12. November 2008

DBV: Transparenz und Glaubwürdigkeit wird geopfert

Themen: Agrarrecht,EU,Gemüse,Lebensmittel,Obst,Verbände — info @ 14:11

Berlin (agrar.de) – Die EU-Kommission hat nach Ansicht des Deutschen Bauernverband (DBV) eine viel zu weit gehende Vereinfachung der Vermarktungsnormen für Obst und Gemüse beschlossen. Von den bisher existierenden spezifischen 37 Vermarktungsnormen bleiben lediglich noch 10 bestehen. Darüber hinaus wird eine wenig aussagekräftige allgemeine Vermarktungsnorm für alle anderen Obst- und Gemüsearten eingeführt.

Für den DBV sei dies völlig unverständlich und nicht nachvollziehbar, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Verbandes. „Ein funktionierendes System, dass für einen transparenten und funktionierenden Handel weltweit bei frischem Obst und Gemüse gesorgt hat und zudem für die Verbraucher neben der Transparenz gleichzeitig die Versorgung mit hochwertigen Qualitätsprodukten sicherstellte, wird ohne Not dem Vereinfachungsdrang und Bürokratieabbau geopfert“, kommentierte der DBV. Diese Entscheidung geht zurück auf die Reform der Marktorganisation für Obst und Gemüse im Jahre 2007.

Beibehalten werden in Zukunft spezifische Vermarktungsnormen für Äpfel, Zitrusfrüchte, Kiwis, Salate, Pfirsiche und Nektarinen, Birnen, Erdbeeren, Paprika, Tafeltrauben und Tomaten. Alle anderen bisher existierenden spezifischen Vermarktungsnormen so unter anderem für Lauch, Zwiebeln, Kohl, Gurken, Blumenkohl, Möhren, Pflaumen, Spargel und Kirschen werden aufgehoben. Damit hat sich die Europäische Kommission gegen die Stimmen fast aller Wirtschaftsbeteiligten auf europäischer und deutscher Ebene durchgesetzt.

Der DBV hatte sich in den vorausgegangenen Beratungen zwar nicht gegen eine erforderliche Vereinfachung der Vermarktungsnormen ausgesprochen. Er hat aber dafür votiert, dass bestehende System der europäischen Vermarktungsnormen in ihrer Substanz beizubehalten. Mit der nun Quasi-Abschaffung werden sowohl für den Handel als auch für den Verbraucher bestehende Vorteile klarer Qualitäts- und Güteeigenschaften sowie deren Etikettierung ebenso wie das diesbezüglich funktionierende – und wie die Vergangenheit immer wieder gezeigt hat auch erforderliche – staatliche Kontrollsystem ausgehöhlt. Nunmehr steht zu befürchten, dass es eine Vielzahl unterschiedlicher Privathandelsnormen geben wird, die sowohl beim Verbraucher als auch im Handel für Verwirrung sorgen werden. Die Selbstbedienung bei Obst und Gemüse im Supermarkt darf aber nicht in einer „Wühlkiste“ enden.

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