12. Dezember 2007

Verstärkter Anbau von Energiepflanzen im Südwesten

Vor allem Raps und Silomais profitieren – Jeder zwölfte Landwirt verdient mit erneuerbarer Energie – Ergebnisse der Agrarstrukturerhebung 2007

Stuttgart (agrar.de) – Bei der Bodennutzung der landwirtschaftlichen Betriebe ist eine starke Flächenzunahme bei den sogenannten Energiepflanzen festzustellen1). Dies sagte die Präsidentin des Statistischen Landesamtes, Dr. Carmina Brenner, heute vor der Presse im Rahmen der Vorstellung der Ergebnisse zur Agrarstrukturerhebung 2007.

An der Spitze der Zunahmen standen Raps und Silomais. Winterraps wurde gegenüber 2003 auf rund 3.000 Hektar (ha) mehr angebaut und erreichte einen historischen Höchststand von 70.500 ha. Die Silomaisflächen wurden seit dem relativen Tiefstand im Jahr 2001 (67.600 ha) kontinuierlich wieder ausgedehnt und beanspruchten im Jahr 2007 eine um über 21.000 ha größere Ackerfläche (89.000 ha). Zusammen mit Körnermais und Corn-Cob-Mix erreichte der Maisanbau eine Ausdehnung von 154.000 ha und bedeckte damit rund 11 Prozent der landwirtschaftlich genutzten Fläche im Südwesten.

Bei beiden Fruchtarten ist der Anteil, der tatsächlich zur Erzeugung erneuerbarer Energien herangezogen wird, unbekannt. Denn Winterraps wird nicht nur zu Biodiesel verarbeitet, sondern wandert auch zur Herstellung von Speiseöl in die Ernährungsindustrie. Nur bei Winterraps aus dem Anbau von stillgelegten Flächen (ca. 16.500 ha) kann mit Sicherheit von einer rein energetischen Verwendung ausgegangen werden.

Derzeit besteht weltweit eine starke Nachfrage nach landwirtschaftlichen Rohstoffen. Vor allem Weizen, Gerste und Mais wetteifern aufgrund der verbesserten Erlössituation um Flächenanteile. Als Konsequenz wurde im laufenden Anbaujahr 2007/2008 die Pflicht zur Flächenstilllegung in der EU ausgesetzt. In 2006/2007 nahm die Stilllegungsfläche in Baden-Württemberg noch 8,3 Prozent der Ackerfläche ein (69.500 ha). Auf 42,3 Prozent der stillgelegten Fläche wurde die Möglichkeit genutzt und nachwachsende Rohstoffe angebaut, neben Winterraps waren dies vor allem Silomais und Winterweizen.

41.000 Hektar Fläche für die Biogaserzeugung

Viele Landwirte erweitern ihre Einkommensmöglichkeiten und entwickeln sich in Richtung Energiewirt, wie die steigende Zahl an Biogasanlagen verdeutlicht. Zur Deckung des Bedarfs der Biogasanlagen werden in Baden-Württemberg insgesamt 41.000 ha landwirtschaftlich genutzte Fläche beansprucht, die sich auf rund 2.700 Betriebe in Baden-Württemberg verteilt. Ungefähr auf der Hälfte davon (ca. 21.000 ha) wächst Silomais, womit rund ein Viertel der gesamten Silomaisanbaufläche in Baden-Württemberg zur Erzeugung von Biogas benötigt wird.

Ein weiterer wichtiger Lieferant (22 Prozent der Fläche zur Biogaserzeugung) für die Biogasanlagen ist der Aufwuchs von Dauergrünland. Da hier jedoch oftmals eine gemischte Nutzung anzutreffen ist – je nach Bedarf wird der Aufwuchs für Futterzwecke oder die Biogaserzeugung verwendet – ist eine exakte Flächenzuordnung schwierig. Die Schwerpunkte der Flächen zur Biogasproduktion im südöstlichen Baden-Württemberg die Landkreise Biberach und Alb-Donau-Kreis sowie die benachbarten Landkreise Sigmaringen und Ravensburg und im östlichen Schwarzwaldvorland die Landkreise Rottweil und der Schwarzwald-Baar-Kreis. Damit wachsen die Rohstoffe also in unmittelbarer Nähe zu den Zentren der Biogasanlagen.

Auch andere Formen erneuerbarer Energie bieten Einkommenspotenzial
Dass im Bereich der erneuerbaren Energie große Chancen gesehen werden, zeigt sich auch daran, dass mittlerweile annähernd jeder zehnte Landwirt (8,4 Prozent) angibt, Einkünfte aus der Erzeugung erneuerbarer Energie zu beziehen. Dazu zählt nicht nur die Gewinnung von Biogas, sondern auch die Nutzung von Wind, Solarenergie oder die Erzeugung von Brennholz oder Holzhackschnitzeln. Innerhalb von nur vier Jahren hat sich diese Quote vervierfacht.

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