Autor Thema: Das Jahr der Bäuerin  (Gelesen 6123 mal)

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Offline LexieTopic starter

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Das Jahr der Bäuerin
« am: 06.01.26, 19:33 »
bitte verschieben, wenn es nicht paßt, oder es schon wo anders gibt.

Irgendeine Organisation hat 2026 als das Jahr der Bäuerin ausgerufen.

Mich würde mal interessieren, wer hier noch aktive Bäuerin ist, bzw. wie lange es ihr wart.
Ob ihr gerne Bäuerin seid/gewesen seid, ob ihr es nochmal machen würdet

Was ist das schönste an unserem Beruf,
Warum haben soviele die Schnautze voll von diesem Beruf


Offline klara

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #1 am: 06.01.26, 19:42 »
Hallo Lexie,
beantworte doch selbst mal die Fragen, bevor du sie von anderen beantwortet haben willst :D.
LG Klara
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Offline zwagge

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #2 am: 06.01.26, 19:49 »
Hallo Lexie,
Ich bin aktive Bäuerin seit 25 Jahren ( eingeheiratet). Ja, ich bin gerne Bäuerin.  Ich konnte immer für meine Kinder da sein, auch wenn es oft stressig ist/war. Und Ja, ich würde es wieder machen, weil ich gerne mit Tieren und der Natur arbeite (gelernte Gärtnerin). Es funktioniert aber nur wenn man zusammenhält. Ich hatte das Glück, dass auch mein Schwiegervater zu mir gehalten hat. Auch gegen meine Schwiegermutter, die ( leider) ein ziemliches Biest ist und es wird nicht leichter.

Das schönste an unserem Beruf würde ich sagen, dass wir sehr geerdet sind, wir arbeiten mit dem Lauf der Zeit....

Die Schnauze voll ( hatten wir auch schon) hat man hauptsächlich weil man sich immer rechtfertigen muss, Auflagen werden einen übergestülpt, die Gesellschaft "haut" auch  nur drauf und Fordert....

Das ist das was uns wurmt
Ganz liebe Grüße
Birgit

Offline LexieTopic starter

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #3 am: 06.01.26, 19:59 »
also ich bin seit fast 38 Jahren auf dem Hof meines Mannes, hab 2 erwachsene Kinder und 1 Enkel

mit dem Beruf der Bäuerin hab ich z.Zt große Probleme, ich will es einfach nicht mehr tun.
früher hatte ich noch mehr Spaß daran, aber mittlerweile, nee ich hab die Schnauze voll.

der ständige Papierkram und einfach die viele Arbeit machen mich müde und antriebslos.

wir werden den Hof zum 1. Juli an unseren Sohn übergeben und ich hoffe für mich, dass es dann besser wird, wenn wir die Verantwortung
abgegen können.

In unserem Dorf sind wir noch 4 Bäuerinnen, alle über 50. Junge sind z.Zt. nicht in Sicht

Das Schönste am Beruf war für mich, dass ich viel von meinen Kindern hatte, ich hab sie voll aufwachsen sehen und jetzt auch den Enkel, der es
genießt auf dem Hof zu sein.

Offline gschmeidlerin

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #4 am: 06.01.26, 20:04 »
Auch ich bin noch Bäuerin, immer noch gerne, auch wenn ich oft richtig müde bin. Ich glaub der Stellenwert der Bäuerin ist zumindest bei uns nicht so schlecht. In unserer Gemeinde gibt es jetzt auch wieder einige sehr engagierte sehr junge Bäuerinnen. So bekommen wir jetzt eine neue Ortsbäuerin, die ist noch nicht 30. Werde sie sicher wählen und auch unterstützen.

Offline Marina

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #5 am: 06.01.26, 20:12 »
Ich habe vor 40 Jahren hier eingeheiratet. Hatte zuvor nie etwas mit Landwirtschaft zu tun.
8 Jahre war ich nach der Eheschließung noch Vollzeit auf Arbeit, habe nur am WE in der Außen-
wirtschaft geholfen. Als die Kinder da waren, habe ich notgedrungen meine außerhäusige Arbeit
aufgegeben. Ich war dann überall in der Landwirtschaft mit eingebunden. Da ich nie melken gelernt
haben (hatte immer Angst vor den Kühen), habe ich mich nie als Bäuerin bezeichnet. Irgendwie war
das immer in meinem Kopf: Melken = Bäuerin.

Wir haben seit ca 1 1/2 Jahren kein Vieh mehr und seit einem Jahr auch keine Außenwirtschaft mehr.
Ich habe der Landwirtschaft bisher keine Träne nach geweint.

Ob ich es noch einmal machen würde? Vermutlich ja. Es hing ja mein Mann dran  ;D ;)
« Letzte Änderung: 06.01.26, 20:14 von Marina »

Offline frankenpower41

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #6 am: 06.01.26, 20:47 »
den Schlusssatz von Marina würde ich jetzt auch unterschreiben.

Ich habe vor 38 Jahren hier eingeheiratet, habe im Büro gelernt und bis kurz vor der Geburt des 1. Kindes auch gearbeitet.
Ich komme aber von einem Bauernhof.

Bin immer noch voll im Betrieb eingebunden und manchmal denke ich es wird nicht weniger, eher mehr.
Wir haben den Betrieb  vor 3 Jahren übergeben, aber es ist bei den meisten Familien doch so wenn der Betrieb weitergeführt wird dass man dann auch mitarbeitet solange es nötig ist.

Offline klara

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #7 am: 06.01.26, 22:52 »
Hallo Lexie,
so ähnlich wie dir ergeht es mir auch. Vor 40 Jahren hier voller Tatendrang eingeheiratet. Wir mussten uns die Landwirtschaft auf bauen. Viel war nicht da. Jetzt sind wir beide in Rente mit aktivem Betrieb ohne Nachfolger. Der Bürogratieabbau artet zum Gegenteil aus. Das meiste läuft nur noch über PC, wo sich die jüngeren leichter tun. Alles wird teurer ,aber unsere Produkte schlagen ab. Alles nichtmehr schön.
LG Klara
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Offline Tina

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #8 am: 06.01.26, 23:24 »
Dem letzten Satz von Marina stimme ich auch zu.

Meinen Göga gab es nur mit Hof und Anhang.
Ich habe mich von Anfang an in den Hof eingebracht, war auch mein Ding. Habe hauptsächlich im Stall, wir hatten Milchvieh, dann die ersten Jahre auch bei der Kartoffelernte geholfen
Dann hatte ich die Buchführung übernommen und war " Finanzminister"
Das hat mir immer viel Freude bereitet,  auch meine Ehrenämter, die brauchte ich als Ausgleich.
SV war ein toller Mensch, hat uns sehr unterstützt.. Aber meine SM hat mich an meine Grenzen gebracht, ich habe mir geschworen,  im Altenteil nur getrennte Wohnungen.
Heute sind die Kühe weg, ich kümmere mich mit um die Enkel, koche oft für beide Familien.
Ansonsten habe ich gesundheitliche Probleme, und bin froh, das ich hier einigermaßen Klar Schiff habe.
Wir fahren viel mit dem Fahrrad,  fahren auch mehr weg und genießen unsere Kinder,  Enkel und die freie Zeit.
LG
Tina

Offline Annina

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #9 am: 08.01.26, 08:44 »
Hallo Lexie,

vor 15 Jahren haben mein Mann und ich den Milchwirtschaftsbetrieb übernommen, und ja, ich bin gerne Bäuerin :D
Was ich an meinem Beruf mag, ist z.B. die Vielseitigkeit. Gerade bei uns in den Bergen sind die Arbeiten in jeder Jahreszeit anders, und jede Jahreszeit hat ihr schönes, aber auch seine Herausforderungen. Wobei ich auch diese mag.
Was mir eher Mühe bereitet, ist (wie wohl bei vielen) die Bürokratie. Jedes verabreichte Medikament dokumentieren, Gesuch hier, Meldung da, das belastet mich schon.

Und ja, ich würde es wieder machen, auch mit einem anderen Mann ;)
Liebe Grüsse, Annina

Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.  Aristoteles

Offline Marina

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #10 am: 08.01.26, 09:48 »
Schade, das so wenig Resonanz hier ist. Traut sich niemand seine ehrliche Meinung zu schreiben?

Offline mamaimdienst

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #11 am: 08.01.26, 09:59 »
Wie definiert man „Bäuerin“? Wann ist man „Bäuerin“?

Wenn ich es auf mich beziehe:

Verheiratet mit einem Landwirt - ja
Ist nicht außerbetrieblich tätig -ja
Hat den Beruf „Landwirt“ erlernt - nein
Hat eine hauswirtschaftliche (ländlich) Ausbildung - ja
Ist täglich im Stall - nein
Hat einen Gemüsegarten - nein
Kann Traktor fahren - ja (aber nicht gut  ;) )
Übt ein landwirtschaftliches Ehrenamt aus - ja (Ortsbäuerin im BBV)

Hm… 5x ja, 3x nein. Ich kann mich wohl doch Bäuerin nennen. Was meint ihr?

Bevor man seine Feinde liebt, sollte man netter zu seinen Freunden sein. - Mark Twain-

Offline Marina

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #12 am: 08.01.26, 10:19 »
Dunja, die Frage ist doch: wie fühlst du dich?

Ich habe es oben schon geschrieben. Ich fühlte mich nie als Bäuerin.
Seit dieser Trade aufgemacht wurde, denke ich (wieder) viel darüber nach.
Mein Pech war vielleicht, dass mich mein Umfeld immer klein in Bezug auf
den Beruf Bäuerin gehalten hat. Mein SV akzeptierte nie, was ich leistete.
Weder als ich arbeiten ging, erst recht nicht, als ich daheim im Stall und
Feld aktiv war. Es war ihm immer zu wenig.

Meine Bekannten waren fast alle aus einem Bauernhof, hatten aber alle
außerlandwirtschaftlich geheiratet und einen Beruf. Für die habe ich auch
nie "gearbeitet". Sie neideten mir, dass ich immer daheim bei den Kindern
war, immer machen konnte, was und und wann ich wollte. Hahaha  :(

Erst als ich vor 10 Jahren stundenweise außer Haus tätig war, war ich in
ihren Augen "jemand".

Wir leben hier nicht mehr sehr ländlich geprägt. Die Stellung des Landwirtes,
bzw. der Bäuerin wird nicht mehr wert geschätzt.

Offline frankenpower41

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Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #13 am: 08.01.26, 10:40 »
Das ist ein zunehmendes Problem, zumindest für mich, das sich in den letzten Jahrzehnten sehr geänderte Umfeld.
Ich meine da nicht nur die städtische (nicht nur Großstädte mit überhaupt keinen Bezug und nur noch durch Medien, die sind ja sehr oft negativ) geprägt sind.

Auch bei mir ist es so dass (fast) das gesamte Umfeld zwar von Höfen kommt,teilweise auch noch Landwirtschaft hatte, aber inzwischen längst aufgehört hat.
Manche von denen haben weniger Ahnung als welche die nicht aus der Landwirtschaft kommen sich aber interessieren.  Hinzu kommt dass viele glauben ja noch alleszu wissen.  Wenn da Aussagen kommen  "die großen, reichen Bauern kriegen nicht genug....."  oder wegen Spritzmittel usw. da muss ich mich oft sehr beherrschen was dagegen zu sagen.
Teilweise auch so dass sie sehr herabschauen.  Eine in der Verwandtschaft, in ehemalige, wirklich sauber hergerichtete Hofstelle eingeheiratet, von Hof und studiert,
"bei uns soll es nicht aussehen wie auf Bauernhof" 

Hinzu kommt, ist auch Frage  wie der Hof aufgestellt ist, dass sich alles nur noch um Freizeit und verreisen dreht. Geld spielt auch oft keine Rolle  (die Eltern haben Betrieb aufgegeben und wo glaubt ihr wohin das ging?), also nicht nur von selbst erarbeitet.

Ich habe es öfters geschrieben,  bei uns geht es weiter, Sohn ist alleinstehend und baut momentan Milchviehstall, viele Schulden.
Ich habe das sicher nicht gewollt, aber es ist sein Traum und Leben, ich hätte ihm auch ruhigeres Leben gewünscht, so wie es viele im Umfeld haben.

Vielleicht dreht sich ja auch mal alles, wir hatten schon viel in der Geschichte.
Auch am Arbeitsmarkt ist es nicht mehr so rosig, und ob das mit der Work-Life-Ballance langfristig aufgeht ist auch eine Frage.
« Letzte Änderung: 08.01.26, 15:28 von frankenpower41 »

Offline Margret

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  • Bäuerinnentreff-eine Bereicherung des Alltags !
Re: Das Jahr der Bäuerin
« Antwort #14 am: 08.01.26, 12:02 »
Interessantes Thema ! :D
Kam wegen diversen Pflegefällen nicht ans Schreiben bisher, heut ist mal Aufschnauf-Tag.

Ja, ich fühle mich als Bäuerin, obwohl ich weder hauswirtschaftliche noch landwirtschaftliche Ausbildung habe. Bin seit ca. 30 Jahren mit viel Herzblut dabei.
Empfinde von Leuten von außen meist auch eher Respekt als Misstrauen oder Missbilligung. Zumindest da wo man uns kennt.
Haben auch viele Bekannte aus nicht-landwirtschaftlichem Umfeld.

Die finanzielle Entlohnung ist allerdings fast immer schon sehr frustrierend. Da wäre ich in meinem erlernten Beruf (Verwaltung) sicher sehr viel besser dran gewesen, auch rententechnisch. Ob ich da allerdings glücklicher geworden wäre, bezweifle ich.
Wir hatten auch nie groß Gelegenheit für Urlaub oder viele Freizeitmöglichkeiten, das finde ich nebenbei auch etwas schade.

Ich würde es wohl wieder machen,  es passt schon gut zu mir. Hauptgrund wäre aber mein Mann.

Das Gefühl, Bäuerin zu sein, liegt wohl am landw. Gen (bin auf Hof aufgewachsen und finde vieles gut an der LWS- aber nicht alles !).

Das allerbeste an meiner Situation ist mein Mann, mit dem ich einfach gerne zusammen bin und auch gut zusammmenarbeite.
Außerdem mag ich Tiere und Natur, so dass ich da in manchen Bereichen Erfüllung fand und finde. Stall, Obstbau, Weinbau,...
Bei uns blieb der Haupt-Betriebszweig, das Schwein, ist nun aber viel weniger aufwändig (Muttersauen weg, nur noch Mast). Das wäre nun angenehm, die Erleichterung wurde aber stark aufgezehrt von mehreren Pflegebedürftigen usw. im nächsten Umfeld, die mich viel Kraft kosten.
Andere Betriebszweige gingen (z.B. Obstbau), neue kamen (z.B. Stellplatzvermietung), das passt alles.

Mir gefällt die Abwechslung, ich merke immer mehr, dass ich kein Sitzfleisch und keine Lust habe für immer das Gleiche.

Beängstigend und sehr lästig finde ich die komplizierteren Dinge im Büro. Besonders die unsinnigen, die kontrollierenden, die misstrauischen.... Und wo das Ganze agrarpolitisch usw. hinführt.
Da bin ich froh, dass wir in einigen Jahren aufhören werden. Dies bringt aber natürlich wieder andere Anstrengungen.

Es fällt mir sicher noch einiges dazu ein.

Margret
« Letzte Änderung: 08.01.26, 14:17 von Margret »