. Sie hatten keine Ahnung wie schlecht es mir ging. Wenn ich mal einen Weinanfall in ihrer Gegenwart bekam, dann hieß es nur "ach geh, hast heut einen moralischen?", eine Umarmung und das wars. Ich kam selbst aus diesem Loch heraus, aber das klappt halt nicht bei jedem, wenn dann die äußeren Umstände noch ein wenig schlechter sind, dann manifestiert sich das evtl. in einer Depression.

LG Siegi
Leben und leben lassen

Offline LunaR

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Re: Depression bei 15jährigem Mädchen
« Antwort #14 am: 24.02.11, 14:59 »

Die Ursachen sind da nicht nur körperlicher Natur.



Da hast du recht. Nur sollten die körperlichen Möglichkeiten erst einmal ausgeschlossen werden, bzw. behandelt werden, falls es so ist. Und ja, es gibt die schweren Depressionen auch schon bei Jugendlichen und sogar Kindern  :'(

Luna
« Letzte Änderung: 24.02.11, 18:55 von LunaR »
Es ist sehr beglückend, sich mit kompetenten Menschen auszutauschen.

Ein lieber Gruß Luna


Verschwendete Zeit ist Dasein.
Gebrauchte Zeit ist Leben.