Was es sonst noch gibt > Religion und Glauben

Ein Platz zum Trauern?

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apis:
Auf unserem Friedhof gibt es fast nur noch Urnenbestattungen. Meist mit Grabstein als kleines Urnengrab gestaltet.
Mich wundert jedoch sehr, dass hinter den Grabstellen Rosen gepflanzt werden, Blumensträuße oder Schalen stehen auf oder neben den Platten. Da wird oft ein erheblicher Aufwand betrieben, obwohl er doch ursprünglich nicht gewollt war.

martina:
Vielleicht sind Leute auch schlicht überfordert. Da kommt ein plötzlicher Todesfall und man steht selber total unter Schock und soll dann innerhalb von wenigen Stunden entscheiden, wie es werden soll.

Und dann, wenn die Beerdigung gewesen ist, stellt man nach einiger Zeit fest, dass das Rasengrab oder die große Steinplatte über der Urne  doch nicht das richtige wahr und einem die Beschäftigung mit dem Grab fehlt. Oder es wird das Erdgrab genommen und die Pflege überfordert dann doch.

Deswegen finde ich es wichtig, dass sich jeder Gedanken macht, was mal werden soll. Damit im Falle des Falles - und der kommt ja unausweichlich - auch so entschieden werden kann, wie es passt.

Also nicht nur die Frage stellen: "Was will ICH als Sterbender, was mit meinem Leichnam passieren soll" sondern auch mal fragen "Was möchten meine Hinterbliebenen, was ist ihnen wichtig? Kommen sie damit klar, wenn ich verbrannt werde und unter den grünen Rasen möchte? Können sie die Grabpflege auch leisten (räumliche Entfernung, Arbeitsbelastung) oder kümmert man sich gleich um einen Pflegevertrag mit der Gärtnerei, weil man nicht verbrannt werden mag, sondern besser mit dem Gedanken klarkommt, dass über einem schöne Blumen gepflanzt sind?

frankenpower41:
das hast Du sehr treffend gesagt.
Da aber sterben, zumindest bei den Meisten, sehr verdrängt wird kommt es immer wieder zu solchen Situationen wo man nicht weiß wie es richtig ist.
Solange noch genügend Leute (mit Zeit) da sind, meine jetzt ehemalige Nachbarn die rüstig sind und sowieso öfters am Friedhof sind, ist es zumindest auf dem Land noch einfacher, egal ob Urnengrab oder großes Grab, auch wenn Kinder nicht in der Nähe sind.  Gärtnerei beauftragen ist eine gute Lösung, aber auf den Dörfern ist es noch unüblich. In der Kreisstadt machen das viele, oft nur zum gießen.  Wenn aber nur eine Handvoll Gräber auf Friedhof Kilometer weit weg von Gärtnerei zu richten ist, dann macht das keine Gärtnerei.
Auch eine Platte braucht "Pflege".  Bei uns sind viele Vögel am Friedhof, da hilft es gar nichts, wenn man abdeckt, da muss wirklich oft jemand hin der mal drüber wischt.

Man kann sicher an jemanden denken ohne Grab, aber von vielen älteren Leuten weiß ich, dass sie denken am Grab dem nahen Angehörigen näher zu sein.

mary:
Mir fällt auf, dass sich die Sichtweise in Richtung Trauer und Grab im Laufe des Lebens verändert.
Wir leben auf dem Land, Grabsteine unterliegen auch der Mode.
Bin froh, dass wie noch einen sehr alten Grabstein haben, wo jeder nicht nur mit Namen, sondern auch mit Foto verewigt wurde.
Die Vor-vorgänger/innen auf unserem Hof hab ich nicht mehr persönlich kennengelernt, aber durch Erzählung und die Fotos auf dem Grabstein bleiben sie in Erinnerung.
Wenn ich das Grab herrichte halte ich meine persönliche Zwiesprache mit ihnen, es gibt sicher noch einige Erinnerungsstücke auf dem Hof.
Ob es das Grab als Ort der Trauer braucht, ich finde schon, aber auch als Ort des Gedenkens und der Erinnerung.
Mir fällt nicht mehr ein, von wem der Satz stammt, man ist dann erst wirklich tot, wenn man in den Herzen vergessen ist.
Beim Gang über den Friedhof lese ich die  die Namen auf den Grabsteinen und dann kommen die Erinnerungen an die Menschen hoch.
Wo wäre sonst der Ort der Erinnerung?

Mucki:
Ich brauche kein Grab weder zum Trauern noch zum bepflanzen , ich möchte gebrannt werden und ich möchte gerne das mein Mann und ich bei unserer letzten Ruhe bei einander sind.
 Lg
Mucki

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