Autor Thema: landwirtschaftliche Sozialversicherung / Bäuerinnenrente  (Gelesen 50144 mal)

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Hallo!

Wegen den Kindererziehungszeiten war ich in den letzten sechs Jahren von der Beitragszahlung zur Alterskasse  befreit.

Beim Bauernverband habe ich mich nach Möglichkeiten einer weiteren Befreiung erkundigt.

Eine Befreiung ist nur in folgenden Fällen möglich:

- weitere Kindererziehungszeiten
- Pflege von Angehörigen
- Aufnahme einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit
- freiberufliche Tätigkeit mit einem Einkommen über 325 Euro

Da keiner dieser Punkte für mich zutrifft, bin ich gezwungen in die landwirtschaftliche Alterskasse einzuzahlen. >:(

Vor vielen Jahren haben die Landfrauenverbände für die "Bäuerinnenrente" gekämpft. :o
Das Ergebnis ist aber meiner Meinung nach ernüchternd.

Als Frau eines Landwirts wird man gezwungen Rentenversicherungsbeiträge zu leisten.
Die erwartende Rente ist dann aber so niedrig, das man ohne eine zusätzliche private Rentenversicherung nicht auskommt.

Also doppelt zahlen....... ???

Wie steht ihr zur "Bäuerinnenrente"?
Welche Erfahrungen habt ihr mit der Sozialversicherungspflicht in der Landwirtschaft?

 
« Letzte Änderung: 30.11.02, 16:37 von reserl »
lieben Gruß
Reserl



Manchmal ist es ein großes Glück,
nicht zu bekommen, was man haben will.

Offline Edith

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Re:Bäuerinnenrente
« Antwort #1 am: 23.09.02, 13:31 »
Als die Bäuerinnenrente eingeführt wurden, gab es einige ältere Frauen am Ort, die das sehr gut fanden.
Wir am Anfang stehenden Beitragszahler haben aber sehr schnell gemerkt, dass mit der angeblichen "Aufwertung" der Arbeitsleistung der Bäuerinnen nur bemäntelt werden soll,  die Beitragszahler zu verdoppeln.
Wir sind eine Randgruppe der Gesellschaft und können eigentlich weder eine eigene Altersversorgung noch eine Krankenkasse aufrechterhalten mit der kleinen Zahl von aktiven Beitragszahlern und der großen Zahl von Leistungsempfängern.
In unserem Beruf steht wie in kaum einer anderen Sparte die Alterspyramide auf dem Kopf.
Ich denke, dass dieses System bald an sein Ende gelangt, denn wer kann denn die steigenden Beiträge aufbringen, wenn  nach und nach alle Einkommensquellen versiegen?
Zudem ist man mit der Rente, so man sie dann erreicht, ja noch nicht vollversorgt. Jeder, der schon nur  ein Auto im Alter  unterhalten will, muss ja weiteres Geld für eine private Altersvorsorge inverstieren.
Kaum ein Landwirt in Rente wird sich auf finanzielle Polster im Betrieb stützen können, und wer will schon die Nachfolgefamilie über Gebühr belasten?
Ein Eingeständnis, dass die Zeiten schwierig sind, wird damit gemacht, vom Staat Beitragszuschüsse zu gewähren.  Ist das ne Wirtschaft?!
Edith

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Re:Bäuerinnenrente
« Antwort #2 am: 30.11.02, 16:37 »
Gerade hab ich das Wochenblatt durchgeblättert:

Eine Überschrift ist mir besonders ins Auge gefallen:

Kassen spüren den Strukturwandel


Auf 100 Beitragszahler in der landwirtschaftlichen Altersversicherung gibt es bereits 170 Leistungsempfänger... :o
Die Landwirtschaft kann das nicht mehr alleine schaffen.

Die Sozialbeiträge sollen im nächsten Jahr weitgehend stabil bleiben.
Zitat: Lediglich die Alterskasse dürfte um 11 Euro teuerer werden. :-\

Lediglich?  ???

Das ist eine Steigerung um fast 6%. Ist das nichts?
22 Euro im Monat mehr ist kein Pappenstiel.... und das ist ja nicht das Ende der Fahnenstange. :-\

Wie ist eure Meinung dazu?
lieben Gruß
Reserl



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Babsie

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Nachdem die Kolleginnen die vorher eine Private Rentenversicherung abgeschlossen haben und sich von der Bäurinnenrente befreit haben diese private RV kündigen können ohne das die Pflichtversicherung bei der LAK auflebt wird  es höchste Zeit, das die Bäurinnenrente auf Freiwilligkeitsbasis umgestellt wird.
Das müssen wir  Frauen aber selber fordern denn wir haben die Bäurinnenrente  mit Nachdruck gefordert und nie das erhalten was uns eigentlich versprochen worden ist.  Mit dem Beitrag hat man unsere Betriebe belastet um damit  eine marodes System zu sanieren.
Ich sage nur: Ein Beitragszahler -fünf Altenteiler ???

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Mit dem Beitrag hat man unsere Betriebe belastet um damit  eine marodes System zu sanieren.


Babsie, da hast du wohl recht.

Auf die Bäuerinnen als Beitragszahler kann die Alterskasse sicher auch nicht mehr verzichten. Deshalb werden die uns sicher nicht mehr "entlassen".

Was wurde den Bäuerinnen bei Einführung der Bäuerinnenrente versprochen?
Darüber bin ich jetzt gar nicht informiert....

lieben Gruß
Reserl



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Babsie

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Hallo Reserl, wir Bäuerinnen haben diese Rente selber gefordert unter der Bedingung,  daß unsere Betriebe dadurch nicht belastet werden. (eigene Rente, selbständig, mitarbeit im Betrieb wird honoriert emanzipierte Landrauen usw.) Nicht belastet heißt: Der Beitrag hätte durch den von der Politik gewollten und verursachten Strukturwandel unsere Wohlstandsgesellschaft (die lebt nämlich auf unsere Kosten) tragen sollen. Leider haben unsere Bauernverbandsvertreter geschlafen (wie sonst auch) und die Politiker haben den Spieß umgedreht und die Bäuerinnenrente ausgenutzt um ihr marodes zum sterben Verurteiltes Alterskassensysem einem längerem Sichtum zu unterziehen. (wie üblich bei Politikern: keine courage ) Denn meineserachtens wäre besser  "Ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
(siehe Beitragssteigerungen und das x2)
P.S. Wo kann ich denn mein Passwort ändern?

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Ich habe damals (wann war das eigentlich genau?) die Diskussion um die Einführung der Bäuerinnenrente nicht verfolgt.
War ja noch keine Bäuerin....

Jedenfalls war das ein perfektes Eigentor..... >:(
lieben Gruß
Reserl



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Babsie

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Hallo Britta,
bei uns sind  alle Bäurinnen bei den Landfrauen und alle Bauern beim Bauernverband. ( ist eh das selbe) Ich kenne leider sonst keine andere bäuerliche Berufsvertretung  oder habe  ich in meinem kurzen Bäurinnenleben etwas noch nicht mitbekommen? Jedenfalls herrscht bei uns Friede Freude Eierkuchen und über solche lästigen Dinge wie Bäurinnenrente wird nicht diskutiert. (stinkt mir schon ein bißchen)
Tenor von unserer Kreisbäurin (älter) "Da kann man eh nichts machen"
Ebenso von Seiten des Ortsobmannes und Kreisobmann.

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Habt ihr von eurer Alterskasse auch die

"Mitteilung über die neue Beitragshöhe ab 01.01.2003"

bekommen?


Da kommt Freude auf. ::) >:(
lieben Gruß
Reserl



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Offline Andreas

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Der Termin wurde im Kalender eingetragen:

Titel:

Zukunft der landwirtschaftlichen Sozialversicherung
Wann: 8-März-2003  10.00 - 16.30 Uhr
Wo: Kloster Roggenburg > http://www.kloster-roggenburg.de/

Näheres dort unter:

http://www.agrar.de/cgi-bin/suite/calendar/calendar.cgi?request=detail&event_id=10577&website=default


oder siehe:

http://www.abl-bayern.de/

Programm zum Downloaden im doc-Format unter:

http://www.8ung.at/abl-bayern/roggenst.DOC

Da es auch um die Zukunft der Bäuerinnenrente geht, würde ich mich freuen, auch von Euch jemand begrüssen zu können.

Liebe Grüße
Andreas

Silkeb

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Re:landwirtschaftliche Sozialversicherung / Bäuerinnenrente
« Antwort #10 am: 23.02.03, 13:44 »
Gegenüber anderen Frauen fühle ich mich als Landwirtsfrau bei diesem System auch benachteiligt. Mein Arbeitgeber hätte bspw. ein weiteres, freiwilliges Erziehungsjahr nach dem gesetzlichem Erziehungsurlaub mir zugestanden, aber dann hätte ich ja prompt das Sozialversicherungsproblem gehabt, also habe ich das vierte Jahr nicht genommen.
Vor allem finde ich es auch ungerecht, wie wir im Gegensatz zu den Hausfrauen und -männern und Geringverdienern behandelt werden, da ist auch keine gerechtigkeit zu erkennen.

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Re:landwirtschaftliche Sozialversicherung / Bäuerinnenrente
« Antwort #11 am: 27.02.03, 08:31 »
Der Präsident des DBV  Gerd Sonnleitner hat im Internetchat  der DLZ viele Fragen zur Alterssicherung beantwortet.

Im einzelnen könnt ihr sie unter:

http://www.wochenblatt-dlv.de/32872.html

nachlesen.
lieben Gruß
Reserl



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Offline Andreas

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Re:landwirtschaftliche Sozialversicherung / Bäuerinnenrente
« Antwort #12 am: 09.03.03, 14:08 »
Hallo Maria,
unsere Sozialtagung ist nun auch vorbei.
Mir hat sie sehr gut gefallen, ich hab auch von den anderen Teilnehmern nur
positive Stimmen gehört.
Der absolute Höhepunkt bei den hochklassigen Referentenbeiträgen war der Vortrag
von Fritz Schober, dem Leiter des Departement Soziales, Bildung und
Dienstleistungen beim Schweizerischen Bauernverband.
Herrn Schober gelang Dank seines enormen kabaretistischen Talents, den Zuhörern
überaus verständlich darzustellen,  wie das Schweizerische Sozialsystem
funktioniert. Bei diesem schwierigen und an sich trockene Thema kam wirklich nie
Langeweile auf, im Gegenteil die Teilnehmer lachten Tränen und haben trotzdem
kapiert um was es geht.
Ich möchte mich bei Regi für Ihren tollen Tip sehr herzlich bedanken.
Sobald der Tagungsbericht vorliegt, werden wir eine Kurzfassung auf www.abl-bayern.de
veröffentlichen.

Liebe Grüsse
Andreas

Offline Beate Mahr

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Re:landwirtschaftliche Sozialversicherung / Bäuerinnenrente
« Antwort #13 am: 23.05.03, 15:10 »
Hallo

ich grad gelesen

Sozialkassen der Landwirte wurden deutlich gestrafft

BERLIN (vo). Die Bundesregierung hat selten
Gelegenheit, sich wegen einer gelungenen
Organisationsreform einer Sozialversicherung auf die
Schulter zu klopfen. Bei der Landwirtschaftlichen
Sozialversicherung kann sie es. Aus ehemals 20 wurden
neun Träger der Kranken-, Renten- und Unfallversicherung gemacht.
Die Reform wird in diesem Jahr abgeschlossen.


weiter hier ...

http://www.aerztezeitung.de/docs/2003/05/23/096a1402.asp?cat=/politik/krankenkassen

Wundert mich da noch irgend was ???

sicher nicht

Gruß
Beate
Entscheidend ist nicht, ob man kritisiert wird;
entscheidend ist, ob die Kritiker die Mehrheit bilden.

© Ernst R. Hauschka

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Re:landwirtschaftliche Sozialversicherung / Bäuerinnenrente
« Antwort #14 am: 12.12.03, 14:03 »
Erst kürzlich hatte ich wieder eine Diskussion mit einem Berufskollegen, der nicht verstehen wollte,
das ich ich einen Beitrag zur Alterskasse zahlen muß.  

Seiner Meinung nach gäbe es ja viele Möglichkeiten der Befreiung. ::) 8)
Und wenn ich die nicht nutze, bzw. genutzt hätte
sei ich selber schuld. >:(

Ist mir da was entgangen? ::)
Wer von euch ist auch so "dumm" und zahlt? 8)
lieben Gruß
Reserl



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