Autor Thema: Reifen, Grip und Leistung  (Gelesen 1255 mal)

Offline Dj NafetsTopic starter

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Reifen, Grip und Leistung
« am: 15.05.2018, 21:36:31 »
Momentan komme ich beim Verständnis der Reifen fürs Pulling einfach nicht weiter. Eventuell kann mir hier einer der alten Hasen weiter helfen.

Konkret geht es mir um den Zusammenhang von Reibung, Stollenhöhe, Radgeschwindigkeit und Leistung.

Fangen wir mal bei Adam und Eva an: Die physikalischen Zusammenhänge von Kraft, Geschwindigkeit und Leistung sind bekannt. Bei reinen Ackerschleppern greifen die Stollen in den Boden der zwischen den
Stollen auf Abscherung belastet wird, die Gummioberfläche erzeugt auch ein bisschen Reibung und so geht es mit geringem Schlupf von 10-15% vorwärts. Alles klar.

Beim Pulling drehen die Reifen in den leistungsstarken Klassen aber so schnell das man nicht mehr wirklich von Schlupf sprechen kann.

Bleiben wir für die Beispiele mal bei den Mini´s. Die fahren ja immer extremere Radgeschwindigkeit die bis an die 200km/h herankommen.
Habe ich auf einem Reifen eine gegebene Radlast brauche ich auf gegebenem Untergrund eine bestimmte Kraft zwischen Reifen und Boden damit es zum Durchdrehen kommt.
Dem Bremswagen ist es nun vollkommen schnuppe wie schnell sich die Räder drehen. Der braucht um schneller zu werden eine Kraft.

Und jetzt hakt es bei mir aus: Die steigenden Leistungen machen immer höhere Radgeschwindigkeiten nötig um bei gleichbleibender Reibkraft nicht nur in den Begrenzer zu drehen. Wie aber steigt dadurch die Kraft?

Ist es für die Reibkraft nicht vollkommen Wurst ob ein Rad mit 80km/h oder 200km/h durchdreht? Das ist immer noch deutlich schneller als der Bremswagen wird.

Klar, die Praxis zeigt das die Leistung irgendwie in die Bahn kommt, nur wie? Welcher Effekt erlaubt es das ein Whispering Giant seine zigtausend PS mit 5mm Stollenhöhe auf die Bahn bekommt?

Danke und Gruß

Stefan

Offline winaxmann

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Re: Reifen, Grip und Leistung
« Antwort #1 am: 16.05.2018, 21:13:22 »
Ich bin weder Physiker noch besonders bewand damit aber ich sehe das so , mein Rad dreht mit 200 Km/h das entspricht sag ich mal 2500 U/min . aber ich habe Stullen die für Traktion sorgen und ich habe Oberfläche die für Friktion sorgt
. Nun stellt es sich für mich so dar das du das passende Verhältnis brauchst zwischen Friktion und Traktion also halt Stollenhöhe/Stollenmenge und Winkel zu Aufstandsfläche des Reifens.
Je mehr Drehzahl desto häufiger greift ein Stollen (mehr Traktion) . Die Friktion ändert sich nur mit Druck (Gewicht des Reifens auf der Bahn ). Also habe ich etwas mehr Traktion zieht das Gewicht des Bremswagens am Traktor,
durch den Winkel zur höhe des Zugpendels kann ich Einfluss nehmen auf die Friktion . Mehr Zugkraft an der Kette=mehr Druck auf der Hinterachse der Rest ist dann Hebelgesetz (Kippunkt Hinterhachse).

Gern lasse ich mich aber auch aufklären danke :)
Sollte das alles falsch sein einfach ignorieren .

Offline Dj NafetsTopic starter

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Re: Reifen, Grip und Leistung
« Antwort #2 am: 17.05.2018, 19:16:27 »
Zitat
e mehr Drehzahl desto häufiger greift ein Stollen (mehr Traktion)

Und genau das verstehe ich nicht. Wenn ich pro Sekunden einen oder zehn Stollen durch die Erde ziehe verzehnfacht sich dadurch die benötigte Leistung, aber die Kraft einen Stollen durch die Erde zu ziehen wird nicht größer. Folglich auch nicht die Kraft an der Kette.

Die Friktion ist von der Anpresskraft abhängig, die wird aber durch mehr Radgeschwindigkeit auch nicht größer....

Gruß

Stefan


Offline diesel_puller

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Re: Reifen, Grip und Leistung
« Antwort #3 am: 18.05.2018, 12:59:32 »
Also ich habe da auch eine Theorie dazu ;-))

Man könnte das auch wie folgt sehen:
die Stollen der Reifen schneiden Material aus der Bahn und beschleunigen es - die Kraft die auf das herausgeschnittene Bahnmaterial wirkt - wirkt in umgekehrter Richtung auf den Reifen
(Kraft = Gegenkraft)
Bin mir selbst nicht ganz sicher wie ernst ich meine Theorie nehmen soll  ;D
- Würde aber zumindest ein wenig erklären warum hohe Raddrehzahlen helfen ..... 

Offline Badga

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Re: Reifen, Grip und Leistung
« Antwort #4 am: 18.05.2018, 13:23:40 »
So denke ich mir das im Gedankenexperiment:

Der Bremswagen steht schwer. Zwei, bis auf die Raddrehzahl identische, Traktoren ziehen den Bremswagen. Einer hat 100km/h Radumfangsgeschwindigkeit, der andere 200.
Die Kraft pro Stollen ist also gleich. Einen Stollen durch das Erdreich zu ziehen braucht dann die identische Energiemenge E1.
Im Experiment gibt es dann eine Zeit t > 0 zu der beide Traktoren noch nicht zum Stehen gekommen sind. Danach gibt es eine Zeit t1 zu der min. ein Traktor zum stehen kommt.
An diesem Zeitpunkt hat Traktor 2 ungefähr doppelt so oft E1 umgesetzt wie Traktor 1.
Wenn es eine bestimmte Energie gibt, die man aufwenden muss um den Bremswagen eine bestimmte Strecke ziehen gewinnt Traktor 2 "yay"  ;D

MfG Oli
« Letzte Änderung: 18.05.2018, 21:39:25 von Badga »

Offline Sascha

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Re: Reifen, Grip und Leistung
« Antwort #5 am: 19.05.2018, 20:32:04 »
Es gab da in den 80ern mal eine Untersuchung zu.
Günter ist da schon auf dem richtigen Weg.

Offline Dj NafetsTopic starter

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Re: Reifen, Grip und Leistung
« Antwort #6 am: 23.05.2018, 12:45:14 »
Das heißt also es handelt sich um einen zusätzlichen Rückstoßeffekt?  ???

Gruß

Stefan

Offline Catweazle

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Re: Reifen, Grip und Leistung
« Antwort #7 am: 23.05.2018, 22:50:36 »
Hallo zusammen,
das ist ein spannendes Thema. Ich versuche mir das so zu erklären, je weniger Reifendruck gefahren wird desto größer muß die Raddrehzahl sein.
Bei niedrigem Reifendruck wird der ganze Reifenaufbau instabil das hat zur Folge daß die Reifendecke bei Last einbricht,also braucht man
Raddrehzahl um die Reifenflanken stabiler zu bekommen. Die Reifendecke wird natürlich auch stabiler aber bildet durch die hohe Drehzahl ein " Ei"
vor dem Rad so daß ein bis zwei Stollen mehr im Eingriff sind dadurch wird die Aufstandsfläche größer was wieder Vorschub bringt. Dies setzt allerdings
voraus daß der Motor die Drehzahl hält und die Bahn einigermaßen gleichmäßig ist.
Auf Zeitlupenaufnahmen sind diese Deformationen vor dem Rad sehr gut erkennbar.
Diese Theorie umzusetzen ist alles andrere als einfach, zwischen nichts geht vorwärts, Terror im Fahrzeug mit Kopfweh und es geht wie Hölle ist ein
ganz schmaler Grat.

Grüße Hubert

Offline Sascha

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Re: Reifen, Grip und Leistung
« Antwort #8 am: 24.05.2018, 01:06:34 »
Das heißt also es handelt sich um einen zusätzlichen Rückstoßeffekt?  ???

Gruß

Stefan

Angeblich ja - ansonsten ist es, wie du schon richtig bemerkt hast, fast nicht zu erklären.