Betriebliches > Außenwirtschaft

EU-Pflanzenschutznovelle und ihrer Auswirkungen auf die Praxis

<< < (2/4) > >>

Katharina:

--- Zitat von: Mirjam am 11.12.08, 08:18 ---
Beruflich bedingt sitze ich derzeit über REACH und der Biozid-Verordnung, die auch die Pflanzenschutzmittel trifft. Es ist einfach nur ~ gruselig ~.

--- Ende Zitat ---

Hallo Mirjam

bist du dir sicher, dass Biozide mit Pflanzenschutzmitteln verglichen werden können?

Zitat aus Wikipedia:
Biozide (abgeleitet von bios griech. Leben und caedere lat. töten) sind in der Schädlingsbekämpfung im nicht-agrarischen Bereich eingesetzte Wirkstoffe, Chemikalien und Mikroorganismen gegen Schadorganismen (z.B. Ratten, Insekten, Pilze, Mikroben), also beispielsweise Desinfektionsmittel, Rattengifte oder Holzschutzmittel.


--- Zitat von: Mirjam am 11.12.08, 08:18 ---Zum anderen braucht jeder Inverkehrbringer für Biozide eine Listung vom Bundesumweltamt in der Biozid-Richtlinie. Dabei reicht es meiner Kenntnis nicht aus, wenn das Produkt in einem EU-Land eine Zulassung/Listung hat, neinnein, die Deutschen wollen das nochmal extra (zum Geldverdienen haben).

Hier mal die Liste der Kosten nach dem Leitfaden - allein die Zulassung kostet zwischen 10. und 45.000 Euro, extra dazu kommen noch z.b. Prüfung der Wirkstoffe je Produktart zwischen 75. und 100.000 Euro + sonstige Verwaltungsgebühren...

Das ganze ist so komplex, dass es Fachtagungen dafür gibt, die für 2 Tage für 1.500 Euro je Person gehandelt werden - wenn man da durchsteigen will.

Kein Wunder also, dass manche Hersteller hier sagen: Das holen wir nicht mehr rein, das ist zuviel Aufwand - oder eben sagen: Lassen wir welche vom Markt fliegen, macht die übrigbleibenden umso ~ attraktiver ~ da weniger Auswahl?


--- Ende Zitat ---

Hier sind zum Vergleich die Preise für die Zulassung von Pflanzenschutzmitteln:

Zitat:
In Deutschland und der EU dürfen nur zugelassene Pflanzenschutzmittel
verkauft und angewendet werden.
Pflanzenschutzmittel werden zugelassen, wenn deren Wirksamkeit
gegen Schadorganismen nachgewiesen wurde und sie
keine nicht vertretbaren Auswirkungen auf die Gesundheit von
Mensch, Tier und auf den Naturhaushalt haben.
Damit diese Voraussetzungen erfüllt werden, müssen die Unternehmen
im Vorfeld zahlreiche z. T. mehrjährige Studien
durchführen:
- zur Wirksamkeit
- zum Abbauverhalten und zu Rückständen in der
Umwelt,
- zur Toxikologie und
- zur Ökotoxikologie.
Die Wirkstoffe der national zugelassenen Pflanzenschutzmittel werden nach Prüfung durch die EU-Kommission in die Positivliste
der Europäischen Union aufgenommen.
Die Entwicklungskosten für ein Pflanzenschutzmittel betragen ca. 200 Mio. €. Bis zur Marktreife eines Pflanzenschutzmittels werden ca. 140.000 Substanzen getestet.

Quelle: Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg

Hier in dieser Box geht es um die EU-Pflanzenschutznovelle.
In den nächsten Jahren sollen so viele PSM ihre Zulassung verlieren, dass wir mit den restlichen (unwirksamen) Mitteln kein vermarktungsfähiges Obst produzieren werden können.
Dazu kommt, dass durch den Klimawandel bei uns Schädlinge aufkommen, die es vor 10 Jahren hier noch gar nicht gab.
Wie sollen wir produzieren unter diesen Umständen?

Die daraus folgende Preiserhöhung von 100% wird der Verbraucher auch nicht tragen wollen.




Mirjam:
Hallo Katharina,

Wikipedia taugt hier wohl nicht in der Abgrenzung/Defininition wenn es um EU-Rechte geht  ;), wenn sich innerhalb der EU hier schon ganze Texte mit beschäftigen:

Wann fällt ein Produkt unter die Biozid-RL 98/8 - wann unter die Pflanzenschutzmittel-RL 91/414:

http://ec.europa.eu/food/plant/protection/evaluation/borderline_de.htm



Einige Definitionen aus der Biozid-Produkte-Richtlinie und der Pflanzenschutzmittel-Richtlinie werden im Folgenden aufgeführt.

Biozid-Produkte (98/8/EG)
Wirkstoffe und Zubereitungen, die einen oder mehrere Wirkstoffe enthalten, in der Form, in welcher sie zum Verwender gelangen, und die dazu bestimmt sind, auf chemischem oder biologischem Wege Schadorganismen zu zerstören, abzuschrecken, unschädlich zu machen, Schädigungen durch sie zu verhindern oder sie in anderer Weise zu bekämpfen. Anhang V enthält ein erschöpfendes Verzeichnis von 23 Produktarten mit Beispielbeschreibungen innerhalb jeder Produktart.

Schadorganismus (98/8/EG)
Alle Organismen, die für den Menschen, seine Tätigkeiten oder für Produkte, die er verwendet oder herstellt, oder für Tiere oder die Umwelt unerwünscht oder schädlich sind.

Pflanzenschutzmittel (91/414/EWG)
Wirkstoffe und Zubereitungen, die einen oder mehrere Wirkstoffe enthalten, in der Form, in welcher sie an den Anwender geliefert werden, und die dazu bestimmt sind,

Pflanzen und Pflanzenerzeugnisse vor Schadorganismen zu schützen oder ihrer Einwirkung vorzubeugen, insoweit diese Stoffe oder Zubereitungen im folgenden nicht anders definiert werden;
in einer anderen Weise als ein Nährstoff die Lebensvorgänge von Pflanzen zu beeinflussen (z. B. Wachstumsregler);
Pflanzenerzeugnisse zu konservieren, soweit solche Stoffe oder Zubereitungen nicht besonderen Vorschriften des Rates oder der Kommission über konservierende Stoffe unterliegen;
unerwünschte Pflanzen zu vernichten; und
Pflanzenteile zu vernichten oder ein unerwünschtes Wachstum von Pflanzen zu hemmen bzw. einem solchen Wachstum vorzubeugen.


z.B. Insektizide sind eine eigene Produktkategorie unter 23 verschiedenen wie auch die Schädlingsbekämpfungsmittel die im Jargon eher Pflanzenschutzmittel wie Schneckenkorn sein können -> in der Biozidrichtlinie, beide haben gemeinsam das sie wie unten von dir verlinkt bestimmte Nachweise erbringen müssen die dann in Sicherheitsdatenblätter abgelegt werden.

Natürlich muss auch von Bioziden z.B. die Wassergefährdungsklasse, Abbaubarkeit, Toxidität auf warmblütige Lebewesen bekannt sein.

Was ich in Euro beschrieb waren die Zulassungskosten, nicht die Entwicklungskosten. Die Zulassungskosten kommen ja nochmal auf die Entwicklungskosten oben drauf!

Ich bin mir sicher das alle Chemikalien die gehandelt/hergestellt werden in REACH gemeldet werden müssen.

Viele Grüsse

Mirjam

Jochen:
Im Gegensatz zum Bauernverband hält sich der AbL bedeckt..
kein Wunder..den der Chef lässt Folgendes verlauten:
http://www.gruene-europa.de/cms/default/dok/256/256078.beim_pflanzenschutz_geht_gesundheitsschu@en.htm


--- Zitat ---Das Parlament hat sich nicht etwa dafür ausgesprochen, die Verwendung chemischer Pflanzenschutzmittel zu verbieten, .....
--- Ende Zitat ---


--- Zitat ---Dabei handelt es sich um weniger als 10% der existierenden Wirkstoffe im konventionellen Anbau und nicht etwa um 85% wie von der Pestizidlobby behauptet.
--- Ende Zitat ---

Herr Graf.. was haben Sie letztes Jahr geäußert?

http://www.europarl.europa.eu/meetdocs/2004_2009/documents/am/651/651570/651570de.pdf


--- Zitat --- es muss dringend überprüft werden, ob eine Bereitstellung von Lebensmitteln in hoher Qualität und in ausreichender Menge nicht ohne chemische Pflanzenschutzmittel sichergestellt werden kann
--- Ende Zitat ---

Nun hat aber die britische Pflanzenschutzbehörde anhand der Knock-out-Kriterien sämtliche Mittel abgecheckt.. die genannte Zahl von 85% stammt NICHT von der "Pestizidlobby" (allein für dieses Wort gehört der Baringdorf in die Wüste geschickt.. Polemik gehört an den Stammtisch aber nicht in den Wortschatz eines Parlamentariers), sondern von einer britischen Behörde.

http://images.raiffeisen.com/Raicom/Images/Geno/hagekiel1/dateien/Beraterpraesentation.pdf

Das Bundesamt für Verbraucherschutz geht auch nur von 10% der Wirkstoffe aus.
.

.

Man beachte:

Baringdorf spricht ausdrücklich fürs PARLAMENT. Nach dem Vorschlag der Kommission könnten es in der Tat unter 10% sein.. was aber wegen des Wegfalls fast sämtlicher Fuchsschwanzmittel und Azolen aufgrund der dann auftretenden Resistenzproblematik auch schon eine Katastrophe wäre.

Andreas:
Hallo Jochen,
bei der Milch weist Sonnleitner immer wieder darauf hin, dass wir Bauern die Mehrheiten in der EU anerkennen müssen und uns daran orientieren sollten.

http://www.ovb-online.de/news/landkreis_rosenheim/LK-Rosenheim-ZuKeine-Mehrheit-fuer-die-Milchquote;art4107,1147468

Warum gilt das nicht auch bei der EU-Pestizidnovelle ?

Jochen:
Das gilt doch auch für die Pestizidnovelle.
Jahrelang hat sich der Bauernverband GEGEN eine Quotenerhöhung durch die EU ausgesprochen. Erst als diese unausweichlich erschien mitsamt dem anschließenden Quotenausstieg wurden Vorschläge zur Handhabung dieser Tatsache gemacht..
mit dem Erfolg, dass der Bauernverband jetzt als Befürworter dargestellt wird.

Mit der Pestizidnovelle wirds ähnlich verlaufen. Der Bauernverband hat sich schon deutlich dagegen ausgesprochen. Wenn sie aber rechtskräftig kommt, so wird er mit Sicherheit mit nach Lösungen für eine parktikable Umsetzung suchen..
und dafür mit Sicherheit wieder als Befürworter angegriffen werden (vermutlich diesesmal NICHT vom AbL..  ;) ).

Sag Andreas.. können der AbL und der Graf garantieren, dass die genannten 80% der Wirkstoffe NICHT dem Vorschlag des Parlaments entsprechen, sondern lediglich unter 10??
Baringdorff wird mal an DIESER Aussage gemessen werden!!!!

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln