Raiffeisen-Bilanz 2001: Umsatz gestiegen
Nüssel: BSE-Folgekosten drücken auf die Ertragslage
Berlin (agrar.de) – Die 3.632 (Vorjahr 3.847) Raiffeisen-Genossenschaften erzielten im Jahr 2001 einen addierten Umsatz von 39,6 Mrd. Euro. Gegenüber dem Vorjahresergebnis von 38,2 Mrd. Euro ist das ein überwiegend preisbedingtes Plus von 3,7 Prozent.
‚Diese Steigerung spiegelt sich aber nicht in der Ertragslage der Unternehmen wider. Einerseits schlagen die BSE-Folgekosten sowie die Mehrausgaben aufgrund der Ökosteuer und bei den Personalnebenkosten deutlich zu Buche. Andererseits wurden durch Kooperationen im genossenschaftlichen Verbund sowie Rationalisierungen in der Datenverarbeitung und Logistik Betriebskosten gesenkt‘, erklärte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes (DRV), bei der Bilanz-Pressekonferenz am 13. März 2002 in Berlin.
Bei der Bündelung der Kräfte wurden weitere Fortschritte erzielt. Überwiegend durch Fusionen nahm die Zahl der Genossenschaften um 5,6 Prozent ab. Die Anpassungen bei den Kreditgenossenschaften mit Warengeschäft lagen mit – 18,4 Prozent auf 354 über dem Durchschnitt. Der Trend zur Spezialisierung und die Konzentration auf Kernkompetenzen halten an. Bemerkenswert ist auch die Abnahme der Zahl milchverarbeitender Genossenschaften auf nunmehr 87 (– 10,4 Prozent). ‚Diese Bündelung dient der Stärkung der Marktposition, wobei die Genossenschaften weiterhin in der Fläche präsent bleiben‘, erklärte Nüssel.
Die genossenschaftlichen Ausfuhren betrugen 3,2 Mrd. Euro. 84 Prozent der Exporte entfielen auf Milch- und Fleischerzeugnisse. In diesem Bereich decken die Genossenschaften ein Drittel des deutschen Agrarexportes ab.
Vieh- und Fleischwirtschaft: Spielball der Politik
Die BSE-Folgen prägten die Vieh- und Fleischmärkte nachhaltig. Das hatte starken Einfluss auf Angebot und Nachfrage, Mengen und Preise sowie Vermarktungsstrategien und -konzepte, insbesondere bei Rindfleisch. In der Anfangsphase der BSE-Krise mussten empfindliche wirtschaftliche Einbußen verkraftet werden. Bestandsabwertungen und Auftragsstornierungen kennzeichneten die Geschäftstätigkeit. Erhebliche Mehrkosten durch gesetzliche Auflagen, z. B. BSE-Tests und Entsorgung von Risikomaterialien, belasteten die Vermarktung.
12,2 Mio. Schweine und 1,2 Mio. Rinder wurden in genossenschaftlichen Betrieben geschlachtet. Der Umsatz stieg auf 6,9 Mrd. Euro. Nach wie vor schwierig gestaltet sich die Vermarktung von Schlachtkühen wegen geringer Absatzmöglichkeiten in der Fleischwarenindustrie.
Neben der wieder eröffneten Intervention stützte im Jahresverlauf vor allem der Drittlandsexport den Rindfleischabsatz. Da viele Staaten Einfuhrsperren verhängt hatten, konzentrierten sich die Ausfuhren auf den russischen Markt. Er wird seine Schlüsselfunktion im laufenden Jahr beibehalten.
Fehlerhafte BSE-Tests – großer Schaden
Scharfe Kritik übte Nüssel an den Kontrolldefiziten im Zusammenhang mit den fehlerhaften BSE-Tests in verschiedenen Bundesländern. ‚Das Hin- und Herschieben von Verantwortlichkeiten hat Schlachtunternehmen und Landwirten großen Schaden zugefügt und die Branche in Misskredit gebracht. Schlachtunternehmen sind unverschuldet in Existenznot geraten. Darüber hinaus wurde die Branche mit dem Aussetzen von Exporterstattungen zu Unrecht in Kollektivhaft genommen‘, so Nüssel. Als wenig hilfreich bezeichnete er den Streit um private oder staatliche Testlabors. Entscheidend ist vielmehr, dass die Prüfkriterien klar definiert, bundesweit angewandt sowie streng überwacht und kontrolliert werden.
Warenwirtschaft: Ergebnis befriedigend
Die Geschäftsentwicklung in der genossenschaftlichen Warenwirtschaft war insgesamt befriedigend. Die wertmäßigen Umsätze von rund 17,4 Mrd. Euro liegen um 2,3 Prozent über dem Vorjahresniveau. Das Absatzgeschäft wurde durch eine qualitativ gute Getreideernte mit einem Rekordvolumen von 49,5 Mio. t begünstigt. Allerdings hatte die spürbare Investitionszurückhaltung der Landwirte negativen Einfluss auf die Ergebnisse in einzelnen Sparten, insbesondere bei den Bauinvestitionen und in der Agrartechnik.
Die Getreide- und Ölsaatenmärkte den unmittelbar nach der Ernte durch kurzfristige Eingriffe der EU-Kommission in die Marktverwaltung gestört. Fehlende Exportmöglichkeiten sowohl in Drittländer als auch im EU-Binnenmarkt sorgten für anhaltenden Preisdruck. Präsident Nüssel forderte deshalb die Brüsseler Kommission auf, mehr Anreize für Getreideausfuhren zu schaffen, damit auf dem Weltmarkt keine Anteile verloren gehen.
Für den Anbau nachwachsender Rohstoffe wurden im Jahr 2001 fast 320.000 ha Stilllegungsflächen genutzt. Die Genossenschaften haben circa 50 Prozent dieser Flächen vertraglich gebunden und sind damit Marktführer. Zur kommenden Ernte wird hierzulande angesichts der steigenden Nachfrage nach umweltfreundlichem Biodiesel und der günstigen Preisentwicklung mit einer Ausdehnung der Anbaufläche gerechnet.
Einsatz von Biokraftstoffen fördern
Präsident Nüssel forderte eine zügige Verabschiedung des Richtlinienvorschlags der EU-Kommission zur Förderung des Einsatzes von Biokraftstoffen. Die Wirtschaft braucht mittelfristig verlässliche Rahmenbedingungen. Die Genossenschaften haben Millionenbeträge in Veresterungsanlagen und die Markterschließung investiert. Die Bundesregierung sollte die Möglichkeit einer vollständigen Steuerbefreiung für Biodiesel ausschöpfen.
Der Absatz landwirtschaftlicher Betriebsmittel lag mengenmäßig unter Vorjahresniveau. Der Rückgang bei Düngemitteln um etwa 10 Prozent ist insbesondere auf eingeschränkte Anwendung von Grund- und Mehrnährstoffdüngern zurückzuführen. Ein gestiegenes Preisniveau für Stickstoffdünger führte insgesamt zu einen leichten Umsatzzuwachs in dieser Sparte.
Bei Pflanzenschutzmitteln erreichte der Umsatz etwa das Vorjahresniveau. Für 2002 rechnet Nüssel mit einer Belebung des Geschäfts, wenn jene Warenströme nach Deutschland zurückkehren, die in den letzten Jahren aufgrund von Mehrwertsteuerdisparitäten in EU-Nachbarstaaten abgewandert sind. Unsicherheit und Investitionszurückhaltung der Landwirte waren vor allem beim Neumaschinenkauf deutlich zu spüren. Der Umsatz blieb um 7 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Aufgrund des anhaltenden Preiskampfs auf dem Tankstellenmarkt ließen sich oftmals keine ausreichenden Margen im Kraftstoffabsatz erzielen. Die vom Bundeskartellamt unter Auflagen genehmigten Fusionen von Shell/DEA und BP/Aral werden erhebliche Auswirkungen auf die Wettbewerbsfähigkeit der 540 genossenschaftlichen Tankstellen haben.
Sehr angespannt ist nach wie vor die Situation in der Bauwirtschaft. Ein Aufschwung hat sich entgegen den Erwartungen nicht eingestellt. Dies wirkte sich negativ auf die Umsätze der 500 Baustoff-Märkte und -Fachhandlungen in der Raiffeisen-Organisation aus. Ihr Umsatz blieb 5 Prozent unter dem Vorjahresergebnis.
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