26. November 2007

Bäuerinnen fordern Schutz vor Gentechnik

Themen: Gentechnik,Haftung,Landfrauen,Verbände — info @ 17:11

Mit einem Mähdrescher demonstrieren Bäuerinnen am Brandenburger Tor gegen die Verunreinigung ihrer Produkte

Berlin (agrar.de) – ‚Schützt unsere Felder und Ernte vor Verunreinigungen durch Gentechnik!‘ fordern Bäuerinnen der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), von Bioland, des Deutschen Bauernbundes sowie die Katholische Landfrauenbewegung (KLFB).

Die so genannte Koexistenz der herkömmlichen gentechnikfreien Landwirtschaft mit der Gentechnik-Landwirtschaft scheitert bereits an der üblichen gemeinsamen Maschinennutzung. Das demonstrieren die Bäuerinnen vorm Brandenburger Tor anhand eines Mähdreschers. ‚Die gründliche Reinigung von gemeinsam genutzten Maschinen ist viel zu zeitaufwändig, teuer und im Zeitdruck der Ernte unrealistisch. Fünf Stunden Reinigung eines Mähdreschers kosten 1.800 Euro, selbst dann kann die nachfolgende Ernte immer noch verunreinigt sein. Deswegen muss im Gesetz geregelt werden, dass GVO-Flächen nur mit separaten Mähdrescher geerntet werden,‘ erläutert Dorothee Lindenkamp, Bäuerin der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL).

Zusätzlich fallen teure Analysekosten an. ‚Diese Mehrkosten müssen von den Verursachern, also der Gentechnikindustrie und den GVO-Landwirten, getragen werden und nicht von uns gentechnikfrei arbeitenden Betrieben‘, so Simone Querhammer von Bioland.

Anlass der Aktion ist die heutige Anhörung zur Novellierung des Gentechnikgesetzes im Bundestag. Der bisher vorgelegte Gesetzentwurf legitimiert gentechnische Verunreinigungen der Nahrungskette, anstatt den Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft zu sichern.

Daher sind heute Bäuerinnen – als Beschützerinnen der gentechnikfreien Landwirtschaft – nach Berlin gekommen, um von der Bundesregierung wichtige Nachbesserungen am Gesetz zu fordern.

– Der Schutz der gentechnikfreien Landwirtschaft und Lebensmittelproduktion
vor jeglicher gentechnischer Verunreinigung muss im Gesetz verankert werden.

– Der Sicherheitsabstand von Feldern mit Gentechnik-Mais zu gentechnikfreien
Feldern muss deutlich erhöht werden.

– Die Mehrkosten für Trennung, Reinigung, Lagerung, Weiterverarbeitung sowie
für Analysen müssen die Verursacher tragen, also Gentechnik-Industrie -Anwender.

– Die Verursacher müssen ab einer Verunreinigung von 0,1 Prozent haften.

– Privatabsprachen, die die Vorgaben des Gentechnikgesetzes unterlaufen,
dürfen nicht erlaubt sein.

‚Die neu eingebauten Schlupflöcher im Gentechnikgesetz müssen gestopft werden‘, fordert Maria Kleingräber, Vertreterin der Katholischen Landfrauenbewegung (KLFB), Bistum Münster. ‚Damit können die Sicherheitsauflagen des Gesetzes zum Schaden Dritter unterlaufen werden. Das schafft Unfrieden auf den Dörfern und ist nicht sachgerecht.‘

Daniela Gille vom Deutschen Bauernbund erklärt: ‚Die Mehrheit der konventionell wirtschaftenden Landwirte lehnt die Agro-Gentechnik genauso entschieden ab wie die Biobauern. Gemeinsam fordern wir für unsere gentechnikfrei erzeugten Lebensmittel einen Schutz vor Kontaminationen mit GVO und damit die Sicherung für unsere bestehenden Absatzmärkte‘.

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