Direktvermarktung > Lebensmittelrecht, Steuer und Auflagen

Mindesthaltbarkeitsdatum für Direktvermarktungsprodukte

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Mirjam:
Hallo,

auf jedem verkauften Produkt muss ja auf dem Etikett inzwischen das Mindesthaltbarkeitsdatum angegeben werden.

Wie sieht z.B. die Berechnung für verschiedene Marmeladen-Sorten aus (unterschiedlicher Frucht/anteil, Zucker 1:1, 2:1 oder 3:1) und mit welchen Fristen ist man auf der "sicheren Seite"?


viele Grüsse

Mirjam

SHierling:
Hallo,
die meisten Sachen hierzu stehen in der Konfitüren-VO, also z.B. die je nach Bezeichnung und Frucht verschieden  vorgeschriebenen Fruchtanteile/Zuckeranteile etc.und z.B. auch, das Du "Marmelade" nur noch mit Ausnahme schreiben darfst (weil Marmelade ansonsten nur noch aus Zitrusfrüchten bestehen darf, der Rest ist Konfitüre, Konfitüre Extra oder Gelee, oder Fruchtaufstrich)

Konfitüren-VO
http://bundesrecht.juris.de/konfv_2003/index.html

Aber wie man das MHD berechnet, hab ich auch noch nirgends gefunden, würdemich auch schwer interessieren.
Und nicht vergessen, wer 3:1 oder 2:1 Zucker benutzt muß die Konservierungsstoffe deklarieren. :/

Grüße
Brigitta

martina:
Ja, nach solchen Fristen hab ich auch schon mal gesucht, aber im ganzen Gesetz nicht gefunden.

Ich orientiere mich inzwischen nach den Angaben in einer Nordzucker-Broschüre "Einmachen & Co." und die gehen bei gekochten Konfitüren egal mit welchem Zucker von 2 Jahren aus.

Bei rohgerührte Konfitüre rechnen sie  ca. 3 Monate im Kühlschrank, aber die kommt für Direktvermarktung wohl nicht in Frage *breitgrins*

Für den Kiga-Basarverkauf setze ich nur noch 1:1 Zucker ein und berechne so 1,5 Jahr haltbarkeitsdatum. Ich schreibe grundsätzlich noch das Herstellungsdatum mit dazu, dann können die Leute auch selber hochrechnen.


Ich hab privat auch noch Konfitüre 1:1 im Keller von 2003, da ist geschmacklich absolut nichts zu beanstanden, auch Geruch und Farbe sind vollkommen ok, einzig die Konsistenz wird langsam etwas dünner.

Das Jahr habe ich sehr viel eingekocht und dann haben die Kinder es vorgezogen, Cornflakes usw. zu frühstücken statt Marmeladebrot. Also koche ich jetzt für mich weniger ;)

martina:
§ 7 der Verordnung zur Kennzeichnung von Lebensmittel sagt:

§ 7

Mindesthaltbarkeitsdatum

(1) Das Mindesthaltbarkeitsdatum eines Lebensmittels ist das Datum, bis zu dem dieses Lebensmittel unter angemessenen Aufbewahrungsbedingungen seine spezifischen Eigenschaften behält.

(2) Das Mindesthaltbarkeitsdatum ist unverschlüsselt mit den Worten "mindestens haltbar bis ..." unter Angabe von Tag, Monat und Jahr in dieser Reihenfolge anzugeben. Die Angabe von Tag, Monat und Jahr kann auch an anderer Stelle erfolgen, wenn in Verbindung mit der Angabe nach Satz 1 auf diese Stelle hingewiesen wird.

(3) Abweichend von Absatz 2 kann bei Lebensmitteln,

1. 

deren Mindesthaltbarkeit nicht mehr als drei Monate beträgt, die Angabe des Jahres entfallen,

2. 

a) 

deren Mindesthaltbarkeit mehr als drei Monate beträgt, der Tag,

b) 

deren Mindesthaltbarkeit mehr als achtzehn Monate beträgt, der Tag und der Monat

entfallen, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum unverschlüsselt mit den Worten "mindestens haltbar bis Ende ..." angegeben wird.

(4) (weggefallen)

(5) Ist die angegebene Mindesthaltbarkeit nur bei Einhaltung bestimmter Temperaturen oder sonstiger Bedingungen gewährleistet, so ist ein entsprechender Hinweis in Verbindung mit der Angabe nach den Absätzen 2 und 3 anzubringen.

(6) Die Angabe des Mindesthaltbarkeitsdatums ist nicht erforderlich bei

1. 

frischem Obst, frischem Gemüse und Kartoffeln, nicht geschält, geschnitten oder ähnlich behandelt, ausgenommen Keime von Samen und ähnlichen Erzeugnissen, wie Sprossen von Hülsenfrüchten,

2. 

Getränken mit einem Alkoholgehalt von zehn oder mehr Volumenprozent,

3. 

alkoholfreien Erfrischungsgetränken, Fruchtsäften, Fruchtnektaren und alkoholhaltigen Getränken in Behältnissen von mehr als fünf Litern, die zur Abgabe an Verbraucher im Sinne des § 1 Abs. 1 Satz 2 bestimmt sind,

4. 

Speiseeis in Portionspackungen,

5. 

Backwaren, die ihrer Art nach normalerweise innerhalb 24 Stunden nach ihrer Herstellung verzehrt werden,

6. 

Speisesalz, ausgenommen jodiertes Speisesalz,

7. 

Zucker in fester Form,

8. 

Zuckerwaren, die fast nur aus Zuckerarten mit Aromastoffen oder Farbstoffen oder Aromastoffen und Farbstoffen bestehen,

9. 

Kaugummi und ähnlichen Erzeugnissen zum Kauen,

10. 

weinähnlichen und schaumweinähnlichen Getränken und hieraus weiterverarbeiteten alkoholhaltigen Getränken.
http://bundesrecht.juris.de/lmkv/index.html

Aber wie man das MHD berechnet, steht da nicht  ::)

agromind:
Hallo,

ich denke dass mein Beitrag viele von Euch auf Anhieb nicht besonders erfreut. Es gibt leider keine wirkliche Formel um das Mindesthaltbarkeitsdatum von Produkten zu errechnen.
Das Haltbarkeitsdatum wird auch heute noch empirisch aus Versuchen ermittelt, so wie man das schon seit Jahrhunderten in der Lebensmittelherstellung und Haltbarmachung macht.
Man macht also Versuche und stellt sich folgende Fragen:
Wie lange ist welches Lebensmittel bei welcher Vorbehandlung (Erhitzen, Pasteurisieren, Bestrahlung, Kochen etc.) unter welchen Herstellungs-, Lagerungs- und Transportbedingungen haltbar? Außerdem ist es eine Frage der Hygiene bei der Herstellung (saubere Leitungen, saubere Verpackungen etc.).

Nicht immer ist es jedoch notwendig, die volle Lagerungszeit auszutesten. Oft wird einfach das Lebensmittel bei erhöhten Temperaturen gelagert und so in kürzerer Zeit herausgefunden, welche Veränderungen ablaufen. Dies geht natürlich nicht in jedem Tamperaturbereich. Aber gerade bei Lebensmitteln, die lange haltbar sind (wo sich die Verkürzung des Lagerversuches also lohnt) ist es eine oft angewendete Methode.

Man nehme also z. B. eine Konservendose. Sie soll bei Raumtemperatur 5 Jahre ohne deutliche Qualitätsverluste haltbar sein. Wird sie bei 30 °C gelagert, muss sie mind. 2,5 Jahre haltbar sein, bei 40 °C wären es dann nur noch 1,25 Jahre. Höhere Temperaturen können Reaktionen zur Folge haben, welche normalerweise nicht auftreten würden und werden daher kaum angewandt. Zu beachten ist, dass mit größerer Entfernung zur eigentlichen Lagertemperatur die ermittelten Werte nur ein annäherungsweises Verhalten wiedergeben.

Das Ganze läuft nach der RGT-Regel ab (Reaktions-Geschwindigkeits-Regel nach van´t Hoff), wonach die Geschwindigkeit einer Reaktion bei einer Temperaturerhöhung um 10 °C um den Faktor 2 zunimmt.

Die Untersuchung der Produkte beinhaltet nach der Lagerung hauptsächlich die Sensorik, d. h. Aussehen, Geruch und Geschmack müssen getestet und für gut (bzw. unverändert) bewertet werden. Für die ganze Untersuchung gibt es auch eine DIN (DIN 10968 Sensorische Prüfung - Ermittlung und Überprüfbarkeit der Mindesthaltbarkeit von Lebensmitteln).

Dass ist jedoch alles ziemlich komplex.
Damit ihr wegen der Produkthaftung auf der sicheren Seite seid, empfehle ich Euch neben Selbstversuchen folgendes:
Vergleicht Euer ermitteltes Haltbarkeitsdatum mit ähnlichen Produkten im Supermarkt (kleiner Tipp: Die neu gelieferten Produkte stehen hinten im Regal). Achtet aber bitte unbedingt darauf, dass das Produkt auch die selben Inhaltsstoffe aufweisen wie Euer Produkt. Somit habt ihr schon mal einen Richtwert. Dieser setzt jedoch voraus, dass absolut hygienisch gearbeitet wurde.
Sicherheitshalber würde ich dann jedoch noch einen Sicherheitszeitraum abziehen, um auf der sicheren Seite zu sein.

Marion Hofmeier

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