Autor Thema: Sofort nachgeben auf Zug am Zügel - warum eigentlich nicht beim Englischreiten?  (Gelesen 64739 mal)

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Offline RübeTopic starter

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Wem meine Frage provokant erscheint: So ist es nicht gemeint. Ich selbst bin Englisch-Reiterin, Klassisch schmeiße ich jetzt mal in den gleichen Topf, sonst muß man so viel schreiben.

Was mir schon seit einigen Jahren im Kopf rumspukt: Warum sind westerngerittene Pferde darauf konditioniert, bei leichtem Zügelanzug (ok, viele schon bei Kontakt) nachzugeben, englisch etc. gerittene Pferde aber nicht? Ich selbst bin mit einem ehem. Hirschhalspferd geschlagen.

Englisch gerittene Pferde werden beim Warmreiten "herunter" geritten, d.h. sie gehen im Normalfall nach einiger Zeit am Zügel, auch wenn sie sich vorher gegen den Zügeldruck gewehrt haben. Das wird erreicht durch gymnastizierende Übungen. Ich bin übrigens auch schon richtig gute Pferde geritten, da war das genauso. Soweit, so gut.

Western gerittene Pferde lernen, auf Zügelanzug nachzugeben, meist werden sie vom Zügel weg geritten, also in einer für mich extremen Form des Nachgebens.

Jetzt meine Frage: Warum werden englisch gerittene Pferde (im Normalfall) nicht darauf konditioniert, auf Zügeldruck in allen Gangarten jederzeit nachzugeben? Das heißt ja nicht, daß sie hinter dem Zügel gehen sollen. Konditionieren tu ich das Stehen bleiben auf Befehl, das Hufe geben etc. Es wäre also so ziemlich das Gleiche.

Der Sinn der Sache: Ich glaube, es macht Pferd und Reiter nach der Konditionierungs-Phase das Leben leichter. Um es gleich zu sagen - NATÜRLICH ersetzt es nicht das Reiten und Gymnastizieren, wenn das Pferd im Genick gleich nachgibt! Reiten muß ich es trotzdem, um die Hinterhand zu kriegen.

Wenn hier jetzt alle gleich schreien: Wie, MEIN (englisch gerittenes) Pferd macht das aber IMMER! Dann bitte ich euch, wirklich mal darauf zu achten, was euer Pferd macht, wenn ihr die Zügel aufnehmt. Gibt es sofort nach oder streckt es sich erst mal dagegen "Nee, mag nicht!", oder reagiert es erst auf ein "strenges" Beine anlegen? Habt ihr GUT westerngerittene Pferde als Vergleich (Ich war nämlich gestern bei der World Reining Trophy, da konnte man superdurchlässige Pferde sehen)?

Ich konditioniere mein 14jähriges Ex-Hirschhalspferd jetzt darauf und bin gespannt, welche Erfahrungen ich daraus sammle. Im Gelände ist es (WENN er es dann macht) jedenfalls äußerst angenehm für den Reiter!

Was habt ihr für Erfahrungen und/oder Einwände dazu?
Manchmal ist das Ungesagte das Aussagekräftigere.

Fortuna-Diamant

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Also erst mal muss ich dir Recht geben, ich ritt auch schon viele Pferde die sich absolut gegen den Zügel wehrten. Dies liegt (wie ich meine Erfahrung machte) oft daran das viele Reiter sehr hart mit der Hand waren (ich rede hier von diesen Pferden die ich geritten bin -teilweise m-Dressur Pferde) "Wenn der Gaul nicht pariert dann gibts halt nen Zug -da wird er dann schon folgen!" Aber da ist es echt egal ob englisch oder western! Meiner Freundin ihr Quarter schlief die Hinterhand hinter her und lag auch auf dem Zügel! Ich denke wir dürfen das nicht auf eine Reitweise schieben -sondern auf die Qualität der Ausbildung! Mein Stütchen, das ich selbst eingeritten habe und nun selbst auch ausbilde, ging am Anfang auch gegen den Zügel da sie die Biegung nicht verstand! Das macht aber jedes junge Pferd -egal ob klassisch oder western. Hier liegt es daran wie gut die weitere Ausbildung war! Meine macht dies jetzt nach dem sie 2 Monate unterm Sattel ist nicht mehr! Außer beim Halt -da sie es aus dem Gelände gewohnt ist am Langen Zügel zu gehn. Ich denke diese Abwehrreaktion zeigen viele Pferde die einfach von Anfang an an den Zügel "gezwungen"wurden! Ich reite meine immer am langen Zügel warm und dann nehme ich Schritt für Schritt die Zügel auf. So sollte es auch sein -und man reitet ein Pferd immer mit dem Schenkel an den Zügel -das erreicht man nie mit zeihen! Viele wissen dies nicht! In der Reitschule in der ich früher ritt lernte man auch das eijn Pferd mit scharfen Paraden an den Zügel gestellt wird!!! Als guter Reiter kann man sich dies gar nicht vorstellen -aber in den meisten Schulen, wird einem so manches anders gelehrt! LEIDER!!! Die Cousinen meines Freundes lernen gerade reiten -ich war einmal dabei und muss sagen so einen schlechten Unterricht habe ich noch nie gesehen! Da sind Mädels die können noch nicht richtig treiben, und denen wird gesagt "Nimm die Peitsche!" Hallo????

Du darfst nie Pferde vergleichen (wie diese bei der Western dings da  ;) ) und vielleicht Pferde die du in deinem Alltag siehst! In der hohen Dressur sieht man auch nie das Rusty zum Beispiel Ulla Salzgeber aus dem Sattel zieht oder sich in irgendeiner Art und Weise gegen den Zügel wehrt!

Offline Eyreen

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Interessante Frage.. vielleicht weil die Westernreiter von Anfang an keine solche Anlehnung "fordern" wie die englische Reiterei es wünscht? Und gegebenenfalls eine Kandare mal reinschnallt wenn das Pferd auf Trense gegen den Zügel drückt um dieses gar nicht erst beim PFerd aufkommen zu lassen? Wenn ich daran zurückdenke als ich meinen Hengst eingeritten hab... der gab auch sofort beim Zügel aufnehmen nach... erst mir der Zeit, als es mehr ans Arbeiten ging, bzw. konstante Stellung, Anlehnung, Tempiunterschiede etc. etc... also eigentlich die Phase des Anreitens in allen drei Grundgangarten vorüber war, begann das etwas mehr Druck im Maul haben.. wobei es sich verstärkt wenn er mal ne Phase hat in der er keinen Bock auf Arbeit hat, und dann wieder Phasen hat in denen er auf leichtesten Druck nachgibt.. ich meine das ist bei meinem Hengst mit dem Alter und der Erkenntnis gekommen, dass Zügel aufnehmen mit Arbeit verbunden ist  ;D
(wobei bitte.... mein Pferd geht toll übers Genick und ist schön locker und renn super v-a... also wenn ich sage "etwas mehr in der Hand" dann meine ich dass ich im Gegensatz zu "mit 2 Fingern reiten" mal eine eigentlich für englisch-Reiterei normale Anlehnung habe, sprich mal etwas dagegen zu halten hab.. bitte kein Vergleich mit PFerden die sofort die Nase hochdrücken und dagegenpullern wenn man Zügel aufnimmt.. ich nehm die Zügel auch langsm stück für stück auf, spiel innen ein wenig ab und hab ein rundes pferd)
« Letzte Änderung: 10.06.05, 11:00 von Eyreen »
Das Glück der Pferde ist de Reiter auf der Erde :D Geh doch mal spazieren...

Fortuna-Diamant

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Eyreen, diesen Aspekt habe ich auch gar nicht mit einbezogen -wenn ich manchmal die Kandarren der Westernreiter seh mit ihren xxxxxl-Anzügen, ich glaube da überlegt sich ein Pferd echt ziehen oder nicht???  ;)

Muriel

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Hi Rübe,
gegenüber diesem direkten "Nachgeben" beim Westernreitern habe ich einige Vorbehalte. Oft ist es nur so, daß die PFerde (auch durchaus mit deutlichen "Hilfen" TACK TACK TACK) lernen dem Druck nachzugeben.
Daraus resultiert oft ein Verkriechen hinter dem Zügel oder es wird der Kopf einfach da hingehalten, wo es gewünscht ist.
Wenn der Reiter dann nicht sehr gut ist und die Hinterhand so aktiviert, daß sich trotzdem ein Spannungspbogen bilden kann, wird das nie ein echtes Nachgeben im Hals sein.
Hab ich aus eigener Erfahrung mit meinem Pony nach der Westerngrundausbildung (bei einem sehr guten Trainer) alles erlebt und falsch gemacht.
Klar fühlt sich das gut an, wenn man nichts mehr in der Hand hat.
Aber über den Rücken gehen hat damit nichts zu tun, und der Schwung bleibt oft am Widerist stecken.

Wir haben dann, als ich einige Jahre später den Zügel benutzen wollte, ziemlich lange daran gearbeitet, daß das Pferd sich an den Zügel herandehnt.
Dabei habe ich allein ein halbes Jahr lang in den Reitstunden gelernt, wie man nachgibt, wieviel (nur ein Öffnen oder Weichwerden der lockeren Finger, nicht Zügel wegschmeissen, das verunsichert das Pferd wieder) genug ist und wieviel sein muss. Und wann, und wann nicht.

Auch wenn in der Westernreiterei von einem losen Zügel gesprochen wird, ist der doch immer aktiv. nur öfters in Ruhe. Und ich denke, daß viele nie zu einem zügelunabhängigen Reiten kommen, selbst wenn sie am losen Zügel reiten, weil sie doch immer zu sehr zügelfixiert sind, was die Kopf- und Halshaltung des Pferdes angeht.

Wenn ich dann mein Pferd in der Hinterhand aktiv habe, und habe einen lockeren schwingenden Rücken, hab ich auch fast nichts in der Hand und habe eine feine Verbindung.
Wenn diese  Voraussetzungen fehlen (wie das Zutrauen zum Zügel vom Pferd aus), ist es sehr sehr schwer.

So, wenn ich jetzt einen Spannungsbogen aufbauen will, bei dem die Hinterhandaktivität sich bis in die Zügel fortsetzt, ist es eigentlich gar nicht wünschenswert, diese Verbindung zu unterbrechen.
Das heißt aber nicht, daß ich nicht am Zügel auch mal fordern und dann, wenn das pferd mit Nachgeben im Genick/Maul/Hals antwortet, nicht auch direkt weich und nachgiebig sein kann.

Offline Eyreen

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Eyreen, diesen Aspekt habe ich auch gar nicht mit einbezogen -wenn ich manchmal die Kandarren der Westernreiter seh mit ihren xxxxxl-Anzügen, ich glaube da überlegt sich ein Pferd echt ziehen oder nicht???  ;)

Jep... viele machens so... und dann gibts da auch noch ein paar ganz schwarze schafe die  :-X  :-X  :-X reinschnallen... aber das gibts ja bei den Englisch-Reitern auch...
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Fortuna-Diamant

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Darum hab ich auch geschrieben das man dies NIE auf die Reitweise schieben darf  ;) Da gibt es in allem Weisen Gute und weniger Gute, sowie "zärtliche" und weniger "zärtliche" Reiter....

Tina68

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Ich bin 17 Jahre englisch geritten und reite nun seit 4 Jahren im Westernstil. Für mich bedeutete Westernreiten am Anfang Zügel weg und ohne Anlehnung reiten. So sieht es halt aus, wenn man den Westernreitern so zuschaut. Und einige praktizieren es auch so.
Ich musste mich dann aber belehren lassen, dass sich kein Pferd auf Dauer korrekt auf der Hinterhand tragen kann, ohne dass auch zeitweise mit Anlehnung geritten wird. Ich reite mein Pferd am liebstens auf Trense. Die Zügel halte ich zwischen Daumen + Zeigefinger. Schliesse ich meine Faust, dann ist das bereits eine Parade, die vom Pferd mit Nachgeben des Kopfes "beantwortet" wird. Gibt das Pferd nach, dann lasse ich es, verkürze den Zügel also nicht weiter und mache die Faust schliesslich wieder auf. Bleibt das Pferd in der Haltung, lasse ich es in Ruhe, kommt es wieder hoch, mache ich die Faust wieder zu. Ich reite viele Zirkel mit Innen- und Aussenstellung, verschiebe die Kruppen nach innen und aussen, gymnastiziere das Pferd also regelmässig.
Mit der entsprechenden Stärkung der Hinterhand des Pferdes ist es schliesslich möglich, das Pferd zeitweise am völlig durchhängenden Zügel laufen zu lassen, ohne dass es "auseinanderfällt". Dies braucht aber viel konsequentes Training und viel Muskelkraft des Pferdes. Aber auch an einer Pleasure-Prüfung, die ca. 10 Minuten dauert, kommt man nicht ohne zeitweise Annehmen der Zügel aus, wenn das Pferd in einem schönen Rahmen laufen soll.
Und wie beim Englischreiten ist man auch beim Westernreiter nie am Ziel sondern ist immer auf dem Weg dahin.  ;)

Offline Ronja

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Ihr lieben Leute, mit den bisher aufgeführen Diskussionspunkten hat man als Westernreiten nicht so viel Bock, Rübes Einladung in diese Box zu folgen!

Ähem, ich jedenfalls lege auch Wert darauf, dass ich den Zügel etwas "anfassen" darf, ohne dass das Pferd sofort "weg" ist. Nur mein "Anfasssen" ist offenslichtlich mit wesentlich weniger in der Hand, als die "gewöhnliche FN-Anlehnung" (in meinem Bekanntenkreis befinden sich einige ganz passable Nicht-Westernreiter, mit denen gibts ab  und an mal nen Pferdetausch).
In der Praxis sieht das so aus, dass ich die Pferde zu Beginn der Ausbildung/ Arbeitseinheit va an den Zügel reite, ja nach Ausbildungsstand und gesfestiger Bewegungsmanier eben mit mehr oder weniger Kontakt/"losem Zügel". Dazu wir eher fleissig marschiert, Hinterfüsse drunter und Buckel hoch. Das heisst gepflegt treiben und -je nach Pferd- vorne etwas Kontakt anbieten (von wegen Takt und so *g* ).
Und: meine lernen das Nachgeben nicht mit dem allseits verbreiteten "checken" resp. Hand nach oben rupfen, sondern auf beidseitiges Treiben im Takt der jeweiligen GGA die Nase runterzunehmen, also in Dehnungshaltung zu gehen. Der Zügel kommt erst dazu, wenn sie die Nase was einziehen sollen. Das eigentliche "Nachgeben", sprich keinen direkten Zügelkontakt mehr haben, ergibt sich durch das in dem Moment sich selber tragende/ kürzer werdende Pferd. Ein super nachgiebiges/ durchlässiges Pferd ist eine Wonne, wenn man nur auf Hüfte und Zügelgewicht "um die Kurve" kommt, und trotzdem dranfassen darf, wenn man möchte und oder was zu verändern hat. Die Abstände werden immer länger, je mehr Kraft das Pferd hat diese Haltung beizubehalten.
In der fn-orientierten Dressurreiterei ist eine "etwas energischere" Anlehnung vonnöten, um einen Spannungsbogen im Pferd aufrecht zuerhalten, der vor allem die Verstärkungen erlaubt, derartiege Schwungentwicklung braucht was zum "vorne rauslassen", also muss vorne was gewesen sein... So habe ich es zumindest in meinem "letzten Reiterleben" gelernt und geritten. Da war ganz klar mal gut was auf der Pfote (und s waren gute Pferde, keine möchtegern Lampenaustreter), auch wenn immer alle behaupten, das wäre nicht so und schon garnicht bei ihnen 8)
Dazu kommt, dass der Reiter durch Bauart und Mechanik der konventionell gerittenen Pferde (resp. WB) schon von Haus aus eine hohe Körperspannung haben muss (beinhaltet auch mehr Kraftaufwand) und dann eben die Dosierung von Nachgeben-Annehmen, bzw. wie gestern erst wieder gehört andesrum, zum Tauziehen-Gegehalten mutiert, entweden weil schon mords was auf der Kralle liegt, oder weil das Nachgeben vor dem Annehmen in Vergessenheit geriet.  
Die Kraftsache war der Grund warum ich irgendwann keinen Spass mehr am FN-Reiten hatte. Ich bin einfach nicht willens (und oft auch nicht in der Lage) beim Reiten einen derartig hohen Dauer-Kraftaufwand zu haben. Klar ist nicht immer alles *heititei federleicht hauchzart* beim Westernreiten -auch ich klettere oft genug fix und foxi vom Pony- aber man kommt doch in der Quersumme ;D mit deutlich weniger aus. Ich bin der Meinung, das ist eine Sache der Persönlichkeit, Westernreiten ist für alle (Pferde und Menschen gut), aber nciht alle fürs Westernreiten.  ;D
Entweder es liegt einem, oder nciht...gutes Reiten in allen Reitweisen vorausgesetzt!

Hups, Tina überschnitten..aber  :)

Offline RübeTopic starter

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Zitat
Da war ganz klar mal gut was auf der Pfote (und s waren gute Pferde, keine möchtegern Lampenaustreter), auch wenn immer alle behaupten, das wäre nicht so und schon garnicht bei ihnen
*gg* Eben.
Manchmal ist das Ungesagte das Aussagekräftigere.

Tubi

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Was ich zu dieser sehr interessanten Diskussion anmerken möchte, ist die Tatsache, dass jedes Pferd eine andere Form der Anlehnung anbietet und auch braucht. Der eine hat stärkere Ganaschen und ohnehin Probleme nachzugeben, der andere geht Unterkiefermäßig sofort nach hinten weg, wenn zuviel Druck kommt, wieder andere führen den Reiter selbst zu der von ihnen gewünschten Anlehnungsform (vorausgesetzt der Reiter fühlt dies). Ich denke, auch hier kann man verallgemeinern, dass es auch Pferde/(und Reiter) gibt, die mit einer anderen Reitweise wesentlich besser klarkommen als mit der für sie ursprünglich vorgesehenen. Und: man darf auch nicht vergessen, dass es oft auch eine Gebissfrage ist, neben den anderen Sachen, die man ausrüstungstechnisch noch falsch machen kann.

Was man jedoch meiner Meinung nach bei den 100erten und 1000enden Pferden, die auf der Welt herumlaufen, nicht verallgemeinern darf, sind die Korrekturpferde (also fast alle), da die Anlehnung an sich am besten von einer noch unbeschriebenen Remonte gezeigt wird, die noch sofort und natürlich reagiert, mit Ablehnung oder Gefallen oder Überforderung und den daraus resultierenden Anlehnungsfehlern - wenn man über die reine Theorie und das Ideal sprechen will. Dieser Lehre durch das Pferd folgend wünscht sich das losgelassene junge Pferd eine mehr oder minder angelegte Führung, sei es durch Körpersprache (Gewicht/Schenkel) oder auch durch Einrahmen mit der Hand, um sein Gleichmaß unter dem Reiter zu finden. Später wird die Anlehnung verfeinert, je weiter die Ausbildung auf das Gebäude des Pferdes Einfluss nimmt. Dies nur kurz am Rande.

Das Problem in der heute ausgeführten "klassischen" Reiterei ist und bleibt immer noch, dass die Leute aus der Sitzgesellschaft oft viel zu steif sind, um unabhängig von der Hand zu sitzen. Dementsprechend wirken sie zu 99% rückwärts und damit konträr zum Ausbildungsgedanken. Dem entsprechend wird die Lehre zu 99% falsch ausgeführt. Dem entsprechend sind 99% nicht in der Lage zu behaupten, sie hätten es einmal fühlen dürfen, wie die Lehre in der Praxis tatsächlich auszusehen hat (und wer will das entscheiden, andere Frage...). Dem entsprechend sind Theorie und Praxis heute weit voneinander entfernt. Dem entsprechend sind die Verallgemeinerungen in der Regel auf falsch eingespeichertem Gefühl aufgebaut, denn selbst wenn es sich gut anfühlt, muß es nicht immer richtig sein.

Lehrbuchmäßige Tatsache ist doch, wenn man in Anlehnung reitet, soll das Pferd durchlässig sein und die Hilfen direkt bis zum Hinterbein durchlassen. Ergo muß ein Pferd, wenn man die Zügel annimmt, hinten von sich aus aktiver werden, raumgreifender, ohne dass der Reiter unbedingt mehr treibt - es geschieht im Einklang mit dem Gedanken des Verkürzens, den man im Kopf hat. Macht sich das Pferd beim Aufnehmen der Zügel schon fest oder weicht aus, ist es doch schon im Ansatz von vorne nach hinten geritten und entspricht somit nicht dem Ideal. Und das passiert doch 99% der Reiter, einschließlich meiner einer. Dennoch ist der Gedanke, der dahinter steckt, in meinen Augen absolut richtig, denn sonst würde ich nicht mein Leben lang versuchen, dem Gefühl hinterherzureiten, von dem ich meine, dass es das Ideal ist.

Tina68

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Ich denke, es hat auch noch mit was anderem zu tun. Der Westernreiter reitet das Pferd in der Dehnungshaltung vorwärts-abwärts und lässt es auch da.
Beim klassischen Reiten ist v/a nur ein Weg auf der Ausbildungsskala das Pferdes. Nachher kommt die Aufrichtung, und die ist meines Wissens ausschliesslich mit einem gewissen Mass an Anlehnung zu erreichen.
Natürlich soll auch beim Westernpferd der Rücken aufgewölbt sein und die Hinterhand untertreten. Aber es ist wohl doch um einiges kräftesparender und entspannter fürs Pferd, als in Aufrichtung mit Spannungsbogen laufen zu müssen *grübel*.
Was beim schlecht gerittenen Westernpferd zum Latschen auf der Vorhand ausartet, wird beim schlecht gerittenen Englischpferd zum lediglich mit Muskelkraft zusammengezurrten, total verspannten Pferd - beides keine Wunschvorstellung.  :-\
Tubi, überschnitten!  ;) Du erwähnst auch sehr interessante Aspekte. Mein 1. Pferd (ein Freiberger) war z.B. in der Ganaschengegend dermassen eng, dass er nicht ohne Unwohlsein in Beizäumung gehen konnte. Mein jetziges Pferd hingegen ist sehr flexibel im Genick und unten ist reichlich Platz, so fällt es ihm schon rein anatomisch leicht, im Genick nachzugeben.

Offline donau

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warum beim englischreiten nicht?? weils das eigentlich in keiner reitweise so sein soll- kein pferd soll nur auf zug am zügel den schädel dahin tun, wo er hingehört, und aus.

meinetwegen noch im halten, da heisst zügel spielen, gib mir den kopf, aber sobald ich in der bewegung bin, möchte ich anlehnung/nachgeben im genick bitte auf meine körperspannung und anlegen der beine, OHNE aktive zügel einwirkung, die kommt nur, wenn das pferd mal "vergisst" dass es doch eigentlich bitte über den rücken gehen soll.
ich für meinen teil bin viiiiieeel zufaul, tonnen in der hand zu halten, und erziehe die pferde dazu, dass sie auf korrekten sitz nachgeben, nicht auf zügel, das ist eine nette dekoration.
wobei es pferdetypen gibt, die  durchaus festere anlehnung brauchen, zb. solche, mit neigung zum senkrücken, oder "eingeschnürter" flanken gegend- damit die rund werden, muss es schon mal mehr druck sein, weil sonst die hinterbein nicht mit kommen (wohlgemerkt, der druck ergibt sich daraus, dass mehr von hinten kommt)
Wer auf seinem Standpunkt beharrt, darf sich nicht wundern, dass er nicht weiterkommt...

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Offline Lillebror

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... mit ... "eingeschnürter" flanken gegend- damit die rund werden, muss es schon mal mehr druck sein, weil sonst die hinterbein nicht mit kommen (wohlgemerkt, der druck ergibt sich daraus, dass mehr von hinten kommt)

Was ist das genau und was hat das mit dem Rund-werden zu tun? Kannst du das mal genauer erklären?
Wären wir unendlich, so wandelte sich alles.
Da wir aber endlich sind, bleibt vieles beim Alten.
B. Brecht

Offline donau

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*grübel* das ist, wenn die pferde hinten ein bisschen überbaut sind, und der übergang rücken-kruppe nicht normal ist, sondern eher richtung senkrücken. zusätzliche komm noch dazu, dass diese pferde vor dem kniegelenk (also dort, wo dir wirbel sind) wirken, als hätte jemand eine schnur ums pferd gespannt, sodass der rücken abgeschnürt ist von der hinterhand. dh, der übergang rücken-flanken-kruppe/hh ist nicht harmonisch-gleichmässig, sondern wirkt unterbrochen, die pferde stehen meist mit etwas nach hinten herausgestellten beinen da, die aber unter der kruppe stehen, nur nicht unterm körper. zusätzlich ist die kruppe noch realtiv gerade, und der sprunggelenks winkel sehr stumpf, ( 140° ca, ideal sind glaub ich 90 oder 100)- ein senkrückiger, leicht überbauter araber zb (bitte nicht hauen, kein rasseklischee)
(war das jetzt deutsch und verständlich??)

solchen pferden fällt es schwer, den eingetieften rücken aufwölben, die hh unter den körper zu schieben, und damit "rund" zu laufen. es ist möglich, aber ungleich anstrengender, als für ein pferd, das von natur aus hinten drunter steht (wie zb viele gute wb, quarter, spanier etc), wodurch man natürlich wesentlich nachhaltiger das pferd zum untertreten und rundmachen auffordern muss..
Wer auf seinem Standpunkt beharrt, darf sich nicht wundern, dass er nicht weiterkommt...

Authorised WEIGUMS Desillusionator