25. Juli 2003

Ein Jahr nach der Flut: Flath zieht positive Bilanz

Themen: Archiv,Umwelt,Wasser — info @ 16:07

Annaberg-Buchholz (agrar.de) – Knapp ein Jahr nach der verheerenden Flut hat Sachsens Umwelt- und Landwirtschaftsminister Steffen Flath hat eine positive Bilanz zu den ergriffenen Hochwasserschutzmaßnahmen gezogen. ‚Wir sind heute vor Hochwasser besser geschützt als vor einem Jahr‘, sagte Flath heute in Annaberg-Buchholz.

Gleichzeitig sei ein für Deutschland einmaliges Hochwasserschutzprogramm auf den Weg gebracht worden. Der Minister stellte aber auch klar, dass die Arbeiten an dem Hochwasserschutzsystem noch etwa zehn Jahre andauern würden. Es sei aber illusorisch zu glauben, dass ein Schutz vor einem Jahrtausendhochwasser wie im letzten Jahr möglich sei. ‚Vor Extremereignissen können wir nicht schützen. Wir können lediglich eine Minderung der Schäden erreichen‘, sagte Flath. Alle Planungen im Freistaat seien auf ein hundert- bis zweihundertjährliches Hochwasser ausgerichtet. Flath verwies auf die bisher eingeleiteten Schutzmaßnahmen, wie die Erhöhung der Hochwasserrückhalteräume in den Talsperren, die gesetzliche Ausweisung vorläufiger Überschwemmungsgebiete oder die Verbesserung des Hochwasserwarndienstes.

Stand der Hochwasserschutzmaßnahmen in Sachsen: Strategie bei der Schadensbeseitigung ist es, gleichzeitig den Hochwasserschutz zu verbessern. Das heißt, der Wiederaufbau erfolgt so, dass auch Erfahrungen aus der Katastrophe sowie neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zum Hochwasserschutz berücksichtigt werden. Nach der Hochwasserkatastrophe ging es darum, schnellstmöglich die größten Schäden an den Gewässern zu beseitigen. Von den 3.000 km Gewässer 1. Ordnung waren etwa 630 Kilometer (km) geschädigt. Über 100 km wurden bislang repariert. 950 Ingenieurbüros und 800 Baufirmen vornehmlich aus Sachsen sind in diesem Zusammenhang vertraglich gebunden. Zur Schadensbeseitigung und Umsetzung von Hochwasserschutzmaßnahmen wurden zusätzlich 2.750 Mitarbeiter zeitlich befristet eingestellt.

Durch das Hochwasser wurden zahlreiche Deiche geschädigt. Allein an der Elbe gab es 14 Deichbrüche und schwere Deichschäden, 115 an den Mulden und ihren Nebenflüssen (Freiberger Mulde 21, Vereinigte Mulde 82, Zschopau 4, Flöha 7, Striegis 1) und zwei an der Dahle. An den Deichen entstand ein Schaden von etwa 194,5 Mio. Euro. Alle Deichbrüche sind geschlossen, die Schäden aber noch nicht vollständig beseitigt. Für diese Leistungen wurden bereits Gelder im Umfang von 72,0 Mio Euro vergeben. Die Kosten für die Schadensbeseitigung an Gewässern 1. Ordnung, Deichen und Talsperren betragen nach derzeitiger Schätzung 429 Mio Euro, wobei sich allerdings noch wesentliche Maßnahmen zur nachhaltigen Sicherung der Schadensbeseitigung aus den Hochwasserschutzkonzepten ergeben werden. Von den rund 12.000 km Gewässern II. Ordnung gelten rund 6.000 km als geschädigt. Noch im letzten Jahr hat die Staatsregierung das Gesetz zur Erleichterung des Wiederaufbaus und Verbesserung des Hochwasserschutzes verabschiedet. Damit wurden durch Gesetz breitere Gewässerrandstreifen und Überschwemmungsgebiete festgesetzt. So dürfen zum Beispiel auf Flächen, die von einem aller 100 Jahre eintretenden Hochwasser überflutet werden, keine neuen Gebäude errichtet werden. werden.

Bis Ende 2003 sollen an den Gewässern 1. Ordnung alle notwendigen Überschwemmungsgebiete vorläufig ausgewiesen sein. Aktuell sind bereits etwa 200 Gebiete ausgewiesen. Derzeit werden für alle Gewässer 1. Ordnung (Unterhaltung obliegt dem Freistaat) insgesamt 47 Hochwasserschutzkonzepte erarbeitet, darunter auch fünf Konzepte für Flüsse, die nicht von der August-Flut betroffen waren. Fünf Konzepte für das Teilschadensgebiet Osterzgebirge sind bereits fertig. Dazu gehören unter anderem die Flüsse Müglitz, Gottleuba, Weißeritz, Triebisch und Lockwitzbach. Ziel aller Hochwasserschutzkonzepte ist es, durch ein differenziertes Schutzniveau z. B. Schutz vor einem 100-jährlichen Hochwasser in geschlossenen Siedlungen, größere Schäden zu vermeiden.

Hochwasserschutzkonzepte für alle Flussgebiete werden bis 2004 vorliegen, für die Hauptschadensgebiete Elbe, Vereinigte Mulde und das Westerzgebirge mit den Mulden und ihren Nebenflüssen bis Ende 2003. Die Flutkatastrophe hat gezeigt, dass beim Hochwasserschutz ein Umdenken erforderlich ist. Die sächsische Hochwasserschutzstrategie sieht deshalb vor, neben Maßnahmen zur operativen Abwehr und dem technischen Hochwasserschutz der Abflussminderung und dem Rückhalt in der Fläche einen höheren Stellenwert einzuräumen. Dazu gehört auch die Aufforstung des Waldes in Hochwasserentstehungsgebieten (Erzgebirge) ebenso wie erosionsmindernde Anbauverfahren in der Landwirtschaft. Der Hochwasserrückhalteraum in 14 sächsischen Talsperren wurde zugunsten des Hochwasserschutzes um 24 Mio. Kubikmeter auf insgesamt 146 Mio. Kubikmeter erhöht. Gegenwärtig wird geprüft, ob weitere Rückhalteräume möglich sind.

Seit 1. April 2003 gibt es Hochwasserwarnungen und -vorhersage für alle sächsischen Flüsse aus einer Hand. Dazu wurden die regionalen Hochwasserzentralen Bautzen, Leipzig, Chemnitz und Dresden in einem Landeshochwasserzentrum (Sitz beim Landesamt für Umwelt und Geologie in Dresden) zusammengeführt. Darüber hinaus wurden die Meldewege verkürzt. Hochwassermeldungen gehen nicht nur an die Regierungspräsidien, sondern zusätzlich per E-Mail auch an die Landratsämter und kreisfreien Städte. Die Bürger können die Hochwassernachrichten im Internet abrufen.

Vorhersagen und Hochwasserwarnungen werden im Internet nicht nur für die Elbe und ihre Nebenflüsse, sondern jetzt auch für weitere sächsische Flussgebiete veröffentlicht. Die Pegelwerte gelangen wie bisher zu den Gemeinden und sind ebenso im Internet abrufbar. Die Hochwasservorhersage für die Elbe wurde für den Pegel -Dresden bereits um 12 Stunden auf 36-Stunden-Vorherabschätzung verlängert. Der Vorhersagezeitraum soll auf 60 Stunden ausgedehnt werden.

Im Falle der Mulde wird der Vorhersagezeitraum noch in diesem Jahr von jetzt sechs bis zwölf Stunden um weitere zwölf Stunden verlängert. Der Deutsche Wetterdienst hat seine Unwetterwarnungen gegenüber dem Vorjahr verbessert. Warnungen vor Starkregenereignissen von mehr als 100 mm in 24 Stunden kommen jetzt mindestens 24 Stunden im Voraus. Unwetterwarnungen erfolgen auf Landkreisebene. 28 der 108 Hochwassermeldepegel waren stark beschädigt, drei davon vollständig zerstört. Die Wiederinstandsetzung ist vollständig abgeschlossen. Wie vor dem Hochwasser sind derzeit 75 Pegel mit Datenfernübertragung ausgerüstet.

Bis Ende 2003 sollen 90 Prozent mit Datenfernübertragung ausgerüstet, der Rest bis 2004. Ebenfalls bis En-de 2004 soll außerdem eine neue hochwassersichere Technik eingesetz werden, um einen Ausfall weitestgehend zu verhindern. Insgesamt soll der Aufbau eines leistungsfähigen Hochwasserfrühwarnsystems im kommenden Jahr abgeschlossen sein.

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