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Pferdeforum  |  Rund ums Reiten  |  Klassisch - back to the roots (Moderatoren: esge, Rübe)  |  Thema: Die Königliche Reitschule zu Jerez 0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.
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Autor Thema: Die Königliche Reitschule zu Jerez  (Gelesen 18282 mal)
esge
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« am: 16.05.08, 08:54 »

Wer so als Liebhaber der klassischen Dressur nach Jerez fährt, wird vermutlich auch die dortige Reitschule, die sich königlich nennt, besuchen. Entweder zu einer Vorstellung oder zur Morgenarbeit.

Wir hatten uns für die Morgenarbeit entschieden.

Nachdem uns äußerst unfreundliche und arrogante Wächter der Tugenden den umständlichsten Weg zu den erlaubten Zuschauerrängen gezeigt hatten (da, wo man nicht sitzen durfte war offen, da wo man hinmusste war mit einem Seil zugehängt, ist doch völlig logisch, oder?), nahmen wir also Platz. Meine Erwartungen waren nicht besonders hoch, da ich vor 6 Jahren schon äußerst gemischte Reiterei dort gesehen hatte.

Diesmal war es nicht gemischt.

Diesmal war es einfach nur unterirdisch schlecht. Und es konnte einem schlecht vom Zuschauen werden.

Habt ihr schon mal gesehen, wie auf ländlichen Abreiteplätzen, vornehmlich Springen, Pferden der Kopf rhythmisch nach rechts und links gezerrt wird, natürlich in überrollter Manier? Genau dies war in mannigfaltiger Ausführung in Jerez zu sehen, bloß auf Kandare. Die einzige Bewunderung nötigten mir die Pferde ab, die das äußerst geduldig über sich ergehen ließen und in den wenigen Momenten, wo sie mal nicht herumgezerrt wurden, erstaunlich gut liefen. Klar, die wenigen Piaffen die wir sahen, waren völlig auf den Kopf gestellt und das lockerste war die hüpfende Hinterhand und die klatschende Gerte des Bereiters. Die Passagen waren spektakulär aber zeigten so lange hintereisen, dass ein SChmied die Nägel hätte nachziehen können. wo an der Hand Schulsprünge geübt wurden, waren die Pferde so eng ausgebunden, dass meines sich nur noch auf den Boden geworfen hätte. Dazu wurde kräftig draufgedroschen. Die Musik übertönte zum Glück die Sinfonie der schlagenden Gerten.
Was dort zu sehen war, war die Bändigung der wilden Bestien Hengst. Und ein völliges Chaos, wo offensichtlich niemand zuständig war. Jeder riegelte so vor sich hin. Bei keinem Reiter konnte ich in der 3/4 Stunde die wir zusahen, ein Konzept in der Arbeit erkennen, einen systematischen Aufbau oder ein Thema, das gerade in Arbeit war. Es war ein Gruselerlebnis durch und durch.
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Eva
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« Antwort #1 am: 16.05.08, 09:20 »

Hört sich ja nicht so schön an. Traurig Gibt es dafür einen Grund? Von der Hofreitschule in Wien hab ich gehört, dass dort das Niveau seit der Privatisierung gesunken ist - die Shows müssen möglichst spektakulär sein und es geht ums Geld.
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Cinnamon
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« Antwort #2 am: 16.05.08, 10:22 »

ohja!  meine mutter war vor einigen jahren in jerez bei der morgenarbeit - die fotos, die sie gemacht hat, erinnerten eher an abreiteplätze auf internationalen spring- resp. dressurprüfungen, denn an klassische oder sogar königliche reitkunst  Augen rollen
die vorstellung hatte ich selber gelegenheit zwei mal zu sehen, als die jerez`ler im rahemen einer pferdeveranstaltung in wien gastierten. bis auf die schulen über der erde an der hand (die wirklich sauber eingeleitet wurden und einfach nur spektakulär und boah ey waren) alles verpfuschter murks auf gedrillten pferderobotern.
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Tradition does not make a statement true. Hans Senn
Kiowa
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« Antwort #3 am: 16.05.08, 12:23 »

Und wenn man sieht, wie den Tieren auf Messen vor der Show die Köpfe mit kurzen Stricken an den Boxengittern hochgebunden werden (klar, sind ja wilde Hengste, und sie lassen dann in der Vorführung auch den Kopf so schön fallen  Zunge), wenn man von der immer noch praktizierten Ständerhaltung in Jerez hört ... dann vergeht es einem endgülitg Schweigend
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gelchen
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« Antwort #4 am: 16.05.08, 12:43 »

Hm wir haben vor zwei Jahren mal die Vorstellung angeschaut, nach der Hälfte sind wir geganen.
Da war nix mit feinem reiten und Die Quadrillen waren auch eher Chaotisch. Am schlimmsten war die Hohe Schule an der Hand.
Da hat einer sein Pferd Cubetten (mensch wie schreibt man den das) gegen die Bande springen lassen. Ich habe nur darauf gewartet dass das Pferd an die Bande klatscht. Zunge
Allerdings muss ich auch sagen das der grösste Teil des Publikums gerade von der Sherry Verkostung kam und vermutlich eh alles in einem etwas anderen Licht gesehen hat.

Gruss

Gelchen
Habe Gerüchteweise gehört das die grossen Züchter eh keine Pferde mehr nach Jerez geben... anscheinend genau aus dem Grund den Esge beschrieben hat....
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Nattrun
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« Antwort #5 am: 16.05.08, 12:44 »

Ich habe irgendwo im Netz mal eine veröffentlichte ausführliche Fotostrecke aus Jerez gesehen - auch Morgenarbeit - die deine Berichte wiederspiegeln, @esge.
Man konnte gut erkennen, daß es dort genauso läuft wie überall, wo Unverstand, Ungeduld, Zwänge und Lustlosigkeit am Werk sind.

Es ist schade, daß sich wieder ein Ort enttarnt hat. Augen rollen
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esge
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« Antwort #6 am: 16.05.08, 13:20 »

Eva, in Spanien ist Turnierdressur "in". Man versucht nun mit allen Mitteln, so schnell wie möglich, den internationalen Standard zu erreichen. Die SChule selbst ist eine Lizenz-Produktionsstätte für Trainerscheine sowie eine Touristenfalle. Niemand scheint so recht die Leitung zu haben, jedenfalls gibt es offensichtlich keine Oberaufsicht für die Bereiter, geschweige denn einen Ausbildungsplan. Jeder tut was er für richtig hält und richtig scheint zu sein, was die schwärzesten Schafe der internationalen Dressurszene vormachen. Wenn man mit dieser Art von Reiterei Goldmedaillen bekommt, dann nix wie rinn in die Vollen!
Das spanische Pferd ist nun häufig von einem unglaublich freundlichen Temperament und lässt sich sehr viel gefallen. Mehr als viele dt. Warmblüter, würde ich mal annehmen. Zudem sieht ein andalusischer Hengst auch dann noch oberflächlich schön aus, wenn er richtig scheiße läuft. Und ist noch sitzbar. Ein dt. Warmblüter genauso verspannt würde all diese Bereitermachos im Eunuchenchor singen lassen.
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Eva
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« Antwort #7 am: 16.05.08, 13:26 »

Hört sich ja super an. Traurig

Schade, wenn die vermeintlichen Vorbilder sich so enttarnen. Was mir überraschend gut gefallen hat, war eine Vorführung im Rahmen der Hengstparaden, auf einem deutschen Gestüt. Da wurden nicht nur ZL wie Hinlegen, Sitzen und Spanischer Schritt, sondern auch Schulen über der Erde gezeigt. Alles sehr lässig, eine schöne Show.

Weiß jemand, wie es "in echt" beim Cadre Noir aussieht?
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« Antwort #8 am: 16.05.08, 13:57 »

beim cadre noir ist es wohl noch recht unterschiedlich - also die angesprochene gemischte reiterei.
zumindest habe ich es so der doku letzten sommer auf arte entnommen - live hab ich leider keine erfahrungswerte.
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Tradition does not make a statement true. Hans Senn
annie
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immer auf der Suche...


« Antwort #9 am: 17.05.08, 20:45 »

hm, das hört sich ätzend an...
...deckt sich aber mit infos, die ich vor kurzem über einen hiesigen klassischen reitlehrer erhalten habe...
früher soll er mit viel ruhe und zeit an der natürlich haltung des pferdes gearbeitet haben und dies auch interrichtet haben.
seit einiger zeit gibts es vermehrt anweisungen die richting riegeln und viel hand zurück in verbindung mit städigem treiben geht.
allein der schnelle erfolg zum erwarteten bild zählt Ärgerlich
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gib mir die gelassenheit, dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann...
gib mir den mut, die dinge zu ändern, die ich ändern kann...
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esperanza
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« Antwort #10 am: 17.05.08, 22:00 »

Vor Jahren war ich mit einer Freundin in Jerez und ich konnte sie nur mit Mühe daran hindern, richtig laut zu werden. Vielleicht hätte ich sie nicht hindern sollen. Aber es waren mehrere Bereiter da, auf die man am liebsten von der Zuschauertribune gesprungen wäre, um sie von Pferd zu reißen. Mein Lieblingshaßobjekt nenne ich den Metzger, dämlich zu der holden Weiblichkeit auf der Tribune grinsend, knallt seine armen Rösser auf das Übelste zusammen, es einfach schrecklich. Und der Typ ist Oberbereiter und auf dem meisten Veranstaltungen zu sehen. Mag ja sein, daß die spanische Mentalität anders ist,  aber das ist einfach nur horsemanshipmäßig grausam und reitkulturmäßig unter jedem Niveau. Die Pferd sind nur zu bedauern.

Gibt es eigentlich einen Ort, an dem tatsächlich noch Reitkultur gelebt wird? Wirklich klassische Reitkunst? Im Dienste des Pferdes? Der einen inspiriert und die Demut vor dem Pferd lehrt?
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Das Denken ist zwar allen Menschen erlaubt, aber vielen bleibt es erspart.
Patchy
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« Antwort #11 am: 18.05.08, 13:18 »

.. ich bin mal bei einem der dortigen Oberbereiter einen Kurs geritten. Nachdem ich dem Herrn, der meinen RL kennt, gesagt habe, bei wem ich sonst reite, ließ er mich, im Vergleich zu dem was mit anderen Pferden passierte, recht "freundich" reiten - sonst hätte ich auch abgebrochen... viele Teilnehmer waren begeistert - schließlich wurde an schweren Lektionen gearbeitet - passender wäre gewesen Sitzübungen mit den meisten Reitern und an der Dehnungshaltung der Pferde zu arbeiten.

Andere Pferde wurden durchaus auch auf Kandare links-rechts "durchgestellt" und mangelnde Technik - von Gefühl gar nicht zu sprechen - der Reiter wurde durch "intensivere Einwirkung" ausgeglichen...  es war ätzend! Bis auf mein Pferd wurden alle erstmal auf Serreta ausgebunden ablongiert.

Das war der erste und letzte Kurs, den ich geritten bin ohne vorher den Kursleiter gesehen zu haben... selber schuld!

In Jerez habe ich einmal zugeguckt und es war sehr ernüchternd... am schlimmsten fand ich das arme Pferd daß geschlagene 20 Minuten in den Pilaren piaffieren musste und hinterrücks (der Bereiter stand breitbeinig mit dem Gesicht zu den Zuschauern) auch mal am Schlauch touchiert wurde, wenn er nachzulassen drohte - muss man ja nicht gucken, hört man ja... echter Profi halt... geritten wurde hart, gefühllos, lustlos und rein auf Kadavergehorsam. Aber natürlich sehr spektakulär...

 Augen rollen Schockiert Zunge Weinen Schweigend
« Letzte Änderung: 18.05.08, 13:24 von Patchy » Gespeichert

... zahme vögel singen von freiheit - wilde FLIEGEN ...
Nattrun
reiten kann man die auch?
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« Antwort #12 am: 18.05.08, 21:41 »

... und sowas landet dann wohl hier, zum angeben:
http://i32.tinypic.com/so35n9.jpg
Gestern noch lahm, heute wieder am zappeln und bocken und wie irre auf der Kandare am knarzen.
So extrem, daß die Richter des gegenüber stattfindenden Isländerturniers sich alle umdrehten und glotzten, was eine Kandare so alles vermag  Zunge - und das will was heißen  Grinsend
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Carlotta67
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« Antwort #13 am: 18.05.08, 22:01 »


Aber offensichtlich fühlt SIE sich gut dabei.  Schweigend
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Krümel 99
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« Antwort #14 am: 18.05.08, 22:16 »

 Schweigend das Bild erinnert mich schwer an eine reiterin die ich heute in Neuss gesehen habe  Schweigend bzw erinnert es mich an mehrere reiter von dort  Schweigend

bei der isiveranstaltung nebenan  Zwinkernd hab ich nicht einen einzigen reiter gesehen, der SO geritten ist bzw so im Maul gefuhrwerkt hat.. und das wunderte mich, weil man ja sonst in der Hinsicht negatives von den isiveranstaltungen hört  Huch
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