07. April 2008

Erste Studie zur Holzwirtschaft in Sachsen-Anhalt

Themen: Sachsen-Anhalt,Statistik,Wald — info @ 11:04

Magdeburg (agrar.de) – Sachsen-Anhalts Holzindustrie hat in den vergangenen Jahren einen deutlichen Sprung nach vorn gemacht. Seit 1998 hat sie ihren Jahresumsatz um über 30 Prozent auf jetzt rund 1,8 Milliarden Euro erhöht. Das zeigt eine erstmals für Sachsen-Anhalt erstellte Bestandsaufnahme des Forst-, Holz- und Papierbereiches. Die Clusterstudie, die heute in Magdeburg der Fachwelt vorgestellt wurde, erarbeiteten im Auftrag des Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt die Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt und die Universität Göttingen.

Die Vorstellung der Studie nutzte Landwirtschafts- und Umweltministerin Petra Wernicke zur Verleihung des Rohholzmobilisierungspreises Sachsen-Anhalt.

Sachsen-Anhalt ist laut Studie das Bundesland mit den größten Investitionen in die holzverarbeitende Industrie in den vergangenen zehn Jahren. Die rund 2.300 umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen im Clusterbereich beschäftigen rund 18.000 Frauen und Männer. Zum Cluster Forst und Holz zählen laut EU-Definition die Forstwirtschaft, Holzbearbeitung/-verarbeitung, Papiergewerbe, Verlags- und Druckgewerbe, Baugewerbe mit Holz und Holzhandel.

Wernicke sagte: „Dem Holz gehört die Zukunft. Es ist vielseitig verwendbar und es wächst nach. Die Einsatzmöglichkeiten für Holz werden dank neuer Technologien, etwa der Leimbindertechnologie, immer breiter. Wälder brauchen aber auch Zeit zum Wachstum. Der Bedarf am Rohstoff Holz ist in den letzten Jahren enorm gestiegen. Die Clusterstudie zeigt deutlich, dass wir mit dieser Ressource sorgfältig und weitsichtig umgehen müssen.“

Sie betonte: „A und O ist die naturnahe Bewirtschaftung.“ Die Studie gehe in einer 30-Jahre-Rechnung bei dieser nachhaltigen Bewirtschaftungsform von einem Anstieg des Holzvorrates aus. Bei einer ertragsorientierten Waldnutzung nehmen die Holzvorräte dagegen in der Modellrechnung stark ab.

Die Studie zeige auch, dass die Potenziale im Land in großem Umfang ausgeschöpft seien: „Holz ist angesichts der kräftig gestiegenen Nachfrage ein knapper Rohstoff geworden“, sagte die Ministerin. Zwar gäben gerade die kleineren Privatwälder und Baumarten wie Birke, Weide und Pappel noch einiges her. Dies würde aber bei weitem nicht reichen, wollte man Holz etwa auch energetisch nutzen. Daher lege die Studie nahe, auch Kurzumtriebsplantagen aufzubauen.

Mittlerweile herrscht in Sachsen-Anhalt ein Holzbedarf jährlich von annähernd fünf Millionen Festmetern. Dieser kann nur zu einem Teil aus den Wäldern des Landes bedient werden. Wernicke weiter: „Die Nachfrage ist so stark gestiegen, dass die stoffliche und die energetische Verwertung von Holz konkurrieren. Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit sollte der stofflichen Verwertung der Vorrang eingeräumt werden. Die Verfasser der Studie legen auch nahe, künftig auf die Förderung eines weiteren Ausbaus der Kapazitäten zu verzichten.“

Die Ministerin kündigte eine Nachfolgestudie an, die die Möglichkeiten der energetischen Verwertung von Holz untersuchen soll. Damit gehe man zwar über die vorgegebenen Cluster-Bereiche hinaus. Doch übe die energetische Verwertung einen nicht unerheblichen Einfluss auf die Rohstoffströme und den Bedarf insgesamt aus.

Preise für die besten Rohholz-Mobilisierer

Ministerin Wernicke vergab im Rahmen der Vorstellung der Studie die erstmals von der AG „Rohholzmobilisierung“ ausgeschriebenen Preise. In der Kategorie „Forstbetriebsgemeinschaftsvorsitzender“ gewann Harald Deutsch von der Forstbetriebsgemeinschaft Osterburg. Den Preis in der Kategorie „Forstbetriebsgemeinschaftsvorstand“ erhielt die FBG „Hans-Jochen-Winkel“ mit dem Vorsitzenden Werner Faeske. Ausgezeichnet wurde in der Kategorie „Revierleiter/in“ Frau Scymczak aus dem Forstbetrieb Anhalt für ihre langjährige hervorragende Arbeit und Herr Schleth für sein Engagement bei der Beseitigung der durch „Kyrill“ 2007 verursachten Schäden. Die Preise sind insgesamt mit 9.000 Euro dotiert.

Hintergrund:

24,1 Prozent der Fläche Sachsen-Anhalts ist von Wald bedeckt, das sind rund 492.000 Hektar. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 31 Prozent. Die wirtschaftlich wichtigsten Baumarten sind Kiefer, Fichte, Eiche und Buche. Der Holzvorrat in Sachsen-Anhalt beläuft sich auf etwa 110 Millionen Kubikmeter, 1990 waren es 98 Millionen.

Zum Cluster:

Von den Wirtschaftsabteilungen des Clusters Forst und Holz hatte die Abteilung Papiergewerbe mit 590 Mio. € den höchsten Jahresumsatz. Dieser entspricht einem Anteil von 33 % am Gesamtumsatz des Clusters. Weiterhin gehören die Holzbe- und -verarbeitung mit 505 Mio. € (28 %) und das Baugewerbe mit Holz mit 293 Mio. € (17 %) zu den umsatzstärksten Abteilungen des Clusters. Von den drei Abteilungen werden annähernd 80 % des Gesamtumsatzes des sachsen-anhaltischen Clusters Forst und Holz erwirtschaftet.

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