Autor Thema: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung  (Gelesen 57047 mal)

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Offline heike

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #60 am: 25.04.07, 22:54 »
Hallo Freya
Habe heute ich unseren Tierarzt gefragt,ob jede Kuh staph.aur.in den Mandeln hat,
er hat gesagt, das das nicht stimmt.
  LG Elli

Hallo Elli

Das sagt mein TA auch. Ich habe ihn direkt danach gefragt ob, wenn man Zellzahlmilch mit Staph.aur. an Kälber füttert, diese die dann einlagern und dann später daran erkranken. Er sagt das das nicht so ist. Ich kann mir also aussuchen wem ich glauben will, Freja oder dem TA ::)
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Heike

Offline Freya

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #61 am: 26.04.07, 10:36 »
...wenn ich Zeit dazu habe, werde ich der Sache mal nachgehen. Ich meine mich zu erinnern, das ich das in einer Doktorarbeit gelesen habe. Mein früherer TA hat das auch gesagt.

Aber ich werde der Sache - und Bridda's tollen links - mal nachgehen....
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liebe Grüße
Freya

Melinda

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #62 am: 28.04.07, 11:23 »
Hallo miteinand'
Hallo Freya,
ich hab' mir durchgelesen, wie Du Deinen Bestand sauber von Spaph. aureus bekommen hast,
außerdem verwendest Du Handschuhe.
Toi, toi, toi, Dein Bestand ist jetzt sauber.

Vielleicht habe ich es auch überlesen.
Ich habe noch 2 Fragen:
Mit was machst Du die Zitzen sauber?
Und:
Verwendest Du kein Melkfett?

Offline Freya

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #63 am: 28.04.07, 11:43 »
Hallo Melinda,
zur Zitzenreinigung nehme ich jetzt schon länger ganz viele Euterlappen, einen ganzen Eimer voll, mit warmem Wasser. Den einmal benutzten Lappen werfe ich in einen anderen leeren Eimer. Die gebrauchten Lappen kommen immer in die Waschmaschine, einmal in der Woche oder so bei 95 Grad. Habe auch schon Holzwolle probiert. (das ist aber im Melkstand nix für die Ablaufsiebe) Da sind mir die Euter nicht sauber genug. Ich habe seit Dez. letzten Jahres wieder angefangen zu dippen (sprühen) mit Dippmittel auf Jodbasis. Melkfett habe ich z.Zt. nur eine Kuh, die ich nach dem melken einschmiere, weil die total rauhe und rissige Zitzen hat und es sonst noch schlimmer wird. Dann noch eine, die ständig im Dreck liegt, die schmiere ich mit Melkfett ein, damit ich sie besser wieder sauber kriege.
Handschuhe ziehe ich beim melken konsequent an, weil ich mich sonst vor Schrunden und Rissen an den Fingern nicht retten kann. (Selbstschutz). Im Nebeneffekt ist melken mit Handschuhen natürlich auch hygienischer. Auf die Gummimatten/Liegeplätze streue ich
Urgesteinsmehl und versuche zwischen den Melkzeiten die Liegeflächen trocken zu halten.
Ich reagiere bei leichter Veränderung der Milch beim Vormelken sofort mit Homöopathie und  wenn das nicht greift schicke ich eine Probe ans Labor oder den TGD ( falls ich so lange warten kann) Mit AB behandele ich die Euter nur, wenn ich genau den Erreger kenne.
Das waren bis auf eine Ausnahme die letzten Jahre immer streptokokken. Die Staph. aur. Kuh melke ich schon 2 Wochen nicht mehr. Sie hat sich körperlich etwas erholt und ist jetzt angemeldet ... Sie ist absolut austherapiert und muss uns nun leider verlassen.
Da ich im Anbindestall melke und auch fast immer Stierkälber habe, kann ich "kranke" Kühe zuletzte melken, wenn der Zellgehalt dies zuläßt (Schalmtest) oder ich melke in die Kanne und füttere die Stierkälber mit der Milch.
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Freya

Offline cara

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #64 am: 28.04.07, 18:04 »
manchmal habe ich das Gefühl, dass die Mikrobiologie-Vorlesung bei vielen angehenden Tierärzten nicht so beliebt ist... ::)  8)

natürlich wird nicht jede Kuh Staph. aureus auf der Maulschleimhaut haben, aber die Wahrscheinlichkeit ist schon sehr hoch.
Desweiteren kommt er auch recht häufig auf der Haut vor, sowohl bei Menschen als auch bei Tieren, schon deshalb machen die Handschuhe als Hygieneschutz für die Kuh Sinn.
LiGrüss cara

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Offline Freya

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #65 am: 28.04.07, 23:48 »
caramia :D :D  ...danke für Deine fachliche und wie immer sehr kompetente Auskunft

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Freya

Offline cara

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #66 am: 29.04.07, 08:02 »
Freya, du musst einfach mal viel lauter schreien ;o)
LiGrüss cara

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Offline Mirjam

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #67 am: 30.04.07, 16:31 »
Hallo

@ Cara: Wird hier nicht zwei Dinge miteinander...? Aus dem Schweinebereich wissen wir, dass auf den Mandeln die Streptokokken als "Keimreservoir" sitzen und bei Infektion hier v.a. nachgewiesen werden; auch wenn die Staphs zu ziemlich alle Schleimhäute besiedeln hier der Eintragsweg der Strichkanal bleibt.


 für alle die sich einlesen wollen - ich habe hier noch einen tolle Links gefunden:

http://cms.wgmev.de/modules.php?name=Content&pa=showpage&pid=37

aus dem Link, der recht verständlich geschrieben ist zum Staph. aureus, der zu den "kontaginösen Eutererregern" gehört:

Staphylococcus aureus - Problemkeim Nr. 1

Der Erreger ist aufgrund seiner höheren Widerstandskraft auch ausserhalb der bovinen Milchdrüse lange Zeit überlebensfähig. S. aureus verfügt über verschiedene sog. Pathogenitätsfaktoren (Clumpingfaktor, Koagulase, DNase, Hämolysinbildung etc.), die in ihrer Summe die krankmachende Wirkung eines Stammes bedingen.

Trotz der hohen Überlebensfähigkeit in der Umwelt spielt das infizierte Euterviertel für die Übertragung von S. aureus in Milchviehbetrieben die entscheidende Rolle. Melkzeug, Eutertuch und/oder Hände des Melkers übertragen den Erreger von infizierten auf gesunde Euterviertel. Von der Zitzenkuppe gelangen die Erreger durch den Strichkanal in das Euter. Durch einige der spezifischen Pathogenitätsfaktoren wird die Immunabwehr des Euters zumindest teilweise außer Kraft gesetzt, so dass lange Erregerpersistenz und -ausscheidung die Folgen sind.


und

Umweltassoziierte Mastitiserreger
Erreger von Umweltmastitiden findet man, wie der Name bereits aussagt, im Gegensatz zu den kontagiösen Mastitiserregern überwiegend in der Umgebung der Kühe. Die Keime gehören zur normalen Umweltflora und sind fast in jedem Stall bzw. auf der Haut der Tiere anzutreffen. Als wichtige Vertreter dieser Gruppe sind besonders die Äskulin-positiven Streptokokken (oft Streptococcus uberis, gelegentlich Enterokokken), Koagulase-negative Staphylokokken (verschiedene Staphylokokkenarten, jedoch nicht S. aureus) und sog. coliforme Keime zu erwähnen.


und hier eine ganze Diplomarbeit über die homöopathische Behandlung von Mastitiden:

http://orgprints.org/902/01/helmholz-2002-mastitis-homoeopathie.pdf

Hier wird wiederum (auf S. 32) beschrieben, dass Kokken (im Gegensatz zur einzigsten Ausnahme) den Blutweg nicht nehmen können, sondern nur und ausschließlich über den Strichkanal?

Gruß Mirjam

 






« Letzte Änderung: 30.04.07, 17:04 von Mirjam »
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Offline cara

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #68 am: 30.04.07, 17:24 »
die Doktorarbeit macht einen recht vernünftigen Eindruck...
Mirjam, wen meinst du mit der einzigen Ausnahme? Den E. coli? Der ist aber keine Kokke sondern ein Stäbchenbakterium, dazu noch Gram-negativ, im Gegensatz zu den Strepto- und Staphylokokken, die sind Gram-positiv.

Eintrittsweg ist tatsächlich meist der Strichkanal oder Liäsionen am Euter.. sie gelangen dann über die Lymphgefässe dahin, wo sie hin wollen.. ist in der Doktorarbeit aber auch gut erklärt..

Es ist richtig, dass der St. aureus kein Umwelt-assozierter Keim ist, denn im Staub findet man ihn eher selten, aber er ist Kuh-assoziiert (bzw. Mensch-assoziiert), da er ein Hautkeim ist...

so, genug klugeschissen, ich tauche wieder ab 8)
« Letzte Änderung: 30.04.07, 17:26 von cara »
LiGrüss cara

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Offline Mirjam

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #69 am: 30.04.07, 17:39 »
Hallo Cara,

ja, ausser e.coli sollen hier keine Euterkeime über Blut oder Lymphe und ausser Galt-Strepptokokken (schlimm-genug) sonst keine Mastitiserreger durch die Muttermilch (nachweislich) auf das Kalb übertragbar sein.

Aus beruflichen Gründen lese ich mich gerade ein, aber aureus ist ja anscheinend richtig fies, weil er eben aufgrund seiner Struktur (Euterimmunität aussetzen) auch gesunde Euter/Kühe infizieren kann - und nicht wie die restlichen Umweltkeime von den Stall/Stressfaktoren abhängt?

Gruß in den Abend

Mirjam
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Offline cara

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #70 am: 30.04.07, 18:01 »
bald hast du aber auch alle bekterien durch, was? ;o)

Aber es ist richtig, aufgrund seiner Virulenzfaktoren kann der aureus auch gesunde Tiere schachmatt setzen...

mehr dazu:
http://deposit.ddb.de/cgi-bin/dokserv?idn=979353696&dok_var=d1&dok_ext=pdf&filename=979353696.pdf
vorsicht, lange Ladezeit und gruselige erste Seite!
Punkt 2.2

http://www.diss.fu-berlin.de/2006/266/
Material und Methoden
LiGrüss cara

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Melinda

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #71 am: 06.06.07, 11:33 »
Eintrittsweg ist tatsächlich meist der Strichkanal oder Liäsionen am Euter..[/b] sie gelangen dann über die Lymphgefässe dahin, wo sie hin wollen.. ist in der Doktorarbeit aber auch gut erklärt..


Danke Cara

Mathilde

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #72 am: 06.06.07, 12:46 »
Hallo,

eines ist mir aber beim überfliegen der Texte nicht ganz klar:

Warum haben die Färsen vermehrt Staph.Aur. gegenüber den Kühen? Die wurden doch gar nicht gemolken also folgedessen war der Weg über das Melkzeug ja gar nicht vorhanden und die Färsen bilden doch in der Regel auch eine gesonderte Herde  ??? ::)

LG Mathilde

Vitus

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #73 am: 06.06.07, 12:55 »
Hallo,

eines ist mir aber beim überfliegen der Texte nicht ganz klar:

Warum haben die Färsen vermehrt Staph.Aur. gegenüber den Kühen? Die wurden doch gar nicht gemolken also folgedessen war der Weg über das Melkzeug ja gar nicht vorhanden [...]


Es gibt sicherlich noch weitere Infektionswege ...
Bekamen die Färsen, z.B. bei der Mutterkuhhaltung, keine Milch?

Offline heike

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Re: Staphylococcus aureus->gefährliche Euterentzündung
« Antwort #74 am: 06.06.07, 16:05 »
Hallo Mathilde

Unsere Färsen starten nur sehr selten mit einer Euterentzündung. Das kommt meistens erst in der Trockenstellerfase wenn es dann kommt.
Unsere Färsen bekommen aber als Kälber die Milch mit erhöhter Zellenzahl gefüttert. Sie laufen die letzten Monate vor dem Kalben zusammen mit den Kühen, liegen auch in den gleichen Liegeboxen wie die Kühe. Sie sind also einem erhöhten Risiko ausgesetzt als Eure trotzdem ist Färsenmastitis kein Problem bei uns. Färsen mit Euterentzündung haben häufiger HF-Blut in ihrer Abstammung als die Nichterkrankten. Aber viele negative Eigenschaften werden bei uns ja auf die HF´s geschoben, wie zum Beispiel das starke Anschwellen des Euters vor der Geburt, so sagt das ja auch nicht viel. ;)
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Heike