22. März 2002

Naturland informiert über Ökologische Hühnerhaltung

Themen: Biolandbau,Futtermittel,Hormone,Verbände — info @ 14:03

Klare Gesetzesvorgaben für Öko-Eier

Gräfelfing (agrar.de) – Öko-Eier sind zu Ostern gefragt wie nie. Der kritische Blick auf die Eierpackung ist allerdings trotz aller gesetzlicher Vorgaben nötig, wenn Verbraucher wissen wollen, ob die Hühner wirklich nach ökologischen Richtlinien gehalten werden. Naturland informiert anlässlich der bevorstehenden Osterfeiertage über Gesetzeslage, Prüfzeichen, Gütesiegel und die Kriterien für echte Öko-Eier.

Immer noch kommt ein hoher Prozentsatz aller Eier aus Käfighaltung. Doch nach der neuen Gesetzeslage droht der Käfighaltung von Legehennen das endgültige Aus. Am 13. März trat die neue Verordnung zur Hennenhaltung in Kraft, die vom Bundesrat im Oktober 2001 angenommen worden war. Ab sofort dürfen damit keine Ställe mehr gebaut werden, in denen Hennen in Käfigbatterien (Käfige mit 450 cm2 oder 550 cm2 je Henne) gehalten werden. Bestehende Ställe müssen ab Januar 2007 umgebaut sein, sogenannte ausgestaltete Käfige (750 cm2 je Henne mit Nest, Sitzstange und Einstreu) sind ab Januar 2012 nicht mehr zugelassen.

Neue Eier-Kennzeichnung Die Haltungsform von Legehennen soll künftig beim Einkauf leichter zu erkennen sein. So gibt es bereits seit dem 1. Januar 2002 nicht mehr fünf Haltungskategorien, sondern nur noch drei: Käfig-, Boden- und Freilandhaltung. Aber erst ab 2004 muss die Haltungsform auf jeder Packung angegeben werden, zum Beispiel ‚Eier aus Käfighaltung‘. Zusätzlich muss jedes Ei mit einem Erzeugercode versehen werden, auf dem die Haltungsform, das Herkunftsland und die Nummer des Erzeugerbetriebes verzeichnet sind. Bis dahin muss der Verbraucher sehr genau aufpassen, was er kauft. Mit idyllischen Bildern von Himmel, Wiesen, Hühnern im Strohnest etc. auf Verpackungen von Käfigeiern zu werben, ist zumindest bis 2004 immer noch gestattet. Ein Potsdamer Gericht entschied jüngst, dies sei nicht wettbewerbswidrig.

Bodenhaltung – Freilandhaltung Die Voraussetzungen, unter denen ein Huhn in ‚Bodenhaltung‘ oder in ‚Freilandhaltung‘ lebt, sind gesetzlich definiert. Die Anforderungen der EU-Vermarktungsnormen lauten: – Bodenhaltung: 7 Hühner pro Quadratmeter im Stall – Freilandhaltung: 1 Huhn pro 10 Quadratmeter im Auslauf Weder ‚Bodenhaltung‘ noch ‚Freilandhaltung‘ garantieren allerdings für ökologische Haltung und Fütterung. Öko-Legehennen müssen nach weit strengeren Vorgaben gehalten werden.

EU-Standards für Öko-Eier Seit 24. August 2000 gelten für ökologisch erzeugte Eier innerhalb Europas neue gesetzliche Regelungen nach der Verordnung (EG) Nr. 1804/1999. Danach werden tierische Lebensmittel wie Milch, Fleisch und Eier nach einheitlichen Mindeststandards erzeugt und kontrolliert. Zu erkennen ist dies an der jetzt auch für tierische Produkte vorgeschriebenen EU-Kontrollnummer auf der Verpackung von Öko-Lebensmitteln bzw. am Aushang am Marktstand, im Lebensmittelmarkt etc. Diese EU-Kontrollnummer ist die einzige Kennzeichnung, die bei Öko-Produkten zwingend vorgeschrieben ist.

Bio-Siegel Öko-Eier können Ostern 2002 auch erstmals das ‚Bio-Siegel‘ tragen, das neue staatliche Prüfzeichen für Produkte aus Ökologischem Landbau. Das neue ‚Bio-Siegel‘ beruht ausschließlich auf der Grundlage der EU-Verordnungen zum Ökologischen Landbau. Der EU-Öko-Standard ist niedriger als der Richtlinienstandard von Naturland. So wird z.B. in der EU-Öko-Verordnung keine Gesamtbetriebsumstellung gefordert, der Futtermittel- und Düngemittelstandard ist bei den Anforderungen an den ökologisch erzeugten Teil deutlich niedriger. Verarbeitungsrichtlinien gibt es nicht.

Naturland® Zeichen Das Naturland Zeichen auf einer Eierpackung steht für die Einhaltung des gesetzlichen Mindeststandards und für die darüber hinaus gehenden konsequenten Naturland Richtlinien. Die Arbeit der Naturland® Bauern und Verarbeiter ist zum Teil aufwändiger als nach der EU-Öko-Verordnung. – Nach den Naturland Richtlinien bekommen Legehennen ökologisch erzeugtes Futter. Mindestens die Hälfte des Futters muss vom eigenen Betrieb kommen. Selbstverständlich muss auch zugekauftes Futter den Naturland Richtlinien entsprechen.

– Jedes Huhn hat viel Raum zum Laufen, Picken, Scharren, Staub- bzw. Sandbaden. Eingestreuter Scharraum mit Stroh, Sägemehl, Dinkelspelzen, Sand, Steinmehl ist vorgeschrieben. – Der Tierbesatz ist konsequent an die vorhandene Fläche gebunden (1,4 DE/ha). Das gilt auch für Hühner. – Zusätzlich dürfen die Hühner an die frische Luft nach draußen, entweder im überdachten Auslauf oder im Grünauslauf (mindestens 4 qm pro Huhn). Legehennenhaltung ohne Auslauf ins Freie ist nicht möglich. – Ständig Frischluft und viel Tageslicht sind vorgeschrieben. – Das natürliche Verhalten der Hühner stand Pate bei der Abfassung der Naturland Richtlinien. So müssen den Tieren entweder Einzelnester zur Verfügung stehen: (1 Nest für 5 Tiere) oder große Gruppennester, wie sie Hühner in der freien Natur auch anlegen. 1 Quadratmeter Nest für 80 Tiere ist vorgeschrieben. – Von Natur aus schlafen Hühner auf Ästen. Damit sie auch auf dem Öko-Hof „aufbaumen“ können, schreiben die Naturland Richtlinien abgerundete Sitzstangen vor, 18 cm pro Huhn. Die Sitzstangen müssen – wie Äste eines Baumes – in unterschiedlicher Höhe angebracht werden.

Das ist bei Naturland verboten – Tiermehl, gentechnisch modifizierte Organismen oder deren Erzeugnisse, Harnstoff, synthetische Aminosäuren, synthetische Dotterfärbemittel – Routinemäßige und prophylaktische Behandlungen mit chemisch-synthetischen Mitteln sowie Hormonen – Käfighaltung – Schnabelkürzen und Stutzen der Schwingfedern – Zwangsmauser – Bodenlose Haltung von Tieren ist ebenfalls verboten

Schalenfarbe – Dotterfarbe Braune Schalenfarbe garantiert nicht für Öko-Eier. Es gibt auch weiße Öko-Eier! Ob ein Huhn weiße oder braune Eier legt, hängt ausschließlich mit der Rasse des Huhnes zusammen – über ökologische Tierhaltung sagt die Eierfarbe nichts aus. Die Faustregel: Hühnerrassen mit weißen Ohrscheiben oder Ohrläppchen legen weiße Eier, Hühner mit roten Ohrgehängen legen braune. Ein ökologischer Eier-Erzeuger bietet seit neuestem sogar weiße und braune Eier in einer Packung an. In diesem Betrieb ziehen bunt gemischte Hennenscharen aus weißen und braunen Hühnern über die Wiesen.

Auch an der Farbe des Dotters kann man Eier nicht unterscheiden. Halter von Käfighennen mischen den Hühnern Farbstoffe ins Futter, die das Dotter dunkel oder kräftig orange färben. Hühner aus Ökologischem Landbau, die im Freien scharren und picken dürfen, haben in der Regel im Sommer ebenfalls kräftig gelb gefärbte Dotter. Die Farbe wird vom frischen Grünzeug verursacht. Im Winter, wo frisches Grün rarer ist, sind die Dotter heller.

Information: Naturland – Verband für naturgemäßen Landbau, Kleinhaderner Weg 1, 82166 Gräfelfing, Tel.: 089-898082-0, Fax 089-898082-90, E-Mail.

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