Autor Thema: Gelände: Welche Böden noch Traben und Galoppieren?  (Gelesen 8433 mal)

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Offline MettieTopic starter

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Weil wir gerade wieder auf das Thema gekommen sind: Welche Böden im Gelände trabt und galoppiert ihr? Von Grasweg oder Sand über Schotter bis hin zu Asphalt?
Welchen Hufschutz habt ihr dabei?
Gibt es irgendwelche Informationen/Studien über gesundheitliche Auswirkungen beim Reiten von höheren Gangarten auf harten Böden?

Bei uns gibt es im Wald fast nur Wege aus sehr stark verdichtetem Schotter/Kies. Ich trabe/galoppiere diese Wege auch. Früher mit Eisen, das würde ich heute wegen der schlechten Stoßdämpfung nicht mehr machen, heute mit Hufschuhen.

Manchmal habe ich deswegen ein schlechtes Gewissen, auf der anderen Seite sind knüppelhart getrocknete Feldwege auch nicht weicher. Und Distanzreiter und VS Reiter nutzen das Training auf harten Böden ganz gezielt.

Was meint ihr?
Hat jetzt halt keine Signatur mehr um Schleichwerbung für THM Strahlbalsam zu machen.

Offline carola

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Re: Gelände: Welche Böden noch Traben und Galoppieren?
« Antwort #1 am: 05.04.13, 11:40 »
Tja, man hat halt nur das, was man hat. Wir haben auch nur so harte Wege, und ja, ich trabe und galoppiere die auch. Manche Besucher sind entsetzt. Die sind weichere Wege gewohnt und würden das nie traben oder galoppieren. Wenn ich das nicht täte, wäre ich Schrittreiter aussschließlich. In Spanien bin ich vor Jahren Steinwege galoppiert, da wurde mir auch hundeelend bei. Die Pferde kannten das, und auch die hatten da nichts anderes. Mein Kaltblut ist inzwischen 17 und auch nicht arthrosebelasteter als andere Pferde in ihrem Alter. Also nichts auffälliges. Ganz ohne Ansätze wird man sicherlich kein Röntgenbild sehen bei einem Pferd in dem Alter.
Das Pferd an sich ist von der Natur aus sicherlich nicht für weiche Böden ausgelegt. Die gesamte Aufhängung von Körper und Hufapparat ist als Federung gedacht. Klar wäre ein federnder Waldweg, nicht zu weich, nicht zu fest, perfekt. Aber ich kann mir den leider nicht anlegen. ;)
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Offline Kiowa

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Re: Gelände: Welche Böden noch Traben und Galoppieren?
« Antwort #2 am: 05.04.13, 11:55 »
Diese Frage kann man nur so beantworten: es kommt drauf an!  ;D

Hast Du einen knallhartes Pferd, das vielleicht noch in den Bergen aufgewachsen ist, kannst Du sicher schon im 2. oder 3. Jahr anfangen, auch bergab zu galoppieren, mit einem Pferd, das auf handtuchgroßen nordeutschen Weiden groß geworden ist, würde ich das nicht machen. International wird auf Distanzritten an der Spitze auch durchgaloppiert, auch in alpinem Gelände ...

http://www.youtube.com/watch?v=b2tJwOJwGxU , z.B. bei =5:30 ff.

oder auf der Straße:  http://www.youtube.com/watch?v=G8sQXA3ghjE

Den berühmten Felsen auf dem Tevis-Cup schafft man sogar nur mit Schwung: http://www.youtube.com/watch?v=hjsvjAI-Wcg

Generell ist die Verletzungsgefahr auf einem festen ebenen und griffigen Weg geringer als auf einem unebenen Gras- oder Sandweg.

Es kann aber auch sein, dass Du mit einem norddeutschen Heidesandpferd auf die schwäbische Alb fährst und das da fröhlich die Kalkschotterwege rauf und runtertrabt (obwohl es seine Bergtechnik nur bei ein paar Besuchen auf dem einzigen Höhenzug am Rande der norddeutschen Tiefebene üben konnte), ohne auch nur schwammige Beine zu kriegen. Froh, endlich mal keinen tiefen Sand zu haben :D Genauso kann's sein, dass sein Kollege auf derselben Strecke mit Eisen nur auf die Randstreifen zieht und mit Duplos flockig läuft ...

Muss man also ausprobieren, es spielen viele Faktoren hinein. Das Pferd sagt einem ja, ob es auf einem bestimmten Untergrund beschwerdefrei oder gar fröhlich und locker läuft. Wenn nicht, kann man das Tempo rausnehmen, die Strecke kürzer machen, den Hufschutz verbessern. Trainieren sollte man alle Böden, wie weit man kommt, hängt vom Pferd und von den Möglichkeiten ab. Wenn die Bayern hier in die Heide kommen, dann halten sie unsere steinigen Schrittstrecken für die schönen Galoppwege und auf unseren Galoppwegen reiten sie ihren Pferden innerhalb von ein paar Stunden einen Sehnenschaden an  ;) Harte Böden sind für die Gelenke gefährlicher, weiche für die Sehnen. Schritt auf hartem Boden ist weniger gefährlich, als Schritt in tiefem Boden.

Wenn mein Pferd locker läuft, trabe ich auch mal einen Schotterweg bergab, galoppieren bergab nur mit einem sehr gut ausbalancierten und rittigem Pferd. Trab auf Schotter dosiert, weil wir hier zu Hause nur Sandwege haben. Aber einen ruhigen Tagesausflug auf schottrigen Wegen mit gelegentlichen Trabeinlagen haben bisher alle unsere Pferde immer gut weggesteckt, auch wenn sie nicht darauf vorbereitet oder eher untrainiert waren. Hufschutz ist dann aber für Sandpferde Pflicht. Der kleine Freiberger, der letztes Jahr dabei war, hatte plötzlich wehe Füße (wohnt seit 2 Jahren in der Heide), also Hufschuhe drauf und nach ein paar Schritten konnte er unbesorgt nach Hause gehen. Ein anderes Pferd musste dann halt den Rest des Weges hinten barfuß gehen ;D
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Offline donau

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Re: Gelände: Welche Böden noch Traben und Galoppieren?
« Antwort #3 am: 05.04.13, 12:24 »
mettie, das kommt auf´s pferd drauf an. eines mit vorschäden in den gelenken geht auf hartem boden überwiegend schritt, eins mit sehnenproblemen wird eher tiefen boden meiden. ein gesundes pferd kann man auf alle verhältnisse trainieren, muss man halt langsam aufbauen.

die schönen grasfeldwege hab ich leider nicht überall, und ehrlich gesagt sind mir die bei diesem wetter zu rutschig, dafür sind die sandstraßen und befestigten feldwege grad ideal griffig. waldwege habe ich gar keine. im sommer sind die wege tlw. durchgängig knüppelhart, ebenso im winter, wenn der boden gefroren ist. würde ich dann nicht reiten, bzw. nicht ins gelände gehen, käme ich nur alle heiligen zeiten mal raus. so bin ich 2-3x die woche ausreiten, suche mir immer die runden, wo der boden am besten zu sein verspricht, mal gras, mal befestigt. pferd selber hat angeboten, dass wir am asphalt durchaus traben können, stückweise.

die gewöhnung muss aber sein, schliesslich soll sie ja im busch dann auch im galopp über sand, schotter, gras, erdboden laufen und springen, dh. sie muss lernen, damit zurecht zu kommen. derzeit ist sie noch barhuf, demnächst dann aber beschlagen auf allen vier füßen, als rutsch-schutz im gelände und beim springen auf gras. allerdings wird die kleine mit alu beschlagen, da ich möglichst leicht haben wollte, und kunststoff für den zweck nicht ideal ist, für den ich das nutze.
eben auch aus trainingsgründen trabe und galoppiere ich durchaus kurze stücke bergab, zb. durch senken.

wichtig ist, dem pferd zuzuhören, ob es problemlos über harten boden läuft, oder doch auf den weichen zieht, bei barhuf dann auch wegen fühlig bzw. kurz abgelaufen. im endeffekt musst du nehmen, was du hast, es sei denn, du kommst damit klar, nur noch schritt zu reiten. bei gewöhnung und regelmäßigem aufenthalt auf den böden halten pferde denke ich wesentlich mehr aus, als wir meinen ;)
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Offline Cinnamon

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Re: Gelände: Welche Böden noch Traben und Galoppieren?
« Antwort #4 am: 05.04.13, 13:01 »
das meiste ist eh schon gesagt worden.
meine sind jahrelang nur auf schotter gelaufen - seit dem umzug haben wir überwiegend naturwege, da baue ich bewusst trab am asphalt oder galopp am schotterbankett ein, um die herrschaften nicht komplett verweichlichen zu lassen ;-)
ich hätte gerne ein paar schotterwege mehr - naturwege sind zwar toll, wenn`s trocken ist, bei matsch aber unbereitbar.
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