Autor Thema: Boden und Biogas  (Gelesen 28965 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Mirjam

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 5342
  • Geschlecht: Weiblich
  • Change happens!
Re: Boden und Biogas
« Antwort #15 am: 06.07.10, 07:44 »
Hallo Beate

und hier vergären einige Biogasler auch gern dasFett (Flotate, Schlachtabfälle) aus derm Schlachthof, ich seh darin nichts schlimmes, sonder das sie aus einem Produkt das aus unserer tierischen Veredelung stammt - wieder in den Energiekreislauf und nicht in die Entsortung bringen: Interessant - die Biogasabwärme dazu nutzen, das Produkt VOR der Biogasvergärung zu hygenisieren - man kann damit natürlich auch die "falschen" Mikros reinholen.

Gruß Mirjam
« Letzte Änderung: 06.07.10, 07:54 von Mirjam »
Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

Offline amazone

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 1297
  • Geschlecht: Weiblich
  • Leben und leben lassen.
Re: Boden und Biogas
« Antwort #16 am: 06.07.10, 10:01 »
wegen nawaro-biogasanlagen leiden die menschen hunger ???

selten so einen quatsch gehört  :-X
Beste Grüße von
Amazone

Offline amazone

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 1297
  • Geschlecht: Weiblich
  • Leben und leben lassen.
Re: Boden und Biogas
« Antwort #17 am: 06.07.10, 13:01 »
na zum "kundig-machen" reicht wohl so eine seite bei weitem nicht.

die fläche, die aus der produktion für lebensmittel genommen wurde, reicht bei weitem nicht aus
die preise auf ein angemessenes niveau zu heben, damit ALLE kostendeckend und gewinnbringend wirtschaften können.
aber der umkehrschluss wird gezogen, dass der mais der zur fütterung von bga´s genommen wird,
die menschen hungern lässt?
wenn irgendwo eine knappheit deswegen herschen WÜRDE, dann wäre der weizenpreis nicht dort wo er jetzt ist.
auch global.
es ist wohl doch eher so, dass einige verabscheuungswürdige entscheidungsträger gar nicht wollen, dass die welt satt wird!

seltsam ist es doch, dass immer auf den anderen geschimpft wird.
der milchviehhalter auf den schweinebauern, der schweinebauer auf die biogasler und die biogasler auf die milchwirtschaft.
es sollten doch alle landwirte an einem strang ziehen und sich nicht gegenseitig die betriebszweige "madig" machen!
fakt ist, dass alle geld verdienen müssen.
Beste Grüße von
Amazone

Offline Mirjam

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 5342
  • Geschlecht: Weiblich
  • Change happens!
Re: Boden und Biogas
« Antwort #18 am: 06.07.10, 13:19 »
wenn irgendwo eine knappheit deswegen herschen WÜRDE, dann wäre der weizenpreis nicht dort wo er jetzt ist.

Hallo Amazone

ob Menschen hungern oder nicht hängt nicht allein davon ab, ob ein Weizenpreis momentan günstig oder teuer ist sondern davon wie hoch die "Kaufkraft" der hungernden Bevölkerung, liegt sie unter dem Verwertungspreis selbst bei "günstigen" Weizenpreisen - wird dorthin das Produkt "abwandern".

Siehe die hohen Exportzölle des südamerikanischen Sojas oder ein Blick das Zuckerrohr-Bioethanol dort betrifft....

Gruß Mirjam
Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

Offline Jochen

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 913
Re: Boden und Biogas
« Antwort #19 am: 06.07.10, 14:03 »
swissbäuerin....

über das Stadium, in dem ich mir ein schöechtes Gewissen einreden lasse, bin ich mittlerweile weg...


Aus dem Misereor - Welternährungsbericht 2005:

Zitat
Lokale Märkte in Entwicklungsländern dürfen nicht mit unfairen Billigexporten der EU und USA überflutet werden", fordert Armin Paasch. "Bessere Schutzmöglichkeiten für Kleinbauern in Entwicklungsländern und die sofortige Abschaffung von Agrarexportsubventionen und anderen Formen des Dumping muss absolute Priorität haben

Aus dem Misereor Welternährungsbericht 2007:

Zitat
In Mexiko kam es bereits Ende 2006 zu einer extremen Knappheit und Preissteigerungen beim Grundnahrungsmittel Mais, weil die USA ihren Mais zunehmend zu Treibstoff umwandeln und ihre Exporte nach Mexiko drosseln. 


Siehst.. wie man es macht ist es falsch......

Und was steckt dahinter?

http://www.misereor.de/spenden.html

Der allererste (weil WICHTIGSTE!!) Menüpunkt auf der Seite..
spätestens wenn ich mich bis HIER:
http://www.misereor.de/spenden/testament-erbschaft.html
durchgeklickt habe, bekomme ich einen Brechreiz...

und das nicht nur bei Misereor......

Offline Jochen

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 913
Re: Boden und Biogas
« Antwort #20 am: 06.07.10, 19:47 »
Hi swissbäuerin...

sorry.. das kam falsch rüber. Ich wollte nicht DIR unterstellen, mir ein schlechtes Gewissen einreden zu wollen...

ich meinte die ganzen Institutionen, welche unter anderem die hiesige Landwirtschaft für alles Elend auf dieser Welt verantwortlich machen...

Offline BullenmafiaTopic starter

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 2119
  • Geschlecht: Weiblich
  • Ich bin wie ich bin und ändere mich nicht
Re: Boden und Biogas
« Antwort #21 am: 07.08.11, 13:04 »
Hallo die Tage war ein Nachbar von einer große BGA  da und meinte, ob wir nicht Grund tauschen wollen, den der Grund von dem BGAler sie "kaputt", es wachse nichts mehr egal was er düngt, der Mais sehe sehr schlecht aus etc.

Ich hatte das zuerst für einen Scherz gehalten wurde aber unabhängig von anderen bestätigt. er muss 40 cm tief ackern und trotzdem ist er tot.

Ganz ehrlich ich war entsetzt, vorallem ist die BGA noch nicht so alt und es geht auch nciht um Neid etc.

Anderes Beispiel.
eine BGA in Roseheimer Raum soll eine große Anlage gebaut haben ohne Grund und kauft jetzt bei uns (70 km entfernt) Ware ein. Nur unsere Bauern haben sich gesträubt und abgelehnt.sollte zuerst vom Feld ca. 20 km gekarrt werden zum umladen auf Sattelschlecpper und dann 70 km nach Rosenheim.

Aber Hauptsach der Rubel rollt und das bei Maispreisen von gemunkelten 2400 aufwärts heuer. was haltet ihr davon???

LG Petra
Ganz liebe Grüße
Petra

Offline frankenpower41

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 7447
  • Geschlecht: Weiblich
  • Ich liebe dieses Forum!
Re: Boden und Biogas
« Antwort #22 am: 08.08.11, 10:30 »
Hallo

Mir hat kürzlich jemand erzählt, dass die Stadt Fürth (ist unser Nachbarlandkreis) plant die wohl größte Biogaslage Bayerns zu bauen.
Angeblich soll Mais aus Tschechien angefahren werden.(Substrat muss ja dann auch dorthin zurück).
Das sind schätzungsweise mindestens 130 Kilometer.  Ist ja gut, wenn man Strom aus nachwachsenden Rohstoffen erzeugen kann, aber an die Öko-Bilanz sollte man schon auch denken. Wenn ich nur dran denk, was da für Diesel verfahren wird.  Es ist ja jetzt schon so, dass "normale" Bauern mit den Pachtpreisen die die zahlen schon lange nicht mehr mithalten können.

Marianne

Offline BullenmafiaTopic starter

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 2119
  • Geschlecht: Weiblich
  • Ich bin wie ich bin und ändere mich nicht
Re: Boden und Biogas
« Antwort #23 am: 08.08.11, 14:11 »
ich bin auch für natürliche Energie aber alles in Maßen. Aber Biogas hat nix mehr mit natürlich zu tun, das ist reine Geldmacherei ohne Rücksicht auf die Umwelt (nicht bei allen aber bei den meisten).

Und solche weiten Fahrten gehören verboten. Bei uns wollten sie schon mal alles auf 20 km beschränken, aber dazu sitzen zuviele Biogasler im Stadtrat, das sowas durchgeht.

LG Petra
Ganz liebe Grüße
Petra

Offline Melitta

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 355
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Boden und Biogas
« Antwort #24 am: 08.08.11, 14:45 »
Hallo,
das bei der ganzen Geschichte nur die Fahrer verdienen, habe ich schon mal vor ca. 7 Jahren hier irgendwo geschrieben. Es ist sogar egal, wenn sie nur mit der halben Ladung ankommen, gefahren sind sie und fertig, alles schon erlebt.
Viele Grüße
Melitta

Offline Ossi22

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 750
  • Geschlecht: Männlich
Re: Boden und Biogas
« Antwort #25 am: 22.01.13, 12:51 »
Ich möchte diese Box wieder anstoßen mit einer für mich aktuellen Frage :

ich habe das "Angebot" einer Biogasanlagengemeinschaft , ihnen den Festmist aus meinem Betrieb zu liefern .
Es ist eine nicht unerhebliche Menge , da ich meinen planbefestigten Laufstall für 60 Kühe einstreue und den Mist 2 mal täglich abschiebe .
Für die Biogasanlage ist es eine stetig gleichbleibende Anlieferung .
Bisher habe ich den Mist mit einem sehr guten , breit streuenden Miststreuer hauptsächlich auf mein Grünland ausgebracht , das praktizierte ich jetzt die vergangenen 5 Jahre und war eigentlich gut zufrieden - im Gegensatz zu vorher , wo der Mist mehr "verklappt" wurde . Das Grünland nimmt die Nährstoffe gut auf , Erträge stiegen .

Nun denke ich über das "Angebot" nach ( aus arbeitswirtschaftlichen Gründen ) und habe diese Box gefunden und gelesen , das Resümee ist doch wohl mehr aufgrund der Fakten von Jochens Links , das die Nährstoffe erhalten bleiben , der Stickstoff schneller verfügbar und der Humus nicht benachteiligt wird ! Oder ?

Hat jemand solche Vereinbarungen , wie ist es vertraglich geregelt ?
Gibt es neue Erkenntnisse ?
Worauf sollte man achten ?

Viele Grüße Henrik

Offline Enna

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 191
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Boden und Biogas
« Antwort #26 am: 22.01.13, 17:05 »
Vielleicht hilft dir die Broschüre der Uni Hohenheim etwas:

Einfach "Ausbringung von Gärrest auf Böden und dessen Auswirkungen" goo..en und der erste Link der sich findet ist eine Broschüre über die Düngung mit Gärresten, dort gibt es auch einen Absatz über die Düngung von Grünland.

Zumindest über den Stickstoffverlust bei der Ausbringung und Einarbeit ist auf jedenfall etwas drin.

Wenn du neue Erkenntnisse suchst, würde ich auch mal nach Bachelor- oder Masterarbeiten, bzw. Broschüren der Unis und FHs schauen, da finden sich immer Arbeiten die das neuste praktische Wissen zusammentragen.

Offline Kleopatra

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 839
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Boden und Biogas
« Antwort #27 am: 23.01.13, 14:17 »
Hallo Ossi,

Grundsätzlich kannst du auf Grünland problemlos Gärgülle mit dem Schleppschlauch ausbringen, da du im Futterbau kaum ein Problem wegen Humusmangel haben wirst, der Vorteil ist eine schnelle Nähstoffverfügbarkeit und du musst auch nicht so lange warten wie beim Mist, bis du das Land wieder nutzen kannst.

Fakten die ich noch im Kopf habe:
Mist ist Humusmehrend, Gülle nicht,
Mist wird langsam ab- und umgebaut, Gülle schnell,
Mist hat weniger Gehalt, Gülle, vor allem Gärgülle viel, den genauen Gehalt deines Mistes musst du durch ein Labor analysieren lassen, den Gehalt des Gärsubstrates erhälst du bestimmt von deinem Partner.

wen ich eine Frage solcher Art habe, wende ich mich jeweils an meine ehemaligen Lehrer in der Landwirtschaftschule. Die haben auch Beraterfunktion und wissen bestens Bescheid.

Beim Ackerbau ist ein bisschen Mist ja immer gut, wen du deine Frage auf Ackerbau bezogen hättest, würde meine Antwort etwas anders aussehen, weil:

Die meisten Ackerkulturen Humuszerrend sind und dort ab und zu etwas Mist als Humusmehrer sehr willkommen wäre. Aber eben im Futterbau, da kannst du nach meinem Wissen, vorbehältlich Gehaltsanalysen, nur profitieren.

Clara

  • Gast
Re: Boden und Biogas
« Antwort #28 am: 15.02.13, 16:49 »
Hallo Ossi,

Mist hat weniger Gehalt, Gülle, vor allem Gärgülle viel, den genauen Gehalt deines Mistes musst du durch ein Labor analysieren lassen, den Gehalt des Gärsubstrates erhälst du bestimmt von deinem Partner.



Hallo Swissbäuerin,

ich danke dir für deine Ausführungen.

Allerdings ist mir nicht ganz klar, woran Gärgülle reicher ist als normale Gülle? Nach meinem Wissen wird der Gülle ja C-entzogen durch das Biogas.

Nun paar kleine Anmerkungen meinerseits...

Stalldung ist nährstoffreicher als Gülle, ganz einfach weil der Trockensubstanzgehalt höher ist als bei Gülle. Der vollständige Abbau von Stalldung dauert ca. 3 Jahre im Boden, somit werden die Nährstoffe langsamer und über einen längeren Zeitraum abgebaut.
Organische Düngung in Form von Stalldung ist günstiger als reine Güllegaben/Handelsdüngergaben für das Bodenleben.


Zum Thema Nährstoffegahlte von wirtschaftseigenen Düngemitteln wie Stalldung... Da gibt es Tabellenwerte als grobe Richtschnur von der VDLUFA bspw. oder den LWA/LWK...

http://www.landwirtschaftskammer.de/landwirtschaft/ackerbau/duengung/basisinfos/wirtschaftsduenger-pdf.pdf
http://www.sachsen-anhalt.de/fileadmin/Elementbibliothek/Bibliothek_Politik_und_Verwaltung/Bibliothek_LLFG/dokumente/Acker_und_Pflanzenbau/Pflanzenern_und_Duengung/widue_Gesamt.pdf

@ Ossi, du solltest dich für eine Entlohnung deines Stalldungs erkundigen, denn du bietest was, was andere wollen. ;-) Nährstoffe kosten Geld... ;-)) Wir werden sie auf kurz oder lang sicher  an einer Nährstoffbörse für Wirtschaftsdünger handeln.

Eine sehr schöne Internetpräsens zum Thema Boden hat bspw. die FH Soest im Netz: http://www4.fh-swf.de/de/home/ueber_uns/standorte/so/fb_aw/doz_aw/profs_aw/weyer/index.php


Frohes Schaffen,

Anja

Offline Kleopatra

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 839
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Boden und Biogas
« Antwort #29 am: 15.02.13, 17:05 »

Hallo Swissbäuerin,

ich danke dir für deine Ausführungen.

Allerdings ist mir nicht ganz klar, woran Gärgülle reicher ist als normale Gülle? Nach meinem Wissen wird der Gülle ja C-entzogen durch das Biogas.

Anja

Der Gehalt wird durch die Substrate die im Fermenter vergoren werden, beeinflusst. Also wen du nur Stallsubstrate hast, dann stimmt dein Einwand. Aber alle Anlagen die ich kenne geben noch andere Substrate hinzu. Also NAVAROs (Mais z.B.) org. Abfälle aus der industriellen Produktion (Kartoffelschalen, Fruchtdrester, Kräuter, Fritierfette, Schlachtabfälle ect. ect) Abfälle (Speiseresten aus der Gastronomie) Rasenschnitt, um nur einige zu nennen. Diese Stoffe in Kombination mit deinen Hofsubstraten  bestimmen letztendlich den Gehalt deiner Gülle. Da kommt es dann auf die wenigen C Atome auch nicht mehr an, den diese Co Substrate sind um einiges reicher als die Hofsubstrate.