Autor Thema: Umgang der Kirche mit den Verfehlungen ihrer Mitarbeiter II  (Gelesen 12379 mal)

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Offline Karpfenkanone

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in der Kirche ist es doch wie bei den Bauern, ein schwarzes Schaf verdirbt die ganze Herde, oder so ähnlich heißt es doch.
da leiden sicher auch viele Ordensleute und Priester darunter, die das noch aus Überzeugung geworden sind.
So ist es. Ich kenne viele, die ihrer Berufung mit Leidenschaft und Herzensblut nachgehen. Umso schlimmer dass die schwarzen Schafe von oben gedeckt werden!
So macht man es sich eben auch einfach. "Die da Oben".
Sorry, bei solch einer Häufigkeit geht es nicht mehr nur um Deckung von Oben. Auch diejenigen Kirchangehörigen im Nahfeld schweigen. Sie stellen keine Strafanzeigen, sollten sich Indizien häufen, dass ein Pfarrer oder Priester Kinder misshandelt oder sexualisierte Gewalt ausübt. Da wird dann lieber zur nächst hören Instanz innerhalb der Kirche gegangen. Und dann beginnt das Versetzen, die Deckung von Straftaten.
Hab ehier in den Thread auch schon gelesen, dass straffällige Prieser und Pfarrer doch im Altenheim weiter ihre Dienste ausüben könnten. Das finde ich falsch.
Zumindest dann, wenn nicht einmal strafrechtlich gegen diese Menschen vorgegangen wurde.

Es ist auch klar, warum so gehandelt wird. Diejenigen sind in einem Dilemma: Stellen viele Strafanzeigen, wird das Ausmaß deutlicher und der Schaden für "ihre Kirche" umso größer. Sie sind eben so "leidenschaftlich" in ihrer Kirche, haben eine gewisse Loyalität und es ist ja auch so toll da. Hier ist es nicht viel anders, wie es in anderen Communitys abläuft. Falsch verstandene Loyalität.
Viel angenehmer ist es, nur immer das zuzugeben, was öffentlich durch Dritte bekannt wird.

Und den Vergleich mit der Landwirtschaft finde ich frech. Unterstellt es doch, dass in der Landwirtschaft systematisch zu Straftaten kommt, niemand etwas sagen würde, und straffällige Landwirt:innen von Oben gedeckt würden.
Dem ist nicht der Fall.

Oder anders gelesen: Die Vorfälle sind nicht so dramatisch, es wird nur von "den Medien" aufgebauscht, weil irgendeine satanische Macht die Kirche weg haben will.
Eigentlich ist doch alles feini fein, es müssen nur die paar "faulen Äpfel" aussortiert werden. MMn wäre diese Lesart eine Relativierung.
« Letzte Änderung: 30.01.22, 10:23 von Karpfenkanone »
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Offline gammi

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Heute morgen war in den Nachrichten, dass auch die evangelische Kirche betroffen ist und es kein "katholisches" Problem ist.
Enjoy the little things

Offline Morgana

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Verfehlungen gibt es überall. Es gab und wird immer Menschen geben, die ihre Macht
ausnützen in irgendeine Richtung.

In jedem Bereich gibts Fälle von sexuellen Übergriffen und sexuellem Mißbrauch.
Das ist keine Sache der Kirche allein.
Ob das früher beim Bauern war, der hinter den Mägden her war über Film und Kultur.
Mir fällt nichts ein, wo man nicht schon mal was drüber gehört hätte.

Die Kirche steht aber für viele über allem. Die Kirche hat uns immer gesagt, was
wir zu tun und zu lassen haben.
Aber seslbst wurde Jahrhundertelang alles unterbunden was zu einer Aufklärung oder Änderung
von irgendwelchen Mißständen führen hätte können. Man selbst ist unantastbar.

Jetzt ist es soweit, dass das nicht mehr geht.  Es wird alles ans Licht gezerrt.
Natürlich auch nicht immer auf die richtige Art, aber es wird immer noch zu oft versucht
zu vertuschen. Nur zugeben was unbedingt sein muss.
Und als letzes vom Amt zurücktreten.


Offline Karpfenkanone

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Heute morgen war in den Nachrichten, dass auch die evangelische Kirche betroffen ist und es kein "katholisches" Problem ist.
Wundert mich jetzt nicht unbedingt, leider.
Für mich deutet es auf eben dieses Communityproblem hin. "In Glauben an Gott vereint" scheint mehr dazu zu verleiten, Strafermittlungen zu vereiteln.
Es definiert mehr die eigene Identität, die eigene Persönlichkeit, wie die Freizeitmitgliedschaft in einem Sportverein.
Oder anders: Es fällt viel leichter Trainer von Sportvereinen anzuzeigen, weil es dort viele Alternativangebote gibt, anstatt gegen die eigene Glaubensgemeinschaft vorzugehen..


Und das was Morgana sagt.

Mich würde mal etwas interessieren.
Würde jemand, wenn der Pfarrer, Priester ein ganz Netter ist, sich öffentlich für Erneuerung einsetzt, keine dogmatische Sichtweiese hat und allgemein in der Gemeinde geschätzt wird, diesen dann anzeigen, weil es Indizien für Misshandlungen oder sexualler Gewalt gibt?
Oder delegiert man das dann lieber an eine höhere Instanz?
« Letzte Änderung: 30.01.22, 10:58 von Karpfenkanone »
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Online frankenpower41

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... ist es bei den "Unteren" nicht auch so, und das sehe ich jetzt nicht nur bei der Kirche sondern generell,
dass man lieber hofft es ist nicht, man weg sieht, einfach weil man keine Scherereien will und irgendwie hofft dass das vielleicht Andere tun
die sich dann evtl. zum Buhmann machen?

Ich geb zu, der Fall war anders gelagert, ging um psychische Kindsvernachlässigung, da hab ich auch gezögert und es erledigte sich dann anders.  Nur auf einen Verdacht hin wenn man keinerlei Beweise hat, jemanden anzuschwärzen ist nicht einfach.
Manches wird/wurde ja hinter vorgehaltener Hand erzählt.

Offline Mathilde

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Oder anders: Es fällt viel leichter Trainer von Sportvereinen anzuzeigen, weil es dort viele Alternativangebote gibt, anstatt gegen die eigene Glaubensgemeinschaft vorzugehen..

Das möchte ich nicht so stehen lassen. Bei Reitlehrern ist das auch so eine Sache. Die Zuteilung von Pferden usw. Wobei ich heute bei Kindern sehr vorsichtig geworden bin mit anfassen um die korrekte Schenkellage oder Sitz zu zeigen.

LG Mathilde
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Marie von Ebner-Eschenbach

Offline LunaRTopic starter

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... ist es bei den "Unteren" nicht auch so, und das sehe ich jetzt nicht nur bei der Kirche sondern generell,
dass man lieber hofft es ist nicht, man weg sieht, einfach weil man keine Scherereien will und irgendwie hofft dass das vielleicht Andere tun
die sich dann evtl. zum Buhmann machen?

Ich geb zu, der Fall war anders gelagert, ging um psychische Kindsvernachlässigung, da hab ich auch gezögert und es erledigte sich dann anders.  Nur auf einen Verdacht hin wenn man keinerlei Beweise hat, jemanden anzuschwärzen ist nicht einfach.
Manches wird/wurde ja hinter vorgehaltener Hand erzählt.


Ds ist auf alle Fälle mal bedenkenswert. Eigentlich möchte ich sagen, heute passiert so etwas nicht mehr. Ein Geistlicher steht nicht mehr so über allen und die Menschen sind kritischer geworden. Aber leider passiert es immer noch. Natürlich auch anderswo. Und immer noch ist es so, dass sich die Opfer schämen und nicht die Täter.

Darum ist es nicht so einfach, wie Karpfenkanone unten schreibt, dass endlich über die Opfer geredet werden muss. So spontan möchte auch ich ja dazu sagen. Über die Opfer zu reden geht schon eher, aber auch mit den Opfern ist nötig. Nur möchten viele das gar nicht. Aus verschiedenen Gründen, Scham, Hoffnungslosigkeit, dass ihnen noch jemand glaubt, oder sie sind so zerbrochen, dass es sie einfach zu viel Kraft kostet. Das muss man dann auch akzeptieren.
Es ist sehr beglückend, sich mit kompetenten Menschen auszutauschen.

Ein lieber Gruß Luna


Verschwendete Zeit ist Dasein.
Gebrauchte Zeit ist Leben.

Offline Morgana

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Das ist auf jeden Falls ein sehr schwieriges Feld. Hinter jedem dieser Schicksale steckt ein Mensch
und wird individuell damit umgehen.
Der eine will darüber reden, der andere kann nicht darüber reden obwohl er/sie es möchte.
Unwiederum andere wollen nicht mehr drüber reden, verdrängen lieber alles und möchten nicht,
dass alles wieder hoch kommt.

Offline Karpfenkanone

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Das möchte ich nicht so stehen lassen. Bei Reitlehrern ist das auch so eine Sache. Die Zuteilung von Pferden usw. Wobei ich heute bei Kindern sehr vorsichtig geworden bin mit anfassen um die korrekte Schenkellage oder Sitz zu zeigen.

LG Mathilde
Hi und Guten Morgen,

Ich glaube du hast mich da falsch verstanden. Dass es auch im Freizeitbereich, Schule und Familie zu schlimmen Verbrechen kommt, insbesondere sexualisierter Gewalt ist vollkommen klar.

Mir ging es eher um die ganzen Vertuschungen, Verschleppungen. Statt Priester, Prediger, Pfarrer etc zu entlassen und diese bei den Behörden anzuzeigen(was auch nichts mit "anschwärzen" zutun hat, da unsere Ermittlungsbehörden zur Aufklärung von Straftaten vorhanden sind), werden sie, obwohl Straftaten BEKANNT sind, hin und her versetzt.
Sie werden versetzt, WEIL sie Straftaten begangen haben. Das muss man sich mal vorstellen.
https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/trier/missbrauchsopfer-demonstrieren-vor-dem-trierer-dom-100.html
Zitat
Eigene Recherchen von Schnitzler zeigen, dass der Priester dem damaligen Bischof Stein offensichtlich als Täter bekannt war. Dennoch durfte er als Priester weiterarbeiten.
Schnitzler: "Bischof Ackermann hat bereits 2010 eine Aufarbeitung gefordert. Und es ist bisher nichts dergleichen geschehen.
Immer schön verzögern, umso weniger Handhabe gibt es für die Starfverfolgung, da diese Straftaten verjähren.

Gerstern bei Anne Will hatte ich ein Déjà-vu, als Bischof Bätzing von schonungsloser Aufklärung sprach. 1:1 könnten seine Äußerungen aus 2012 stammen.
Der ehemalige Papst ist ja auch voll mit dabei.
https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/benedikt-verstrickt-sich-immer-mehr-in-seine-luegengebilde,SvR2WDX

Der ehemalige Papst und damaliger Bischof? war also in der Sitzung über Pfarrer H. anwesend. Zuerst hatte er es ja bestritten bei der Sitzung anwesend gewesen zu sein. Angeblich war es ein Fehler in der redaktionellen Bearbeitung. Wer´s glaubt. Aber es ist auch egal, ob er dort gelogen hat.
Er war anwesend, Pfarrer H. war schon jahrelang als Sexualstraftäter bekannt und trotzdem fand Ratzinger es vollkommen OK, ihn in seinem Bistum einzusetzen.
« Letzte Änderung: 31.01.22, 09:11 von Karpfenkanone »
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