Autor Thema: Land schafft Verbindung - Aktionen / Demonstrationen / Diskussionen  (Gelesen 34167 mal)

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Offline Tina

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Zitat
Das würde ich so nicht behaupten, dass dann auf Teufel komm raus gemolken wird. Ich seh es andersrum. Wenn der Milchpreis niedrig ist, dann muss ich mehr melken............
Gammi, das muss ich dir  widersprechen. Es ist überall in der Wirtschaft so, das man das Optimum rausholen will. Wenn der Milchpreis gut ist, dann werden die Kühe länger gemolken und gehen eben später zum Schlachter. Auch wird die eine oder andere Färse mehr aufgestallt. Wenn nur 5% mehr Milch gemolken wird und das bei 50% der Betriebe, das ist schon eine Menge Holz.
Wenn der Milchpreis niedrig ist, dann geht die eine oder andere Kuh eben eher zum Schjlachter. Ich will damit aber auch sagen, das ich hier Kühe meine, die eh abgehen.

Das gleiche ist doch bei den Speisekartoffeln, wenn die knapp und teuer sind, kannst du alles verkaufen, wenn genug da ist, wird nicht alles abgenommen.
LG
Tina

Offline Lexie

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da hast du sicher recht Marianne, aber irgendwie ist das doch alles aus dem Ruder gelaufen.
bei uns gibt es sehr viele kleine Betriebe in der Gemeinde, die bewirtschaften alles im Nebenerwerb (ist ja lukrativ, gibt Prämie und
an LKK  und LAK müssen die auch nichts bezahlen) die melken nicht. Die wollen alle ihr Futter (Heu, Mais und Gerste usw.) recht lukrativ an
uns Vollerwerbsbetriebe verkaufen, zu Preisen, da kannst du dir das Melken nicht mehr leisten.
Rundballen Stroh für 35 Euro. Auf dem Hochfeld (15 Kilometer weit weg). da bekomm ich den Quaderballen für 18 bis 23 Euro je nach Länge des Ballen.

Mit dem Milchpreis kann ich schon leben, aber dann soll halt alles Andere auch so bleiben.
Allianz bucht am 1. Jänner auch wieder 270 Euro mehr bei gleicher Leistung ab, LKK steigt wieder um durchschnittlich 1,7 %, von der ganzen CO2 Sache mal ganz
abgesehen, da kommt noch einiges auf uns zu. Und wir bekommen immer weniger, dass lernt man schon in der Grundschule, dass das nicht mehr funktionieren kann.

Offline fanni

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da hast du sicher recht Marianne, aber irgendwie ist das doch alles aus dem Ruder gelaufen.
bei uns gibt es sehr viele kleine Betriebe in der Gemeinde, die bewirtschaften alles im Nebenerwerb (ist ja lukrativ, gibt Prämie und
an LKK  und LAK müssen die auch nichts bezahlen) die melken nicht.
Die wollen alle ihr Futter (Heu, Mais und Gerste usw.) recht lukrativ an
uns Vollerwerbsbetriebe verkaufen, zu Preisen, da kannst du dir das Melken nicht mehr leisten.
Rundballen Stroh für 35 Euro. Auf dem Hochfeld (15 Kilometer weit weg). da bekomm ich den Quaderballen für 18 bis 23 Euro je nach Länge des Ballen.

Mit dem Milchpreis kann ich schon leben, aber dann soll halt alles Andere auch so bleiben.
Allianz bucht am 1. Jänner auch wieder 270 Euro mehr bei gleicher Leistung ab, LKK steigt wieder um durchschnittlich 1,7 %, von der ganzen CO2 Sache mal ganz
abgesehen, da kommt noch einiges auf uns zu. Und wir bekommen immer weniger, dass lernt man schon in der Grundschule, dass das nicht mehr funktionieren kann.

Hallo das muss ich mich mal persönlich einbringen. Als kleine Randbemerkung sozusagen.
Wir sind genauso  Nebenerwerbler und melken seit 2012 nicht mehr und haben umgestellt. Von lukrativ kann nicht die Rede sein. Insgesamt läuft es auf einen 400 Eurojob raus, Stundenlohm???  für die Arbeit die ganze Woche, wie es halt so in der Landwirtwschaft ist........nicht gut. Glaub mir, bei jedem Euro, der an Nebeneinkommen, sei es angestellte Arbeit oder  Pensionsvieh wie bei uns oder kleine Vermietung reinkommt.............zack  steht das Finanzamt parat.
Das Einkommen aus der Landwirtschaft inklusive Prämien deckt gerade mal die Versicherungen und einiges an Unkosten die ein Hof nun mal macht. Lukrativ ist das wahrlich nicht aber wir maches es damit der Hof erhalten bleibt. Und, wenn ich Ballen mache und verkaufe, dann haben die mir auch was gekostet. Ich kann sie nicht herschenken und unsere Arbeit ist dann quasi ehrenamtlich?? , nur weil der Milchpreis grottenschlecht ist. Wir haben auch was verpachtet und reizen wirklich nicht den letzten Euro aus, aber umsonst geht auch nicht.
« Letzte Änderung: 29.12.20, 11:51 von fanni »
Herzliche Grüße von Fanni

Offline ulliS

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Hallo Lexie,

melde mich ja fast gar nicht mehr hier.
Aber auf deine Aussagen geht mir die Hutschnur.
Bin Nebenerwerbsbaeuerin seid über 30 Jahre, davon 25 Jahre mit Milchkühen.

Steht Euch doch frei, auch im Nebenwerwerb zu gehen, wenn das soooo toll ist!!!!

Geht mit den Tieren runter, bewirtschaft nur noch den Eigengrund usw.Dann braeuchtet Ihr auch dem fetten Nebenerwerbler kein so teures Futter abkaufen und hohe Pachtpreise zahlen!!Dein Mann geht von morgens 7 Uhr bis 17 Uhr in die Arbeit, plus Anfahrt oder , wie viele auch im Schichtdienst!
Dann habt Ihr, laut Deinen Aussagen auch Geld o Mass...
Ich hab es so satt, der Neid unter den Bauern!! Keine Ahnung habt Ihr von der Arbeitswelt, was es heisst unter Chefs und Arbeitskollegen zu arbeiten
Kannst Du Dir überhaupt vorstellen, wie es ist , alleine tagsüber den Hof zu führen, allein bei schweren Kalbungen, Ernte  usw..nebenbei 3 Kinder ?
Also es steht jeden frei, wie er sein Land bewirtschaftet, aber dann bitte nicht jammern und neidig sein!
Vielleicht sollten die Landwirte mal zusammenhalten , Haupt- und Nebenerwerbsbauern
Liebe Grüße von Ulli

Offline Mastreh

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Sehr schön geschrieben UlliS

Offline frankenpower41

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glaubst Du das, dass sich alle einig sind wird es jemals geben???   Viele denken ja das Gras auf der anderen Seite......
Diese Hoffnung hab ich schon lange aufgegeben.

Ich kann gut nachvollziehen was Du schreibst, Ulli.  Meine Mutter hatte sehr lange so ein Leben.  Mein Vater ging immer arbeiten.
Der Hof alleine hätte vermutlich nicht gereicht. Zumindest wäre vieles nicht gegangen.  Sie hatten Anfangs viel Gelumpe und Hausbau, Stallbau, Wald- und Flächenkauf wäre sicherlich nicht gegangen.
Ich höre ja von SM, auch ihr Mann ging arbeiten, immer wieviel sie tun musste.   Da  bekomm ich oft Zustände.  Denn dass die Arbeit, wenn auch anders, viel mehr geworden ist, das sehe ich doch wie es sich hier entwickelt hat.  Ich würde es, zumindest aus heutiger Sicht, nicht mehr machen.

Allerdings gebe ich Lexie auch etwas recht, von der vielen Arbeit abgesehen, ist es einfach so, dass die Altersversorgung eine ganz andere ist als mit nur Landwirtschaftlicher Alterskasse.
Ich würde mich nicht mehr drauf einlassen, aber das was ich heute weiß, auch wie sich vieles entwickelt hat, das wusste ich einfach nicht, und konnte auch Niemand wissen.

Vielleicht ist es bei Euch anders, aber wir haben hier Nebenerwerbler, die treiben die Pachtpreise und subventionieren sicher mit ihrem anderen Verdienst.
Das sind oft junge, die als Hobby Landwirtschaft machen, viele Maschinen kaufen und einfach Fläche wollen.
Wie es mit Futterverkauf aussieht, das weiß ich nicht. Brauchen wir nicht.
Ein zurück wie es mal war geht nicht, auch anderswo nicht.

Es ist einfach schwierig und wirklich gerecht für alle hat es noch nie gegeben.

Nachtrag, das fällt mir jetzt noch ein.  So einfach ist es auch nicht in den Nebenerwerb zu gehen.  Da spielen viele Dinge mit hinein.
Bei uns wäre es vermutlich so gelaufen dass ich wieder arbeiten gegangen wäre, war aber zu der Zeit als es noch ging nicht drin, da waren die Kinder klein.
Wer hätte sich da kümmern sollen. SM hätte es sicherlich nicht gemacht.
Also welcher Weg, Stall bauen, bzw. vergrößern. Wenn man das macht, dann doch weil man sich was davon verspricht.
Wenn man dann drin ist im Hamsterrad, dann kommt man nicht mehr heraus.
Wir waren immer in der glücklichen Lage dass wir jederzeit hätten aufhören können, keine Staatlichen Förderungen mit vorgeschriebenen Zeiten hatten die wir wieter machen mussten.  Auch das sind Dinge, die es gibt.  Mit 50 sich dann Arbeit suchen ging auch nicht. Weder für meinen Mann noch für mich.
Sicher hätte es Wege gegeben, aber in meinen Beruf zurück wäre schwierig gewesen.
Wir hatten ja unser Auskommen, also weiter gemacht.
Was, zumindest für mich, am Schlimmsten ist, wie sich das Ansehen unserer Arbeit in den letzten 20 Jahren, besonders noch in den letzten 5, verändert hat.
Nur noch als Luftverschmutzer und Klimaschänder dazustehen, das tut mir nur noch weh.
« Letzte Änderung: 29.12.20, 16:45 von frankenpower41 »

Offline gammi

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Es ist einfach schwierig und wirklich gerecht für alle hat es noch nie gegeben.

Finde ich auch. Gerade in der Landwirtschaft gibt es so viele verschiedene Konstellationen und es spielen so viele Dinge eine Rolle.
Enjoy the little things

Offline Milli

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Das Gras auf der anderen Seite ist ganz einfach immer grüner,wir meinen immer der andere hat es besser.
Denkt man sich aber ein wenig in deren Situation hinein dann sieht man plötzlich daß es gar nicht so ist.
Aber warum wird dann hier gleich so anklagend geschrieben?


Offline Lexie

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sorry, wenn ich jemand auf den Schlips getreten bin, wird nicht wieder vorkommen.

LG Lexie

Offline fanni

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sorry, wenn ich jemand auf den Schlips getreten bin, wird nicht wieder vorkommen.

LG Lexie
Hej voll o.k. ;). Passt schon

Ich hab heute fast 2000 Euro Versicherungen gezahlt, das Finanzamt will eine kräftige Nachzahlung, frag mich grade wo ich das viele Einkommen, das hier Grundlage ist hingeschaufelt hab ;)
Herzliche Grüße von Fanni

Offline maria02

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Hallo Lexie,

melde mich ja fast gar nicht mehr hier.
Aber auf deine Aussagen geht mir die Hutschnur.
Bin Nebenerwerbsbaeuerin seid über 30 Jahre, davon 25 Jahre mit Milchkühen.

Steht Euch doch frei, auch im Nebenwerwerb zu gehen, wenn das soooo toll ist!!!!

Geht mit den Tieren runter, bewirtschaft nur noch den Eigengrund usw.Dann braeuchtet Ihr auch dem fetten Nebenerwerbler kein so teures Futter abkaufen und hohe Pachtpreise zahlen!!Dein Mann geht von morgens 7 Uhr bis 17 Uhr in die Arbeit, plus Anfahrt oder , wie viele auch im Schichtdienst!
Dann habt Ihr, laut Deinen Aussagen auch Geld o Mass...
Ich hab es so satt, der Neid unter den Bauern!! Keine Ahnung habt Ihr von der Arbeitswelt, was es heisst unter Chefs und Arbeitskollegen zu arbeiten
Kannst Du Dir überhaupt vorstellen, wie es ist , alleine tagsüber den Hof zu führen, allein bei schweren Kalbungen, Ernte  usw..nebenbei 3 Kinder ?
Also es steht jeden frei, wie er sein Land bewirtschaftet, aber dann bitte nicht jammern und neidig sein!
Vielleicht sollten die Landwirte mal zusammenhalten , Haupt- und Nebenerwerbsbauern

Ulli  ich geb dir zur 100% recht ...
Ich bin so aufgewachsen, mein Vater 3 Schichten Vollzeit inklusive Nachtschicht gearbeitet .....


Offline ulliS

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Lexie,
tut mir leid, dass ich etwas scharf reagiert habe.
Aber, ich musste mir so oft,vieles anhören, als Nebenerwerbler.
Es wird sicherlich , solche im Nebenerwerb geben, wie Du schreibst.
Aber hier in unserer Gegend kenn ich keinen, der nur abkassiert.
Und wir sind hier im Berchtesgadener Land bestimmt mehr im Nebenerwerb, als im Haupterwerb.
« Letzte Änderung: 30.12.20, 12:58 von ulliS »
Liebe Grüße von Ulli

Offline frankenpower41

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Ulli, bei Euch ist noch vieles anders.  Bei uns gibt es solchen Nebenerwerb wie Du schilderst und wie ich es von meinen Eltern her kannte
eigentlich so gut wie nicht mehr.
Das machen die Jungen nicht mehr, die haben anders ein besseres Leben.


Hier kenne ich einige, die nehmen ihre jahrelang verpachteten Felder zurück weil sie irgend ein Programm nehmen und es still legen, dann oft ein "Glump" an Futter
anbauen und dann hoffen dass es wer kauft.
Was hier auch öfters ist, das gibt es bei Euch in Südbayern seltener, ist dass Fläche zurück genommen wird und dann soll Photovoltaikanlage drauf.
Ist natürlich viel lukrativer und die Politik fördert das noch. Da hab ich erst heute was gehört, da geht mir die Hutschnur hoch.
Einige machen viel Gewinn und die Allgemeinheit zahlt, dann kann es noch passieren dass es dann heisst "mach es doch auch..."

Das ist das wo sich die Frage stellt die auch beim LSV ist  "Ist Landwirtschaft in Deutschland eigentlich noch gewollt?"
« Letzte Änderung: 30.12.20, 07:05 von frankenpower41 »

Offline Flecky

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Hallo,
es gibt einmal die Nebenerwerbslandwirte und dann die Vorzeige(nebenerwerbs)landwirte,
die laufend im Fernsehen gezeigt werden. Die halten dann z.B. 5 Rinder einer aussterbenden Rasse, ein Tier
wird im Jahr per Schlachtung auf dem Hof vermarktet oder auch mit anderen Tieren (Schweine, Hühner).
Das man aber sein Einkommen aus einer anderen Quelle (oft Akademiker, Beamte) hat, wird dabei nicht erwähnt.
Bei diesen Leuten ist es ein Hobby, doch viele Leute glauben das man so Landwirtschaft betreiben könnte.
Aber wie soll man davon leben.Nach Abzug von Alterskasse, Krankenkasse, BG, Steuern, Versicherung und und
die man als Hobbyhalter teilweise garnicht hat, bleibt nicht sehr viel über.

Offline apis

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So eine Nebenerwerbslandwirtschaft trägt oft ganz schön zur Steuerminderung bei und erfüllt dadurch ihren Sinn.  ;D