Autor Thema: Weitermachen, wie bisher?  (Gelesen 11112 mal)

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Offline RosalindeTopic starter

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Weitermachen, wie bisher?
« am: 11.03.21, 15:45 »
Hallo ihr Lieben,
wir gehen auf die 60 zu und möchten von euch einen Rat. Wir sind seit über 30 Jahren verheiratet. Wir haben einen Vollerwerbsbetrieb mit 50 ha und Schweinemast. Haben wenig Pachtland und keine Verbindlichkeiten. Die letzten Jahre liefen zufriedenstellend. Da wir kinderlos sind, stellt sich bei uns seit einiger Zeit die Frage, ob es nicht sinnig wäre, die Landwirtschaft aufzugeben. Es macht mittlerweile auch keinen Spaß mehr, wegen den ganzen Auflagen etc.! Gesundheitlich geht es meinem Mann auch nicht immer gut (Rücken, Gelenke). Von der Arbeit her könnten wir den Betrieb wohl noch ein paar Jahre stemmen! Hat jemand eine ähnliche Situation zuhause? Was würdet ihr machen?

LG Rosalinde

Offline maggie

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #1 am: 11.03.21, 17:19 »
hallo rosalinde,
wie sieht es aus wenn ihr ganz aufhört ?, habt ihr dann noch "etwas zu tun" oder müsst ihr däumchen drehen - einen job ausserhalb werdet ihr nicht mehr finden, denke ich

wie sieht es aus wenn ihr mit den schweinen aufhört und das pachtland abgebt, dann könntet ihr vielleicht noch das eigene land bewirtschaften
liebi grüess   und
bis bald   -  ihr werdet mich  so schnäll nöd wieder los

margrith  us der schwiiz

Offline RosalindeTopic starter

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #2 am: 11.03.21, 17:31 »
Hallo Maggie,
Langeweile hätten wir dann lange Zeit keine. Wir würden die vorhandenen Gebäude für Vermietung umbauen. Da wir stadtnah wohnen, könnten wir unsere Gebäude gut vermieten. Finanziell könnten wir besser verpachten, als selbst bewirtschaften. Die große Frage lautet: kommen wir von Kopf her klar?
LG Rosalinde

Offline cara

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #3 am: 11.03.21, 19:40 »
was würde euch denn fehlen?
Welche der Arbeiten macht euch so viel Spass, dass ihr es vermissen würdet?
LiGrüss cara

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Offline Ingrid1

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #4 am: 11.03.21, 21:05 »
Ich würde die Zeit genießen und mich nicht mehr für die Arbeit aufarbeiten. Es kann schneller die Zeit vorbei sein als man meint und man hat nur gearbeitet. Wenn ihr es mit euch vereinbaren könnt dann würde ich die letzten Abschnitt in meine Leben, leben.
Schöne Grüße von Ingrid

Offline klara

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #5 am: 11.03.21, 22:12 »
Hallo Rosalinde,
genau zu  Thema :Entscheidungen treffen kam heute in Kaffee oder Tee ein Bericht. Ich hoffe, ich sprenge jetzt nichts, wenn ich den Link dazu rein stelle. Ich fand es sehr interesannt. https://www.ardmediathek.de/swr/video/kaffee-oder-tee/die-richtige-entscheidung-treffen/swr-fernsehen/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzE0MjM2Mjg/.
LG Klara
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Offline maggie

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #6 am: 12.03.21, 00:35 »
Die große Frage lautet: kommen wir von Kopf her klar?
LG Rosalinde

ja - rosalinde, da müsst ihr eben sofort vorarbeiten - vielleicht könnt ihr euch mit fachleuten treffen, die euch auch vom "seelischen" her unterstützen
liebi grüess   und
bis bald   -  ihr werdet mich  so schnäll nöd wieder los

margrith  us der schwiiz

Online silberhaar

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #7 am: 12.03.21, 06:48 »


Wäre es evtl. sogar eine Option, den Betrieb als Ganzes weiter an eine junge, interessierte Familie zu verkaufen. 

silberhaar

Online Morgana

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #8 am: 12.03.21, 07:58 »
ich kann nur von meinen Eltern sprechen.
Sie haben ihren Betrieb aufgegeben mit knapp 60 und hatten es nie bereut.
Es war die beste Entscheidung überhaupt, denn sie hatten leiderngar nicht mehr soviel Zeit wie sie dachten.
Diese Zeit haben sie aber gemeinsam sehr genossen.

Offline martina

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #9 am: 12.03.21, 09:25 »
Welche Betriebsteile liegen Euch wirklich am Herzen?

Wäre es machbar, wenn ihr den Betriebszweig Schwein aufgebt und für den Übergang bis zur Rente Euch auf den Ackerbau konzentriert?

Gäbe es Betriebe in der Umgebung, mit denen Ihr kooperieren könnt? Wo beispielsweise junge Betriebsleiter dann später Euren Betrieb weiterführen?

Lasst uns miteinander reden - wir freuen uns auf Beiträge.
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Offline RosalindeTopic starter

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #10 am: 12.03.21, 10:23 »
Hallo Klara,

Dankeschön für den Link. Es war sehr interessant und hat uns auch etwas weiter geholfen. Er passt genau zu unserer Fragestellung.

LG Rosalinde


Offline annelie

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #11 am: 12.03.21, 14:54 »
Rosalinde, welches Kopfproblem habt Ihr genau? Ist es, dass jemand Fremdes Eure Flächen bewirtschaftet oder dass ihr Euch nicht mehr als Landwirte fühlen würdet?
Vergangenheit ist Geschichte,
Zukunft ist ein Geheimnis
und jeder Augenblick ist ein Geschenk.

Liebe Grüße
Annelie

Offline Meta

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #12 am: 13.03.21, 14:11 »
Hallo Klara,

Dankeschön für den Link. Es war sehr interessant und hat uns auch etwas weiter geholfen. Er passt genau zu unserer Fragestellung.

LG Rosalinde
Hallo!
Diese Sendung habe ich auch gesehen und mich daran erinnert, dass diese Frau Meisenberg ein ziemliches Schicksal zu verkraften hatte. Sie hat vor 12 Jahren kurz vor der Geburt ihr Baby verloren- es waren einfach keine Herztöne mehr da......
Da war sie 39 und wußte schon, dass es wahrscheinlich keine weitere Schwangerschaft geben wird. Mit 44 war sie dann im Nachtcafe zu Gast und hat darüber gesprochen. Dann hörte ich lange nichts mehr von ihr, bis diese Woche in "Kaffee oder Tee "
Sie hat dann nicht mehr beim SWR gearbeitet, sondern ist Coach geworden, um Menschen in schwierigen Situationen zu begleiten.
Das nur so als Anmerkung von mir.

Offline Lulu

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #13 am: 13.03.21, 17:42 »
Hallo Rosalinde,

ob es dir hilft, weiß ich nicht. Bei Entscheidungen, bei denen ich mir nicht sicher bin bzw. wenn ich Angst vor der eigenen Courage habe, nehme ich mir immer
einen Meterstab und klappe ihn auf bis ca. 83 cm (so alt könnte man ja werden im Durchschnitt). Dann schaue ich mein Alter an und schaue den verbleibenden Teil an bis 83. Ziemlich ernüchternd. Aaaaber.....

Ich kann mich meist immer ziemlich schnell für mein Bauchgefühl entscheiden mit diesem Wissen im Hintergrund. Wenn es finanziell machbar ist, würde ich immer das Loslassen der Landwirtschaft befürworten und die Lebensqualität nehmen. Du hast ja auch schon "neue" Projekte gefunden für dich und deinen Mann.

Liebe Grüße und alles Gute für die Entscheidungsfindung.

Lulu

Offline Imogen

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Re: Weitermachen, wie bisher?
« Antwort #14 am: 15.03.21, 15:41 »
Hallo Rosalinde,
in dem Jahr, in dem mein Mann 60 wurde, kam er damit an, w ir könnten doch ein neues Wohnmobil zu kaufen. (Er hatte schon früher einen VW Bus, später hatten wir ein kleines Wohnmobil, damit wir wenn die Arbeit getan war, nach den Erntearbeiten, kurzfristig ein paar Tage oder ein WE verreisen konnten)
Wir hatten einen Nebenerwerbbetrieb mit Mutterkühen, im Sommer stets draußen.
Ich hab die Sache gleich abgeschmettert: Wozu eine neues WM wenn wir es eh nur ein paar Tage im Jahr benutzen.

Nun aus dieser Sache heraus kam die Frage: Wie lang willst du sowieso noch weitermachen?

Ich bin seit 25 Jahren hier. Mein Mann hat Vollzeit gearbeitet, ich Teilzeit. Es war klar, die Tochter hat kein Interesse.
Um diesen Zeitraum herum, starb ein NE Landwirt in der Nachbarschaft, er wurde nicht mal 60. Eine Nachbarin Vollerwerb mit 64.
 (s. Lulus Meterstab)
Als Ausblick in die Zukunft: Wir quälten uns in diese Jahr auch mal tagelang durch den Stall. Ich nach FußOP sollte eigentlich noch nicht, mein Mann hatte eine schwere Grippe, hohes Fieber also ging ich doch mit. Unsere Tochter weg zum Studieren. Nochmal in der Familie fragen wollte ich nicht, hatte ich doch schon Jahre davor (mein Mann hatte einen Unfall) von meinem Schwager auf einem Krankenhausflur auf meine verzweifelte Bitte hin die Antwort erhalten :  Keine Zeit, kein Interesse......(wohnt im gleichen Ort und weiß immer, wo wir wohnen, wenn er was braucht)

Irgendwann kam mein Mann und sagte: Wir hören zum Frühjahr hin auf, ich hab schon mit dem Nachbar gesprochen wegen der Pacht.
Ich war sehr überrascht, so schnell habe ich damit  nicht gerechnet. Nun es war schon sehr anstrengend geworden in den letzten Jahren und dass weiß ja jede von uns, wenn einer länger ausfällt wirds hart für den anderen.
Egal wann ich meinen Mann bisher gefragt habe, er vermisst nichts. Er ist schon immer gern in den Wald gegangen, dass kann er ja weiterhin tun. Wir haben tatsächlich ein neues Wohnmobil gekauft und waren vor Corona viel unterwegs.

Wir sind in den ganzen Jahre davor auch 1 Woche schifahren gegangen, hatten in den letzten Jahren das Mega-Glück zuverlässiges Personal (bezahltes) zu finden. Die ersten Jahre hat mein Vater den Stall gemacht.
Wir vermissen nichts, im Frühjahr kann mein Mann sagen: Oh bin ich froh dass ich nicht silieren muß....und setzt sich mit der Zeitung unter den Kastanienbaum .......
Ich hatte immer große Angst, er klappt mir mal zusammen und ich steh wieder allein mit allem da. Unsere Tochter lebt mittlerweile in Bozen, Kann also auch nicht schnell mal kommen, obwohl sie mit allen gängigen Arbeiten vertraut war und auch oft allein den Stall gemacht hat, als sie älter war. (Sie hat  ihre Masterarbeit im Bereich Nachhaltige Landwirtschaft gemacht. Wen es interessiert in You Tube: farmfluencers of South Tyrol)

Früher, sobald mein Mann mal länger wie eine Viertelstunde irgendwo saß, ohne dass ihn jemand ansprach,  schlief er ein. Es macht Spaß Dinge zu tun für die früher einfach keine Zeit war.  Außerdem hat er auch noch die nächsten 20 Jahre genug zu tun, all das aufzuarbeiten, was die letzten 15 Jahre liegengeblieben ist, weil immer dringenderes zu tun war.
Wir geniesen unseren Garten, Staudenbeet und neues Gewächshaus. Besuche bei unserer Tochter in Bozen. Sind viel und gern mit unserem E-Bike unterwegs. Tanzen schon seit einigen Jahren, jetzt kann man unbeschwert zu einem Ball gehen, es geniesen und wenn man mag am nächsten Tag eine bißchen länger liegen bleiben. Dinge die für Nicht-Landwirte selbstverständlich sind.

Man sollte vllt. schon eine Idee haben, was man noch so machen will. Mein Mann ist jetzt 65 und ist mit 63 in Rente gegangen und was mich immer wieder sehr freut , ist, dass er immer wieder eine gute Idee hat was wir noch machen könnten.  Für uns war es definitiv richtig.

Nachtrag:
Im laufe unseres ersten Gespräches zu diesem Thema sagte mein Mann auch: Mein Onkel hat immer gesagt: Wenn ich nicht mehr bin, hörst du sowieso gleich auf!
Der Hof war von einem ledigen Onkel meines Mannes. Mein Mann ist hier nach der Bundeswehr also mit 20 eingestiegen. Von seinem Geld, das er nicht in der Landwirtschaft verdiente, wurden Haus und Hof  modernisiert/umgebaut . Sein Onkel war zum Zeitpunkt unseres Gespräches übers aufhöreen schon über 20 Jahre tot.
Ich sagte zu diesem offensichtlichen "Merksatz"der irgendwo eingebrannt war nur: Sind über 20 Jahre etwa "gleich"? Die gemeinsame Erkenntnis war: Eigentlich nicht!

Ich glaube, es ist ein langwieriger Prozess mit vielen Hindernisse/Klippen (die vllt. sogar nur im Kopf bestehen) die umschifft werden müssen, um zu einer guten Entsscheidung zu kommen.


Imogen



« Letzte Änderung: 15.03.21, 16:41 von Imogen »
Viele Grüße
aus dem Tal der Liebe