Autor Thema: Das Jahr der Bäuerin  (Gelesen 2175 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline mamaimdienst

  • Global Moderator
  • *
  • Beiträge: 4568
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #15 am: 08.01.26, 14:44 »

Irgendeine Organisation hat 2026 als das Jahr der Bäuerin ausgerufen.


Es war die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen, die „fao“
Offizieller Titel: „International Year of the Woman Farmer“
Bevor man seine Feinde liebt, sollte man netter zu seinen Freunden sein. - Mark Twain-

Offline annelie

  • Bayern
  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 3779
  • Geschlecht: Weiblich
  • Hebt man den Blick, so sieht man keine Grenzen
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #16 am: 08.01.26, 14:46 »
Ich bin mittlerweile im Austrag, also nicht mehr aktive Bäurin. Vielleicht bin ich jetzt nicht mehr für diese Umfrage befähigt.

Ich kann bei Margret das meiste Unterschreiben, du hast das toll formuliert, danke.

Ich habe mich bewußt dafür entschieden Bäurin zu sein. Für mich war und ist es mein Traumberuf. Da war ich in einer anderen Ausgangsposition wie viele andere. Besonders schön fand ich, Kinder zu haben und trotzdem berufstätig und zu Hause zu sein. Ich habe nie außerlandwirtschaftlich gearbeitet, 10 Jahre als MiFa bei meinen Eltern und 34 Jahre als Selbstständige zusammen mit meinem Mann.

Mein Freundeskreis ist gemischt, meine besten Freundinnen kommen nicht aus der Landwirtschaft. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich "nicht dazu gehöre", sie haben schnell gemerkt, dass ich zwar tagsüber mal Zeit hatte, aber durch die Kühe und die Feldarbeit oft, bzw. zu festen Zeiten an den Betrieb gebunden war.

Natürlich gab es weniger schöne Dinge und Durchhänger (wo gibts die nicht?), ich habs jetzt auch nicht so mit der Büroarbeit, aber auch in anderen Berufen gibts Sachen, die nicht so richtig toll sind. Meine Freundinnen waren und sind auch oft von ihren Berufen, bzw. der Dokomentationen, die sie leisten müssen gefrustet. Gerade im medizinischen Bereich. Oder im Einzelhandel mit dem Anspruchsdenken der Kunden, bzw. deren respektlosem Verhalten.
Vergangenheit ist Geschichte,
Zukunft ist ein Geheimnis
und jeder Augenblick ist ein Geschenk.

Liebe Grüße
Annelie

Offline Bergli

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 2125
  • Geschlecht: Weiblich
  • Positiv denken
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #17 am: 08.01.26, 16:40 »
Eine gute Frage: Bin ich gerne Bäuerin?
Zuallerst muss gesagt werden. Es war nicht mein Entscheid Bäuerin zu werden. Meine Mutter hat mir den Weg gewiesen, angeordnet, so wird es gemacht. Meine ältere Schwester hat Bäuerin gelernt, also lernst du es auch. Punkt und so wars. Ob ich wollte oder nicht. Meine Mutter suchte mir eine Lehrstelle. Da war mein älterer  Bruder im Bauernlehrjahr auf einem Hof und es hat ihm sehr gut gefallen und jetzt suchen sie für im Haushalt eine Lehrtochter. Die Stelle war gut, so wird es auch für dich sein. Ich wurde nicht gefragt. Es wurde so entschieden. Also machte ich da das bäuerliche Haushaltlehrjahr.
Und ich lernte da meinen zukünftigen Mann kennen und lieben..... So war es gut so. Er war mit Leib und Seele Bergbauer. Bei ihm kam auch nichts anderes in Frage. Bauer sein wurde ihm in die Wiege gelegt. Ob er wollte oder nicht. Er war der einzige Sohn und Erbe. So heirateten wir und ich wurde auf dem Hof Bäuerin. ich lebte rein, ich war erst 21 Jahre alt als  ich heiratet. Mit meiner  Schwiegermutter ist eine andere Sache. Wir kamen nie gut miteinander aus. Auch sie war nicht freiwillig Bergbäuerin. Sie wollte weg von ihren Eltern und da kam ihr ihr Mann gerade recht, der suchte eine Frau. Sie kam nicht vom bäuerlichen Umfeld. Ich schon.
Nun bin ich schon 35 Jahre Berg-Bäuerin und glücklich (meistens) und zufrieden. Nicht das ich meiner Mutter danke, das sie für mich gewählt hat, aber es gibt jemand anders der uns führt und leitet. Ich hätte sehr gerne etwas anders gelernt, aber das kam nie zur Sprache.

Aber ich bin, so denke ich, gerne Berg-Bäuerin. Kenne nichts anderes.
Aber ob ich den Weg wieder wähle? Mein Mann, wenn er für mich bestimmt ist, hätte ich ihn auch sonst gefunden. Und wir wären auch überall glücklich geworden. Aber unser Weg war vorbestimmt (von den Eltern, Bauern und Bäuerin zu lernen). Kennengelernt haben wir uns ohne zutun von den Eltern.

Aber wenn ich so überlege, Bäuerin ist der schönste Beruf. Er ist vielseitig, das ganze Jahr ist immer etwas zu tun, immer etwas anderes. (oder fast). Ich kann mich verwirklichen. Wir sind frei. Wir müssen nicht (fast), wir dürfen.
Die Kinder konnte frei aufwachsen, mit der Natur, mit Tieren aufwachsen. Gut sie mussten auch helfen, aber es tat ihnen gut und Bauernkinder sind im Berufsleben, ich sage mal, besser dran. Sie wissen wie arbeiten.

„Glücklich sein bedeutet nicht, das beste von allem zu haben, sondern das beste aus allem zu machen.“

Offline muellerin

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 940
  • Geschlecht: Weiblich
  • Power to the Bauer!
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #18 am: 08.01.26, 17:12 »
Bei mir lief es etwas anders, da ich in der DDR aufwuchs.
Ich habe nach dem Abi ein landwirtschaftliches Praktikum gemacht, dabei per Abendschule den Facharbeiterbrief für Rinderproduktion erworben und dann an der Uni studiert. Dort habe ich meinen Mann kennengelernt, der in der LPG, in der seine Eltern arbeiteten und die Hofflächen eingebracht hatten, als Führungskraft vorgesehen war. Nach seiner Promotion hat er dort die Milchviehhaltung geleitet. Für mich war eine Stelle beim Kreis vorgesehen, in der Abteilung Landwirtschaft. Dann kam die Wende und mit ihr eine große Unsicherheit. 1991 haben wir mit einem weiteren Landwirt aus dem Dorf die elterlichen Flächen aus der LPG gelöst und die Höfe der Eltern in Form einer GbR mit Milch und Acker wieder eingerichtet.
2023, als klar war, dass von unseren Kindern niemand übernehmen will, haben wir die GbR aufgelöst. Seither bewirtschaften wir nur noch 10 ha und 10 Rinder/Mutterkühe und haben die anderen Flächen an den ehemaligen GbR-Partner verpachtet.
Ich arbeite seit 24 Jahren (nach der Geburt unseres Nesthäkchens) als Geschäftsführerin eines kleinen Regionalbauernverbandes. So bekomme ich die Sorgen und Nöte vieler landwirtschaftlicher Betriebe mit, auch den Strukturwandel, die Investoren (die man nicht alle über einen Kamm scheren kann), die Bürokratie, die politschen Unwägbarkeiten, aber auch die Leidenschaft vieler Landwirte für ihren Beruf und die Vorteile des Hoflebens, wenn immer jemand für die Kinder greifbar ist.
Für den Bauernverband MV sitze ich im Rundfunkrat des NDR. Dort habe ich erstmal ein paar gängige Klischees auf den Kopf gestellt (Frau, promoviert, Bäuerin mit Hof, aus dem Osten) und ich halte mit meiner Meinung nicht hinter dem Berg.
Für den Bauernverband war ich auch 8 Jahre lang als Vizepräsidentin auf Landesebene unterwegs. Und mehr als 12 Jahre als Landfrauenvorsitzende in MV.
Langsam ziehe ich mich nun aus allem ein bisschen zurück, dieses Leben auf der Überholspur hat sehr viel Spaß gemacht, aber meiner Gesundheit nicht gutgetan.
Ich ziehe mich bis Jahresende aus meinem Bauernverbandsjob zurück und mache dann nur noch das, was mir besonders gefällt, und das ist das Schreiben. Leider fand ich für meinen zweiten Roman keinen passenden Verlag und habe ihn vorerst in der Schublade verschwinden lassen. Für Nummer 3 habe ich noch Hoffnung, ich habe ihn kürzlich an verschiedene Verlage geschickt. Themen: Moorvernässung, Wolf, Medien, wieder mit einer Liebesgeschichte verflochten.
Bin ich Bäuerin? Natürlich!

Liebe Grüße aus Mecklenburg!


Offline zwagge

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 1313
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #19 am: 08.01.26, 18:43 »
Es ist so schön von euch allen zu lesen.
Ich würde bei vielen einen Smiley unter den Beitrag setzen, so toll habt ihr geschrieben.

Und...Es ist schon so, dass wir unseren Beruf sehr gern machen, und anscheinend auch oft die gleichen Probleme haben ( Bürokratie...).
Danke euch, es tut gut zu lesen...
Ganz liebe Grüße
Birgit

Offline Erika

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 1593
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #20 am: 09.01.26, 09:01 »
Wie einige andere hier bin ich im nächsten Jahr (2027) 40 Jahre auf dem Hof. Als Bäuerin fühle ich mich nicht, bin Bürokauffrau, habe keine Ausbildung in Richtung Landwirtschaft.

Ich habe immer versucht, einer Berufstätigkeit nachzugehen und das eigentlich durchgehend seit 1994. In Ausnahmesituationen habe ich beim Melken ausgeholfen, aber komplett alleine gemolken habe ich nie. Seit Oktober 2025 gibt es keine Milchkühe mehr auf dem Hof, aber noch Masttiere.

Von Anfang an habe ich die Buchführung und den ganzen Schriftkram übernommen. Das sind auch hauptsächlich die Sachen, die in der Landwirtschaft die Freude am Beruf verleiden. Das hört man von ganz vielen. Der viel versprochene Bürokratieabbau ist niemals eingetroffen. Statt dessen verlangte die Molkerei immer mehr Dokumentationen. Auch Kontrollen wurden über die Jahre immer mehr ausgeweitet. Gefühlt hatte man gerade eine Kontrolle hinter sich, da stand schon die nächste an. Mein Mann war immer froh, dass ich ihm so weit wie möglich den Schreibkram von der Backe gehalten habe.

Natürlich ging seit dem Einzug auf dem Hof der landwirtschaftliche Betrieb immer vor und das "wirkliche" Leben blieb oft auf der Strecke. Urlaub war ab und zu mal drin, solange Schwiegervater noch lebte (gestorben Oktober 1998) Danach wurde es sehr schwierig, bzw. bin ich alleine mit den Kindern nach Holland ans Meer gefahren.

Mit den ganzen Erfahrungen der letzten 40 Jahre weiß ich nicht, ob ich diesen Weg noch einmal einschlagen würde. Die Situation in der Milchwirtschaft war immer schwer. Erst die letzten zwei Jahre mit dem guten Milchpreis, der auch endlich mal etwas anhielt, haben Freude gemacht.

Mein Mann hat 50 Jahre lang Kühe gemolken. Wir haben zum richtigen Zeitpunkt aufgehört.


Online frankenpower41

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 9248
  • Geschlecht: Weiblich
  • Ich liebe dieses Forum!
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #21 am: 09.01.26, 09:43 »
...nochmal ich,  eben weil ich es sehe wie Du, bin ich schon manchmal auch stinkig dass es weiter geht.
Aber das sehe ich gespalten.  Einerseits bin ich froh drum, anderseits wird mir alles zu viel und ohne mich geht es momentan nicht. Ist einfach so,  auch wenn der Hof dem Sohn gehört.

Auch wenn ich keinerlei Ausbildung in die Richtung habe, sehe ich mich doch als Bäuerin und (meistens) habe ich es auch gerne gemacht.

Offline martina

  • Südniedersachsen
  • Administrator
  • *
  • Beiträge: 23138
  • Geschlecht: Weiblich
  • Unsere Landwirtschaft - wir brauchen sie zum Leben
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #22 am: 09.01.26, 10:57 »
Tja, wenn man den gewünschten Mann nicht ohne seinen Hof bekommt, dann bleibt einem nicht viel übrig, als den mitzunehmen.

Ich bin nie gern mit in den Stall gegangen, wirklich nur in Ausnahmesituationen und nein, Treckerfahren kann ich auch nicht, obwohl ich es dürfte. Ich hab mir mit dem Betriebsbüro dann eben den Arbeitsbereich gesucht, den mein Mann nur sehr ungern gemacht hat. Gelernt hab ich das auch nicht, aber irgendwer musste das ja machen und so hab ich mich eingearbeitet.

Das heißt aber nicht, dass mir die Landwirtschaft egal ist oder war. Ich hab es schon als Privileg empfunden, zu Hause bei den Kindern bleiben zu können und nur im geringen Umfang ausserbetrieblich arbeiten zu gehen.

Manchmal hab ich versucht, mir mein Leben vorzustellen, wie es wohl wäre, wenn der Mann einen 8-5-Werktag irgendwo als Angestellter hätte. Wie dann der Tagesablauf und unser Familienleben wohl ausgesehen hätte. Ich konnte das nicht, weil ich es von zu Hause und meiner hauswirtschaftlichen Ausbildung her nicht anders kannte.

Inzwischen sind die Tiere seit 10 Jahren vom Hof gegangen und der Betrieb ist abgegeben, Göga arbeitet immer noch mit, nur ohne die Verantwortung und ich mache auch noch einen Teil der Büroarbeiten für den Junior.
Wir haben einen anderen Tagesablauf, nicht mehr so geregelt, wie mit den Tieren. Von Vorteil ist das auch nicht immer.

Offline gammi

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 5937
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #23 am: 09.01.26, 11:24 »
Das ist ein sehr komplexes Thema und es braucht Zeit für einen Beitrag.

Ich habe mit 20 geheiratet. Einen Landwirt obwohl ich nie einen Bauern heiraten wollte. Viele hier haben geschrieben, dass sie wegen ihres Mannes Bäuerin geworden sind. Ich würde sagen ich bin trotz meines Mannes dann doch lange Jahre Bäuerin mit Herz und Seele gewesen. Bei uns ist dann halt leider vieles nicht so gut gelaufen, was dann am Ende einfach für mich nicht mehr tragbar war. Da ich aber sehr gerne Bäuerin war (ich war oft alleine im Stall usw.) hat es wirklich sehr lange gedauert bis ich mich für die Veränderung entscheiden konnte.

Inzwischen bin ich zwar durch meine Arbeit selbsständig, aber aus dem landwirtschaftlichen Betrieb komme ich trotzdem nicht heraus. Tiere gibt es inzwischen keine mehr. Und eigentlich ist meine Arbeit auch mehr die Verwaltung der Immobilien usw. und die Buchführung allgemein. Ab und zu noch Erntetaxi. Dadurch, dass mein Mann aber inzwischen auch gesundheitliche Probleme hat reduziert sich so manches auch in naher Zukunft von alleine. Eine Bäuerin bin ich jetzt wohl nicht mehr.

Ich kenne ja nun beide Seiten.
Es hatte schon auch Vorteile als die Kinder klein waren. Für mich war zwar vieles sehr anstrengend, weil mein Mann eben nicht kooperativ war.  :'(
Freie Zeiteinteilung: ja ich konnte mir meine Arbeit einteilen. Dann hieß es halt mal früher im Stall anfangen, oder auch mal eine nicht so wichtige Arbeit verschieben. Aber es hieß auch 365 Tage im Jahr morgens und abends da zu sein. Egal wir krank man war.
Jetzt kann ich zwar auch öfters irgendwo nicht hin gehen, weil ich da beim arbeiten bin. Aber die wichtigsten Dinge kann ich mir auch freischlagen.........und dann gehe ich an den Tagen halt ganz entspannt irgendwo hin und komme nicht abgehetzt mit nassen Haaren an.

Mein Mann hatte ja jetzt gesundheitliche Probleme und war auch im Krankenhaus. Er hatte zwar die Zusage für einen Betriebshelfer, aber es war keiner verfügbar. Auch einen selbstbeschafften Betriebshelfer findet man kaum. Zum Glück hat er nur noch Ackerbau. Sonst wäre es echt happig geworden.
Enjoy the little things

Offline LunaR

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 6436
  • Geschlecht: Weiblich
  • Dat Eenen sien Uhl is det Annern sien Nachtigall
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #24 am: 09.01.26, 18:25 »
Spannendes Thema für mich, obwohl ich nicht aus der LW bin. In jungen Jahren bestand aber die eine Hälfte meiner Verwandtschaft aus LW und auch meine Freundin kommt aus der LW. Die Töchter, in meinem Alter und jünger, wollten auf keinen Fall so leben wie ihre Mütter, also einen Landwirt heiraten. Dazu muss ich sagen, dass hier schon damals kaum jemand Kühe hielt und Tierhaltung überhaupt nur wenig war.  Bei meinen Cousinen kam es auch so. Bei meiner Freundin auch, obwohl sie vorher einige Jahre mit einem LW und Hoferben zusammen war.

Die Brüder dieser Frauen waren alle sehr begeisterte Landwirte und wollten die Höfe auch weiterführen, teilweise im Nebenerwerb.  Auch die zweiten und jüngeren Söhne waren alle stark  auf LW fixiert. Wobei ich sagen möchte, bei einigen haben sie wohl eher die außerhäusige Beschäftigung als  Nebenerwerb angesehen.  ;D

Bis auf einen haben sie alle Frauen, die nicht aus der LW kommen. Ich finde, die Frauen haben sich alle gut in ihr neues Berufs- und Familienumfeld eingefügt. Ob sie sich als Bäuerinnen sehen, weiß ich nicht, auf jeden Fall ist es "ihre Welt" geworden.

Ein etwas entfernterer Verwandter hat noch Milchvieh und auch ausgebaut. Seine Frau, nicht aus der LW stammend, braucht soweit ich weiß nicht mit melken. Sie haben einen Roboter. Sie hatten noch lange eine Gastwirtschaft nebenher, das war neben der SM ihr Gebiet. So wie ich es sehe, sieht sie sich als Bäuerin und macht das auch gerne. Sie ist engagiert, aktiv bei den Landfrauen und interessiert daran, neues zu lernen.
Es ist sehr beglückend, sich mit kompetenten Menschen auszutauschen.

Ein lieber Gruß Luna


Verschwendete Zeit ist Dasein.
Gebrauchte Zeit ist Leben.

Offline Rohana

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 1085
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #25 am: 11.01.26, 10:56 »
Bin ich Bäuerin? Ich bin auf jeden Fall die Frau eines Bauern, 10 Jahre auf dem Hof jetzt... wie die Zeit vergeht. Ich bin auch regelmässig abends im Stall seit Schwiegervater als Arbeitskraft weggefallen ist, aber morgens muss ich zur selben Zeit die Kinder anziehen und auf ihren Weg in Schule/Kiga schicken, da kann ich halt nicht, und da mein Mann die Stallzeit nicht so anpassen kann oder will dass es für mich machbar ist, muss er mit seiner Mutter morgens alleine machen. Aussenwirtschaft "darf" ich nur bedingt machen, obwohl ich könnte, weil ich in erster Linie Kinder hüten und kochen / Haushalt führen soll - was mich ziemlich stört. ER ist in seinem Selbstverständnis einfach nicht für Kinder zuständig, zu keiner Tages- oder Nachtzeit, das bin ich, und ich muss schon enorm ausfallen (Fieber, Beinbruch, wichtige Termine) um das zu ändern. In zwei Wochen ist meine Elternzeit zuende, ich möchte gerne wieder arbeiten. Ob ich jemals einen Job finde der in diesen Rahmen passt? Das steht in den Sternen. So wie es jetzt ist, verdiene ich kein Geld, hab keinen Ausgleich und unheimlich viel Stress mit den Kindern. Zum "voll" am Hof einsteigen ist wieder nicht genug Arbeit da. Echt, nix halbes und nix ganzes, das ist ziemlich frustrierend.

An sich mag ich die Landwirtschaft wirklich gerne. Ja, die immer mehr ausufernde Dokumentation ist echt nervig, aber die eigentliche Arbeit, im Rhythmus der Jahreszeiten und des Lebens, ist sehr befriedigend trotz all der Höhen und Tiefen. Würde gerne die Ausbildung zum Landwirt per Abendschule nachholen.

Offline annib1

  • Niedersachsen
  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 2860
  • Geschlecht: Weiblich
  • Ihr seid das Beste was mir je passiert ist !
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #26 am: 11.01.26, 12:01 »
Ich bin hier vor 30,5 Jahren auf dem Betrieb eingeheiratet.
Wie ich meine Ausbildung zur ländl. HW anfing hatte ich meinen Mann schon kennen gelernt, somit wäre eine solche Ausbildung zum Vorteil, aussage damals von meinen Eltern.
Die ersten Jahre bin ich noch außer Haus arbeiten gegangen. Nach dem 2 ten Kind bin ich auch mit voll im Stall/Betrieb eingestiegen. Zu dem Zeitpunkt erkrankte SV und Schwiegeroma verstarb, das war 2003.
Ich hatte im Stall meine Aufgaben und war auch immer Jahrelang beim melken dabei. Wir haben aber immer zu zweit gemolken. In Ausnahmefällen mal alleine.
Keine frage ich habe es genossen immer zu Hause sein zu dürfen und immer für die Kids erreichbar zu sein. Ich habe die Kids mal gefragt, ob sie was vermisst haben als Kind , weil wir Landwirte sind ???
Nein, sie sind zufrieden wie sie aufgewachsen sind.
Klar, es war nicht immer leicht. 4 Generationen Haushalt. Alles immer zusammen Bad, Küche....
Ich habe immer mehr darauf geachtet das wir einiges für uns alleine bekommen.
Ich habe auch bis 2003 immer nebenbei Minijobs gehabt habe in der Gastro gearbeitet und Uroma hat aufgepasst- es klappte ganz gut mit uns, mit der Zeit.
Jetzt sind nur noch göga, ich und der Sohn hier. Der Sohn hat eine geregelte Arbeitsstelle.  Die Kühe sind seid einigen Jahren weg und wir betreiben nur noch Bullenmast (180), jeder hat weiterhin draußen seine Aufgaben und es klappt doch recht gut, wir sind ein gutes Team würde ich sagen.

vorgestellt wie es normal arbeiten zu gehen, habe ich mir auch oft.....

Es ist gut so wie es ist.
Freundinnen habe ich nicht viele . Die meisten haben es nicht verstanden, wenn wir zur Stall zeit zu Hause sein mussten.
Aber die die ich habe sind es wert und ich kann da so mit gut Leben. Leider sind die meisten meiner Freundinnen im BT - Land verstreut.

In dem Sinne. Ich bin Bäuerin und bin es auch recht gerne  ;D
LG Anja·٠•●●•٠·˙.•:*¨`*:•.♥ღ♥ღ♥.•:*¨`*:•
             TRÄUME DIR DEIN LEBEN SCHÖN
             UND MACH AUS DIESEN TRÄUMEN
             EINE REALITÄT.

Offline gschmeidlerin

  • Moderatoren
  • *
  • Beiträge: 1668
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #27 am: 11.01.26, 17:12 »
Liebe Rohanna,
wenn es irgendwie möglich ist, such dir eine Arbeit. Für die Kinder gibt es auch Betreungsangebote. Ich hätte das machen sollen oder schnell einen eigenen Einkommenszweig in der Landwirtschaft schaffen sollen. Hinterher ist man immer gescheiter, auf alle Fälle hätte ich mich mehr durchsetzen müssen. Aber jetzt passt auch wieder alles, jetzt ist es so, wie es schon vor 20 Jahren hätte sein können. Also Vorsicht vor der Kinderfalle und Arbeitsfalle am Bauernhof.

Offline Annina

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 499
  • Geschlecht: Weiblich
  • hab Sonne im Herzen
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #28 am: 12.01.26, 11:30 »
Liebe Rohana,
ich kann dich gut verstehen, mir ging (und manchmal geht) es ähnlich wie dir. Für die Kinder war immer ich zuständig. Ich hatte aber das Glück, dass sie sehr unkompliziert waren (und sind), so, dass ich eigentlich nie am Anschlag lief.
Meine grosse Leidenschaft ist aber nicht der Haushalt, sondern die Aussenwirtschaft, deshalb habe ich immer versucht, möglichst viel draussen zu sein, die Kinder waren dann fast immer dabei. Ausserhalb der Landwirtschaft habe ich eine kleine Behördentätigkeit, und ich fahre 1x die Woche den Schulbus. Das passt hier zwar nicht immer gut, aber da habe ich mich schon für mich selbst eingesetzt, dass mir das wichtig ist, und nun wird es auch von meinem Mann akzeptiert.
Was mir oft geholfen hat, war der Satz einer Bekannten: «weisst du, mit kleinen Kindern kommst du als Mutter immer zu kurz». Ich konnte das dann so akzeptieren, und musste keine Energie darauf verschwenden, dies zu ändern. Was aber nicht heisst, dass wir Mütter und Bäuerinnen uns nicht für unsere Bedürfnisse einsetzen sollen.
Ich hoffe, du kannst dir irgendwie irgendwo kleine Inseln im Alltag schaffen für dich, und bei deinem Mann deine Bedürfnisse klar kommunizieren.
Liebe Grüsse, Annina

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.  Aristoteles