Autor Thema: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach  (Gelesen 6203 mal)

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Offline Beate MahrTopic starter

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Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« am: 04.02.09, 09:13 »
Hallo

bei der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen war genau dieser Titel
Thema beim Landfrauen Abend

Hier mal einen Bericht aus einer Zeitung.
_____________________
Ganz besondere Liebe zwischen Mutter und Tochter

Landwirtschaftswoche: Marieluise Bierbaum spricht
vor den südhessischen Landfrauen über „Mütter und Töchter“


Marieluise stochert mit einem alten Messer nach dem Unkraut in den Fugen des
Plattenbelages im Garten. Ihre Tochter kommt hinzu. Doch statt der Mutter zu helfen,
kommentiert sie nur schnippisch: „Ach, Oma kommt zu Besuch.“ Erwischt. Mit diesem
Beispiel aus eigenem Erleben führte Marieluise Bierbaum ihre knapp 250 Zuhörerinnen
in das Thema ein: „Mütter und Töchter – Feuer unterm Dach?“
Die Buchautorin war am Montagabend Gast bei der „Landwirtschaftlichen Woche
Südhessen“. Der Bezirkslandfrauenverein Heppenheim hatte die Bremerin engagiert.

Mit der Themenwahl für den Abend lagen die Landfrauen offenbar goldrichtig:
Kopfnicken, zustimmendes Lachen oder Nachdenklichkeit waren Reaktionen der Gekommenen,
unter denen nur wenige Männer waren.
Wobei Bierbaum eingangs auch deutlich gemacht hatte: „Ich habe keine schnellen
Patentrezepte, sondern nur Erkenntnisse und Denkanstöße.“ Die setzten damit an, dass
alle Frauen Töchter seien, und so betroffen von einer schwierigen Liebe. „Es ist eine ganz
besondere Liebe, die Mütter und Töchter verbindet.“ Sie könne jedoch äußerst
bedrohlich werden, gerate sie außer Kontrolle. Als Beispiel nannte sie die lebenslange
fürsorgliche Belagerung.

„Eine Mutter kann alle ersetzen, aber niemand kann eine Mutter ersetzen.“ Diesen
Spruch erhielt Marieluise Bierbaum von ihrer Tochter Eva – und wäre ihm beinahe
erlegen. Doch dann dachte sie nach: Die alles könnende Mutter sei ein Idealbild in allen
Köpfen: „Was für eine Überforderung!“ In diesen Zusammenhang gehören nach
Auffassung der Pfarrersfrau die Typisierungen als „Heimchen am Herd“, „Rabenmutter“
und „Karriere-Zicken“.

Vor den Landfrauen in der Stadthalle vermittelte die Referentin die Gefühlswelt junger
Mütter: Das „Kindchen-Schema“ bedingt biologisch ein Glücksgefühl beim Blick in die
„funkelnden Augen des Gottesgeschenks“, das gepaart sei mit Staunen, Dankbarkeit und
Freude. Doch bald träten Sorge und Angst hinzu: „Kann ich das bewältigen?“
Seien die Töchter größer, komme das Weggehen spät abends hinzu: „Das um 3 Uhr
nachts leere Bett löst wildeste Emotionen aus.“ Dem ersten Ärger folge sehr schnell
Sorge und Panik. Dazu gab es doch ein Rezept der verheirateten Mutter zweier Kinder:
„Loslassen, loslassen und nochmal loslassen.“ Das meine den Abschied von den eigenen
Träumen, wie die Tochter werden solle, ebenso wie das Loslassen der Kontrolle.
Schließlich gehe es auch um das Loslassen von Problemen der Tochter. Es sei
bezeichnend für ein ungutes Mutter-Tochter-Verhältnis, wenn sich die Tochter von
ihrem Freund trenne und klage: „Ich weiß noch gar nicht, wie ich das Mutti beibringen
soll.“ Marieluise Bierbaum: „Auch wenn Mütter immer mitleiden – loslassen ist nötig.“

Als Beispiel für Mutterliebe erwähnte die Autorin eine im Alten Testament bereits
erwähnte und von Bertold Brecht aufgenommene Geschichte, der zufolge der sich zwei
Frauen um ein Kind streiten. König Salomons Drohung, das Kind mit dem Schwert teilen
zu lassen, habe die wahre Mutter offenbart: Die nämlich sei bereit gewesen, das Kind der
anderen zu überlassen, wenn es nur leben bleibt.

Das führte Marieluise Bierbaum zum nächsten Schritt ihrer „Beziehungslehre“: die
Typisierung von Müttern. Sie stellte die Kontrollierende (Regeln für Leben und Haushalt
der Tochter) und Konkurrierende (trägt Jeans der Tochter) ebenso vor wie die
Überbehütende (steht immer mit Schal und Mütze parat) oder die Angeber-Mutter (mit
der supertollen Tochter). Die Mutter als sich mit Vornamen anreden lassende Freundin
bezeichnete Bierbaum gar als gemein: Freundinnen gibt es noch und nöcher, doch nur
eine Mutter.
Die anklagende Mutter („Ich habe mich für dich aufgeopfert und du nimmst mich nicht
einmal mit in den Urlaub“) sei zerstörerisch. Denn selbst wenn Vorwürfe stimmen, sie
helfen nicht weiter. Schließlich zeige die hilfsbedürftige Mutter ganz deutlich, ob das
Loslassen funktioniert habe, wenn nach dem Gang zum Frisör der Vorwurf ausbleibe: Wo
warst du denn so lange?

Mit vielen weiteren Beispielen schilderte die Referentin, wie Missverständnisse und
falsche Einschätzungen erkannt werden können. Und immer wieder zeigte sie auch Wege
auf, wie Mütter und Töchter auch als erwachsene Frauen zu einer guten und versöhnten
Beziehung gelangen können.
_____________________

Liebe Grüße
Beate

die beim lesen öfter genickt hat  ;D
Entscheidend ist nicht, ob man kritisiert wird;
entscheidend ist, ob die Kritiker die Mehrheit bilden.

© Ernst R. Hauschka

Offline fanni

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Re: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« Antwort #1 am: 04.02.09, 09:21 »
Hallo Beate,


schön dass ihr so einen tollen Vortrag bei euch hattet
den Satz "ich bin die beste Freundin meiner Tochter" hab ich auch schon öfters gehört und den find ich auch total falsch. Mutter ist Mutter und Freundin ist was anderes, was ja nicht heißt, dass man kein gutes Verhältnis haben kann.

Bei uns war vor 1,5 Jahren der Anselm Grün zu Gast und ich hab mir nach dem Vortrag sein Buch "finde deine Lebensspur, die Wunden der Kindheit heilen" gekauft und finde es hochinteressant. Da wird aus biblischer und psychologischer Sicht das Beziehungsgeflecht aufgedröselt und vieles was in deinem Zeitungsbericht für Mutter-Tochter drinsteht ist auch hier angesprochen.

Interssant aber auch die anderen Beziehungen: Mutter-Sohn, Vater-Tochter, Vater-Sohn. Ich hab natürlich die beiden Kapitel mit den Söhnen intensiver gelesen....... ;)
Herzliche Grüße von Fanni

Offline Sasa

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Re: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« Antwort #2 am: 04.02.09, 14:06 »
Ich denke, man kann ein freundschaftliches Verhältnis zu seiner Tochter aufbauen, aber erst später, wenn sie erwachsen und selbstständig ist...Dazu gehört nämlich, das beide zueinander sagen können: "Ich würde das so oder so machen- aber Du musst das selber entscheiden" und mit der Entscheidung der jeweils anderen leben können..

Benita2

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Re: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« Antwort #3 am: 04.02.09, 14:41 »
Hallo allerseits,

dieses Thema habe ich natürlich auch schon sehr oft innerlich durchgekaut, weil ich ständig darüber nachdenke, was bei meiner Tochter und mir schief läuft.

Die Angebermutter bin ich bestimmt nicht, denn ich möchte lieber, dass sie sich endlich mit ihrer Berufsausbildung Grenzen setzt. Sie hat schon viel erreicht ...................
Die Konkurrierende kann ich auch nicht sein, denn figürlich kann ich ohnehin nicht mithalten und berufsmäßig auch nicht.
Die anklagende Mutter kann ich auch nicht sein, denn ich verzichtete wegen meinen Kindern eigentlich nicht allzusehr ............. es hält sich alles im Rahmen.
Mit dem Vornahmen lasse ich mich sowieso nicht anreden, ........ das Problem liegt wo anders begraben.
Zum Kontrollieren gibt es bei uns beiden auch nicht viel, ......es ist eher so, dass mein Mann der Oberkontrolleur ist,. ...wo fährst du hin,..... was hast du gemacht, .....du kannst doch nicht das tun, ....... >:(was habt ihr gesprochen usw.

Aber wo bittesehr?
Kann es sein, dass sie mich beneidet, .................weil ich nicht diese vielen schwierigen Prüfungen (Studium) machen mußte um jetzt da zu sein, wo ich jetzt bin. .......Ist aber total lächerlich, ....denn mir gehts gesundheitlich bestimmt nicht gut.

Ich glaube auch, dass sich die Wogen erst glätten werden, wenn sie selber mal Kinder hat und sie ihr dann die Ohren vollschreien, dass sie selbst am liebsten aus der Haut fahren möchte.

Offline fanni

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Re: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« Antwort #4 am: 04.02.09, 15:02 »
@Benita,

so kann es wohl kommen.
Herzliche Grüße von Fanni

Offline Mirjam

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Re: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« Antwort #5 am: 04.02.09, 16:41 »
Hallo,

ich bin froh - bei allen diesen Müttern die MEINE nicht gefunden zu haben  :). Ich durfte schon mit 16 eigenVERANTWORTLICH unterwegs sein, Fristen wann ich zu Hause zu sein hatte auch nicht. Diese Vertrauen schuf auf Verpflichtung.

Ich bin eher erstaunt (immerhin ist "meine Jugend" schon mein halbes Leben her) auf welchem Kontrolltripp heute noch Mütter mit 16, 17, 18jährigen sind wo ich denke: Mensch, da hätt ich auch rebelliert  :o ::) :-X. Oder erst recht mein Zimmer vollgemüllt.

Und im Nachhinein dankbar für die vielen Freiheiten bin die ich genoss. Und so auch Selbst - Ständig werden konnte.

Zum "Freundinnen" - ich seh das als seelischen Missbrauch an. Wenn man selbst mangels Vertrauten die einem auch mal die Meinung sagen - eine "hilflose" Tochter hernimmt und z.B. mit Problemen zuschmeißt. Hab ich inzwischen oft genug erlebt  :-[.

@ Sasa: Am "Vornamen" anreden - daran würd ich es auch nicht festmachen. MICH persönlich gruselt es fürchterlich, wenn dann 30, 40, 50jährige Söhne noch "Mami" oder "Mutti" oder "Mama" sagen, ich kannte das sogar eher so, dass man als Teenager in ein saloppes: Eye Vadder, kannst ma helf!? umstieg oder "im Alter" auf "Oma Vorname xy" wie es die Enkel ja auch machen.



viele Grüsse

Mirjam

« Letzte Änderung: 04.02.09, 16:56 von Mirjam »
Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

Offline reserl

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Re: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« Antwort #6 am: 04.02.09, 18:25 »

Hallo Mirjam,

ich kann jetzt nichts schlechtes daran finden, auch in meinem hohen 8) Alter, meine Mutter noch mit "Mama" anzusprechen. 8)
Wie soll ich denn sonst zu ihr sagen?  ???


Meine Tochter ist inzwischen elf Jahre alt und noch stehe ich als Mama bei ihr absolut hoch im Kurs. ;)
Die ersten vorpubertären Anflüge sind aber auch schon da. 8)

Im Sommer gehen wir beide zusammen ein Wochenende auf ein Mütter-/Töchterseminar und
ich/wir  sind schon sehr gespannt, was uns da erwartet. :)

lieben Gruß
Reserl



Manchmal ist es ein großes Glück,
nicht zu bekommen, was man haben will.

Offline Mowi

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Re: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« Antwort #7 am: 04.02.09, 18:38 »

ich kann jetzt nichts schlechtes daran finden, auch in meinem hohen 8) Alter, meine Mutter noch mit "Mama" anzusprechen. 8)
Wie soll ich denn sonst zu ihr sagen?  ???

Dem kann ich nur beipflichten.....schließlich gibt es nur eine Frau im Leben, die man so nennen darf  :)
Und ich habe es immer viel persönlicher empfunden ,meine Mutter mit "Mama"  anzusprechen als "Oma Anni" zu sagen.

LG
Wer sich heute freuen kann,
der soll nicht warten bis morgen!

Offline Mirjam

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Re: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« Antwort #8 am: 04.02.09, 20:50 »
Habt ihr gelesen?
Das ich schrieb wenn SÖHNE, also erwachsene Männer noch "Mami" oder "Mutti" sagen?

Ich sprach NICHT von den Töchtern  ;).
Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!

Offline Mowi

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Re: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« Antwort #9 am: 04.02.09, 21:24 »
Habt ihr gelesen?
Das ich schrieb wenn SÖHNE, also erwachsene Männer noch "Mami" oder "Mutti" sagen?

Ich sprach NICHT von den Töchtern  ;).

Ok, das hab ich überlesen....aber auch das finde ich nicht schlimm,
wenn der (erwachsene) Sohn seine Mutter mit "Mama" anspricht.  :)
("Mami" hört sich dann natürlich wirklich etwas albern an)  8)

Aber das ist hier auch eigentlich garnicht das Thema.... ;D
Es geht ja um Mütter und Töchter.

LG
Wer sich heute freuen kann,
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Offline freilandrose

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Re: Mütter und Töchter - Feuer unterm Dach
« Antwort #10 am: 05.02.09, 00:29 »
Meine Kinder sagen alle Mama zu mir, obwohl 2 von 3en auch schon über 30 sind. Aber heute Nachmittag waren die Enkel dabei, d.h. ich musste Fahrdienst machen für die Enkel, weil die Mama den Arm gebrochen hat. Beim Abschied sagte meine Tochter zu mir: Also tschüss  O...., hat dann unterbrochen, wurde rot und sagte, Entschuldigung Mama, ist mir rausgerutscht, aber die Kinder sagen halt auch immer Oma. Ich musste so lachen darüber, weil meine Tochter zu mir nun Oma gesagt hat.
Das ist ja auch korrekt so. Sie wird aber weiterhin Mama zu mir sagen und ich freue mich darüber. Was soll daran Schlechtes sein.?
Liebe Grüsse
Freilandrose