BSE-Krise aus Sicht der Ernährungsmedizin: Mangelernährung droht!
Bad Aachen (agrar.de) – Der Verzicht auf tierische Produkte kann zu schweren Mangelzuständen an Eisen, Zink, Jod, Vitamin B1, B12 sowie Eiweiß führen.
Das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (DIET) warnt: Vor dem Hintergrund der BSE-Krise sowie anderer Tierskandale essen immer mehr Menschen kein Fleisch und die Angst vor tierischen Produkten steigt. Der Verzicht auf Fleisch kann auf lange Sicht betrachtet zu schweren Mangelzuständen insbesondere an den lebensnotwendigen Spurenelementen Eisen, Zink und Jod, den Vitaminen B1 und B12 sowie Eiweiß (Protein) führen, so das Institut in Bad Aachen. Bei einer rein vegetarischen Ernährungsweise kann es langfristig auch zur Unterversorgung mit Retinol, Calciferol, Riboflavin und Calcium kommen
Kurzfristig merke der ‚Neuvegetarier‘ natürlich nichts von seiner mangelhaften Versorgung, so DIET-Ernährungswissenschaftlerin Ines Drewe. Erst langfristig zeigen sich die Auswirkungen einer unzureichenden Zufuhr an Nahrungsinhaltsstoffen, die insbesondere in tierischen Lebensmitteln vorkommen. Eine rein pflanzliche Ernährung sei mit einem Risiko verbunden, Mangelzustände zu entwickeln. Besonders Kleinkinder, Jugendliche, Frauen vor dem Klimakterium, Schwangere und Stillende, Rekonvaleszente, chronisch Kranke sowie Senioren sind gefährdet.
Momentan verzichten viele Verbraucher auf das zinkreiche Rindfleisch. Zinkgehalt von Lebensmitteln (Zinkgehalt in Milligramm (mg) je 100 Gramm Lebensmittel): Austern (85,0 mg), Schweineleber (6,2 mg), Rumpsteak (Rind, 5,6 mg), Rindergehacktes (5,0 mg).
Die meisten pflanzlichen Lebensmittel sind zinkarm oder andere Inhaltsstoffe der Pflanze (beispielsweise Phytinsäure) hemmen die Aufnahme des enthaltenen Zinks. Schon vor der BSE-Krise war die Zinkversorgung der Bevölkerung in Deutschland unzureichend und der Verzicht auf tierische Produkte, insbesondere Rindfleisch verstärkt die Mangelsituation. Um einem Zinkmangel wirksam vorzubeugen, sollten täglich 15 Milligramm des lebensnotwendigen Spurenelements in Form von Zinktabletten aufgenommen werden. Wichtig ist dabei, dass darin Zink in optimal verwertbarer Form vorliege.
Studien zufolge ist dies insbesondere bei der Verbindung Zinkhistidin gegeben. Histidin ist ein Eiweißbaustein, der die Zinkaufnahme aus dem Dünndarm fördert. Zur Vorbeugung eines Jodmangels emp-fiehlt das DIET die Verwendung von Jodsalz. Die Verwendung von fluoridiertem Jodsalz bringt zusätzlich einen Schutz vor Karies durch Fluorid, so Müller. Um bei einer rein vegetarischen Ernährung keinen Vitamin B1-Mangel zu entwickeln, kann eine Anreicherung mit Weizenkeimen oder Sojaprodukten geschehen. Vitamin B12 ist nur schwer ohne tierische Produkte zu decken, so Müller. Da Eisen aus pflanzlichen Lebensmitteln schlecht verfügbar ist, kann die Aufnahme durch Vitamin C beispielsweise aus Orangensaft gefördert werden. Relativ eisenreich sind Kürbiskerne, Sojaprodukte, Mohn, Pinienkerne, Hirse und Leinsamen, so Müller. Risikogruppen sollten auf Eisenpräparate zurückgreifen, um einem Eisenmangel vorzubeugen.
Im vergangenen Jahr verbrauchte jeder Bundesbürger 40,2 Kilogramm Schwein, 10,8 Kilogramm Rind und Kalb, 9,2 Kilogramm Geflügel und 0,8 Kilogramm Schaf und Ziege, fasst das DIET zusammen. 71.128 Fleischer leben vom hohen Fleischkonsum in Deutschland. Problematisch sei, dass Fleisch vor den Skandalen nur halb so teuer war, wie vor 30 Jahren.
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