Autor Thema: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?  (Gelesen 16711 mal)

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Offline Petig2002Topic starter

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Hallo ihr Lieben,

Ich weiß, dass mir auf meine Frage keiner DIE Antwort geben kann, aber im Moment stehe ich total auf dem Schlauch und brauche einfach mal objektive Meinungen von Außenstehen, um mal wieder klarer zu denken  ???

Die meisten wissen ja, dass ich bekennender Feigling bin und eigentlich meine ganze Reitzeit lang gegen diese Angst angekämpft habe. (Ich darf gar nicht dran denken, dass es mittlerweile 9!!!! Jahre sind  :o - Nur Leute, die auf Selbstqual stehen tun sich wohl sowas an  ;D ). Wie auch immer... ich bin in dieser Zeit von Hof zu Hof getingelt, von Lehrer zu Lehrer, immer auf der Suche nach etwas oder jemandem, der mir hilft. Wirklich gefunden habe ich das Ewigkeiten nicht und obwohl ich lange Zeit nichtmal auf ein stehendes (!!!) Pferd gestiegen bin, war mir immer klar, dass ich meinen Traum vom eigenen Pferd nicht aufgeben würde- wieso auch immer. Der ist mittlerweile fast so alt wie ich  ;D, auch wenn das mit 22 noch nicht allzu viel ist.

Na ja, unter den Fittichen der Eltern, die da auch noch ein Wörtchen mitzureden haben, war klar, dass der Traum noch seine Zeit dauern würde und so bin ich dann zu meiner jetzigen RB gekommen. Ich weiß nicht wie und ich weiß auch nicht warum, aber dieses Pferd hat es geschafft mir einen riesen Teil meiner Angst zu nehmen. Ich reite wieder, auch im Gelände, alleine, alle Gangarten, mit Sattel oder ohne und das Wichtigste: Ohne Angst und mit massig Spass an der Sache. Mir ist sehr wohl bewusst, dass ich nicht "kuriert" bin und auch nie komplett sein werde, aber durch und mit ihm habe ich einen Weg gefunden mit dieser Angst so umzugehen, dass ich wieder Spaß an meinem Hobby habe und bei jedem Ritt wieder ein millimeterkleines Stückchen abbaue.

Nach so ewigem Nicht-Reiten und nicht Spaß-haben beim Hobby ist das für mich wie eine Droge. Ich jobbe wie verrückt, um so oft es geht reiten zu können, habe ein echt straffes Zeitmanagement, um wirklich jedes Mal beim Pferd in Ruhe Zeit zu haben und lass mich auch durch das schlechteste Wetter nicht davon abhalten in den Wald zu gehen (Dinge wie Kyrill und Gewitter natürlich ausgenommen). So ein Fanatismus für ein Tier, was nichtmal mir gehört, fällt natürlich auch dem Umfeld auf und mittlerweile sind selbst die krassesten Skeptiker überzeugt, dass ich genügend "Biss" habe auch ein eigenes durchzubringen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Damit wären wir bei meiner eigentlichen Frage und meinem Gewissenskonflikt.

Frohen Mutes bin ich zu Höfen gefahren, habe mir Pferde angesehen, Anzeigen gewälzt, Beschreibungen für mich gemacht, wie das Pferd sein sollte, Höfe angesehen.... alles was so zur Vorfreude gehört. Tja, dann hat mich die Realität eingeholt: Von DIESEM Pferd weggehen? Was dir soviel geholfen hat? Wo du so glücklich bist? In eine Situation, von der du nicht weißt, ob sie gut oder schlecht ausgeht? Ob du zurecht kommst? Ob du das, was du erreicht hast, wieder kaputt machst? Dann hab ich den Schwanz eingezogen  :-\

Jetzt bin ich halt nach wie vor RB und genauso glücklich mit dem Pferd wie vorher. Aber es rebelliert in mir.... ich kriege diese Gedanken nicht mehr aus dem Kopf.... ein eigenes Pferd.... MEIN eigenes Pferd... ich weiß, es klingt völlig verrückt und realitätsfern, aber ich will abends nach der Arbeit noch losmüssen, weil MEIN Pferd Futter braucht, ich will jeden Tag bei Eiseskälte mit zittrigen Fingern die Box misten müssen, damit MEIN Pferd sauber steht, ich will sagen müssen "nein, heute lieber kein Kino, MEIN Pony braucht nächste Woche den Schmied"... ich sehne mich einfach danach die volle Verantwortung für das Tier zu tragen, was mir mein Hobby ermöglicht.

Ich weiß, dass ein eigenes Pferd eine wahnsinns Belastung ist, sei es nun zeitlich, finaziell oder nervlich, das ist aber nichtmal das, was ich am meisten scheue....

Ich scheue mich davor diese Sicherheit aufzugeben. Das Pferd, das ich kenne, das ich mag, dem ich vertraue. Zu einem Pferd, von dem ich nicht weiß, ob ich jemals so gut zurecht komme. Trotzdem ist da dieser Wunsch, der mir andauernd im Kopf rumgeistert....

Deswegen nun endlich die eigentliche Frage: Kann ich als Angsthase den Schritt zu einem eigenen Pferd jemals wagen oder ist das Ganze sofort zum Scheitern verurteilt? Muss ich die ewige RB bleiben oder kann es irgendwann klappen?

Verwirrte Grüße
Petig

PS: Gleich zu Anfang: RB kaufen fällt leider weg  :'(

Krümel 99

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #1 am: 05.09.07, 18:23 »
also, wenn du so zufrieden mit deiner RB bist, würde ich einfach noch ein paar Jahre Geld weiter sparen für dein Traumpferd und weiter Sicherer werden und Angst abbauen  :)

und wenn du dann durch Zufall DAS Pferd findest, ist es doch auch gut.. du brauchst die RB ja nicht gleich aufgeben, sondern könntest sie ja trotzdem weiterhin reiten, sofern die Zeit das zulässt.

Offline Flicka

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #2 am: 05.09.07, 18:41 »
Erstmal finde ich es toll wie du gegen deine Angst gekämpft hast! Meinen vollen Respekt! Nicht jeder stellt sich seinen Ängsten so wie du. :D

Ich würde die RB nicht aufgeben, aber uach nicht den Wunsch nach einem eigenen Pferd. Lass dir Zeit bei der Suche, überstürze nichts. Du hast deine RB mit der du noch weiter lernen und wachsen kannst. Irgendwann wird es vielleicht "klick" machen und DEIN Pferd steht vor dir.

Und erst dann brauchst du dir Frage stellen was du mit deiner jetzigen RB machst.

Alles Gute!
Flicka

Offline Petig2002Topic starter

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #3 am: 05.09.07, 18:50 »
Danke für eure Antworten Krümel  und Flicka ;)

Es ist keine akute Entscheidung, um auf Nummer sicher zu gehen, fehlen mir noch die ein oder anderen Euronen... es geht also nicht darum, ob ich JETZT von ihm weggehe, um ein eigenes zu kaufen. Es geht mehr um das Grundsätzliche:

Es geht darum, ob ich als Person, deren reiterliche Zuversicht öhm immer auf wackeligen Beinen stehen (sicherlich werde ich immer sicherer werden, aber diese grundsätzliche Kontrollverlustangst beim Reiten wird bleiben, dafür kenne ich mich) wird es überhaupt irgendwann wagen kann/sollte/könnte die Sicherheit einer RB aufzugeben, um in die "Unsicherheit" zu gehen, die so ein Pferdekauf nunmal zwangsläufig mit sich bringt.

Ganz krass formuliert und von vielen Leuten, die ich gehört habe auch vertreten: Jemand, der grundsätzlich ein sehr ängstlicher Reiter ist, sollte sich kein eigenes Pferd anschaffen, sondern besser RB bleiben. (Was ich auf der einen Seite gerne möchte, weil ich den Zossen so wahnsinnig liebe, auf der anderen Seite aber nicht möchte, weil ich mich so nach einem eigenen sehne) *verwirr*

Offline kalea

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #4 am: 05.09.07, 20:27 »
ich glaube, dieses unbedingte vertrauen zu einem pferd kann wachsen...meinen alten würde ich immer und überall reiten, mit oder ohne sattel mit halfter und strick in den busch, weil ich weiß, wann er wie reagiert....und mein pferd ist ein hervoragender trainer für sattelfestigkeit!

als meiner unreitbar wurde bin ich ne zeitlang die traberstute vom hof mit geritten...sie ist eine seele von pferd, totenbrav, aber im galopp wollte man mich von dem pferd ziehen, weil die anderen angst beim zugucken hatten...um meine gesundheit. aber ich lasse sie im zweifel auch vollspeed auf's feld, weil ich weiß, sie lässt sich kontrollieren.

morgen kriege ich einen jungen araber, frisch gelegt, roh. und obwohl ich beim probereiten anderer pferde vom händler als "angstfrei" bezeichnet wurde, ist mir mulmig, einfach weil ich dieses pferd nicht einschätzen kann und das ausschließlich wegen der grade erst erfolgten kastration....aber ich habe das vertrauen das es wird.

ich will damit sagen, du wirst nie vorher wissen, ob du diesem pferd vertrauen kannst, es sei denn du hast die möglichkeit z.b. 4 wochen probezeit einzurichten, machen manche händler.

aber mich hat in meinem ganzen reiterleben von all den pferden (und ich setz mich auf jedes noch so bekloppte pferd, das nen erträgliches stockmaß hat) erst ein einziges pferd entäuscht, obwohl ich ausdrücklich jedem pferd nen vertrauensvorschuss gebe, sprich hingegebener zügel im schritt, galopp im gelände... von anfang an.


evtl. hast du die möglichkeit dir ne reitbeteiligung mit "option zum späteren kauf" zu suchen? außerdem gibt es ja nun auch gemütsruhige tiere... evtl. ein ausgedientes polizeipferd?

Krümel 99

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #5 am: 05.09.07, 20:33 »
welcher einigermassen vernünftige reiter hat denn keine Angst vor Kontrollverlust  ??? Meine Rennsemmel ist mir vor 2 Wochen dermassen abgegangen, das ich wirklich Angst hatte und auch bei diesem Pferd gemerkt habe, das er unkontrollierbar unter dem Sattel sein kann.. und sicher hab ich Angst, das es nochmal passiert  :-\

ob dir das bei deinem eigenen Pferd oder bei deiner RB ist letztendlich egal, die Angst bleibt dieselbe. Warum kein eigenes Pferd kaufen, wenn es wirklich zu dir passt, du regelmässig Unterricht nimmst und an dir arbeitest??

und wenn es Zeit hat, wartest du eben bis es klick macht  :D du solltest aber auch nach wirklich ruhigen sicheren Pferden Ausschau halten..

Offline Petig2002Topic starter

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #6 am: 05.09.07, 21:03 »
Ihr habt schon Recht. Das Problem ist wie heftig man auf so einen Kontrollverlust reagiert  :-\

Dass man nach so einer Aktion Muffensausen hat, finde ich auch völlig normal.
Mittlerweile schaffe ich es nach irgendwelchen Hüpfern einfach weiterzureiten, auch nach einem Bocksprung und ich verliere nicht mehr so schnell den Kopf und verfalle in irgendeine "Starre", sondern kann dann noch reagieren. Das ist schon wesentlich mehr als ich mir erhofft habe.

Würde mein Pferd mir einmal abdampfen, würde ich es wahrscheinlich schaffen nochmal aufzusteigen, vielleicht ein zweitesmal, aber ich kann nicht mit Sicherheit sagen, dass ich es ein drittesmal würde. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass ich es nicht tun würde und da liegt das Problem. Das wird sich auch nicht ändern und ich zweifle halt, ob ich unter diesen Umständen jemals ein eigenes kaufen kann/sollte.

Bei einer RB ist sowas auch immer traurig und schade, aber es ist eben ein anderer Schritt die RB zu wechseln als das eigene Pferd wieder verkaufen zu müssen, weil man Angst davor hat (absolut grausige Vorstellung!!!!).

Es hat ja klick gemacht, nur beim falschen Pferd  :-[

Mönchen

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #7 am: 05.09.07, 22:16 »
Wenn Du es nicht ausprobierst wirst Du es nie wissen und Dich ewig quälen.
Das soll nicht heißen Du sollst was überstürzen, da schließ ich mich den Vorschreibern an, aber selbst wenn es nicht klappt, wieviele verkaufen wieder ihr Pferd weil´s vielleicht nicht das richtige war?Du würdest schon Verantwortungsvoll verfahren.
Ich kenn diese Angstsituationen aus anderen Bereichen, ich habe aber auch gelernt das mich jede Überwindung einen Schritt weiter bringt, jede umgangene Situation aber einen Schritt zurück, das kann soweit führen das der Weg aus dem Haus zur Überwindung wird, das darf man nicht zulassen.
Ich würde trotzdem nicht in ein Flugzeug steigen, das ist mir nicht wichtig genug um daran zu arbeiten aber im täglichen Leben laß ich mich nicht mehr von meiner Angst bestimmen und jede " geschaffte" Situation nutze ich um mir zu sagen und das hast Du doch auch geschafft.
Am meisten haben mich die Geburten meiner zwei Kinder gestärkt, eine Wassergeburt ohne Medikamente nach einem Tag nach Hause,
die zweite an "Land"und nach dem duschen und essen  nach Hause, da bin ich mächtig stolz drauf und da kann mir so schnell nicht´s mehr Angst machen.
Viel Erfolg
Simone       

Offline Eureka23

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #8 am: 05.09.07, 23:08 »
Hallo Petig,

wenn du dich so sehr nach einem eigenen Pferd sehnst, wieso nicht? Es hat ja keine Eile, es gibt sicherlich irgendwo ein Pferd, das für dich so ist, wie deine RB. Guck dich um, solange, bis dir eins über den Weg läuft.

Ich habe mir vor 11 Jahren den Wunsch nach dem eigenen Pferd erfüllt, WEIL ich nach der ganzen Schulpferdreiterei zum Angsthasen mutiert bin. Ich bin Schißbuxe gebleiben, nur vor meinem Pferd hatte ich noch niemals Angst, obwohl es als schwierig gilt.
Und mit anderen Pferden muss ich nix mehr zu schaffen haben, ein Glück  ;).

LG

Eureka23

Offline Nattrun

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #9 am: 06.09.07, 00:18 »
Ich kann Dich verstehen.
Zwänge mich jemand, mein Pferd herzugeben, wäre es ähnlich. Er ist mein ein und alles, ihm vertraue ich (wenn auch nicht 100%  ;) ) - mit ihm hab ich gelernt, meine Ängste loszuwerden, ihn kenne ich in und auswendig, er ist mir vertraut wie sonst kein Tier, er ist mir Freund.
Ein anderes Pferd gibt es nicht.
Nun ist er ja leider nicht gesund, ich kann damit leben, aber irgendwann wird es ein anderes Pferd geben (müssen), wenn ich denn reiten möchte.

Das hat was mit Loslassen zu tun und mit sich-auf-etwas-einlassen. (natürlich auch mit Geld  :P )
Ich persönlich glaube, der Tag wird kommen, wo es 'Knall' macht und wo man ein Pferd sieht und weiß - loslassen geht, der da ist es.
Mit 'dem da' geht alles, wobei Zeit nicht der entscheidene Faktor ist, was man schafft, sondern DASS man schafft.
Der Weg ist doch das Ziel.  ;)

Und ja - du kannst ein Pferd haben, wenn du das wirklich willst. Du wirst es fühlen und aufhören mit fragen, wenn es soweit ist.
Wen kein Bangen mehr beschwert,
frei von hinnen reitet.
Heil führt ihn auf seinem Pferd,
Glück die Zügel leitet.
(Bischof Jón Arason, 1550)
 

Offline Petig2002Topic starter

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #10 am: 06.09.07, 07:54 »
Danke für eure Antworten, das bringt schonmal eine Ordnung in mein Gedankenchaos!

Auch wenn er "nur" meine RB ist, ist es bei mir ähnlich wie bei Nattrun. Ich mochte meine vorigen RBs auch, natürlich, aber nicht SO. Bei ihm war von Anfang an alles anders als ich vorher gewohnt war. Bei der ersten Reitstunde habe ich mich nach 10 Minuten zuhause gefühlt, wo ich bei anderen Pferde nach Monaten noch nicht so weit war, beim ersten Ausritt bin ich einfach losgaloppiert, mein Tick mich dabei irgendwo festzuhalten (wenn ich denn überhaupt mal galoppiert bin!!!), den ich seit Ewigkeiten hatte, habe ich kurzerhand einfach vergessen, nachdem ich ihn 8 Wochen geritten bin, hatte ich das Gefühl, dass ich ihn schon lange kenne. Er ist einfach nicht irgendein Pferd für mich, er hat mich verändert und es mir weiß Gott nicht schwer gemacht.

Nach einem Jahr jetzt merke ich, dass sich auch bei ihm "etwas tut". Er war immer lieb zu mir, hat meine Angst niemals ausgnutzt und mich nie in Gefahr gebracht, aber er hat auch einfach eine gewisse Distanz gewahrt. Kraulen, berühren, putzen....naja gut, wenns sein muss, mach halt. Ich dachte er wäre so. Jetzt fängt er an sich dabei zu entspannen, rüsselt wie ein Nasenbär, streckt mir seinen Hintern entgegen  ;D. Nach und nach, Stück für Stück merke ich einfach, dass wir zusammen wachsen. Klar, es werden noch einige Wochen und Monate wenn nicht Jahre vergehen bis wir ein RICHTIGES Team sind, aber bei ihm weiß ich: Wir schaffen das. Gemeinsam.

Und obwohl mich das glücklich macht, wird der Wunsch immer größer eine Gewissheit zu haben, dass ich das, was ich mir mit einem Pferd erarbeite (und das ist für einen Angsthasen nunmal schwieriger als für jemanden, der so gut wie jedes Pferd reitet), für mich halten kann und nicht befürchten muss, dass es irgendwann einfach vorbei ist. Die Gewissheit kann ich bei ihm aber nicht oder fast nicht bekommen, deswegen stehe ich eben vor diesem Konflikt. Ich will kein anderes Pferd, ich will IHN, aber ich will auch nicht irgendwann die Nachricht bekommen, dass jemand anders besser für ihn als RB geeignet ist. Und dann ist alles das, was wir gemeinsam erlebt, gemacht und geschafft haben.... weg....

Es erscheint mir im Moment so besonders, dass ich mir nicht vorstellen kann, das jemals nochmal zu finden.

Ich hoffe wirklich, dass es irgendwann KLICK macht und ich loslassen kann und ganz besonders hoffe ich, dass jemand anders nicht einfach vorher KLICK sagt!  :-\
Hätte ich die Möglichkeit IHN an mich zu binden, ich täts mit allem, was ich habe, aber soviel werde ich wohl nie haben.

Offline McFlower

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #11 am: 06.09.07, 08:35 »
Ganz krass formuliert und von vielen Leuten, die ich gehört habe auch vertreten: Jemand, der grundsätzlich ein sehr ängstlicher Reiter ist, sollte sich kein eigenes Pferd anschaffen, sondern besser RB bleiben.

Das ist nun wirklich unsinnig. Blöde Sprüche von stumpfbirnigen und phantasielosen Leuten.

Ich bin tendentiell auch eher ängstlich. Nach jahrelangen RB´s habe ich mir vor 11 Jahren mein erstes eigenes Pferd gekauft. Dabei habe ich drauf geachtet, dass das Pferd nicht zu jung ist (damals 8 Jahre), möglichst gut ausgebildet und möglichst rittig. Das war soweit problemlos.
Dann hat es mich überkommen: Ich habe aus meiner Stute ein Fohlen gezogen und letztes Jahr ein vollkommen rohes, 3-jähriges Pferd selbst und alleine angeritten (mit RL von unten). Es ging!!! (aktuelle Fotos sind der Lustlosen-Box)

Was mir dabei geholfen hat, war, schon im Vorfeld nach Alternativen zu suchen, wenn es nicht klappt. Hätte mich der Youngster die ersten Male jedes Mal zwei, drei Mal in den Dreck gesetzt, wäre ich auch nicht mehr aufgestiegen, da bin ich mir sicher. Deshalb hatte ich mir im Vorfeld schon gesagt "WENN das mit dem Selbst-Anreiten nicht klappt und ich Angst bekomme, DANN werde ich Bereiter XY das Pferd erstmal in Vollberitt geben." Das hat mir die Sicherheit gegeben, dass ich nicht mehr aufsteigen muss, wenn´s nicht geht. Genauso sieht es jetzt mit der Springausbildung des Youngsters aus. Ich probiere es erstmal selbst, wenn es nicht funktioniert, dann muss ich das an Springreiterin YZ delegieren - dabei fällt mir noch nicht mal ein Zacken aus der Krone.

Lange Rede, kurzer Sinn: Wenn du dir ein eigenes Pferd kaufst, dann such dir schon vorher einen RL, der dich unterstützt und der sich im Problemfall auf den Zossen schwingt und die Schwierigkeiten für dich löst.

Also echt, wenn ich so sehe, wer sich bei uns am Stall schon alles ein Pferd gekauft hat: Ängstliche, Ahnungslose, Anfänger, Deppen und die Kombination aus allem. Irgendwie ging´s trotzdem immer gut. Wenn du dir so ausgefeilte Gedanken machst, dann ist du für den Pferdekauf schon quasi direkt qualifiziert.
Treulos ist, wer Lebewohl sagt, wenn die Straße dunkel wird. (Gimli - Die Gefährten)

Offline Orion

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #12 am: 07.09.07, 14:34 »
Hallo Petig,

dann kauf doch deine RB !!!

Ne wirklich im Ernst. Ich hatte ein Pferd und dazu eine Reitbeteiligung. Nach einiger Zeit hat sich herausgestellt, das Pferd und RB viel besser zusammen paßten als Pferd und ich. Ich habe der RB das Pferd verkauft.
Besprech das mit dem Besitzer, mehr als nein sagen kann er nicht. Laß dir ein Vorkaufsrecht einräumen, manchmal müssen Pferde schneller verkauft werden, als man denkt. Vielleicht kommt auch ein "Mitbesitzer-Modell" infrage. Es gibt da mehrere Möglichkeiten, das hängt von dir, dem Besitzer und dem Pferd ab.

Viel Glück

Orion

Offline sasthi

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #13 am: 07.09.07, 14:42 »
Petig, hast du ein gutes Verhältnis zur RB-Besitzerin?
Hast du jemanden, der dich "auffängt", wenn dich die Angst überkommt?

Ich bin an die Paloma mehr oder weniger durch Zufall gekommen, eben auch den Gedanken "jetzt wirds  Zeit für was eigenes". Eigentlich "nur mal so schaun"...  jetzt steht sie im Stall, ein halbes Jahr früher als geplant.
Wenn dir "dein" Pferd über den Weg läuft und es passt... machs. Wenn du ein blödes Gefühl hast, warte. Über's Knie brechen würde ich es nicht.

Und ich bin/war bekennender Angstreiter. Aber die Paloma passt (meistens) auf mich auf, genauso wie davor der "Hase"
Wenn zwei das Gleiche tun ist das noch lange nicht das Selbe.

Haflinger sind nicht stur, sie geben ihrem Menschen nur mehr Zeit, über seine Fehler nachzudenken

Offline skywalker

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Re: Bekennender Angsthase - ewige RB oder....!?
« Antwort #14 am: 07.09.07, 17:00 »
Muss hier auch mitmischen.

Also erstens finde ich, dass du, die du dich als ängstlich bezeichnest, mehr mit deiner RB anstellst, als sich sagen wir mal 75%  anderer REiter trauen - ohne Sattel, ausreiten, ... Also du hast deine Angst sehr gut im Griff.

Ich habe 20 Jahre vorm eigenen Pferd geträumt und mir diesen Traum dieses Jahr erfüllt. Und was ich für Angst hatte!! Ganz anderer Natur, aber doch. Ich bin ein sehr sicherheitsbedürftiger Mensch. Ich hatte furchtbare Angst, dass ich ein Pferd kaufe, das nicht so ist, wie ich es mir vorstelle. Und ich hatte ganz genaue Vorstellungen. Auch davon, wie es NICHT sein darf, mein Pferd.
Ich habe angefangen von dem Zeitpunkt, als ich Inserate nicht nur wegen der lieben Fotos zu studieren begann, über ein Jahr gebraucht, bis ich ein Pferd gefunden hatte ...

... was soll ich sagen, alle meine Ängste sind wahr geworden:

-Mein Pferd ist eher von der faulen Sorte (wollte ich auf gaaar keinen Fall)
- Mein Pferd ist eher phlegmatisch, obwohl jung (wollte ich auf keeeinnen Fall!)
- Mein Pferd ist größer als ich wollte
- Mein Pferd ist ein unerzogener Rüpel und ich habe meine liebe Not, ihn erzogen zu kriegen
- Mein Pferd ist z.T. gefährlich, zumindest merke ich, dass tatsächlich andere vorsichtig sind.
- Ich kann momentan nur erziehen, sonst nix (er ist 4 1/2).

Und was passiert. Sobald die Ängste wahr werden, sind die überhaupt nimmer schlimm. Gar nicht, ich liebe mein Monster schon richtig! Ich hatte solche Angst vor all diesen Dingen, die Worte "was wenn... was wenn... was wenn...." hab ich gar nicht mehr aus dem Kopf gekriegt und jetzt ... ist alles halb so wild. Hergeben werd ich den nimmer ...

Was ich sagen wollte: Man wächst zusammen. Dein eigenes Pferd wird dir Vertrauen geben, genauso wie dein RB-Pferd, wenn du es erst lange genug kennst.

Ich würds so machen wie schon vorgeschlagen: Lass dir Zeit. REite weiter deine RB, lies Inserate, geh hie und da eins anschauen. Muss ja nicht, aber kann. Und wenn es Klick macht und du weißt, DAS ist dein Pferd, dann gut! Und wenn es niemals klickt, dann reitest du halt deine RB. Und es kann, denke ich, durchaus Jahre dauern, bis es passiert.

Und hab keine Angst vor den vielen WENNs, die vernebeln dir nur den Kopf ;-).

LG, sky