Tierschützer: Trotz Hitze gehen Tiertransporte weiter
Auch in Massenställen von Geflügel droht Tod durch Hitzestress
Aachen (agrar.de) – Die mörderischen Sommertemperaturen sind für die Viehhandelsbranche kein Grund, Tiertransporte vorübergehend auszusetzen, wie dies das Bundesverbraucherschutzministerium kürzlich gefordert hat. Nach aktuellen Recherchen des Bundesverbandes Menschen für Tierrechte gehen auch Ferntransporte unbeirrt weiter. Besonders vom Hitzetod bedroht seien Geflügeltiere während des Transports, aber auch in den Massenställen.
Nach dem Appell von Staatssekretär Alexander Müller im Bundesministerium für Verbraucherschutz an die Bundesländer und die Transportwirtschaft, bei den außergewöhnlich hohen Temperaturen auf Tiertransporte zu verzichten, wollte es der Bundesverband Menschen für Tierrechte genauer wissen. Er fragte bei Behörden, die Tiertransporte abfertigen, und bei Polizeidienststellen, die diese kontrollieren, nach. Das Ergebnis ist ernüchternd: Obwohl sich alle Beteiligten der Leiden und der Lebensgefährdung der Tiere bewusst sind, läuft das Geschäft mit der lebenden Ware Tier ungerührt weiter.
Selbst Ferntransporte von Schlachtbullen von Norddeutschland aus über Italien bis in den Libanon und von hochträchtigen Kühen bis nach Spanien und Griechenland würden von den Behörden wie üblich abgefertigt. ‚Der Appell von Staatssekretär Müller verhallt wie ein Ruf in der Wüste‘, so Hannelore Jaresch vom Bundesverband Menschen für Tierrechte, ‚denn die Tiere sind bestellt, die Lkws stehen bereit. Und wenn die Ventilatoren und die Tränkeanlage bei der Abfahrt funktionieren, waschen die für die Transportgenehmigung zuständigen Tierärzte ihre Hände in Unschuld.‘
Business as usual heißt es auch in der Geflügelbranche. Da die Todesrate von Hochleistungsputen und Masthühnern, aber auch von Enten und Legehennen in den Massenställen bei Überschreitung einer bestimmten Wärmebelastung (Enthalpie) besonders hoch ist, haben die Tierschützer die Enthalpiewerte der letzten Tage an bestimmten Orten in Deutschland abgerufen. Ergebnis: Der kritische Enthalpiewert von 67 kJ/kg wurde an mehreren Orten überschritten.
‚Da sich Geflügeltiere nicht durch Schwitzen abkühlen können, helfen sie sich durch Schnabelatmung. Wenn diese in Hecheln übergeht, droht in wenigen Stunden der Hitzetod von Zehntausenden von Tieren‘, erklärt Jaresch. Wie dramatisch die Situation derzeit besonders bei den auf schnellen Fleischzuwachs gezüchteten und in extremer Enge gehaltenen Puten und Masthühnern ist, würden Warnhinweise des niedersächsischen Landwirtschaftsministeriums zeigen. Diese enthalten sogar den Rat, die Tiere vorübergehend nicht zu füttern und den Maststall von außen zu befeuchten und zu kühlen.
Nur eine strikte zeitliche Begrenzung von Transporten sowie ein gesetzliches Verbot von extremer Zucht und Intensivmast könne aber, so der Verband, unermessliches Leid und Todesfälle von landwirtschaftlichen ‚Nutztieren‘ besonders in heißen Sommermonaten wie diesen verhindern.
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