Autor Thema: Auf was lassen sich Frauen, die auf den Hof kommen, ein.... ? II  (Gelesen 69680 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Mathilde

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 2721
  • Geschlecht: Weiblich
Das ist doch überall so oder glaubt hier jemand allen Ernstes dass Bettpfannen leeren zu den Lieblingsbeschäftigungen der Pflegekräfte gehört.

Wisst Ihr was mich stört ist dieses ewige „Alleinstellungsmerkmal“ das heute nicht mehr vorhanden ist.
Dieses Anspruchsdenken dass die folgende Generation es genauso zu machen hat. Mir ist dabei schon bewusst dass es Gegenden gibt wo kein Ackerbau möglich ist aber wie Die neue Generation arbeiten und leben möchte ist doch nicht meine Aufgabe das vorzuschreiben.
Selbst bei den Enkeln muss man doch bereit sein Kompromisse zu machen. Wenn kein TV erlaubt ist geht man eben in den Tierpark.

Nochmal: die Kühe waren meins und wie ich gemerkt habe dass das so nicht gewünscht ist habe ich diesen Betriebszweig eliminiert. Noch ein bisschen Mastvieh ist noch da und auch das wird gehen.
Neulich meinte Unser Sohn dazu: den Stall habt Ihr ja genial gebaut da könnte man … ich unterstütze wenn aber mein Part ist das nicht das müssen Sie schon selbst entscheiden ich habe für mich noch andere Pläne und die sind nur noch halb betrieblich weil ich ja Stroh und Heu und Boxen brauche  ;)

Gatterl ich bin nicht frustriert aber glaub mir ST würde mich komisch angucken wenn Sie die Kündigung erhalten würde denn Sie wurde hier eingestellt (übrigens für die Kühe) da hat weder Sie noch unser Sohn im entferntesten daran gedacht mal zusammenzuziehen  ;D Sie prüft mit Sohn auch die Angebote für Landmaschinen und bekommt sehr wohl mit was wir finanzieren und was wir so „wuppen“.

Ich vermisse hier die Neuzugänge. Schade ich hätte gerne mal eine junge Sichtweise gelesen. Selbst wenn es mir nicht in den Kram passt. Wie steht so schön auf einer Karte die ich gekauft habe: Solange man sich verändern kann, braucht man keine Angst vor dem Leben haben.

LG Mathilde

Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins

Marie von Ebner-Eschenbach

Offline Rohana

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 966
  • Geschlecht: Weiblich
Tja, was soll ich so sagen als "junge Sichtweise" die jetzt 1 Jahr mit aufm Hof lebt...

Kommunikation ist das schwierigste hier. Die Leute sind sowieso maulfaul und dann auch noch sich irgendwie mit einer weiteren Person arrangieren müssen, das scheint äusserst schwierig. Auf der einen Seite wird gejammert weil ja soviel Arbeit ist, auf der anderen Seite haben sie dann immer keine Lust wem anders sagen zu müssen was zu tun ist bzw. wann, was, wie - dann wirds eben selber gemacht und weiter gejammert.  ::)

Dies nur ein kleines, aber wichtiges Detail meines Hoflebens. Wenn's nämlich an irgendwas hakt, dann daran; "sie" ist vorrangig mein Partner, der Juniorchef.

Offline mary

  • in memoriam
  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 9695
  • Geschlecht: Weiblich
  • Baeuerin - Beruf mit Herz
@Rohana,
darf ich dich fragen, hast du einen landw. Hintergrund - so aufwachsensmässig geprägt oder was hat dich ausser der Liebe zu deinem Bauern dazu bewogen, dieses Leben zu wagen?

Offline Rohana

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 966
  • Geschlecht: Weiblich
Stadtrandkind. Ich arbeite gerne mit, im Stall kann ich mittlerweile auch alles, so dass ich ohne Probleme eine Person ersetzen kann (wenn der SV mal im Krankenhaus liegt, die SM die Oma pflegt, oder der Freund krank ist z.B.).

Offline ayla

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 345
  • Geschlecht: Weiblich
Interessant und spannend, das Thema. Ich wüsste da auch was zu schreiben, bin jetzt aber zu müde und verschiebe das deshalb auf später mal.

Offline mary

  • in memoriam
  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 9695
  • Geschlecht: Weiblich
  • Baeuerin - Beruf mit Herz
@Rohana,
du bestätigst etwas, das ich immer öfters sehe,- junge Frauen, die auf einen Hof der Liebe wegen gegangen , sehr tüchtige Bäuerinnen geworden sind.
Mich würde bei deinem Blick von Aussen interessieren, was muss oder müsste sich aus deiner Sicht  auf den Bauernhöfen ändern?
Vor ein paar Tagen hatte der Maschinenring mit einer Bank gemeinsam eine Veranstaltung zum Thema Burn out organisiert-
es wurde der grösste Saal im Landkreis dafür verwendet, aber soweit ich mitbekommen habe, waren mehr als 200 Leute auf der Warteliste, weil es eben nicht mehr Plätze gab.
Es macht schon nachdenklich, dass trotz der Technik die  Arbeitsbelastung nicht weniger wird, dass ein Hof nach dem anderen aufgibt.
Sicher ist jeder Hof anders, macht es so wie es die Leute meinen, aber irgendwie läuft etwas gewaltig schief und das scheint mir, ziemlich global bzw. weltweit.
Hab neulich bei den Imkern mit einem anderen Imker diskutiert, er war wie jedes Jahr bei seinem Cousin, der Bauer in Brasilien ist, was er so erzählte, nicht gerade ein Land für "Landwirte".
Von China bekommt man nicht viel mit, aber ab und an kommt doch was, dass man sich ein Bild machen kann, wie es den Bauern draussen auf dem Land geht- die wollen alle weg, weil die Wertschätzung für die Landwirtschaft sehr unterdurchschnittlich ist- ihnen gehört das Land nicht, die können jederzeit vertrieben werden und dann sind sie eben die billigen Wanderarbeiter.





Offline Bergli

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 1803
  • Geschlecht: Weiblich
  • Positiv denken
naja, ::)
Heute Morgen würde ich das nicht sagen, Kuh mit Euterverletzung, geschlagen wie blöd, wer das kennt weiß was ich meine.  Ob ich das als Glück bezeichnen kann?
Da könnt ich jetzt noch viele Dinge schreiben, wobei ich ja nicht bestreite dass es auch schöne Seiten hat.
@frankenpower: du erlebst sicher jeden Tag auch etwas (wenn auch kleines) positives, schönes. z.B. schaut dich das Kätzchen lieb an, die Kälbein springen munter herum, die Sonne lacht, der Nebel streicht durchs Land etc. Lassen wir uns doch nicht von etwas schlechtem den Tag vermiesen. Ich weiss schnell geschrieben, aber lange nicht so gemacht. Geht mir nicht immer so. Probiere es jeden Tag. Mal besser, mal weniger  ;)
Wir haben doch der schönste Beruf, sind frei und können (oder fast) machen, was uns Spass, Freude macht.  :D

Eine ganz andere Frage: Würden wir den gleichen Weg wählen, wenn wir nochmals am Anfang wären? Wenn wir wüssten, was auf uns zu kommt? Hab es mir gestern überlegt, ich würde sagen JA. der Liebe wegen und dabei denken, sicher nicht bei uns, wir sind stark! Aber zum Glück, sind wir nicht wieder am Anfang   ;D. Es ist gut, wie es ist.
„Glücklich sein bedeutet nicht, das beste von allem zu haben, sondern das beste aus allem zu machen.“

Offline mary

  • in memoriam
  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 9695
  • Geschlecht: Weiblich
  • Baeuerin - Beruf mit Herz
@Bergli,
die Frage ob ich noch einmal Bäuerin werden würde, hab sie mir auch schon öfters gestellt.
Ich würde sagen, ja, aber........
bestimmt nicht mehr den 10 Gang zu oft benutzen,
mich über so manches überhaupt nicht mehr aufregen.

Dieses Suchen nach den kleinen Freuden, nach dem was machbar ist, das sehe ich auch als ganz wichtig an.
Mich freuen die Möglichkeiten auf dem Hof, ich kann in den Obstgarten  Bienen reinstellen und muss nicht irgendwohin zu ihnen fahren, es regt sich kein Nachbar wegen der Bienen auf, niemand meckert wegen unseres Hahnes,
ich brauch nicht auf der Terasse nur über Bla Bla reden, weil nebenan der Nachbar alles mithören könnte.
Wir haben eine sehr gute Nachbarschaft, aber ich bin froh, dass wir uns nicht in die Suppenschüssel schauen können.
Heute freue ich mich, weil ich einen Geschenkkorb zum Geburtstag hergerichtet habe, alles kommt aus dem, was auf dem Hof wächst.
Dieses nahe dran sein an den Lebensmitteln, das find ich für mich sehr erfüllend.
Manchmal hab ich das Gefühl, dass wir uns im Laufe der zeit alles wegrationalisieren oder wegrechnen liessen, was uns innerlich erfüllt und Freude macht.
Denn rein rechnerisch könnte ich um das was ich mit den Bienen tue, seeeeehr viel besten Honig beim Imker kaufen.
Aber diese Freude, dieses wunderschöne Gefühl, wenn aus der Honigschleuder der flüssige Honig rinnt- wenn er mittels Rühren sich immer mehr verbessert-
aber es gibt eben auch die andere Seite, der Frust, wenn es im Frühling so still ist,
wenn es nicht regnet, alles zusammenhagelt, wenn die Tiere krank werden, wenn Sturm im Wald grösste Schäden macht.

Offline frankenpower41

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 7650
  • Geschlecht: Weiblich
  • Ich liebe dieses Forum!
@Bergli, ich würde wieder hierher ziehen, aber nur wenn wir getrennte Wohnung hätten.
Ob ich mich auf die Landwirtschaft einlassen würde, ich geb ja zu hat auch schöne Seiten, das würde ich die meiste Zeit verneinen.  Kürzlich kam Rentenbescheid.  Ich war 10 Jahre berufstätig, da hatte ich einen 8 Stunden Tag und 6 Wochen Urlaub, WE frei.  Die Erziehungszeiten für die Kinder sind dort angerechnet.
Seit 30 Jahren bin ich jetzt am Hof, kann an einer Hand abzählen wenn ich da mal 3 Tage nicht am Hof war, länger war ich nie mehr weg, Samstag, Sonntag sowieso immer aufgestanden und Stall, auch wenn ich krank war hab ich mich hingeschleppt.  Das, was ich mal an Rente bekomme, ist weniger als das aus der Zeit meiner Berufstätigkeit  (haben auch privat vorgesorgt).  Dann das Negativ-Image der Landwirtschaft, grad jetzt wieder der Aufwand wegen der neuen Düngeverordnung.  Auch wenn es nicht immer schlecht ist, ich würde es mir viel mehr überlegen als damals, als ich sehr naiv an die Sache rangegangen bin.  Zu der Zeit gab es auch noch im Bekannten- Freundeskreis einige die auf Höfe geheiratet haben, die, auch ihre Männer, machen schon lange was anderes.
Ob diese Entwicklung richtig und gut für unser Land und Gesellschaft ist, ist ein anderes Thema.
« Letzte Änderung: 31.01.18, 10:04 von frankenpower41 »

Mucki

  • Gast
Also unser Betrieb läuft ja aus wie viele hir schon wissen.
Habe auch oft gedacht ob ich des nochmal alles durchmachen Möchte ,nun die Tiere, die Arbeit ja sofort wieder.
SM und das drum rum nein nie wieder
Jedoch muß ich sage das uns der Ärger immer mehr zusammen geschweißt hat.

Mein Mann sagt er würde den Hof nicht wieder nehmen, zu viel Stress mit Seinen Eltern,und auch die immer schlimmer werdenden Einschränkung vom Staat lassen sein Freude an der Arbeit gewaltig zu Rück gehen.
LG Mucki

Offline Rohana

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 966
  • Geschlecht: Weiblich
@Rohana,
du bestätigst etwas, das ich immer öfters sehe,- junge Frauen, die auf einen Hof der Liebe wegen gegangen , sehr tüchtige Bäuerinnen geworden sind.
Mich würde bei deinem Blick von Aussen interessieren, was muss oder müsste sich aus deiner Sicht  auf den Bauernhöfen ändern?
Was mich oft stört und was ich nicht verstehen kann (vermutlich stört es mich WEIL ich es nicht verstehe): "Ist halt so". Kein Wunsch, kein Streben, kein Bedürfnis nach Veränderung und/oder Optimierung. Klar, viele Dinge gehen einfach unter den derzeitigen Umständen nicht. Kein Platz, kein Geld, keine Kapazitäten. Aber muss man sich deshalb einfach damit abfinden, dass es nie anders werden könnte/sollte? Will man sich nicht verbessern, fortbilden, entwickeln? Kann ein "immer weiter so" wirklich das Ziel sein?

Diese dickfellige "Zufriedenheit" auf der einen Seite, aber auf der anderen das jammern und nörgeln über die Politik, die Verbraucher, die Nachbarn, ... (nicht unbedingt unberechtigt!) - das passt für mich einfach nicht zusammen. Allerdings weiss ich nicht ob das nur mein persönliches Empfinden ist, oder ob andere das auch so sehen und erleben?

Ich komme aus einem anderen Umfeld und durch mein Studium (ja, ich bin sone dämliche Studierte) und meine langjährige Tätigkeit an der Uni neige ich dazu, zu hinterfragen. Das wird hier so oft als lästig, nervig, negativ dargestellt. Ich möchte wissen warum etwas so gemacht wird, warum Dinge so sind - so funktioniert nachhaltiges lernen. Und nicht nur stumpf tun und tun und tun. Andererseits teile ich bereitwillig mein Wissen, wenn es der andere vielleicht gebrauchen kann. Auch das ist wieder nicht recht - dann bin ich ein "Gscheithaferl".  Das stört mich persönlich schon sehr. In Kombination mit der schwierigen Kommunikation ist es vermutlich das, was mir - wenn überhaupt - die Sache verleidet.

Offline Heidi.S

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 2994
  • Geschlecht: Weiblich
  • Ich liebe dieses Forum!
Rohanna, ich kann dich da sehr gut verstehen, mir ging es auch so ähnlich als ich auf dem Hof kam. Ich war zwar keine Studierte, aber eine gut ausgebildete Dorfhelferin, die auch in ihrem Leben viel gesehen und gelernt hatte.
Wenn ich im Nachhinein die Lage so betrachtet, dann war es eigentlich so eine Art Selbstschutz von den SE nicht so viel zu hinterfragen und einfach nur zufrieden zu sein. Irgendwie haben sie ja in ihrer Generation den Hof doch weiter gebracht, so daß sie darauf stolz sein konnten. Es war ihr Lebenswerk und damit gaben sie sich ihr Selbstwertgefühl und ihren Stolz.

Und dann kam ich und stellte so viel in Frage und hatte ganz andere Sichtweisen. Das war schon befremdlich. Nicht jeder hat soviel Selbstwertgefühl um damit locker umzugehen. Für sie war da wirklich Existenzangst.
Im altbewährten zu bleiben und auf andere zu schimpfen war irgendwie sicherer.
Versuche das einfach im Hinterkopf zu haben und lass frage sie auch öfters mal wie es ihnen ergangen ist als sie noch jung waren.




Liebe Grüße Heidi

Offline gschmeidlerin

  • Moderatoren
  • *
  • Beiträge: 1404
  • Geschlecht: Weiblich
Rohana, du sprichst hier sicher ganz was wichtiges an!

An vielen Betrieben gibt es sicher eine Betriebsblindheit die zum Himmel schreit. und ja, man ist auch unzufrieden und schimpft, jammert und nörgelt, denkt aber nicht nach, denn dann müsste man vielleicht aus den vertrauten Alltag raus, und dann kommt da eine fremde Person in Form einer Schwiegertochter daher und fängt an unbequeme Fragen zu stellen, anstatt dass sie mitjammert.

Oft ist es sicher auch der vielen Arbeit geschuldet, dass man ganz einfach nicht zum Nachdenken kommt. Oft ist es aber sicher auch ganz einfach Sturheit oder man fühlt sich angegriffen, nicht wertgeschätzt, wenn man hinterfragt wird.

Eva

Offline Rohana

  • Bewohner
  • *
  • Beiträge: 966
  • Geschlecht: Weiblich
Oh, ich kann auch mitjammern, das tu ich mittlerweile auch gerne und viel! Aber... ich möchte es eigentlich nicht dabei belassen.  ;)

Offline FlottelotteTopic starter

  • Mitglied
  • *
  • Beiträge: 145
  • Geschlecht: Weiblich
Ich habe ja die letzte Box mit diesem Titel eröffnet....

Die Betriebsblindheit bzw. die “ungemütlichen“ Fragen waren hier das Hauptthema. Außerdem neige ich dazu, mich in Sachen so richtig reinzuhängen, was auch nicht gut ankam. Also habe ich nach viiiieeelen Tränen und kräfteraubenden Diskussionen beschlossen, mich erst in den Betrieb einzubringen, wenn auch wir das Sagen haben.

Nachdem bei uns sowieso die Wohnbereiche getrennt waren, hat es hier keine Berührungspunkte gegeben. Jetzt ist es total fein mit der SM, weil sie sich gerne auch mal um den Junior kümmert, wenn ich einen Termin habe.

Sie managt ihren Betrieb alleine und wenns zum Mithelfen ist, mache ich das, wie eine “Außenstehende“ und mische mich nicht weiter ein. In die Finanzen habe ich keinen Einblick, das ist mir auch gar nicht wichtig!