Autor Thema: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?  (Gelesen 71890 mal)

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Offline TerrierTopic starter

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Offline Sonne

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #1 am: 19.07.10, 10:34 »
lesezeichen

Offline tara

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #2 am: 19.07.10, 12:33 »
ich hab auch die Krise: es ist Montag und das nächste WE ist noch soooo weit weg!!!!

*lesezeichen*
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Offline donau

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #3 am: 19.07.10, 13:25 »
um mal bei der letzten box weiter zu machen: bitte nicht als argument dafür, dass die reitlehre in der krise ist, arbeitsreitweisen heranziehen bzw. menschen, die mit reiten ihre arbeit machen. das ist nämlich keinerlei maßstab, für das, was der gemeine freizeitreiter so tut.

cowboys müssen sich nix per wettkampf beweisen, die brauchen das nicht? mitnichten, rodeos, barrel race etc.  all das haben cowboys erfunden, weil sie sich eben doch messen wollten. egal ob gauchos, die berittenen hirten in spanien, der camargue, der maremma - sie alle haben ihre treffen und wettkämpfe. und sie alle bilden die pferde ähnlich aus, aber nicht, weil eine reitlehre dahinter liegt, oder reitweise, sondern weil schlicht die anforderungen an das pferd im alltag gewisse dinge verlangen. da wird nicht über krise diskutiert, weil entweder das pferd funktioniert passend, oder eben nicht. punkt.

da gibts aber auch keinen bürosteifen reiter, keinen der sich aufregt, weil der vorgesetzte /ausbildner einen angeschnauzt hat, kein reitweisen-hopping, weil das andere ist leichter/ pferdefreundlicher ::)

mim, wenn deine bekannte damit glücklich ist, durchs gelände zu reiten, ist es doch völlig wurst, in welchem reitstil. wenn sie sagt, sie braucht keine wettkämpfe, das ausreiten reicht ihr - gut. nur (und da sehe ich die krux an der geschichte) von "ich brauche keine wettkämpfe, um mich zu beweisen" zu selbstüberschätzung, keinerlei weiterentwicklung weils "eh funktioniert und ich so zufrienden bin" ist der schritt sehr, sehr klein. ein otto-normal-reiter mit 5,6 stunden pro WOCHE im sattel wird sich ohne ziel mit seiner reiterei nicht nur nicht weiterentwickeln, sondern sogar verschlechtern.

die selbstdisziplin besitzt kaum jemand (mich eingeschlossen), dass ich kontinuierlich an mir und am pferd und mit dem pferd arbeiten würde, um den status zu erhalten oder gar zu verbessern. es sei denn, man hat ein ziel - das ist entweder ein abzeichen, ein turnier in einer bestimmten disziplin (trec-ritte und distanzritte/ wanderritte eingeschlossen), oder eben das tägliche muss in der arbeit mit dem pferd.

irgendwie bringt mich das "ich reite am liebsten lässig durchs gelände" wieder dahin wo wir am anfang waren: von allen innerhalb einer reitweise wird disziplin, arbeit, korrektheit erwartet - aber der reiter selbst muss sich nicht anstrengen müssen... nur: wer fragt das pferd, ob es das gut findet?

und: ist harmonie nicht eher dann die illusion von "ich lass dir halt deinen willen, solang du mir nix tust?" anstatt die harmonie im sinne der reitlehre - dass das pferd mit freude den wünschen seines reiters gehorcht, und motiviert versucht, herauszufinden, was der will?
Wer auf seinem Standpunkt beharrt, darf sich nicht wundern, dass er nicht weiterkommt...

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #4 am: 19.07.10, 14:13 »
Klasse Donau!

Ich kenne ja recht viele Reiter, bei so einem langen Reiterleben ja kein Wunder :D
Aber ich habe in dieser Zeit nur 1 Ehepaar getroffen, die keine Turniere reiten wollten, aber ihr Pferde nur nach FN-Dressur ausgebildet haben. Sie hätten sicher in eine S oder höher reiten können.
Früher fand ich es grandios! Wie kann man so viel Schweiß, Kraft, Zeit und Geld dafür reinstecken, dass man in seiner freien Zeit so durch die Halle reiten möchte?
Begriffen habe ich es heute immer noch nicht so ganz, aber verstehen tu ich sie jetzt. :D
Ich hab ja letztres Jahr nur 2 Turniere geritten und dieses Jahr auch noch keines. Aber mir macht das Dressur reiten/arbeiten auch richtig Spass.
Naja, vielleicht liegt es am Alter, aber so wie das Ehepaar werde ich sicher nicht, dafür gehe einfach zu gerne Jagden und Springen :D
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Offline tara

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #5 am: 19.07.10, 14:55 »
, dafür gehe einfach zu gerne Jagden und Springen :D

bei solchen Sätzen von dir erstarre ich immer in Ehrfurcht.
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Offline Mim

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #6 am: 19.07.10, 15:08 »
mim, wenn deine bekannte damit glücklich ist, durchs gelände zu reiten, ist es doch völlig wurst, in welchem reitstil. wenn sie sagt, sie braucht keine wettkämpfe, das ausreiten reicht ihr - gut. nur (und da sehe ich die krux an der geschichte) von "ich brauche keine wettkämpfe, um mich zu beweisen" zu selbstüberschätzung, keinerlei weiterentwicklung weils "eh funktioniert und ich so zufrienden bin" ist der schritt sehr, sehr klein. ein otto-normal-reiter mit 5,6 stunden pro WOCHE im sattel wird sich ohne ziel mit seiner reiterei nicht nur nicht weiterentwickeln, sondern sogar verschlechtern.

Hallo Donau

ich weiß nicht - wenn ich mir die aktuelle Diskussion um LDR und das Video in youtube und den grandprix 2ten so anschaue - dann frag ich mich schon, welche "Gruppe" (Tunierreiter oder reine Freizeitreiter) hier zur Selbstüberschätzung neigt um es mal zu pauschalieren und wohin die Reise geht und ob das wirklich noch zu gunsten der RL und der Gesundheit der Tiere ist. Da waren sich doch die Starautoren des Artikel schon sicher. Immer noch der Satz - aus diesem Blog:

http://strickis-blog.blogspot.com/2010/06/die-deutsche-reitlehre-segen-und-fluch.html

Zitat
Gut gemeint ist auch im Reitsport nicht automatisch schon gut gemacht.   (...)

Richtig verstanden vermag die Deutsche Reitlehre Pferde langfristig zu Höchstleistungen zu bringen, falsch verstanden vermag sie Pferde kurzfristig zu ruinieren

Gradin - meine Gurulogin hinsichtlich Tierhaltung - hat das sehr schön ausgedrückt, sie schreibt nicht 100 Checklisten wie was wann - sondern: Humpeln die Tiere? Stürzen die Rinder im Stall - dann ist der Stall schlecht egal wie neu er ist - einfach genau hinschauen wie es den Pferden geht. Also eher produktorientiert den prozessorientiert. Also würde eine einfach Statistik schon ausreichen %tentual festzustellen - wo sind mehr Reiterunfälle und wo mehr Tierverletzungen - um klarzustellen. Mehr auf der Vorderhand herumgeschlappt - dafür aber weniger kissing spines...?

Krise für FN in sofern - siehe immer noch Startbeitrag, dass "immer mehr" Freizeitreiter eben "glauben" - Reitunterricht/Tuniere "nicht zu brauchen"  und als Kunde verloren gehen( (und trotzdem glücklich werden und die Pferde nicht irreparabel schädigen). Wir drehen uns da im Kreis...
« Letzte Änderung: 19.07.10, 15:11 von Mim »
Die-mit-dem-äusseren-Zügel-kämpft

Offline Orion

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #7 am: 19.07.10, 15:31 »
*hmlaus*

Hallo,

ich war gestern beim CHIO - Aachen als Zuschauer und was habe ich gesehen? Die Ehrenrunde der Sieger in der Mannschftwertung Dressur wurde von unserer Nachbarnation im Trab absolviert. Das die Reiter bei der Siegerehrung nichtt ihre Prüfungspferde reiten, ist ja schon normal. Aber eine Ehrenrunde im Trab kenne ich nur aus Reiterprüfungen. Und das sind die Vorbilder für die nächste Generation? Werden demnächst die Ehrenrunden abgeschafft, wie schon bei den Olympischen Spielen? Dann kommen die Dressurpferde ja garnicht mehr aus ihrem Sandkasten heraus.

Viele Grüße
Orion (die die deutsche Reitlehre immer noch sehr gut findet)


*hmlein*

   

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #8 am: 19.07.10, 16:33 »
Im Behi-Sport werden die Ehrenrunde manchmal im Schritt oder Trab gemacht.
Vielleicht haben sich diesmal diese "Regelsport"-Reiter was von den Behinderten abgeguckt :D
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Offline Olli

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #9 am: 19.07.10, 18:10 »
Wie kann man so viel Schweiß, Kraft, Zeit und Geld dafür reinstecken, dass man in seiner freien Zeit so durch die Halle reiten möchte?
Begriffen habe ich es heute immer noch nicht so ganz, aber verstehen tu ich sie jetzt. :D

ich kann das sehr gut verstehen, ich möchte selber auch mal das ziel haben, ein pferd fair und schön bis zur M auszubilden, aber turniere? never ever....das is ja streß....
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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #10 am: 19.07.10, 19:52 »
Olli - Naja, bis M OK, aber warum muss man soviel investieren, damit man PI+PA lernt?
Klar ist das toll, wenn man das mal reiten kann. Aber die haben dafür soviel Geld investiert, durch RU, Pferdewechsel und Bereiter, nur damit sie das Zuhause reiten konnten.
Da habe ich lieber ein Pferd, was solide ausgebildet ist und ich dann relaxt in der Gegend umherreiten kann.

Tara - Wieso Ehrfurcht?
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Offline Olli

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #11 am: 19.07.10, 21:30 »
@terrier ich weiß ja nicht was sie investieren, aber ich würde auch. wenn das pferd es anbietet, bis pi und a reiten wollen, zu hause.
mr reicht es selber es zu lernen und es mal einem anderen pferd beibringen zu können
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Offline Festus

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #12 am: 19.07.10, 22:36 »
only *lesezeichen*  :D
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Offline Binesdiva

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #13 am: 20.07.10, 07:05 »
Wieso schädigt eigentlich immer nur der Turnierreiter sein Pferd, Mim?

Ich kenne sogar mehr Beispiele aus dem sog. Freizeitreiterbereich, die ich fast schon als tierschutzrelevant bezeichnen würde.

Da ist mir persönlich das engmaschig betreute Turnierpferd lieber.

Ehrenrunde im Trab ist peinlich.
Allerdings sehe ich manche Siegerehrungen und Ehrenrunden auch kritisch, da entsteht einfach Stress für die Pferde.
Jetzt bitte nicht wieder falsch verstehen, Pferde sollten während der Siegerehrung und der Ehrenrunde sicher an den Hilfen stehen, keine Frage.

Aber vielfach sind gerade nach Springprüfungen die Siegerehrungen einfach stressig für die Tiere, auch die Ehrenrunden haben manchmal mehr mit einem Rennen als mit einer gesitteten Ehrenrunde gemein.

Ansonsten sehe ich das wie Donau, das Zitat "ich brauche keine Wettkämpfe, um mich zu beweisen", kann man auch so verstehen:
ich bin so gut, daß ich mich keiner Prüfung stellen muß, weil ich einfach mal weiß, wie gut ich bin.
Gefährliche Einstellung, meiner Meinung nach.
Wie lautet ein anderes Zitat noch mal?
Wer aufhört, sich ständig zu verbessern, hat aufgehört gut zu sein?
Oder so ähnlich.

Und das von Terrier angesprochene Ehepaar sehe ich nicht in diesem Zusammenhang, die scheinen sich ja ständig weiterzuentwickeln und verfolgen ein Ziel.

Und wer hat's noch mal geschrieben, Mim glaube ich, wieso wird Gehorsam eigentlich mit Unterwerfung gleich gesetzt?
Reitet ein Cowboy zum Friseur.
Kommt wieder raus:
Pony weg...

Offline TerrierTopic starter

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Re: Hat die Reitlehre die Krise oder die Reiter?
« Antwort #14 am: 20.07.10, 08:25 »
Das Ehepaar ließ aber ihren Ehrgeiz an den Pferden aus! Deshalb hatte ich es erwähnt.
Die Pferden MUSSTEN Pi+PA lernen, sonst wurden sie verkauft. Und beim Versuch es ihnen beizubringen, gingen sie nicht immer korrekt um
Deshalb fehlte mir der Bezug dazu. Zwar ist es nicht in Ordnung, wenn ein Turnierreiter nur sein Pferd zwiebelt, aber dafür könnte man vielleicht mehr ...gedult aufbringen, als bei Leuten die es nur für ihren Selbstzweck machen wollen.
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