Autor Thema: Sind Lebensmittel in Deutschland wirklich zu teuer, wie oft gesagt wird?  (Gelesen 17157 mal)

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Offline Solli

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Aber die Gesetze werden doch heutzutage immer im Sinne der Großen beschlossen, warum haben wir so viele Lobbyisten? Und warum haben die Großen die Möglichkeit, Landwirte und Verbraucher so auszunehmen?
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Offline gammi

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Im Kühlregal gab es 500g RG für knapp 6 Euro, Haltungsform 1. Ich soll also teuer Fleisch aus der schlechtesten Haltung kaufen? (Ja, für mich sind 6 Euro viel Geld, denn ich verdiene keine 1000 Euro im Monat) Und wirtschaften kann ich übrigens sehr gut, sonst wäre ich in Schulden schon versunken.
Wieviel von diesen 6 Euro pro 0,5 kg kommt wohl beim Bauern an?
Garnix! Denn dieses Fleisch stammt garantiert aus einer industriellen Massentierhaltung, die mit bäuerlicher Landwirtschaft überhaupt nichts mehr gemeinsam hat, außer die Agrarsubventionen.


Nein, das stimmt so nicht.
Das ist es was mich am meisten stört: Das immer behaptet wird, dass "billige" Lebensmittel nicht gut sind. Keiner soll ein schlechtes Gewissen haben, dass er im Discounter kauft!

Schlechte Haltung hat nichts mit der Betriebsgröße zu tun. Und es gibt keine industrielle Massentierhaltung, die extra für den Discounter produziert.
Unserer gesetzlichen Standards sind so hoch, dass auch Stufe 1 als gute Qualität angeboten werden kann.
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Offline Tina

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Wir erzeugen Hähnchenfleisch. Und wir achten sehr darauf, das es unseren Tieren gut geht. Denn nur dann können wir damit Geld verdienen. Wir halten unsere Tiere nach dem Tierwohlstandard. Dafür gibt es eine Extravergütung.  Die Tiere werden drei Wochen nach dem Schlachten bezahlt, den Tierwohlbonus gibt es nach drei Monaten!

Wir könnten unsere Hähnchen vielleicht auch in kleineren Ställen mit Auslauf halten, in der Regel der kauft  Verbraucher kauft das nicht . Ich bin auch der Meinung, das im Gegensatz zum europäischen Ausland unsere Lebensmittel zum großen Teil zu billig sind. Und ich bin der Meinung, man kann auch mit wenig Geld vollwertige Mahlzeiten kochen. In meiner Jugend hatte meine Familie nie viel Geld, ich musste viele Kleidung nachtragen. Aber es wurde immer bei uns immer Wert auf gutes Essen gelegt. Das heißt für mich, das ich im Winter keine Erdbeeren oder einen grünen Salat brauche. Dann kaufe ich Chinakohl, gibt mit Möhren einen leckeren Salat. Ich finde es wichtig, dann saisonal einzukaufen. Jetzt im Winter kann man bei milder Witterung auch Obst und Gemüse auf dem Balkon oder in einer Garage lagern.

Ich sehe ein großes Problem darin, das Haushaltskompetenzen nicht mehr vermittelt werden. Ich denke es ist wichtig, das den Kindern in der Schule schon den Umgang mit Geld, kleine Gerichte kochen und andere Haushaltstätigkeiten vermittelt bekommen. Es gibt doch viele Elternhäuser , die schon in der zweiten oder dritten Generation diese Fähigkeiten gar nicht vermitteln können, weil sie es selber nicht gelernt haben. Dazu gehört für mich auch Umgangsformen, d.h. Höflichkeit und Rücksichtsnahme.

aber ich glaube, ich bin jetzt vom Thema abgekommen.

PS kann mir jemand bitte den Begriff "Massentierhaltung" erklären ???
LG
Tina

Offline Solli

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PS kann mir jemand bitte den Begriff "Massentierhaltung" erklären ???
Hast du noch nie was von den berüchtigten Schweinehochhäusern gehört? Schweinemast auf sechs Etagen in engen Kastenständen, wo die Tiere sich nur nach oben und unten bewegen können? Sowas gehört in Deutschland mit zur Stallhaltung und öffentlich genehmigt durch unserer derzeitige LW-Ministerin.
Einfach mal googlen....

Ja, man kann auch mit wenig Geld vollwertig kochen. Warum viele das nicht tun, hab ich oben erklärt. Und nicht jeder hat einen Balkon oder eine Garage ... ich zB. nicht. Ich hab nicht mal eine Abstellkammer.
Warum Verbraucher Hähnchen, die mit Auslauf gehalten werden, nicht kaufen wollen, erschließt sich mir nicht. Eigentlich erlebe ich es genau andersherum. Viele Leute würden gern bewusster einkaufen, wenn sie denn die Möglichkeit hätten.
Was das Saisonale angeht, geb ich dir vollkommen recht. Wozu braucht es Erdbeeren im Winter, die schmecken eh nicht. In dieser Hinsicht leben wir viel zu luxusorientiert.
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Offline frankenpower41Topic starter

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also ich hab jetzt gegoogelt,  das ist ein Überbleibsel aus DDR-Zeit und wie ich es verstehe in Deutschland einmalig.
@Solli,  ich kenne auch Schweinezüchter/Mäster und war auch schon mal in Maststall. Also ehrlich, dort wo ich war, da ging es den Tieren gut und sie hatten auch Platz.
Wenn ich dran denke wie die Tiere Anfang der 1950er Jahre und auch später gehalten wurden, ich erinnere mich da noch an Ställe bei Verwandten (keine Massentierhaltung, eher Selbstversorgung)
da sah das aber ganz anders aus. Die hielten fast bis 1990 Schweine.

Der Begriff Massentierhaltung wurde irgendwann mal erfunden und negativ besetzt.  Ein Stall mit vielen Tieren bedeutet nicht automatisch was schlechtes, genau wie umgekehrt wenige Tiere nicht zwangsläufig besser gehalten sind.
Aber wenn man das voreingenommenen Menschen erklären will dann stößt man meist auf taube Ohren.

Ich bleibe dabei, in Deutschland sind Lebensmittel, auch wenn sie billig sind, nicht zwangsläufig von schlechter Qualität.  Die Masse der Lebensmittel läuft über die Discounter und nicht mehr über kleine
Metzgereien, mal abgesehen davon dass die auch immer weniger werden, die haben nämlich ähnliche Probleme wie Landwirte .
Unsere Milch wird über Lidl vermarktet, nur weil die billiger im Laden ist als ein Markenprodukt sagt das rein gar nichts über Haltungsform aus und beim Fleisch ist es genauso.
Klar  gefällt vielleicht Schweinen  und Hühnern besser wenn sie auf der Wiese leben dürfen, aber für alle möglich wird das nicht sein, denn dazu würde unsere Fläche in Deutschland gar nicht ausreichen, von dem was diese Produkte dann kosten müssten gar nicht erst  zu reden..

Ich stimme Tina zu, vieles liegt an verlorenen gegangenen Wissen und wie schon geschrieben, es passt einfach nicht zusammen den Erzeugern immer mehr Auflagen aufzudrücken und dann zu glauben
das ginge ohne Mehrerlöse, das macht nämlich auf Dauer keiner lange mit.

Offline Lisa

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@ frankenbauer, das unterschreib ich!!!
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Offline Tina

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Zitat
Schweinemast auf sechs Etagen in engen Kastenständen
In Kastenständen werden Sauen gehalten, ich kenn mich da nicht so ganz genau aus, aber ich meine da dürfen die nur eine Weile bleiben, wenn die dann tragend sind, müssen die in Gruppenhaltung. Aber das wissen die Schweinebäuerinnen besser. Da kann ich schon wieder k..... mit dem Halbwissen. *auchwennichmichjetztindienesselnsetze*

Als wir unsern Hähnchenmaststall fertig gebaut hatten, haben wir zum Tag der offenen Tür eingeladen, war ein öffentlicher Termin. Da haben uns ganz viele Leute angesprochen, wo den nun die Käfige wären? ???
Hallo, das sind Masthähnchen und die laufen frei, und im übrigen, da kommen auch Männlein und Weiblein rein!

@frankenpower: ich bin bei dir!
LG
Tina

Offline maggie

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Hallo, das sind Masthähnchen und die laufen frei, und im übrigen, da kommen auch Männlein und Weiblein rein!

@frankenpower: ich bin bei dir!

seit diesem jahr dürfen in der schweiz 1tagskücken nicht mehr geschreddert werden - d.h. es wurde schon länger nicht mehr gemacht …

und wenn ich von unserer hähnchenmast erzähle sind viele verwundert wenn ich erkläre - das sind Männlein & weiblein - ja aber dann beginnen ja die Weibchen eier  zu legen - wie holen sie denn die raus -
wenn ich dann erkläre dass Legehennen erst mit ca. 20 Wochen eier legen und ich sage wie lange sie leben heisst es - ach die haben nur ein so kurzes leben (35 - 38 tage),
aber viele glauben nicht, dass da nicht aussortiert wird ...
liebi grüess   und
bis bald   -  ihr werdet mich  so schnäll nöd wieder los

margrith  us der schwiiz

Offline martina

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Hast du noch nie was von den berüchtigten Schweinehochhäusern gehört? Schweinemast auf sechs Etagen in engen Kastenständen, wo die Tiere sich nur nach oben und unten bewegen können? Sowas gehört in Deutschland mit zur Stallhaltung und öffentlich genehmigt durch unserer derzeitige LW-Ministerin.
Einfach mal googlen....
 
[/quote]
Das hab ich jetzt mal gemacht und wie ich dem Wikipediabeitrag entnehme, gibt es in Deutschland exakt eines und das ist ein altes DDR-Relikt, wurde 2018 komplett geräumt und ist derzeit NICHT in Betrieb.

Also keineswegs normal und allgemein üblich in der Mast auf deutschem Boden, wie Du in Deinem Beitrag unterstellst.

Wenn man Menschen auf zig Etagen in Mietshäusern übereinander stapeln kann, finde ich es interessant, das auch mit Masttieren zu versuchen, wenn Platz knapp und teuer ist. Und als einen solchen Versuch sehe ich ohne weitere Kenntnisse dieses Hochhaus an.
Noch 12 Tage bis zum Mandarinday 2022

Offline LuckyLucy

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Einen Vorteil sehe ich an diesen Hochhäusern durchaus: Weniger Flächenversiegelung.

Wie die Inneneinrichtung gestaltet würde, bestimmt dann das Tierwohl. Warum nicht mit Balkonen für den Freilauf, sicher nicht zum Suhlen und Wühlen, aber Freilauf, der gleichzeitig vor Kontakt mit Wildschweinen schützt?



LuckyLucy

Offline frankenpower41Topic starter

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PS kann mir jemand bitte den Begriff "Massentierhaltung" erklären ???
Hast du noch nie was von den berüchtigten Schweinehochhäusern gehört? Schweinemast auf sechs Etagen in engen Kastenständen, wo die Tiere sich nur nach oben und unten bewegen können? Sowas gehört in Deutschland mit zur Stallhaltung und öffentlich genehmigt durch unserer derzeitige LW-Ministerin.
Einfach mal googlen....

Ja, man kann auch mit wenig Geld vollwertig kochen. Warum viele das nicht tun, hab ich oben erklärt. Und nicht jeder hat einen Balkon oder eine Garage ... ich zB. nicht. Ich hab nicht mal eine Abstellkammer.
Warum Verbraucher Hähnchen, die mit Auslauf gehalten werden, nicht kaufen wollen, erschließt sich mir nicht. Eigentlich erlebe ich es genau andersherum. Viele Leute würden gern bewusster einkaufen, wenn sie denn die Möglichkeit hätten.


Was das Saisonale angeht, geb ich dir vollkommen recht. Wozu braucht es Erdbeeren im Winter, die schmecken eh nicht. In dieser Hinsicht leben wir viel zu luxusorientiert.

auch wenn ich mich in die Nesseln setze.
und gerade so falsche, und von Wahrheit ihrer Behauptung überzeugte Mitbürger die es leider oft genug gibt, machen uns das Leben schwer.
Aber man will es ja gar nicht wissen, interessiert ja nicht, lieber verbreitet man seine Thesen weiter.

Das fängt bei Pflanzenschutz an, geht bei Tierhaltung weiter und lässt sich fortsetzen.

Offline martina

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Einen Vorteil sehe ich an diesen Hochhäusern durchaus: Weniger Flächenversiegelung.

Wie die Inneneinrichtung gestaltet würde, bestimmt dann das Tierwohl. Warum nicht mit Balkonen für den Freilauf, sicher nicht zum Suhlen und Wühlen, aber Freilauf, der gleichzeitig vor Kontakt mit Wildschweinen schützt?

Ja Lucky, so hab ich auch gedacht.
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Offline Tina

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Bis jetzt hat mir noch keiner den Begriff "Massentierhaltung" erschöpfend erklären können!

Und wie schon  frankenpower geschrieben hat, früher war die Tierhaltung auch nicht so toll.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, das unsere Kühe von Ende November bis in den April angebunden waren und die Luft im Stall war auch manchmal nicht so toll.
Aber da frag ich mich was der Verbraucher will, keine modernen Ställe, Ställe mit viel Auslauf ( im Zeichen von ASP für Schweine ein no go ) und kosten soll es wenig!

Dann haben wir Landwirte noch ein anderes Problem, auf unsere Politiker und unsere Gesetzgebung ist kein Verlass, wir haben nur wenig oder keine Planungssicherheit.

Nachhaltig wirtschaften tun wir schon lange, jedenfalls die Familienbetriebe. Wir möchten unsere Betriebe in einem guten Zustand, was auch die Böden betrifft, an die nächste Generation weitergeben. Unser Betrieb ist sch seit dem 16. Jahrhundert in der Familie.

Ich will hier nicht jammern, wir haben uns unseren Beruf ausgesucht, es hat uns keiner gezwungen, Landwirtschaft zu betreiben.
LG
Tina

Offline suederhof1

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Ich sehe das alles ein bisschen snders.

Wir haben enie Klassengesellschaft.
Die eine hat wenig Geld, dreht jeden Cent dreimal um. Für die sind selbst die einfachsten Lebensmittel teuer.
Die nächsten sind die Mittelschicht. Da geht das Suchen los.
Preiswert ja, aber muss doch geswisse Standarts und Wünsche beinhalten.

Dann die gehoberene Klasse.
Können sich im Prinzip  alles  leisten, haben einen hohen Anspruch an die Lebensmittel und bezahlen sie dann auch.
Beide Letzteren können sich den Luxus leisten über artgerechte Haltung, saisonal oder regionale Herkunft , Bio nachzudenken und auch zu bezahlen.

Die Erstere kann kaum mit den Erhöhungen der LMP mithalten um ihre Familien zu ernähren.
Ich finde ein zweischneidiges Schwert.
Man sollte nicht zu schnell urteilen.
Wir gehen immer von uns aus . Sollten aber auch mal in andere Richtungen schauen .

Offline martina

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Bis jetzt hat mir noch keiner den Begriff "Massentierhaltung" erschöpfend erklären können!
Ich frage gerne mal, ab welcher Tierzahl man denn von einer "Masse an Tieren" reden könne? Dann kommt meistens ein ratloses Kopfschütteln.

Wir hatten ja die berühmten 20 Kühe mit Familienanschluss, die auf Namen reagierten und auch nach ihrem Umzug in den Laufstall des Kollegen nach 6 Wochen sofort den Kopf hoben, wenn sie unsere Stimmen hörten und ans Freßgitter kamen, um gestreichelt zu werden.

Aber unsere 20 Kühe standen ganzjährig in Stallhaltung, weil in der Ortslage hier kein Weidegang möglich ist. Sehr arbeitsintensiv und wirklich nicht befriedigend.

Wir WISSEN, dass es unseren Kühen im neuen Betrieb besser geht, als es ihnen bei uns je hätte gehen können.
Noch 12 Tage bis zum Mandarinday 2022