08. Januar 2009

Situationsbericht 2009: Landwirte im Auf und Ab der Agrarpreise

Themen: Agrarbericht,Agrarstruktur,Statistik,Verbände — info @ 11:01

Berlin (agrar.de) – Für die deutschen Landwirte war 2008 ein durchwachsenes Jahr. Trotz der aktuell schwierigen Markt- und Preisentwicklung verfallen die Bauern allerdings nicht in Katastrophenstimmung. Im Gegensatz zu anderen Branchen sind ihnen Preis- und Umsatzschwankungen nichts Fremdes. Die Landwirte beziehen das so weit wie möglich in ihre unternehmerischen Entscheidungen und Planungen mit ein. Dies erklärte der Präsident des Deutschen Bauernverband (DBV), Gerd Sonnleitner, bei der Vorstellung des Situationsberichtes 2009 mit der wirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Landwirtschaft.

Bei Milch, Getreide und Raps sei der preisliche Höhenflug der zweiten Jahreshälfte 2007 und des Frühjahrs 2008 in einen heftigen Sinkflug übergegangen. „Wir bewegen uns bei diesen Produkten mittlerweile wieder auf dem Erzeugerpreisniveau von Anfang dieses Jahrzehnts“, zeigte Sonnleitner die heftige Entwicklung auf. Eine etwas stabilere Entwicklung gäbe es bei Vieh und Fleisch, bei Wein und den wichtigsten Sonderkulturen im Obst- und Gemüsebau. „Gerade unsere Schweinemäster und Sauenhalter kommen aber aus einem ganz schmerzlichen Tal der Tränen und brauchen dringend diese Verbesserung“, betonte der Bauernpräsident.

Nach Einschätzung Sonnleitners wird das Bruttoeinkommen je selbständiger Familienar­beitskraft von rund 2.800 Euro je Arbeitskraft und Monat im Jahre 2007/2008 auf 2.420 Euro im laufenden Wirtschaftsjahr 2008/2009 deutlich sinken. Bezogen auf den Gesamtgewinn je Haupterwerbsbetrieb bedeute dies ein Rückgang um ca. 7.000 Euro auf 41.000 Euro je Haupterwerbsbetrieb. Davon müssten die Investitionen zur Zukunftsabsicherung des Betriebes, die Sozialversicherungsbeiträge, die Steuern und die private Lebenshaltung noch beglichen werden. „Von den monatlich brutto 2.420 Euro (Schätzung 2008/2009) müssen allein für Sozialbeiträge (Alters- und Krankenkasse) durchschnittlich 380 Euro aufgebracht werden“, sagte Sonnleitner.

Grund für den Einkommensknick im laufenden Wirtschaftsjahr seien vor allem rückläufige Erzeugerpreise für Getreide und Milch. In der Schweinehaltung werde mit besseren Erlösen als im desolaten Wirtschaftsjahr 2007/2008 gerechnet. Der Gewinn im laufenden Wirt­schaftsjahr dürfte bei den Schweinemästern und Sauenhaltern das Ergebnis von 9.300 Euro je Arbeitskraft (2007/2008) überschreiten. Die schlechte Einkommenssituation im Veredelungsbereich habe den Strukturwandel dort erheblich beschleunigt, 16 Prozent der Betriebe gaben ihre Produktion auf.

Die Ackerbauern und Milcherzeuger kommen aus einem wesentlich besseren Wirtschaftsjahr 2007/2008. „Unter unseren Milchbauern hatten die in Schleswig-Holstein mit 75.100 Euro je Haupterwerbsbetrieb die besten Einkommen, während in den südlichen Bundesländern mit Baden-Württemberg (39.200 Euro) und Bayern (40.800 Euro) das Unternehmerergebnis vor allem wegen kleinerer Betriebsgrößen geringer ausfiel“, erklärte Sonnleitner. Er rechnet aller­dings im laufenden Wirtschaftsjahr 2008/2009 infolge des Rückgangs der Erzeugerpreise wieder mit einem deutlichen Minus.

Das Unternehmensergebnis der Nebenerwerbsbetriebe lag im abgelaufenen Wirtschaftsjahr bei durchschnittlich 9.800 Euro und war damit um ein Drittel gestiegen. Die in den neuen Bundesländern vielfach anzutreffenden Agrargenossenschaften erzielten ein Unternehmens­ergebnis je Arbeitskraft von 36.800 Euro (einschließlich Löhne) und lagen damit etwa auf dem Niveau der Betriebe in den alten Bundesländern. Eine wirtschaftliche Erholung erlebten im abgelaufenen Wirtschaftsjahr die Weinbaubetriebe, deren Unternehmensergebnisse auf 49.700 Euro stiegen.

Der Situationsbericht des DBV basiert auf einer repräsentativen Auswertung der Buchfüh­rungsergebnisse von über 17.000 Haupt- und Nebenerwerbsbetrieben im abgelaufenen Wirtschaftsjahr 2007/2008 (1. Juli 2007 bis 30. Juni 2008). Zudem werden in weiteren Kapiteln umfangreiche Informationen zu aktuellen Themen wie Preisentwicklungen an den Agrarmärkten, Klima- und Umweltschutz, Perspektiven der erneuerbaren Energien oder zum Health Check geliefert.

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