Bäuerinnentreff

Tiere auf dem Hof => Rund ums Schwein => Thema gestartet von: Margret am 09.02.06, 21:54

Titel: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Margret am 09.02.06, 21:54
Schleift ihr bei euren neugeborenen Ferkeln die Zähne ab ?
Es sprechen ja schon viele Gründe dafür.

Aber  ich bemerke,  dass auf vielen Betrieben (wohl wegen des Aufwandes ?)  nicht abgeschliffen wird - und da scheint es auch zu gehen.

Ich hab erst jetzt begonnen, das Abschleifen zu lernen bzw. üben  (bisher schliff immer mein Mann allein )     und ich finde,  dass es ganz schön aufwändig  ist.

Warum schleift ihr  ab      bzw.    schleift ihr nicht ab ?

Seid ihr zufrieden mit dieser Entscheidung  dafür oder dagegen ?

Margret
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Wolkentanz am 09.02.06, 22:10
das schleifen ist hier in ostfriesland völlig unüblich .....ich mache es nicht .........und kenne auch keinen, der es machen würde.
argument ist ja immer : das gesäuge wird " zerbissen " . doch wenn eine sau gesund ist und genügend milchleistung  hat.....besteht diese gefahr kaum. und ich finde es logisch..............das mit wurf nr 6 +  irgentwann nicht  jede zitze noch 100 % okay ist .........ganz unabhängig
davon.
halte ich für überflüssig margret

liebe grüße
wolkentanz
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Heti am 10.02.06, 14:00
ich weiß es nicht, aber hat´s vielleicht auch mit der Züchtung zu tun , ob notwendig ?
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: SHierling am 10.02.06, 14:11
Hallo,
also an der Zucht liegts eher nicht, kann ich mir nicht vorstellen - auf Zähne wird nirgends selektiert ;) .

Es gibt aber Mäster,  die darauf bestehen das die Ferkel gekniffene / geschliffene Zähne haben (weil dann angeblich weniger oder weniger schlimmer Kannibalismus auftritt), haben wir selbst früher in der Lehre bei den Ringferkeln schon gemacht.

Da meine Ferkel alle im Freiland oder in "einfachen Verhältnissen" landen hab ich hier auch noch nie an den Zähnen hantiert, Schäden am Gesäuge gibts  auch keine, obwohl die schon "recht beansprucht" werden, weil ich ja nicht absetze.

Grüße
Brigitta

Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Suri am 10.02.06, 14:30
Hallo,

wir schleifen schon einige Zeit keine Zähne mehr. Unser Gerät ging kaputt und es wurde nicht erneuert. Seither haben die Ferkel auch weniger Gelenksprobleme, bedingt durch die Streptokokken die vom Maul in die Gelenke wandern.

Im Moment haben wir allerdings einen Wurf, da wäre das Abschleifen sinnvoll gewesen. 2 Ferkel sind etwas verbissen, das ist aber eher die Ausnahme.

Bei uns spricht hauptsächlich der Zeitaufwand dagegen, außerdem verträgt Göga den Staub nicht sehr gut.

LG Susi
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Hanse am 10.02.06, 15:41
Manchmal glaube ich, das mit den Zähneabschleifen ist  reine Ländersache
bei uns in Bayern ist das Schleifen fast Pflicht(Ringaussage), während inden nördlichen Gebieten
es umgekehrt ist. Ich benutze eine normale Metallfeile , nur bei Bedarf, und dann nur die Zahnspitzen
leicht entschärfen.
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Margret am 12.02.06, 08:43
Hallo,

wir schleifen  mit so einem speziell dafür entwickelten Schleifgerät.
Mit der Feile stelle ich es mir noch schwieriger vor.

Interessant ist auch  Susis Begründung,  warum nicht mehr geschliffen wird bei ihnen:  weniger Eingangspforten (übers Maul) für Streptokokken und dadurch weniger Gelenksentzündungen usw..   
Wurde nicht deshalb auch das  Abkneifen  abgeschafft ?!

Das ist eigentl. mit  unsere Motivation FÜRs  aufwändige Schleifen neben dem Schutz der Sauen: 
weniger Verletzungen der Ferkel  durch Rangkämpfe ,  was Eintrittspforten für Streptokokken  usw. bedeutet.

Vielleicht versuchen wir es mal eine Zeitlang,  nur bei  Bedarf  (Jungsau,  beginnende Beißwunden,...) zu schleifen.

Margret
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Heti am 12.02.06, 14:20
Vielleicht brauchen die Ferkel ja auch nur Ablenkung, etwas Spielzeug ! So wie´s für CC ja auch verlangt wird ?
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: fraenkin am 21.02.06, 17:49
Bei meinen Eltern haben wir die Zähne abgekniffen, aber seit ich hier auf diesen Hof geheiratet habe, seit 15 Jahren, hat hier noch keiner geschliffen, und es geht eigentlich ganz gut, zwar sind ab und zu mal welche etwas verbissen, vor allem bei großen Würfen, aber das verwächst sich in der Aufzucht eigentlich sehr schnell und nach einer Woche auf dem Flatdeck siehst du das den Ferkeln nicht mehr an.

Doris
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Mirjam am 21.02.06, 18:11
Vielleicht brauchen die Ferkel ja auch nur Ablenkung, etwas Spielzeug ! So wie´s für CC ja auch verlangt wird ?

Hallo Heti,

meiner Meinung nach machen Baby-Ferkel in dem Alter genau das wie Baby-Menschen: Schlafen und Trinken. Wenn sie beim "Herumspielen" dann sogar mal die Wassernippel entdecken oder das angebotene Prestarter sind wir schon froh  ;).

Wo wird bei der CC für SAUG-Ferkel Spielzeug verlangt?

Grundsätzlich treten die Probleme bei Kämpfen um das Gesäuge der Muttersau auf, wenn:

- z.b. eine Jungsau noch nicht das Euter-Milchbildung einer älteren Sau hat
- es im Verhältnis zu viele Ferkel (Zuchtfortschritt ~ 11, 12, 13 lebende Ferkel) an der Sau sind
- wenn das Zitzenanzahl nicht ausreichend ist, es Blind- oder Stulpzitzen gibt oder eine Euterentzündung
- wenn die Sau krank ist, Milchmangel = Agalaktie (MMA-Komplex) eintritt
- oder Fütterungs/Tränkefehler mit Energiemangel
- oder schlechte Konditionierung der Sau
- oder, oder...

Bitte nicht vergessen - in der Natur hat eine Bache nicht so viele Ferkel - und auch mehr Verluste, die sind ja in der Ferkelzahl ganz anders mit eingeplant - kurz gesagt: Im Stall ziehen wir "unnatürlich" viele Ferkel auf.

Zum Glück wendet sich das Zuchtziel von "lebend geborene Ferkel" in "aufgezogene Ferkel" d.h. es wird auch darauf geschaut, dass nicht nur viele Ferkel geboren - sondern auch durch die Laktation aufgezogen werden können bzw. paßt sich die Fütterung dem enormen Energiebedarf der Sau immer weiter an, weil heute gute Betriebe schon über 25 Ferkel je Sau und Jahr aufziehen.

Da hilft dann das beste Spielzeug nix- wenn die Ferkel Hunger haben und aus diesem Grund ums Gesäuge kämpfen.

Das Problem kann auch dann enstehen, wenn bei vorübergehenden Milchmangel dann die Ferkel mit den ungeschliffenen Zähnen das Euter "bearbeiten" und dann die Sau sich mit Absicht aufrecht auf den Bauch dreht, damit die Ferkel nicht...

Hier ein schöner Text aus animal-health-online zum Tierschutzgedanken:

(..) Freiheit von unnötiger Belastung

Im Hinblick auf den Tierschutz sind Belastungen, wie z. B. das Kürzen der Zähne, zu berücksichtigen. Dass das Kürzen der Zahnspitzen Tierschutz- konform sein kann, zeigt eine umfangreiche Studie.

Ferkel kämpfen mit ihren spitzen Zähnen in den ersten Lebenstagen um die ergiebigste Zitze und verletzen dabei ihre Wurfgeschwister und das Gesäuge der Mutter oft erheblich. Das Verhalten der Ferkel ist damit zu erklären, daß die Sauen keine Milchzisterne und damit keine Speichermöglichkeit haben und so die Milch nur in der kurzen Phase der Milchejektion für die Ferkel zur Verfügung steht. Dies bedeutet, dass jedes Ferkel zu dem Zeitpunkt am Gesäuge präsent und im Besitz einer funktionierenden Zitze mit hoher Produktivität sein muss, wenn die Sau Milch gibt.

Nach Einstellung der Saugordnung, etwa 2-4 Tage nach der Geburt, fallen die Ferkel in eine energiesparende Freß-Schlafroutine und sie verlieren keine Zeit am Gesäuge auf der Suche nach einer funktionstüchtigen Zitze. Der Konkurrenzkampf dient somit als frühzeitige Selektion der Ferkel, bevor das Muttertier viel Milch an weniger überlebensfähige Ferkel abgegeben hat.

Diese Reproduktionsstrategie weist darauf hin, dass zu allererst darauf zu achten ist, dass möglichst nur Sauen mit gut laktierenden Gesäugen in die Produktion kommen. Das Ergebnis der Studie zeigte, dass die Häufigkeit und der Schweregrad der aufgetretenen Bissverletzungen bei den Ferkeln mit belassenen Zähnen signifikant höher lagen, als bei den Tieren, denen die Zähne reseziert worden waren.

Die Aufzuchtverluste waren bei den Ferkeln mit abgeschliffenen Zähnen am geringsten und die Gewichtszunahmen bei denen mit belassenen Zähnen am niedrigsten. Das sind Argumente, die für das Zähneabschleifen sprechen. Das Kürzen der Zähne hilft nur die Folgen der schweren Kämpfe zu mindern und es muss von Fall zu Fall entschieden werden, ob man sie nun belässt oder abschleift. (...)

Ich finde es gut, wenn Betriebe (auch aus Arbeitsergonomiegründen) ohne Zähneschleifen auskommen - aber genauso werfe ich es Betrieben, mit sehr hohen Ferkelzahlen nicht vor, wenn sie dies prophylaktisch tun, weil Ferkel die sich gegenseitig die Wangen zerbissen haben (wenn z.B. mal die Milchleistung wegen einer Krankheit vorübergehend sank bzw. bis die Medikation angeschlagen hat) - das sieht schlimm aus.

viele Grüsse

Mirjam


Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: SHierling am 21.02.06, 18:44
Huhu,
also meine Ferkel haben mehr Ablenkung als es für CC je verlangt werden kann, mehr Auslauf als Bio-Ferkel und tiergerechteste Familiengruppenhaltung, also nicht mal Streß beim Absetzen. Die beißen sich auch, ich such bei Gelegenheit mal das passende Video raus. Aber wie Doris auch schreibt: das verwächst sich, und Verletzungen am Gesäuge hatte ich hier noch nicht, trotzdem die bis zu 12, 14 Wochen saugen und dann schon ganz schön groß sind.

Es ist nun mal so, das Schweine blutige "Schmisse" im ganz normalen Verhaltensrepertoire haben, gehört zum ganz normalen Umgang, ist in der Natur auch so und einfach "noch nicht weggezüchtet".

Das der Verbraucher oder der Tierfreund das nicht sehen will, steht dann auf einem anderen Blatt, und natürlich auch die Gefahr, das über die Verletzungen Keime eindringen.

Grüße
Brigitta
PS: http://www.bb01.de/video/wollferkel_3tage_kampf_spiele.wmv
Vor allem blutige Ohren sind keine Seltenheit, ansonsten - sieht man ja auch - gehen sie sich Gegenseitig an die Schultern und Seiten. Und obwohl ich ansonsten eine Menge von AHO halte - ich denke, um das Gesäuge kämpfen die Ferkel nur , oder jedenfalls verstärkt, wenn sie sonst nix zu tun haben. Wem welche Zitze gehört ist - hier zumindest - immer schnell geklärt. Die hier sind 3 Tage alt und kämpfen ganz eindeutig "nur aus Spaß". Tun die hier immer. Alle ;)
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Gitte am 22.02.06, 08:29
Bei uns werden die Zähne auch nicht abgekniffen oder geschliffen und wir haben auch keine Probleme deswegen.

SE haben es früher schon gemacht, das war glaube ich, noch so üblich in allen Betrieben. Die armen Ferkel. Stellt euch vor euch würden die Zähne abgekniffen. *schüttel*

LG Gitte
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: SHierling am 22.02.06, 08:40
@Gitte: gegendeweise kannst Du Deine Ferkel eben auch heute noch nicht verkaufen, wenn Du da nicht mitziehst - was willst Du dann tun? Und mit Menschen kann man das wohl kaum vergleichen, oder hast Du solche Hauer ??? ? ;)  Werden doch nur die Spitzen weggenommen!

Ist wie überall, denke ich. Wer tiergerecht halten will, muß mitunter sogar mit Einbußen leben UND mit der Blödheit der Verbraucher - mich haben auch schon Leute gefragt, was ICH denn mit den ARMEN Schweinen gemacht hätte, die hätten ja lauter Narben :o (waren so Überläufergroß, da kennen die untereinander kein Pardon, und haben schon ganz ordentliche "Waffen")

Grüße
Brigitta
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Gitte am 22.02.06, 08:46
Ja, kann schon sein daß das von Mästern verlangt wird. Dann muß man natürlich mitziehen.  :(

Wir haben nur sechs Muttersauen und mästen alle Ferkel selber.

LG Gitte
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Margret am 22.02.06, 09:53
Hallo Gitte und Brigitta,

das verlangt niemand bei uns,  dass wir die Spitzen der Zähne abschleifen.  Unserem Ferkelhändlerbzw. seinen Kunden  ist das völlig egal.

Es ist einfach die Erfahrung  meines Mannes  und SVs,  dass sie  beobachtet haben / meinen,  dass es nötig sei,  weil sonst eben deutliche Spuren von Verletzungen zu sehen sind.

Mir geht das Schleifen ja noch gar nicht gut von der Hand  und neulich war ich am Abferkeltag alleine zuständig, weil mein Mann den ganzen Tag über dringend fort musste bis spät abends (Beerdigung weit fort).
Jedenfalls hab ich das nicht gepackt,  auch noch Zähne zu schleifen  und  er hat diese Würfe dann nicht geschliffen hinterher.

Leider war es dann teilweise  schon so,  dass sie übel verbissen waren  und eben diese Wunden  sind ja leider Eintrittspforten für Keime,  Streptokokken usw.   Das sah echt nicht tol aus  bei den betroffenen Würfen. 

Da es aber nicht alles Würfe sind,  kann man vielleicht bei genauer Beobachtung  nur teilweise schleifen,  wenns nötig ist.

Kann es auch an den unterschiedlichen Rassen liegen ? 

Margret

Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Gitte am 22.02.06, 10:06
Hallo Margret,

ich weiß nicht ob es an der Rasse liegen kann. Wir haben Duroc und die sind schon sehr lebhaft, aber daß die sich so beißen gegenseitig hatten wir noch nie.

LG Gitte
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Wolkentanz am 22.02.06, 10:31
wir haben bhzp sauen classic ................und beißereien gibts nur am absetztag .........wenn die ferkel alle zusammen in eine aufzuchtbox kommen..........das legt sich aber nach ca 1 stunde und im gewühl der vielen  neuen " freunde "  und neuer umgebung verlieren sie sich ganz schnell.kampfspuren gibts nur ganz ganz selten ( das gibts eigentlich nur wenn mal ein 25 kg schwein in die nachbarbox gesprungen ist , dann gibts richtig ärger.......und manchmal bleibt einer danach tot liegen  :-\ ....kommt aber zum glück noch seltener vor )
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Mirjam am 22.02.06, 13:51
Hallo Daniela,

deine Erfahrungen kann ich nur bestätigen. Bei Bekannten zur Aushilfe/Beratung kam ich in den Abferkelstall und konnte genau sagen: Da habt ihr vergessen die Zähne zu schleifen, zerbissene Ferkel-Wangen - könnt gleich euren Tierartzt wegen den dicken Gelenken und Antibiotikabehandlung anrufen  :-[.

Das Problem der Abnahme stellt sich dann nur - wenn der Ferkelkäufer am Absetztag dann Tiere mit dicken Gelenken kaufen soll? Im Handel ist es dann üblich je nach Anzahl der dicken Gelenke erhebliche Abzüge vorzunehmen bis hin zum Spanferkel bzw. ob dann überhaupt Transportfähigkeit zur Diskussion steht.

@ Brigitta - das mit dem Spielen meinte ich insbesondere - die kritischen 1- 2 Lebenswochen in denen auch die Beißereien zusammen mit dem Eingriff Kastration und den notwendigen Impfmaßnahmen/Eisengaben dann Probleme auslösen können.

Selbstverständlich kämpfen Ferkel auch spielerisch  ;). Das beste was ich mal erlebte, war eine A-Vet, der mir aufgrund eines spielerischen Schnappens erklärte - da wäre Kannibalismus im Anmarsch und ich solle Autoreifen in die Bucht geben...

Ausserdem kann ein Schleifgerät auch noch woanders nützlich sein - ein Macho-Gockel hatte einige Hühner/rücken ziemlich mit seinen Krallen zugerichtet - und wurde sorgsam mit dem Zahnschleifgerät seiner "Waffen" beraubt - ohne ein Tröpfchen Blut  ;).

viele Grüsse

Mirjam

Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Stanzerl am 26.02.06, 18:15
Zitat
Vor allem blutige Ohren sind keine Seltenheit, ansonsten - sieht man ja auch - gehen sie sich Gegenseitig an die Schultern und Seiten. Und obwohl ich ansonsten eine Menge von AHO halte - ich denke, um das Gesäuge kämpfen die Ferkel nur , oder jedenfalls verstärkt, wenn sie sonst nix zu tun haben. Wem welche Zitze gehört ist - hier zumindest - immer schnell geklärt. Die hier sind 3 Tage alt und kämpfen ganz eindeutig "nur aus Spaß". Tun die hier immer. Alle


Hallo Brigitta,

für mich als Schweine-Laie klingt Deine Erklärung sehr logisch. Nettes Video - man sieht wirklich, wieviel Spaß die Ferkel haben. Die Sache mit den Keimen ist doch auch immer nur dann ein Problem, wenn der Flächendruck zu groß ist...

Gruß, Conny
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Wolkentanz am 26.02.06, 19:44
Hallo bei uns ist es schon noch üblich die Zähne zu schleifen oder abzukneifen es werden ja nur die spitzen abgekniffen

abschleifen ist okay ...........abkneifen ist gesetzlich verboten.........hab mal von einer bäuerin gelesen ........die angezeigt wurde und eine erhebliche geldstrafe bezahlen musste.also wenn .......dann nur abschleifen !!! :-\
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Mirjam am 27.02.06, 08:33
Hallo

@ Stanzerl: Die Streptokkoken tragen die Sauen wie der Mensch in den Rachenmandeln und übertragen u.A. diese Bakterien dann über die Muttermilch an die Ferkel.

Es ist grundsätzlich nicht unproblematisch, wie viel Ferkel in den ersten Lebenswochen "erleben":
Eisengabe,
Schwanzkupieren,
Zähne-Schleifen,
Eisengabe 2?,
Mykoplasmenimpfung one-shot oder 2 x
und dann noch den großen Eingriff Kastration.

Dazu kommen bei Gruppen weit über 10 Ferkeln je Wurf (heute genetisch Standard) noch 1 - 3 leicht/oder untergewichtige Ferkel, die als Kümmerer manchmal noch Krankheiten verschleppen/ansichziehen.

Vom "Flächendruck" her - du meinst wahrscheinlich den berechenbaren Populationsdruck. Alledings ferkeln ja heutzutage die Sauen in getrennten Abferkelkammern ab, die vernünftig gereinigt werden.

Allerdings frage ich mich, warum dann lt der bundesweiten Ökoschweinehaltunsstudie ausgerechnet Ökobetriebe (die von der Betriebsgröße ~ die Hälfte dieser unter 9 Sauen hält) fast 4 Ferkel unter der Sau verlieren, also nur ~ 16 Ferkel pro Sau und Jahr von 20 lebend geborenen aufziehen.

Mirjam

Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: SHierling am 27.02.06, 08:53
Hallo
@Mrijam: was meinst Du denn bitte mit "Populationsdruck" ? Den Ausdruck kenn ich eigentlich nur aus der Genetik und aus der Ökologie?   Gibts da Richtwerte oder eine Rechengrundlage?

Zitat
Allerdings frage ich mich, warum dann lt der bundesweiten Ökoschweinehaltunsstudie ausgerechnet Ökobetriebe (die von der Betriebsgröße ~ die Hälfte dieser unter 9 Sauen hält) fast 4 Ferkel unter der Sau verlieren, also nur ~ 16 Ferkel pro Sau und Jahr von 20 lebend geborenen aufziehen.
Wo siehst Du denn da einen Widerspruch? je mehr Bewegung, Zähne, Keime & Co, desto mehr Ausfälle, das ist kein Wunder, oder? Grade jetzt im Winter wieder nett nachzurechnen - da geht zwar die Zahl der geborenen Ferkel nicht zurück, und es erfrieren definitiv in der "Freiland"-Haltung nicht weniger Tiere, es werden "nur" mehr erdrückt, die sich vor Kälte enger an die Sau legen wollen als ihnen gut bekommt....

Hat aber mit Zähnen nix zu tun.
GGrüße
Brigitta
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Margret am 05.03.06, 16:31
Hallo,

also,  nachdem am Freitagabend  mitten im Schleifen   MAL WIEDER  das Schleifgerät dauerhaft kaputtgegangen ist (das andere ist auch kaputt),  machen wir nun unfreiwillig einen "Feldversuch".   Es war nämlich erst ca.  1/3 der Würfe geschliffen...   Mal sehen.

Es ist noch nicht sicher,  aber voraussichtl. werden wir schon schnell ein neues Gerät beschaffen.

Wir finden,  dass deren Lebensdauer immer recht mies bzw. kurz ist.

Welche Geräte habt ihr  und findet ihr gut  und haltbar ?  Warum ?


Interessant war übrigens die Antwort unseres Tierarztes,  den ich letzte Woche nach seiner Meinung zum Thema Abschleifen gefragt habe.

Er meinte (abgekürzt wiedergegeben),  es gäbe  einfach Betriebe,  wo es nötig sei zu schleifen  und Betriebe ,  wo nicht.

Noch interessanter fand ich,  als er  sagte,  es gäbe nun recht  neue Erkenntnisse,  dass in ungünstigen Fällen auch Streptokokken mit dem Schleifgerät weiter übertragen werden könnten !!! 
Er müsse  bei Problemen deshalb empfehlen,  das Gerät nach jedem Wurf zu desinfizieren.

Macht das jemand ?  Wenn ja,  wie ?        Mein erster Gedanke  war dabei der Mehraufwand,   
der zweite,  dass das dem Gerät vielleicht auch nicht grad guttut...

Wie sind eure Erfahrungen ?!

Margret
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Mirjam am 06.03.06, 09:09
Hallo Margret,

zu den Gerätetypen kann ich dir aktuell keine Empfehlung geben - zu der Desinfektion schon:

1. ist es wichtig, dass man das Gerät wenn man desinfizeren will, erstmal von den Zahnresten befreit - ich denke da an kurzes Zwischenreinigen mit einer Zahnbürste?

2. gibt es durchaus Desinfektionsmittel, die nicht korrosiv sind - allerdings müssen diese dann auch hautverträglich sein, weil das Gerät ja wieder in das nächste Ferkelmaul soll..

ich würde mal schaun, ob hier nicht bei Bedarf oder zumindest bei Endreinigung ein Jodmittel (Braunol) was hautverträglich ist gut ist (auch bei Zwischendesinfektion beim Kastrieren z.B. Skalpelle) oder ein anderes (nicht-brennendes) Hautdesinfektionsmittel aus der Apotheke, was dann einfach aufgesprüht wird.

Alleweil höre ich von der "Billigvariante" Schnaps im frohen Glauben, der enthaltende Alkohol "würde schon irgendwie desinfizieren" aber bitte: Das brennt und die Tiere scheuern sich dann um es irgendwo "abzureiben" erst recht wieder Dreck in die Wunden. Mal ganz davon abgesehen, dass Alkohl eine Mindesteinwirkdauer hat zur merklichen Keimreduktion und ich nicht glauben kann, dass man zwischen den Wurfgruppen mehrere Minuten auf die Einsatzfähigkeit des Gerätes warten möchte..

viele Grüsse

Mirjam
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Mirjam am 06.03.06, 11:09
Hallo Margret,

ich habe grad bei einem Bekannten mit 400 Sauen nachgefragt: Er ist hoch zufrieden mit einem Schleifgerät der Marke Unicorn (?) die aus Dänemark stammt.

Leider finde ich bei google gar nix, allerdings soll es in Fachzeitschriften der letzten Wochen einen Vergleichstest von Zahnschleifgeräten gegeben haben, bei dem auch diese Marke am besten mitweg gekommen ist.

lieben Gruß

Mirjam
Titel: Re: Zähne abschleifen bei Ferkeln
Beitrag von: Margret am 06.03.06, 20:13
Hallo Mirjam,

mein Mann erinnerte sich auch an den Beitrag (und die Reaktionen hierauf im Schweinetreff...)  und ich habs grad rausgesucht:   der Vergleich  war in  "Top agrar"  vom August 2005  im Schweineteil  drin.   Danke für den Tipp !

Margret