19. November 2008

RLV: Ferkelbauer und Schweinemäster im „Tal der Tränen“

Themen: Förderung,Schweine,Wirtschaft — info @ 12:11

Verband fordert umgehend die Einführung von Exporterstattungen

Bonn (agrar.de) – Das Schwein als Glücksbringer hat bald ausgedient. Denn Bauern, die Ferkel halten oder Schweine mästen, hatten in diesem Jahr wenig Glück und schrieben tiefrote Zahlen – ein Herauskommen aus dem „Tal der Tränen“ ist nach Angaben des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) noch lange nicht in Aussicht.

Wie die Auswertung der Betriebsgewinne der Landwirtschaftskammer NRW zeigt, bilden Veredlungsbetriebe das Schlusslicht nach Milchvieh- und Ackerbaubetrieben. Im Vergleich zum Wirtschaftsjahr 2006/07, war der Gewinn in diesem Jahr um etwa 84,1 % geringer als in 2007.

Ursachen für die schlechte Marktsituation bei den Ferkelbauern ist vermutlich vor allem der gnadenlose Wettbewerb auf Grund des starken Imports. Dabei kommen die meisten Ferkel aus Dänemark und die Niederlande. Rund 6 Mio. Ferkel werden insgesamt in diesem Jahr nach Schätzungen der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) aus der ganzen Welt nach Deutschland geliefert.

Zu den enormen Verlusten bei den Ferkelerzeugern kam es aber auch, da die Kosten für Betriebsmittel im vergangenen Jahr unglaublich angestiegen waren. Im Einzelnen haben sich vor allem Düngemittel um 102 %, Energie um 26 % und Futtermittel um 29 % in 2008 verteuert. Bei steigenden Produktionskosten und sinkenden Erlösen pro Ferkel sind tiefrote Zahlen nur eine logische Folge. Für ein 30-kg-Ferkel erhielt der Landwirt Mitte des Jahres etwa 50 €. Die Produktionskosten lagen hingegen bei 60 bis 65 € pro 30-kg-Ferkel.

Die gestiegenen Produktionskosten treffen ebenso die Schweinemäster hart. Zudem mussten auch sie einen Preisrückgang für Schweinefleisch erleben. Besonders in den letzten Wochen waren die Schlachtschweinepreise in beispielsloser Geschwindigkeit einge­brochen – denn auf Grund der Finanzkrise war die Nachfrage im Ausland gedämpft. In diesem Jahr erhielten Schweinemäster zwischen 1,40 und 1,60 €/kg Schweinefleisch. Um ihre Kosten zu decken, und einen minimalen Gewinn zu erzielen, wären nach RLV-Angaben aber 1,90 €/kg Fleisch nötig.

Im Gegensatz zu den Ferkelerzeugern besteht bei den Schweinemästern aber Grund zur Hoffnung: Die Prognosen für das kommende Jahr sind gut. Nachdem die Preise zum Jahreswechsel ihren Tiefpunkt erreicht haben werden, steht ein Anstieg der Schlachtschweinepreise bis zum Sommer an. Im April sollen die Preise bei 1,70 € nach Angaben der ZMP liegen und würden somit um 10 bis 15 % anheben.

„Der Preiseinbruch bei den Ferkel- und Schweinepreisen muss dringend gestoppt werden, sonst droht ein erdrutschartiges Wegbrechen der Schweinefleischproduktion, von dem sich die Landwirtschaft so schnell nicht erholen wird“, befürchtet der RLV. Besonders Sauen haltende Betriebe stehen vor der Existenzfrage. Sogar die EU-Kommission rechnet mit einem Rückgang der Schweineproduktion von bis zu 35 %. Daher fordert der RLV spürbare Maßnahmen zur Stabilisierung des Marktes. Nachdrücklich fordert der RLV Bundesregierung und EU-Kommission auf, kurzfristig Exporterstattungen für Schweinefleisch einzuführen. Dies sei auch deshalb erforderlich, weil erhebliche Wettbewerbsnachteile bei der Einfuhr von Eiweißfuttermitteln ausgeglichen werden müssten.

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