Autor Thema: Der Tod ist von uns gegangen  (Gelesen 23159 mal)

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Offline Susanna

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #15 am: 19.07.12, 17:13 »
aber paranoid seid ihr gar nicht, oder?
Nein.
Viele Grüße
Susanna

mouhkouh

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Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #16 am: 19.07.12, 17:36 »
aber paranoid seid ihr gar nicht, oder?
Nein.

Schön.

Offline fanni

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #17 am: 19.07.12, 17:41 »
Er ist verschwunden aus dem Alltag. Keine Aufbahrung zu Hause. Urnen statt Gräber. Zentralfriedhöfe draussen vor den Toren. Totenwache in düseren Kirchen. Der Tod ist verbannt auf die Mattscheibe. Krimis boomen. Kameras liefern gezoomte Bilder von Toten. Schönheitsoperationen, Jugendlichkeitswahn. Trauerkleidung, nach dem Verscharren bleibt sie im Schrank. Tolle Entwicklung?

Stimmt nicht.

vielleicht wurde das in den vergangenen Jahrzehnten nicht mehr so beachtet, aber was ich jetzt erlebe an Diensten bei Schwerkranken und Palliativmedezin und irrem Einsatz Ehrenamtlicher in Hospizen mit wirklich schönen Abschieden.............gabs das früher??

Ich denke nicht, oder kam ein Seelsorgeteam ins Haus, wenn der Haupternährer z.B. bei einem schrecklichen Verkehrsunfall ums Leben kam, ich denke nicht, ich sags mal ganz platt, der Pfarrer hat vielleicht Weihwasser über denToten gespritzt und ist wieder gegangen und hat die trauernde Witwe mit den kleinen Kindern sich selbst und dem Gebet überlassen..........(in unserer Familie vorgekommen vor 30 Jahren.......es war ihnen wurscht den Klerikern, was aus meiner Tante wurde, auch den Nachbarn und den Verwandten.....so das ist meine Erfahrung und ich halt nix von Vergangenheitsverklärung und übrigens mein Onkel wurde zu Hause aufgebahrt...... :'( :'( :'(....)  es gibt heute viele tolle Angebote, die man annehmen kann, aber nicht muss.

Es gibt immer mehr Menschen, die ganz alleine sind, das ist ein Trend, der mich traurig macht. Aber ich finde, dass der Umgang mit dem Sterben in den letzten Jahren achtssamer geworden ist.
« Letzte Änderung: 19.07.12, 17:46 von fanni »
Herzliche Grüße von Fanni

Offline Ingrid2

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #18 am: 19.07.12, 18:22 »
Fanni, da hast du recht.

Offline SiegiKam

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #19 am: 19.07.12, 18:32 »
Alois, vielleicht hat das etwas mit geheizten Wohnungen zu tun, wo sich der Geruch der Verstorbenen doch etwas schneller entwickelt als in einem großen kühlen Flur oder einem ungeheizten Schlafzimmer von anno dazumal?

Mir tut es heute noch leid, dass ich nicht gleich los bin, als meine Oma verstorben ist. Sie wurde morgens tot vor ihrem Bett gefunden. Bis ich aus der Arbeit kam, war Oma schon in einem Sarg im Leichenhaus. Alles ging sehr schnell, weil sie vermutlich schon in der Nacht gestorben ist. Ich war so geschockt, dass ich völlig falsch reagiert habe. Heute bedauere ich das sehr.

Aber es muss ja nicht so sein, meine Freundin hat ihre Eltern gepflegt und jedes Elternteil konnte zuhause sterben und wurde von ihr selbst gewaschen und angezogen. Sie wollte diesen letzten Dienst erweisen und sagt, dass ihr das nichts ausgemacht hat, weil sie die Eltern sonst ja auch oft selbst gewaschen hat. Es hat ihr eher geholfen in der Trauerarbeit danach. Ich fand das wunderbar von ihr. Allerdings hat sie erzählt, dass noch tagelang dieser süßliche Totengeruch im Zimmer hing, war eben geheizt.

Der Totenkult dient den Lebenden, den Sterbenden muss man bei Lebzeiten Gutes tun, die haben danach nichts mehr davon. Ich habe es immer schauerlich gefunden, wenn die Angehörigen am offenen Grab stehen, alle Nachbarn und Verwandten dabei und jeder sieht, wie einen die Trauer herarbeitet. Wenn ich aber mit Angehörigen spreche, dann erzählen sie, dass sie sehr wohl gesehen haben, wer bei der Beerdigung war und wer nicht und dass ihnen eine große Menge an Teilnehmern bei der Beerdigung eher gut getan hat, weil man sieht, dass das Andenken des Verstorbenen geehrt wird. Sie sagen, es tut gut nicht alleine zu sein. Die ganzen Rituale nach dem Versterben sind rein für die Lebenden und sollen ihnen helfen mit ihrer Trauer umzugehen und die ersten Tage zu überstehen. Ich finde es besonders schade, wenn man aus Rücksicht den Hinterbliebenen in der Zeit nach der Beerdigung aus dem Weg geht. Dabei würde es ihnen helfen, ein paar gute Worte zu hören.

Siegi
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Offline Ginchen

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #20 am: 19.07.12, 19:33 »
Da hat Siegi recht - "der Totenkult dient den Lebenden, den Sterbenden muß man bei Lebzeiten Gutes tun" -

Jeder bewältigt seine Traue anders. Früher hat man sich vielleicht auch gar nicht getraut anders zu trauern als von einem erwartet wurde.

Abschied nehmen ist nie leicht, wer verliert schon gern einen Menschen der einem nahe steht.
Man sollte jede Art der Trauer aktzeptiern auch wenn sie einem unlogisch oder sogar nicht richtig erscheint. So verschieden wir Menschen sind so unterschiedlich ist auch unsere Art mit dem Tod umzugehen. Da gehört so vieles dazu.

Herzliche Grüße aus Niederösterreich
Regina

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Offline Rosi K

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #21 am: 19.07.12, 19:34 »
Völlig richtig, so sehe ich das ganz genau auch.
War gestern bei der Trauerfeier einer Vereinskollegin, die sich das Leben genommen hat.
Die Kirche war voll wie sonst nur an Weihnachten. Und der Pfarrer hat auch betont, dass es sehr wohltuend für die Angehörigen sein muss, wenn so viele Menschen da sind, die damit zeigen, dass sie an der Trauer und dem Leid dieser Menschen teilhaben und ein bisschen helfen wollen, es zu ertragen.
Hat mich sehr berührt.

Offline Ginchen

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #22 am: 19.07.12, 21:09 »
... oder an Orten und Plätzen an denen sie gerne waren und die ihnen vielleicht etwas bedeutet haben.
Herzliche Grüße aus Niederösterreich
Regina

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Offline K1

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #23 am: 19.07.12, 21:36 »
Ich habe mehr als genug von nahestehenden Menschen Abschied nehmen  müssen - und jedesmal war es anders.
Von Schwager und Schwägerin, von SV, der zu Hause starb, daheim aufgebahrt und eingesargt wurde, wo ich mit half.
Mein totgeborenes Kind, das zu früh auf die Welt kam und so lange ich im Krankenhaus war beerdigt wurde, mein Vati, und sehr,sehr gute Freunde, die durch ein Unglück ums Leben kamen.
Und jeden Tag danach, ging wieder die Sonne auf, als ob gar nichts gewesen wäre.
Für vielen geben hier der Glaube, Freunde, Arbeit halt.

voll nachdenklichen Grüße Karin

Offline martina-s

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #24 am: 19.07.12, 22:50 »
...einleitend; ich finde es auch etwas daneben, dass sich der (sage ich jetzt bewusst obwohl ich ihn nicht kenne) Alois nicht an der Diskussion beteiligt. Ist eigentlich etwas daneben in einem Forum. Da kommt man sich schon ausgehorcht vor!

Zumindest einige Gegenfragen auf einzelne Beiträge wären angebracht um auch zu checken, er nimmt uns ernst.

Aber egal!

Ich hatte in meiner Kindheit als Enkelin und später in meinem Beruf mit Toten zu tun.

Als Enkelin hab ich darum gebetet, dass meine Oma sterben durfte weil sie bei uns daheim in der Küche krank darnieder lag und es keine Hoffnung gab. Es wurde jeden Tag schlechter, sie konnte kein Essen mehr behalten; nicht mal mehr was zu trinken. Infolge trocknete sie aus und lechzte nach Flüssigkeit. Heute gäbe man eine Infusion. Auch daheim im Pflegealltag. WEIL HEUTE ALLES ETWAS EINFACHER GEWORDEN IST!!!

Sozialstationen wie es sie heute gibt waren damals Fehlanzeige!!!
Die Verwandten auf sich alleine gestellt.

Meine Eltern wechselten sich ab in der Nachtwache und kamen kaum mehr zum Schlafen. Meine Oma hatte eine Glocke. Wenn sie was brauchte läutete es bei meinen Eltern im Schlafzimmer. Hatte mein Onkel installiert.
Irgendwann an einem Sonntag läutete morgens die Glocke nimmer. Oma war gestorben und meine Eltern konnten ausschlafen! Irgendwann wurde mein Vater wach und wunderte sich ob der Helligkeit draußen und warum Oma nicht rief...

Damals war ich zwölf und ich war für Oma auch irgendwie erleichtert. Gott hatte mein Gebet erhört!

Mein Opa starb knapp drei Monate vorher. Er allerdings beging Suizid.

5 Jahre später brachte es mein zu erlernender Beruf mit sich (ich war damals im Vorpraktikum zur Altenpflegerin) dass ich sehr oft mit Toten und Sterbenden zu tun hatte.

Ich habe Menschen sterben sehen, wo sich Angehörige einfanden. Bei mir sind Leute gestorben die so ganz alleine von uns gegangen sind. Und manche habe ich alleine oder mit einer Kollegin begleitet. Alleine musste niemand sterben - außer es war überraschend.

Vermutlich könnte ich da einen Roman schreiben über jede(n) einzelnen. Und so unterschiedlich wie die Leute gelebt haben, so sind sich auch verschieden.

Wenn man in dem Beruf steht, dann denke ich, kann man sich auch vorm Tod nicht abwenden.

Aber ich finde, jeder Mensch stirbt sehr individuell. Da findet man sehr krasse Gegensätze!
Meine Mutter hatte genau gewusst dass sie sterben würde. Aber sie ist noch aufrecht ins Krankenhaus gegangen und dort mit dem Taxi hingefahren, das sie selber organisiert hatte.
Sie hatte schon während ihrer Krankheitsphase keine Fragen an mich gestellt weil sie ganz genau gewusst hat, dass ich ihr nur die Wahrheit hätte sagen können oder sie anlügen. Beides wollte sie nicht.
Ich habe es akzeptiert und konnte bei ihrem Sterben nicht dabei sein. So wie wir im Leben oft sehr unterschiedlicher Meinung waren, so hat sie es wohl vorgezogen obwohl ich immer im Krankenhaus anwesend war, sehr schnell in der Nacht zu versterben wo sie es mit sich alleine abmachen konnte.
Ich brauche nicht zu sagen, dass unsere Nachbarn daheim von ihrer schweren Krankheit gar nichts wussten.

Mein Vater war wesentlich älter wie meine Mutter. Er realisierte schon den Sachverhalt nicht, dass Mama zum Sterben ins Krankenhaus ist. Ich hab ihm dann korrekt und sehr direkt gesagt: "Du, die Mama kommt nimmer heim! Die ist so schwer krank; die wird im Krankenhaus sterben!" Es war hart. Aber ich wollte ihn nicht hinhalten. Er hat es akzeptiert mit fragendem Blick.
Mama ist dann gegangen und ein gutes Jahr später auch er!
Bei ihm hat wohl die ganze Kriegszeit und hinterher 7 Jahre sibirische Gefangenschaft das Nötige dazu beigetragen. Und das mit Mama hat ihm vermutlich den Rest gegeben. Er hat es getragen wie die Frontkämpfer damals eben alle: Aufrecht, ohne Murren und den Blick geradeaus!

Meinen Vater habe ich im eigentlichen Sterben sehr eng begleitet. Er hatte einen Magendurchbruch und wurde noch operiert. Zuvor wollte er wohl noch mit mir reden. Hat von seiner Gefangenschaft erzählt und was ihm von daher belastet hat. Früher hat er davon überhaupt nicht gesprochen mir gegenüber. Es war nichts Schlimmes; kein Vergehen was er begangen hätte (er war im Versorgungstrupp in der Küche im Krieg). Aber anscheinend hat ihn zum Beispiel das Sterben seiner Mitgefangenen sehr bewegt von denen man sich dann das Brot holte, was unterm Holzkeil lag was ihnen als Kopfkissen diente.
Am nächsten Tag wurde er operiert und erwachte dann nicht wieder. Ich bin ein Monat in eines der größten Krankenhäuser nach München gefahren; täglich! Dann war Mai und wir haben mit Silieren begonnen. In meiner Familie hatte niemand mehr so richtig Verständnis, dass ich diese tägliche Krankenhauszeit aufbrachte. Ich hatte damals ja auch noch kleine Kinder. Der Jüngste war gut 3 Jahre alt. Ich hab dann mal einen Tag ausgesetzt und genau an dem Tag verstarb er.

Ich hab mir keine Vorwürfe gemacht. Ich mache sie mir auch heute nicht. Es war einfach zu Ende. Mein Vater hatte auch eine schwere Herzerkrankung. Und letztendlich war eigentlich mein Vater schon verstorben als er noch in der internen Klinik lag von wo er zur Operation dann verlegt wurde. Eben da, als er mit mir zuletzt gesprochen hatte. Es waren nur die Maschinen die ihn da im Koma am Leben hielten. Gestorben war er schon einen Monat zuvor.

Ihn habe ich schwer vermisst!
Aber ich betreibe deswegen keinen Totenkult.

Ich pflege das Grab weil ich es meinen Eltern schuldig bin. Lebendig wird deshalb niemand mehr!

Schuldig bin ich ihnen die Grabpflege nur deshalb weil ich weiß, dass meine Mutter das so auch für ihre Altvorderen  so gemacht hat. Mein Vater hätte es vielleicht sogar verstanden wenn ich das Grab aufgegeben hätte. Ich habe somit 3 Gräber zu pflegen und immer wieder neu aufzukaufen.

Ich denke während ich diese Zeilen schreibe an die vielen Menschen die im Zuge des letzten Krieges ihr Leben lassen mussten.

Ich denke an Menschen, die in den vielen Konzentrationslagern vergast, verbrannt oder in Massengräbern verscharrt wurden.

Ich denke an die Kinder damals die über Leichen steigen mussten, ihre Eltern verloren haben, sich im Kleinkindalter alleine durchschlagen mussten und sich ständig neuen Gefahren gegenübergestanden sind.

Dieses Denken kann man ausweiten und an die Mütter denken die damals ihren Kindern beim Sterben zusehen mussten infolge von Mangel und Not oder weil sie nicht der gewünschten Rasse angehörten.
Ebenso die Kinder die ihre Eltern beim Sterben begleitet hatten unwissend was nun geschieht und die hinterher im Zug wieder weiter marschieren mussten.

So was geschieht auch heute noch. Und das 2012!!! Das muss man sich mal vorstellen! Es sind nur andere Kontinente die es betrifft!

Uns geht es doch eigentlich gut!

Und hier in meinem Umfeld nimmt man sich schon der Sterbenden und der Trauernden an. Man findet, wenn man es will psychologische Betreuung.
Beim plötzlichen Tod eines lieben Menschen der hier bei uns am Hof verstarb kam gleich ein Kriseninterventionsteam mit.

Als mein SV sich das Leben nahm hatte man uns auch gefragt ob jemand vom KIT kommen sollte oder ob uns lieber ein Geistlicher wäre. Und es kam dann auch jemand; obwohl unser Pfarrer gar nicht da war.

Wo bitte hatte man das früher?

Da muss ich Fanni schon recht geben. Sie hat es genau getroffen in ihrem Posting!

Meine Kinder waren beim Sterben auch nie außen vor! Teilweise waren sie sehr intensiv damit beteiligt.
Bei meinen Eltern habe ich sie im kleinen Alter auch mit zur Beerdigung genommen. Bei uns daheim (75 km von hier) ist das durchaus üblich. Unverständnis erntete ich eher hier daheim wo man mich fragte ob ich die Kinder denn zur Beerdigung mitnehmen wollte.

Ich denke am Land wo Kinder mit Hasen, Kühen und Katzen aufwachsen und die Kleintiere auch oft selbst beerdigen müssen, da braucht man sich weniger Gedanken machen. Hier ist der Tod noch etwas, was zum Leben gehört!

Allerdings habe ich vier Jahre in der Großstadt gelebt und gearbeitet und habe da auch solche und solche Menschen kennen gelernt. Die einen haben sich damit auseinander gesetzt und andere wiederum sind  daneben gestanden als ginge sie das Ableben der Verwandten gar nichts an.
Das kann man aber hier auch manchmal finden. Ich denke, das ist kein Phänomen der heutigen Zeit oder der Großstadt.

Wenn jemand nach außen auch total ablehnend ist und gar keine Trauer zeigt, dem Toten nicht am Schluss noch begleitend zur Seite steht oder ihn ein letztes Mal  umarmt oder eben nicht will dass er länger daheim aufgebahrt wird,
Liebe Grüße
Martina

Offline martina-s

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #25 am: 19.07.12, 23:10 »
dann muss das nix heißen. Vielleicht war er mit der Situation überfordert und/ oder er hat falsch reagiert. Hinterher tut einem so etwas dann oft leid!. Aber man kann verpasste Situationen nicht wieder gut machen oder anders wieder holen.
Man steht da oft wirklich neben sich.
Und so filmreife Rituale wo alle sich um das Sterbebett versammeln werden nicht die Regel sein. Und wenn, dann sollte man vielleicht früher, wie heute hinterfragen ob alle wirklich mit ganzem Herzen dabei waren...

Verscharrt wird zumindest bei uns hier in der Gemeinde niemand.

Ein Problem wird wohl einmal werden wenn sich viele dem Glauben los sagen. Also diese Trauerredner sind in der Regel schon sehr gewöhnungsbedürftig. Vor allem weil sie mit dem Verstorbenen in der Regel vorher nichts zu tun hatten...

Da gefällt mir schon besser die Dorfgemeinschaft und der Pfarrer. Letzterer macht ja auch Krankenbesuche und Krankensalbung und kommt somit schon vorher mit dem Verstorbenen in Berührung...
Liebe Grüße
Martina

Offline gatterl

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #26 am: 20.07.12, 06:55 »
So, nun Herr Burgstaller hier ist dann auch mein Beitrag zu Ihrem Thema.


Und so filmreife Rituale wo alle sich um das Sterbebett versammeln werden nicht die Regel sein. Und wenn, dann sollte man vielleicht früher, wie heute hinterfragen ob alle wirklich mit ganzem Herzen dabei waren...

Ein Problem wird wohl einmal werden wenn sich viele dem Glauben los sagen. Also diese Trauerredner sind in der Regel schon sehr gewöhnungsbedürftig. Vor allem weil sie mit dem Verstorbenen in der Regel vorher nichts zu tun hatten...

Da gefällt mir schon besser die Dorfgemeinschaft und der Pfarrer. Letzterer macht ja auch Krankenbesuche und Krankensalbung und kommt somit schon vorher mit dem Verstorbenen in Berührung...


Liebe Martina, Deine beiden Beiträge unterschreibe ich ( bis auf Kleinigkeiten ) sofort. Da Du keine von denen bist, die immerzu ellenlange Beiträge schreiben wusste ich auch schon, dass du wirklich was zu sagen hast und stimme Dir fast komplett zu, finde mich geradezu wieder.
Zum Thema ums Sterbebett versammelt fällt mir meine Schwiegermutter ein, die während des Sterbens ihrer Schwiegermutter mit mir beratschlagen wollte, was wir ihr denn anziehen werden, wenn sie jetzt dann gestorben ist. Und am Sterbebett trugen sie und ihre Schwägerin auch noch die seit Jahren schwelenden Eifersüchteleinen aus. Leider war ich damals noch zu jung und ein Feigling um dem ein Ende zu machen, heute sähe das anders aus.

Die einzige Sache wo ich Dir wiederspreche- wohl - weil ich zwar Gottgläubig aber dem Katholischen Inszenierungen eher zurückhaltend gegenüberstehe - ist die Sache mit dem Trauerredner. Ich habe auch schon Beerdigungen mit solchen Leuten erlebt. Die waren teilweise respektvoller und "schöner" als die von den Priestern gestalteten.
Lobhudeleien,wie sie bei hochgestellten Leuten üblich sind (die im wahren Leben echte Problemfälle waren ) erzeugen bei mir Brechreiz.
Früher war das die einzige Hilfe, dass der Pfarrer kam und gegen die Krankensalbung habe ich auch nichts.
Aber Gott sei Dank gibt es auch in schweren Zeiten in der Gegenwart auch andere Hilfsangebote als die vom Herrn Pfarrer. Für Leute wie mich, die nicht so ganz kirchengläubig sind.
« Letzte Änderung: 20.07.12, 07:01 von gatterl »
Manche Menschen können nichts mehr wahrnehmen ausser ihrer eigenen Befindlichkeiten
Florian Schroeder

Offline martina-s

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #27 am: 20.07.12, 07:11 »
Hallo Barbara,
da täuschst Du Dich in mir. Ich kann bei manchen Sachen wahre Bücher schreiben. Komme selten zum Punkt und wundere mich dann selber wie andere das lesen wollen und auch bis zum Ende des Beitrags durchhalten  ;D 8)

Ich war schon einige Male bei Bestattungen wo solche Redner sind. Dabei kritisiere ich nicht die Reden und deren Inhalte. Es überkommt mich oft eine Leere, welche die ganze Zeremonie begleitet.
Ich selber will auf so einer Beerdigung eingebettet in einem Gottesdienst beten können. Egal wie der Verstorbene im Leben war fällt mir das eben in einem Gottesdienst und dessen Rahmen leichter.
Die Trauerrede selbst gestaltet sich bei uns am Ort eh meist nüchterner. Man geht oft nimmer so ins Detail also wird auch nicht Lob gehudelt. Oft übernehmen auch Angehörige einen kleinen Rückblick. Das ist aber dann oft bei Menschen, die von denen auch sehr geliebt worden sind oder wo eben die Familie in sich sehr eng zusammen war.
Selber könnte ich das nicht. Mir kommen da die Tränen, auch wenn die Enkel da reden und da könnte ich nimmer weiter reden. Bin da sehr nah am Wasser gebaut.
Liebe Grüße
Martina

Offline Ginchen

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #28 am: 20.07.12, 08:56 »
Die Freundin meiner Tochter hat am Begräbnis ihres Bruders Fürbitten gelesen. Sie hatte das Gefühl stark sein zu müssen für ihre Eltern und ihren jüngeren Bruder. Das war sie  bis auch sie nicht mehr konnte und endlich die Tränen kamen.
Man wächst über sich hinaus und zeigt eine Stärke die einem in nachhinein gesehen selber verwundert und von der man nicht glaubte sie zu haben.
Herzliche Grüße aus Niederösterreich
Regina

Mut ist der Zauber, der Träume Wirklichkeit werden lässt!

Offline schlepperbandeTopic starter

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Re: Der Tod ist von uns gegangen
« Antwort #29 am: 20.07.12, 11:15 »
Ich habe den Eindruck, der Tod verschwindet aus der Öffentlichkeit. Trauer findet nur mehr in der Privatheit statt. Trauern geht doch nicht mit sich alleine. Da brauchen wir unsere Freunde dazu! Andererseits werden Blumen- und Kerzenmeere aufgestellt an Stellen, wo jemand zu Tode gekommen ist. Mir geht diese plakative Sitte auf die Nerven. Ich weiß aber nicht wieso.

Ich bin in einem Alter, wo der Tod immer wahrscheinlicher wird. Er kann ja jederzeit zu jedermann kommen. Er kommt immer zu früh. Dieses Zu-Früh macht mir zu schaffen. Das würd ich gerne aus der Welt schaffen. Wie? Irgendwo , ja in der Bibel glaub ich, steht das, die Überwindung des Todes ist bedingungslos zu lieben. Alles andere, was wir sonst aufführen, Geld anhäufen, Denkmale setzen, Bauwerke errichten, wäre vergebliche Ersatzhandlung und nur ein Kampf gegen das Unausweichliche.