06. März 2003

187 Kilo Obst und Gemüse pro Kopf

Themen: Archiv — info @ 11:03

Bonn (agrar.de) – Der Pro-Kopf-Verbrauch von Obst und Gemüse in Deutschland erreicht nach Mitteilung des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes (RLV) jährlich mindestens 187 kg je Bundesbürger. Dies lässt sich nach Angaben der Zentralen Markt- und Preisberichtstelle (ZMP) aus den Daten über den Marktanbau und die Außenhandelsbilanz errechnen. Nicht erfasst ist dabei die Produktion aus Hausgärten und dem Streuobstanbau, da hier genaue Zahlen nicht zur Verfügung stehen. Knapp 60 Prozent des gesamten Obst- und Gemüseverzehrs entfallen auf Frischprodukte, gut 40 Prozent auf Verarbeitungsprodukte.

Der deutsche Gesamtverbrauch an Obst und Gemüse wird zu knapp einem Viertel im Inland erzeugt. So gelangen jährlich aus heimischer Produktion etwa 1,65 Mio. t Gemüse und 850.000 t Obst auf den Frischmarkt, die Nettoimporte abzüglich Marktverluste belaufen sich auf 2,4 Mio. t Frischgemüse und 3,8 Mio. t Frischobst. Diese 8,7 Mio. t Frischware werden um verarbeitete Erzeugnisse ergänzt, so dass sich insgesamt ein Obst- und Gemüseverbrauch von 15 Mio. t ergibt.

Bei frischem Obst und Gemüse ist Deutschland das wichtigste Einfuhrland in Europa. Bedeutendster Gemüselieferant ist inzwischen Spanien, während die Niederlande Marktanteile verloren haben. Beim Obst stehen ebenfalls die Importe aus Spanien an erster Stelle, gefolgt von Italien. Im Gegensatz zum Gemüse spielen beim Obst auch Drittländer eine größere Rolle, insbesondere die Einfuhren von Tafelobst aus Ländern der südlichen Hemisphäre und von Bananen aus Lateinamerika.

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Eymael ehrt Sieger im Landeswettbewerb für tiergerechte Haltung

Themen: Archiv — info @ 10:03

Neumühle (agrar.de) – Günter Eymael, Staatssekretär im Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau, hat auf dem 10. Vieh- und Fleischtag Rheinland-Pfalz in der Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Neumühle die Sieger des Landeswettbewerbs ‚Tiergerechte Haltung‘ geehrt und die Preise verliehen. Im Mittelpunkt standen diesmal Kälber und Färsen (weibliche Jungrinder, die noch nicht gekalbt haben) sowie Pferde.

Deutschland habe sich mit der Entscheidung, den Tierschutz als Staatsziel in das Grundgesetz aufzunehmen, zum würdigen Umgang mit den Tieren bekannt. Die art- und tiergerechte Haltung von Tieren werde deshalb in Zukunft einen noch höheren Stellenwert erlangen, stellte Eymael fest. Der vom Landwirtschaftsministerium ausgeschriebene Wettbewerb komme diesem Erfordernis in besonderem Maße entgegen, so der Staatssekretär.

Der Wettbewerb für tiergerechte Haltung wurde bereits zum sechsten Mal ausgeschrieben. Seit 1992 werden für die verschiedenen Nutztierarten moderne und beispielhafte Tierhaltungsanlagen nach spezifischen Kriterien bewertet und besonders empfehlenswerte und innovative Baulösungen herausgestellt. Insgesamt haben 53 Betriebe am diesjährigen Wettbewerb teilgenommen, er war mit insgesamt 10.900 Euro dotiert.

In der Bewertungskommission waren folgende Institutionen vertreten: Deutscher Tierschutzbund, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Tiergesundheitsdienst beim Landesveterinäruntersuchungsamt Rheinland-Pfalz, Arbeitsgemeinschaft landwirtschaftliches Bauen (ALB), Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Fachhochschule Bingen (Fachbereich Landbau), die staatliche landwirtschaftliche Beratung sowie das Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau.

Bewertungskriterien waren Bestandshygiene, Stallbelegungsform, Stallklima, Auslaufmöglichkeiten, Versorgungseinrichtungen, Verladungs- und Transport­einrichtungen, emissionsmindernde Maßnahmen, umweltgerechte Lagerung von Exkrementen, Ausbringung und Verwertung der Exkremente, Platzangebot, arttypische Bewegungsmöglichkeiten, Beschäftigung, Sauberkeit, soziale Kontakte, Bodenbeschaffenheit, Gestaltung der Ruhezonen, Verhütung von Verletzungen, Ausfällen und Verhaltensanomalien und nicht zuletzt die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit.

Sieger-Betriebe: Kategorie I: Kälber- und Färsenhaltung Siegerbetrieb: Peter Meutes aus 54597 Rommersheim (2.000 Euro) Platzierte: S. u. A. Diehl, Wiesenbergerhof, 67685 Erzenhausen (1.000 Euro) U. u. L. Scheib, Schaufertshof, 56370 Schönborn (1.000 Euro) Lehr- und Versuchsanstalt für Viehhaltung Neumühle, 67728 Münchweiler (1.000 Euro)

Kategorie II: Pferdehaltung Gruppe ‚Einzelhaltungssysteme‘ 1. Platz: Klaus Briegel, Hof in den Marlachauen, 67149 Meckenheim (1.250 Euro) 2. Platz: Leonhard Berg, Ockenheimer Chaussee, 55381 Bingen (1.000 Euro) 3. Platz: Jörg Hofmann, Hauptstr. 13, 67808 Weitersweiler (500 Euro)

Gruppe ‚Gruppenhaltungssysteme‘ 1. Platz: Wiltrud Heine, Eulenmühle, 55218 Ingelheim (1.250 Euro) 2. Platz: Carola Falk, Rexhof, 67122 Altrip (1.000 Euro) 3. Platz: Gerhard Sachs, Neumühle 5, 67728 Münchweiler (500 Euro)

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Kritik an Fischler-Diskussionspapier für Gentechnik

Themen: Archiv — info @ 10:03

Scheele: Regelung in der Landwirtschaft muss EU-einheitlich sein

Wien (agrar.de) – ‚Mit seinem Vorschlag, verbindliche Regelungen zur Koexistenz von konventioneller und Gen-Landwirtschaft den einzelnen Mitgliedsstaaten zu überlassen, geht das aktuelle Fischler-Diskussionspapier in die falsche Richtung. Gerade bei diesem sensiblen Thema brauchen wir EU-weit Klarheit und keine nationalen Sonderregelungen.‘ So fasst SPÖ-Europaabgeordnete Karin Scheele ihre Hauptkritik am aktuellen Diskussionspapier der Europäischen Kommission zusammen.

Das Fischler-Papier sieht unter anderem vor, die Regelung für Sicherheitsabstände zwischen konventionellen und Gen-Anbauflächen an die Mitgliedsländer zu delegieren. ‚Dabei wissen wir aus Studien, dass etwa Raps-Pollen einige Kilometer weit fliegen und natürlich auch vor Grenzen nicht Halt machen‘, betont Scheele.

Darüber hinaus sieht das gegenwärtige Papier auch eine Umkehr der Beweislast vor: Denn laut diesem Vorschlag muss der konventionelle Produzent oder Bio-Bauer die Kosten und Verantwortung für die Reinheit seiner Produkte übernehmen. Scheele: ‚Das ist eine massive Benachteiligung jener Landwirtschaft, die keine GVOs (genetisch veränderte Organismen) verwendet, widerspricht dem Verursacherprinzip und ist damit inakzeptabel.‘

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05. März 2003

Geheimsache Gen-Weizen

Themen: Archiv — info @ 16:03

Greenpeace: Behörde hält Daten zu geplantem Anbau von genmanipuliertem Weizen unter Verschluss

Hamburg (agrar.de) – Erstmals verschweigen Behörden und ein Gen-Konzern der Öffentlichkeit die entscheidenden Details über genmanipulierte Pflanzen, die demnächst auf Versuchsfeldern in Deutschland wachsen könnten. Das haben Recherchen von Greenpeace ergeben. Es handelt sich um genmanipulierten Weizen, der nach Angaben des Herstellers, dem Schweizer Saatgut-Konzern Syngenta, einem Pilzbefall widerstehen soll. Doch viel mehr will die zuständige Genehmigungs-Behörde, das Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin, der Öffentlichkeit nicht mitteilen. Es wird verheimlicht, welches spezifische Gen in die Pflanze eingebaut wurde und aus welchem Organismus es stammt. Ohne diese Informationen können Bürger jedoch nicht beurteilen, ob ihre Rechte betroffen sind und sie Einwendungen gegen die beantragten Versuchsfelder einlegen müssen. Greenpeace fordert, das Zulassungsverfahren auszusetzen, bis die Daten über die Genmanipulation offengelegt sind.

‚Diese Geheimniskrämerei schürt nicht nur Misstrauen, sie verhindert auch, dass Betroffene ihre Rechte wahrnehmen können‘, sagt Ulrike Brendel, Gentechnik-Expertin von Greenpeace. ‚Gentechnik auf dem Acker birgt Gefahren für Umwelt und Verbraucher. Die Behörde darf diese Daten nicht zurückhalten mit dem scheinheiligen Hinweis, es handele sich um vertrauliche Unternehmensinformation.‘

Syngenta reichte den Antrag (Nr. 6786-01-143) für den Versuchsanbau von genmanipulierten Weizen im Oktober 2002 beim RKI ein. Die Einwendungsfrist endet am kommenden Montag. Damit die Öffentlichkeit sich noch ausreichend an dem Verfahren beteiligen kann, fordert Greenpeace von der Behörde, nach Bekanntgabe der Daten eine neue Einwendungsfrist von einem Monat zu gewähren. Genehmigt das RKI den geplanten Anbau des Gen-Weizens ohne neues Verfahren, will Greenpeace den Fall von einem Gericht prüfen lassen.

Der Antrag von Syngenta ist aus einem weiteren Grund von Bedeutung: Versuche im Freiland sind der erste Schritt zum kommerziellen Anbau. Zwar wird Gen-Weizen in einigen Ländern bereits auf Äckern getestet, aber nirgends kommerziell angebaut. In Nordamerika planen die Gen-Konzerne Syngenta und Monsanto den großflächigen Anbau, sehen sich jedoch einer breiten Front von Kritikern gegenüber. Nicht nur Umwelt- und Verbraucherschützer, auch Bauernverbände, Weizenverarbeiter und Importeure sprechen sich gegen Gen-Weizen aus. Im Gegensatz zu den bisherigen Gen-Gewächsen wie Soja und Mais würde der Weizen nicht überwiegend in Tierfutter, sondern hauptsächlich in Nahrung gelangen.

‚Hier wird Politik auf Kosten der Verbraucher und der Umwelt gemacht. Weizen spielt in unserer Ernährung eine wichtige Rolle. Er wird weitgehend unverarbeitet für Brot, Kuchen oder Nudeln verwendet. Die möglichen Gefahren für die Gesundheit sind nicht erforscht, die Mehrheit der Verbraucher in Europa lehnt genmanipulierte Nahrungsmittel ab‘, erklärt Brendel. ‚Jetzt muss auch die Politik handeln. Verbraucherministerin Renate Künast muss dafür sorgen, das genmanipulierter Weizen erst gar nicht in Deutschland angebaut wird.‘

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Junglandwirte im Bund der Deutschen Landjugend positionieren sich zur GAP-Reform

Themen: Archiv,Pacht&Besitz — info @ 16:03

Berlin (agrar.de) – ‚Die EU verfehlt ihr Ziel, eine wettbewerbsfähige, verständliche und in die Zukunft gerichtete Agrarpolitik zu gestalten‘ so die JunglandwirtInnen des Arbeitskreises Agrar im Bund der Deutschen Landjugend (BDL) zu den aktuellen Verordnungsvorschlägen zur GAP-Reform, die von der EU-Kommission am 22.01.2003 vorgelegt wurden. Auf ihrer diesjährigen Klausurtagung vom 28.02.-02.03.2003 in Bad Waldsee erarbeiteten die jungen Agrarier hierzu ein Positionspapier.

‚Wir fordern ein einfaches und transparentes System der Direktzahlungen, das sowohl für die Gesellschaft als auch für die Landwirtschaft verständlich ist. Die Bürokratie muss auf ein Minimum reduziert werden‘, so Erik Jennewein, BDL-Vorsitzender. Veränderungen im System der Direktzahlungen müssen gewährleisten, das die Zahlungen die aktiven LandwirtInnen erreichen und es nicht zu Überwälzungen, z.B. in Form von Pachtpreiserhöhungen, kommt.

Die jungen Agrarier stehen dem Grundgedanken der Entkoppelung grundsätzlich positiv gegenüber. Der Vorschlag einer vollständigen Entkoppelung wird jedoch als nicht praxistauglich abgelehnt. ‚Die unvorhersehbaren Auswirkungen u.a. durch die entstehende Umverteilung der Zahlungsansprüche führen zu erheblichen Wettbewerbsverzerrungen‘, so der BDL-Vorsitzende. ‚Wir sprechen uns für eine weitere Entkoppelung der Flächenprämien und somit für eine höhere unternehmerische Freiheit aus.‘ Die Tierprämien sind dabei jedoch auszuschliessen, damit die tatsächliche Haltung von Tieren gewährleistet wird. Jennewein: ‚Entkopplungsschritte dürfen nicht dazu führen, dass ein alleiniges Pflegen der Flächen ausreicht, um die vollen Prämienansprüche zu erhalten‘.

Die JunglandwirtInnen fordern, die modulierten Gelder entgegen Fischlers Vorschlägen vollständig in die 2.Säule fließen zu lassen. Sie sehen es aber als dringend notwendig an, dass Modulationsmittel für Existenzgründungen eingesetzt werden. ‚Wer eine aktive Landwirtschaft in Europa erhalten will, muss mit der entsprechenden Politik auch junge Menschen im Sektor halten und nicht vertreiben‘, so Jennewein.

Links zum Thema Landjugend, Links zum Thema EU und Landwirtschaft.

CDU-NRW: Vorgeschlagener Kupfer-Grenzwert im Widerspruch zur Praxis des Öko-Landbaus

Themen: Archiv — info @ 15:03

Düsseldorf (agrar.de) – Auf den offensichtlichen Widerspruch zwischen den von der Bundesregierung im Juni 2002 im Rahmen eines gemeinsamen Konzepts zum Düngemitteleinsatz in der Landwirtschaft vorgeschlagenen Grenzwerten für Kupfer und Zink bei der Rinder- und Schweinegülle einerseits und der bestehenden Regelung zum Pflanzenschutz im ökologischen Landbau andererseits hat jetzt die CDU-Landtagsfraktion Nordrhein-Westfalen in einer Kleinen Anfrage hingewiesen. Nach einer Meldung des Kuratoriums für Betriebshilfsdienste und Maschinenringe in Westfalen-Lippe machte die Fraktion darauf aufmerksam, dass im ökologischen Landbau der Einsatz von kupferhaltigen Pflanzschutzmitteln unter bestimmten Voraussetzungen mit einer Höchstmenge von 8 kg Kuper je Hektar und Jahr erlaubt sei.

In einem Kubikmeter Schweinegülle seien 6 kg Trockensubstanz. In einem Kilogramm Trockensubstanz würden sich bis zu 258 mg Kupfer befinden, stellte die CDU-Landtagsfraktion fest. Um 8 kg Kupfer zu erreichen, wie sie durch den Pflanzschutzeinsatz im ökologischen Landbau erlaubt seien, müsste eine Menge von 5.000 cbm Schweinegülle je Hektar und Jahr ausgebracht werden. Diese Rechnung mache deutlich, so die CDU, dass entweder die vom Bundeslandwirtschaftsministerium und vom Bundesumweltministerium gemeinsam vorgeschlagenen Grenzwerte viel zu niedrig oder die im ökologischen Landbau zugelassenen Kupferfrachten viel zu hoch seien.

Die CDU-Abgeordneten forderten vor diesem Hintergrund eine größtmögliche Offenheit. Das sei in diesem sensiblen Bereich im Interesse der Verbraucher und der Landwirte – unabhängig davon, ob die Betriebe alternativ oder herkömmlich bewirtschaftet würden.

Links zum Thema Düngung.

Kommission befasst sich mit der Koexistenz gentechnisch veränderter Pflanzen

Themen: Archiv — info @ 15:03

Brüssel (agrar.de) – Die Europäische Kommission hat heute eine politische Erörterung über die Koexistenz gentechnisch veränderter, konventioneller und ökologisch angebauter Pflanzen geführt. Die Kommissare befassten sich dabei mit dem Konzept der Koexistenz, den bislang durchgeführten vorbereitenden Arbeiten, möglichen Betriebsführungsmaßnahmen, der Machbarkeit GVO-freier Gebiete und der Frage der Haftung im Fall zufälliger Vermischung. Weitere Themen der Kommissionssitzung waren die politischen Optionen und die auf nationaler und EU-Ebene zu treffenden Maßnahmen.

Die Kommission stellte fest, dass es bei der Koexistenz um die wirtschaftlichen Folgen des zufälligen Vorhandenseins genetisch veränderter Kulturen in nicht veränderten Kulturen geht. Koexistenz ergibt sich aus dem Grundsatz, dass die Landwirte frei entscheiden sollten, welche Kulturpflanzen sie anbauen wollen, ob es sich nun um gentechnisch veränderte, konventionelle oder ökologische Kulturen handelt. Keine Form der Landwirtschaft sollte in der EU ausgeschlossen werden. Die heutige Erörterung wird als Grundlage für einen Runden Tisch über Koexistenz am 24. April 2003 dienen, bei dem die Beteiligten ihren Standpunkt vorbringen können. Die Kommission wird dann zügig Leitlinien für die Lösung des Problems der Koexistenz vorlegen.

‚Die Koexistenz wirft Fragen auf, die beantwortet werden müssen. Die Vorschriften und der rechtliche Rahmen müssen sowohl auf nationaler wie auch auf EU-Ebene genau festgelegt werden. Damit keine Missverständnisse aufkommen: Bei der Koexistenz geht es um wirtschaftliche und rechtliche Fragen, nicht um Risiken oder Lebensmittelsicherheit, denn in der EU dürfen ohnehin nur zugelassene gentechnisch veränderte Kulturen angebaut werden. Die Anwendung der Koexistenz-Maßnahmen ist auch nicht neu. In der konventionellen Landwirtschaft beispielsweise haben Saaterzeuger bereits viel Erfahrung mit Maßnahmen zur Sicherstellung der Reinheitsstandards von Saatgut. Der nächste Schritt wird die ausführliche Erörterung der Optionen mit den Mitgliedstaaten und den Beteiligten sein. Dann wird die Kommission rasch Leitlinien vorlegen‘, erklärte Franz Fischler, zuständiges Kommissionsmitglied für Landwirtschaft, ländliche Entwicklung und Fischerei.

Was ist Koexistenz?

Der Anbau zugelassener GVO in der EU wird sich auch auf die landwirtschaftliche Erzeugung auswirken. Die Frage lautet insbesondere, wie mit der zufälligen Vermischung gentechnisch veränderter und nicht veränderter Kulturen wegen Saatgutverunreinigungen, Fremdbestäubung, Durchwuchs (selbstaussäende Pflanzen, hauptsächlich von Ernteresten, die in die nächste Vegetationsperiode übertragen werden), Ernte- und Lagerungsverfahren und Transport sowie mit den möglichen wirtschaftlichen Folgen umzugehen ist. Ob die Landwirtschaft dem Verbraucher eine breite Palette von Wahlmöglichkeiten bieten kann, hängt davon ab, ob sie verschiedene Anbauformen aufrechterhalten kann.

Das am häufigsten genannte Beispiel für Einkommenseinbußen sind konventionelle oder ökologische Landwirte, die ihre Erzeugnisse wegen einer zufälligen Beimischung von GVO, die über dem zulässigen Schwellenwert liegt, billiger verkaufen müssen. Das Gegenbeispiel wäre die Wertminderung einer speziellen gentechnisch veränderten Kultur wegen der Beimischung nicht veränderter Kulturen.

Beispiele für mögliche Betriebsführungsmaßnahmen

– Sicherheitsabstände zwischen den Feldern – Pufferzonen – Pollenbarrieren – Bekämpfung von durchwachsenden (selbstaussäenden) Pflanzen – Fruchtwechsel und Bepflanzungsvorkehrungen für unterschiedliche Blütezeiten – Überwachung bei Anbau, Ernte, Lagerung, Transport und Verarbeitung.

GVO-freie Gebiete

Die Kommission ist der Auffassung, dass freiwillige örtliche Vereinbarungen zwischen Landwirten und Industrie, die sicherstellen, dass in bestimmten Gebieten eine oder mehrere gentechnisch veränderte Kulturen nicht angebaut werden, natürlich immer möglich sind. Bei Kulturen, die wie erucasäurehaltiger Raps hohe Reinheitsstandards oder die Trennung verlangen, gibt es bereits Beispiele für solche Vereinbarungen. Ein allgemeines Verbot des Anbaus gentechnisch veränderter Kulturen in den Mitgliedstaaten muss jedoch ausgeschlossen werden, da der Schutz der wirtschaftlichen Interessen alleine keine ausreichende rechtsgültige Begründung für derart einschneidende Beschränkungen grundlegender Freiheiten ist. Außerdem widerspricht die Einrichtung GVO-freier Gebiete gegen den Willen einiger Landwirte dem Grundsatz der Koexistenz.

Haftung

Es wurde die Frage gestellt, ob mögliche Schadenersatzforderungen bei wirtschaftlichen Verlusten wegen der Beimischung von Fremdgenen auf Gemeinschaftsebene geregelt werden müssen. Die Kommission ist der Auffassung, dass nach dem Subsidiaritätsprinzip zunächst zu prüfen ist, ob das geltende nationale Recht nicht bereits ausreichende und gleiche Möglichkeiten für diese Fälle bietet. Ein weiteres Problem ist die Feststellung eines Kausalzusammenhangs zwischen Handlung und Schaden.

Kulturspezifische Lösungen

Bei jedem Ansatz zur Regelung der Koexistenzfrage muss berücksichtigt werden, wie wahrscheinlich bei der jeweiligen Pflanze bzw. Sorte die Möglichkeit einer Ausbreitung auf Nachbarfelder ist. Eine Studie der Gemeinsamen Forschungsstelle und ein kürzlich von einer dänischen Sachverständigengruppe zur Koexistenz verfasster Bericht haben bestätigt, dass die Wahrscheinlichkeit von Beimischungen und die Maßnahmen zu ihrer Verminderung in hohem Maße von der jeweiligen Kultur abhängig sind. In der dänischen Studie heißt es außerdem, die Koexistenz könne bei einem begrenzten GVO-Anteil (10 Prozent) und einem allgemeinen Schwellenwert für GVO-Spuren in unveränderten Kulturen von 1 Prozent für die meisten Kulturen in Dänemark (d. h. rote Rüben, Mais, Kartoffeln, Gerste, Weizen, Hafer, Triticale, Roggen, Lupinen, Saubohnen und Erbsen) sichergestellt werden. Bei manchen Kulturen müssen die Bewirtschaftungsmethoden möglicherweise geändert zu werden, während es unter denselben Bedingungen in anderen Fällen praktisch keine Schwierigkeiten gibt.

Bei Raps und Mais sowie bei der Erzeugung von Saatgut bestimmter Getreidesorten kann sich die Sicherstellung der Koexistenz jedoch als problematischer erweisen, und weitere Bewertungen sind nötig, bevor Leitlinien aufgestellt werden können.

Standortbedingte Unterschiede sind wichtige Elemente bei der Bestimmung wirksamer und kostengünstiger Maßnahmen zur Sicherstellung der Koexistenz verschiedener Anbauformen. Bei einigen wenigen Kulturen, hauptsächlich bei Raps, würden Maßnahmen zur Sicherstellung der Koexistenz erhebliche Änderungen bei den landwirtschaftlichen Praktiken mit sich bringen.

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Schleswig-Holstein: Umwelt- und Landwirtschaftsministerium kontrolliert Saatgut auf GVO

Themen: Archiv — info @ 15:03

Kiel (agrar.de) – Die schleswig-holsteinische Landesregierung will die Landwirte und Verbraucher vor nicht zugelassenen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) schützen. Deshalb lässt das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Landwirtschaft erneut Mais-Saatgut auf Verunreinigungen untersuchen. Die Probennahmen sollen so frühzeitig beendet werden, dass alle Analysenergebnisse vor der Aussaat – voraussichtlich Mitte April – vorliegen.

Das Umwelt- und Landwirtschaftsministerium hat kürzlich die in Schleswig-Holstein ansässigen Saatzuchtunternehmen und den Saatguthandel aufgefordert, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln dafür zu sorgen, dass in Schleswig-Holstein kein Saatgut in den Handel gelangt, das nicht zugelassene gentechnische Verunreinigungen enthält. Im Visier der Kontrolleure ist importiertes Mais-Saatgut aus Ländern mit großflächigem Anbau von gentechnisch veränderten Kulturpflanzen. Dort ist die Wahrscheinlichkeit einer Verunreinigung des Saatgutes am größten. Das Ministerium empfiehlt den Landwirten, sich von ihren Händlern garantieren zu lassen, dass das gelieferte Saatgut keine derartigen Verunreinigungen enthält.

Im vergangenen Jahr fielen die Kontrollen auf gentechnisch verunreinigtes Saatgut in Schleswig-Holstein erfreulich positiv aus. Nachdem in den Jahren 2000 und 2001 unerlaubte gentechnische Verunreinigungen in Raps- und Maissaatgut festgestellt wurden, zeigte das verbesserte Qualitätsmanagement der Saatgutfirmen Erfolg: In 2002 wurde kein verunreinigtes Saatgut gefunden.

Umwelt- und Landwirtschaftsminister Klaus Müller kritisierte die Mitteilung des EU-Agrarkommissars, Franz Fischler, die in Brüssel diskutiert wurde: Landwirte, die künftig in der EU garantiert gentechnikfreie Produkte herstellen wollen, sollen die dafür erforderlichen Pufferzonen und andere Vorsichtsmaßnahmen selbst finanzieren. Müller dazu: ‚Damit wird das Verursacherprinzip völlig auf den Kopf gestellt. Die finanziellen Risiken, die einseitig den einzelnen Landwirt aufgebürdet werden sollen, die ohne Gentechnik produzieren wollen, sind so nicht hinnehmbar.‘

Müller forderte eindeutige gesetzliche Regelungen auf EU-Ebene, die klar und für alle vergleichbar festlegen, welche Maßnahmen Produzenten gentechnisch veränderter Lebens- und Futtermittel ergreifen müssen, um Risiken abzuwenden und die Beimengung von Verunreinigungen in andere Produkte zu verhindern. Zudem müsse die Haftungsfrage bei Verunreinigungen eindeutig geklärt werden.

Links zum Thema Biotechnologie, Links zum Bundesland Schleswig-Holstein.

Österreich: Mehr Wein trotz der Wetterkapriolen im Jahr 2002

Themen: Österreich,Statistik — info @ 14:03

Mit 2,6 Millionen Hektoliter Steigerung um 3 Prozent

Wien (agrar.de) – Im Jahr 2002 wurden laut Statistik Austria 2.599.500 Hektoliter an österreichischem Wein produziert. Die Weinernte fiel damit trotz Wetterkapriolen um 3 Prozent höher aus als 2001. Mit diesem Ergebnis wurde der Erntedurchschnitt der letzten 10 Jahre (2.363.000 Hektoliter) um 10 Prozent übertroffen, obwohl die hohen Niederschlagsmengen in der 2. Jahreshälfte besonders den Winzern aus Niederösterreich und Wien Probleme bereiteten. Einerseits verursachte die Hochwasserkatastrophe Schäden an Kulturen und Steinmauern im Krems-, Kamp- und Donautal. Andererseits herrschte durch die anhaltende Feuchtigkeit ein massiver Fäulnisdruck, dem durch geeignete Maßnahmen entgegenzuwirken war.

Bei Weißwein konnte ein Plus von 6 Prozent auf 1.871.400 Hektoliter verzeichnet werden. Rotweine reagierten sensibler auf die Wetterkapriolen durch Auftreten der Zweigeltkrankheit und mussten mit 728.100 Hektoliter ein Minus von 6 Prozent hinnehmen. Die schmerzlichsten Rotweinrückgänge auf 324.000 Hektoliter (-9 Prozent) verzeichnete dabei das Burgenland.

Die Bemühungen niederösterreichischer Weinbauern gegen die oft widrigen Witterungsbedingungen waren aber nicht umsonst. Dies spiegelt sich in einem Ernteplus von 8 Prozent auf 1.665.300 Hektoliter wider. 64 Prozent des österreichischen Weinaufkommens stammten somit aus Niederösterreich. Dabei standen hohen Zuwachsraten bei Weißwein (+11 Prozent) relativ geringe Rotweinrückgänge (-2 Prozent) gegenüber.

Aus dem Burgenland wurde eine Erntemenge von 734.700 Hektoliter (-6 Prozent) gemeldet. Sowohl bei Weißwein (-2 Prozent) als auch bei Rotwein (-9 Prozent) wurde ein rückläufiges Ergebnis verzeichnet. Ein Ernteminus gab es auch in der Steiermark mit 179.300 Hektoliter (-4 Prozent) und in Wien mit 19.500 Hektoliter (-5 Prozent).

Die schwierigen Witterungsbedingungen hatten keine negative Auswirkung auf die qualitative Entwicklung der Trauben. Dies zeigte der Produktionsanstieg am Sektor der Qualitäts- und Prädikatsweine (+6 Prozent) auf 2.139.900 Hektoliter, während Tafel- und Landweine um 11 Prozent (414.600 Hektoliter) zurückgingen.

Der Weinbestand in Österreich betrug zum Stichtag 31. Juli 2002 3,0 Millionen Hektoliter. Somit war 5 Prozent mehr Wein auf Lager als im Vorjahr. Den Großteil davon stellten mit einem Volumen von 2,2 Millionen Hektoliter Qualitäts- und Prädikatsweine. Deren relativer Anteil ging jedoch aufgrund hoher Lagerstandszuwächse (+17 Prozent) bei Tafel- und Landweinen (665.700 Hektoliter) um 4 Prozent zurück.

Links zum Thema Agrarbericht und Statistik, Links zum Land Österreich.

BUND: Verursacherprinzip aushebeln? – Fischler will Gentechnik auf Europas Feldern durchsetzen

Themen: Archiv — info @ 13:03

Berlin (agrar.de) – Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht in den Vorschlägen von Agrarkommissar Franz Fischler zur Grünen Gentechnik den Anstoß zur durchgängigen Kontamination der Nahrungsmittelkette mit gentechnisch veränderten Organismen. Bundesagrarministerin Künast sei nun gefordert, gentechnikfreie Landwirtschaft weiter zu ermöglichen. Bei Verunreinigungen landwirtschaftlicher Produkte mit gentechnisch veränderten Organismen müssten Hersteller und Anwender vollständig für alle Folgen und Folgekosten haften. Das Verursacherprinzip dürfe nicht ausgehebelt werden.

BUND-Bundesgeschäftsführer Gerhard Timm: ‚Im Sommer soll das Moratorium für die Aussaat gentechnisch veränderter Organismen fallen. Über kurz oder lang werden gentechnische Anteile in allen Futter- und Nahrungsmitteln drin sein, ob es draufsteht oder nicht. Das beseitigt in der Folge nicht nur die Wahlfreiheit der Verbraucher beim Einkauf, es widerspricht auch dem Wunsch der Mehrheit der Bauern nach gentech-freier Landwirtschaft. Das ist starker Tobak aus Brüssel, Agrarministerin Künast muss sich klar dagegen positionieren.‘

Der BUND fordert eine eindeutige Ablehnung der Fischler-Vorschläge durch Bundesagrarministerin Künast. Wenn diese Vorschläge umgesetzt würden, gebe es am Ende sowohl für Landwirte als auch für die Verbraucher keine wirkliche Wahlfreiheit mehr. Saatgut dürfe nach den Vorschlägen der EU-Kommission künftig in großem Stil gentechnisch verunreinigt werden. Nach den geplanten Regeln zur Kennzeichnung wüssten die Bauern auch nicht mehr genau, was sie eigentlich aussäten.

Vor allem dem Ökolandbau drohten seitens der Grünen Gentechnik größte Gefahren. Nach EU-Richtlinien dürften Ökoprodukte keine gentechnisch veränderten Bestandteile enthalten. Die in Fischlers Vorschlägen erwähnten Abstandszonen oder andere Schutzmaßnahmen vor Gentech-Pollen seien keine geeigneten Mittel, Verunreinigungen von Nachbarfeldern zu vermeiden. Biobauern könnten zwar gegen benachbarte Landwirte klagen, die auskreuzendes Gentech-Saatgut eingesetzt hätten. Ob sie am Ende allerdings eine Entschädigung erhielten, sei unklar.

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