25. Juli 2007

Deutscher Bauernverband legt zweiten Erntebericht vor

Themen: Erntebericht,Statistik — info @ 14:07

Berlin (agrar.de) – Das deutschlandweit günstige Erntewetter der vergangenen Woche wurde von den Land­wirten bis zur letzten Sekunde genutzt, um die ins Stocken geratene Getreideernte voran zu bringen. Die Wintergerstenernte ist bundesweit abgeschlossen, die Erträge konnten erwartungs­gemäß nicht befriedigen. Nach der Frühjahrstrockenheit war deutlich geworden, dass die Winter­gerste gelitten hatte und die nachfolgenden Niederschläge nicht mehr zur Kompensation für sich nutzen konnte. Die Qualitäten sind bis auf witterungsbedingt hohe Feuchtgehalte und Ernte­erschwernisse durch umgeknickte Halme als ausreichend zu bezeichnen.

Überraschend schwach fällt dagegen mit Ausnahme von Bayern die Rapsernte aus: Spätfröste in der Blüte und Trocken­heit haben zu deutlichen Ertragsminderungen gegenüber dem Vorjahr geführt. Auffällig sind laut Deutschem Bauernverband (DBV) die bundesweit im Vergleich zu den Vorjahren niedrigen Ölgehalte um die 40 Prozent bis 41 Prozent. Ebenso enttäuschend fällt wohl die weitere Getreideernte aus: Zwar hatten sich die Bestände kurz vor Erntebeginn noch gut präsentiert und es schien, als sei die Frühjahrstrockenheit kompensiert worden. Nach den bislang vorliegenden Zahlen sind jedoch teilweise empfindliche Ertragsrück­gänge zu vermelden. Allerdings stehen die größten Anteile von Weizen, Roggen und Sommer­gerste noch auf den Feldern, so dass noch keine abschließenden Aussagen zu den Erträgen dieser Kulturen zu treffen sind. Die Erzeugerpreise haben auf die Meldungen schwacher Erträge reagiert und steigen an. Dem stehen jedoch höhere Kosten durch witterungsbedingte Ernteerschwernisse und Trocknung sowie die niedrigeren Erträge gegenüber. Im Folgenden wird detailliert auf die Erntesituation einzelner Kulturen und Regionen eingegangen: Die Wintergerstenernte ist bundesweit bis auf einige wenige Restflächen abgeschlossen. Die Flächenerträge liegen 15 bis 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau, im Süden etwa 10 bis 15 Prozent. Lediglich aus Sachsen (plus 5 Prozent) und Thüringen (minus 4 Prozent) werden andere Zahlen gemeldet. Die Qualitäten werden als zufriedenstellend bezeichnet, wenn auch regional von Schmachtkorn berichtet wird. Die Hektolitergewichte jedoch erreichen durchweg über 60 Kilo­gramm pro Hektoliter. Durch Niederschläge abgeknickte Ähren gingen als Vorernteverluste unwiederbringlich verloren, weitere Ursache für die Ertragsrückgänge ist das regional stark verbreitete Gelbverzwergungsvirus. Während im Norden relativ feucht geerntet wurde, konnte im übrigen Deutschland trockener gedroschen werden. Die Preise haben gegenüber ersten Vorkontrak­ten deutlich angezogen. Die rege Nachfrage, unterfüttert mit hohen Preisen, sorgt für einen guten Abverkauf. Die Winterrapsernte ist im Norden und Osten zu etwa 80 Prozent abgeschlossen, während im Süden und Westen lediglich auf Restflächen noch Raps steht. Insgesamt enttäuschten die Erträge, sie liegen etwa 10 bis 20 Prozent unter dem Vorjahresniveau. Lediglich Bayern meldet stabile Erträge. Übereinstimmend wird jedoch bundesweit von im Mittel niedrigen Ölgehalten um 40 bis 41 Prozent berichtet, die durch die außergewöhnlichen Witterungsbedingungen begründet sein dürften. Auf Grund der Niederschläge ist regional Auswuchs gesichtet worden. Der Markt hat auf diese Situation mit steigenden Rapspreisen reagiert, erste Meldungen deuten auf ein Erreichen der 300 Euro-Marke hin. Im Norden ist der Winterweizen bislang zu einem Fünftel abgedroschen, während im Westen knapp die Hälfte geerntet ist, im Rheinland sogar schon 70 Prozent. Bislang vorliegende Zahlen weisen auf ein niedrigeres Ernteergebnis von 10 bis 15 Prozent unter dem Vorjahresniveau hin. Im Süden ist die Ernte noch nicht soweit vorangeschritten, Bayern meldet wiederum als einziges Bundesland stabile Erträge. Im Osten sind erst 10 Prozent geerntet, verlässliche Zahlen liegen noch nicht vor. Die Qualitäten enttäuschen regional, insbesondere wird auf niedrige Fallzahlen und damit verbundene qualitätsbedingte Preisabzüge hingewiesen. Anhaltende Niederschläge dürften diese Problematik weiter verschärfen. Der Markt reagiert auch hier auf die knappe Versorgung mit steigenden Preisen. B-Weizen wird bereits mit Preisen von oberhalb 180 Euro pro Tonne gehandelt. Winterroggen wurde im Norden und im Osten von einem Viertel der Flächen eingefahren, während im Westen bereits bis zu 70 Prozent gedroschen sind. Durch die Bank werden niedrigere Erträge gemeldet: Während Niedersachsen 5 Prozent unter dem schwachen Vorjahr bleibt, werden aus anderen Bundesländern Ernterückgänge von 15 Prozent erwartet. Über Qualitäten und Preise sind zu diesem Zeitpunkt noch keine verlässlichen Aussagen zu treffen, da die geernteten Mengen keine repräsentativen Aussagen zulassen. Allerdings bedrohen anhaltende Niederschläge die Fallzahlen. Sommergerste wurde bislang nur in Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt in nennenswertem Umfang gedroschen. Überraschenderweise liegen die Erträge in Niedersachsen bislang 10 Prozent über dem Vorjahr, in Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt dagegen folgen sie dem Trend anderer Getreidearten und liegen zwischen 10 bis 20 Prozent unter dem Vorjahr. Da insgesamt der Anbau eingeschränkt wurde, muss mit einem deutlich niedrigeren Ernteaufkommen gerechnet werden. Die Aussagen zur Qualität der Sommergerste lassen jedoch den Schluss zu, dass als Braugerste geerntete Ware den Anforderungen entspricht. Bislang geerntete Triticale zeigt ein sehr heterogenes Ertragsniveau. Während im Westfälischen die Erträge nur 5 Prozent unter dem Vorjahr liegen, sind in Rheinland-Pfalz Mindererträge von 15 bis 20 Prozent zu verzeichnen. Insgesamt konnte die Ware trocken geerntet werden, auch die Hektolitergewichte werden als ausreichend bezeichnet. Teilweise wird von Schmachtkorn berichtet. Überwiegend wird für den Eigenverbrauch eingelagert, nur wenige Partien erreichen den Markt, dessen Tendenz weiter fest bleibt. Hafer wurde bislang nur vereinzelt gedroschen. Es deutet sich an, dass die Erträge auch hier leicht unter dem Vorjahr liegen. Für Aussagen zu Qualitäten und Preisen sind die Mengen jedoch noch nicht ausreichend. Da das Vorjahresernteergebnis schon eine unterdurchschnittliche Getreideernte repräsentierte, bleiben entgegen der sonst üblichen Einbrüche der Erzeugerpreise zur Ernte in diesem Jahr die Erzeugerpreise stabil und steigen weiter. Aus den Veredlungsregionen werden Erzeugerpreise für Wintergerste von über 170 Euro pro Tonne gemeldet, Weizen hat die 180 Euro pro Tonne über­schritten und setzt zum Sprung auf die 200 Euro-Marke an. Die Ertragsmeldungen zu Winterraps haben die Kurse für Raps geradezu explodieren lassen. So kratzen regional die Erzeugerpreise für Winterraps an der Marke von 300 Euro pro Tonne. Allerdings stehen den gestiegenen Erzeuger­erlösen in diesem Jahr erheblich höhere Kosten für Drusch und Trocknung gegenüber. Der Handel insgesamt verläuft eher ruhig: Die Landwirte handeln die über Vorkontrakte eingegangen Verpflich­tungen ab, ansonsten trifft die rege Nachfrage des Handels auf eine geringe Abgabebereitschaft der Landwirte.

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