Deutsch-Britisches Umweltforum diskutierte über ökologische Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft
Cirencester (agrar.de) – ‚Wir werden zukünftig stärker Wege zur ökologischen Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft diskutieren müssen, um gemeinsam Perspektiven für Bauern, Bäuerinnen, den ländlichen Raum, dem Naturschutz, dem Verbraucher und für die Lebensqualität aufzeigen zu können‘, so der Generalsekretär des Deutschen Bauernbundes Jochen Dettmer nach dem Besuch einer Tagung des Deutsch-Britischen Umweltforums am 25. -26.11.02 am Royal Agricultural College in Cirencester, Großbritannien. In einem Vortrag hat der Bauernbundgeneralsekretär grundsätzlich die Reformvorschläge von EU-Kommissar Fischler begrüßt, insbesondere den Vorschlag im Rahmen der Modulation eine Prämienobergrenze einzuführen. Diese könne aber auch nach differenzierenden Kriterien degressiv ausgestaltet werden.
‚Die Einführung von Betriebsprämien auf Grund historischer Daten, halten wir allerdings für problematisch. Als Alternative dazu erscheint uns eine einheitliche Flächenprämie für Acker und Grünland sinnvoller. Die Abschaffung der Roggenintervention ab 2004 hätte für Deutschland verheerende Folgen, da bisher Anbaualternativen, gerade auf den leichten Böden Ostdeutschlands, fehlen. Alternativen, wie die Erschließung des Energiemarktes durch Biomasseproduktion oder Ölpflanzen sind noch in der Entwicklungsphase,‘ betonte Dettmer.
Zur Kennzeichnung der Ziele, die zu einer ökologischen Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft führen, stellte Dettmer 6 Thesen vor:
1. Ökologische Nachhaltigkeit lässt sich nicht mit einer weiteren Industrialisierung der Landwirtschaft erreichen. Wir brauchen eine multifunktionale bäuerliche Landwirtschaft, die auf selbständigen Familienbetrieben basiert.
2. Die Rahmenbedingungen der EU-Agrarpolitik sind durch Modulationen so zu entwickeln, dass ökologische Leistungen der Landwirtschaft auch honoriert werden.
3. Die Marktstrukturen sind so zu beeinflussen, dass eine regionale Vermarktung mit Produktdifferenzierung nach Herkunft und Art und Weise der Produktion eine Chance bekommen. Die Zukunft kann nicht auf dem Weltmarkt liegen, sondern im Binnenmarkt.
4. Wir müssen mit den Verbrauchern den Dialog suchen, damit sich der Wunsch nach ökologischer Nachhaltigkeit auch in Kaufentscheidungen niederschlägt.
5. Wir müssen den Bauern den Zugang zu diesen Märkten ermöglichen. Überzogene Reglementierungen im Handelsklassenbereich und Hygienebereich sind abzuschaffen.
6. Allein durch staatliche Intervention und Reglementierung lässt sich ökologische Nachhaltigkeit nicht erreichen, sondern nur durch Überzeugung auf allen Seiten.
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