Autor Thema: Postchristliche Gesellschaft?  (Gelesen 468 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Online caraTopic starter

  • Kreiselstadt
  • Administrator
  • *
  • Beiträge: 5795
  • Geschlecht: Weiblich
  • Kann ich nicht, heisst will ich nicht.
Postchristliche Gesellschaft?
« am: 24.11.18, 15:23 »
In einer gestern veröffentlichen Studie zu Lebens- und Glaubenswelten junger Erwachsener in Deutschland steht drin, dass nur noch 19% der Befragten an Gott glauben.
Die Umfrage wurde von der EKD in Auftrag gegeben, das Fazit lautet: „Es ist eine – vielleicht die erste – wirklich postchristliche Generation. Gott ist weitgehend verschwunden.“

Quelle

Ist das so? Glauben die Heranwachsenden tatsächlich nicht mehr? Gibt es Möglichkeiten, sie zum Glauben zurück zu bringen?
Was kann/muss/sollte sich ändern?

Oder leben wir einfach mit der Tatsache, das Gott verschwindet? Welchen Einfluss kann das auf unsere Gesellschaft haben?
LiGrüss cara

It's a magical world, Hobbes, ol' buddy. Let's go exploring!

Offline Mucki

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 3236
  • Geschlecht: Weiblich
  • Leben und leben lassen
Re: Postchristliche Gesellschaft?
« Antwort #1 am: 24.11.18, 16:44 »
Glauben kert meist zurück wen es uns Menschen schlecht geht , Krieg , Krankheit, und so weiter.
Überzeugen der Jungen Leuten wird wohl eher schwer.
LG Mucki
Am Ende des Tunnels ist immer Licht!

Offline Wiese

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 3328
  • Geschlecht: Weiblich
Re: Postchristliche Gesellschaft?
« Antwort #2 am: 24.11.18, 17:36 »
Ich denke, da muss sich auch in der Kirche was verändern, damit sie den Glauben an die Heranwachsenden
festigen.
Bei Kommunion, Firmung wird in der Schule noch der Glaube vermittelt.
Hinterher ist einige Zeit Stille bis zur Hochzeit und dann wenn Kinder kommen geht es weiter.
So ähnlich verläuft es bei unserer Jugend. Nicht bei allen, ein Teil bringt sich in verschiedenen kirchlichen Vereinen
Kirchenverwaltung, Pfarrgemeinderat, Frauenbund usw. Es hängt auch viel vom Elternhaus, Freunden usw. ab wie sich die Jugendlichen einbringen und auch wie der Pfarrer auf die Jugendlichen zugeht.
Es wird immer schwerer Jugendliche zu irgendeinen Amt zu finden. Sind teils mit Familie und Arbeit gehen, eh voll ausgelastet
und dann noch Zeit für die Kirche zu erübrigen, ist nicht jedem gegeben.
Und Muckis Beitrag unterstreiche ich auch.
« Letzte Änderung: 24.11.18, 19:06 von Wiese »
Wer sich heute freuen kann,soll nicht bis morgen warten.
                     " Pestalozzi "

Offline muellerin

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 839
  • Geschlecht: Weiblich
  • Power to the Bauer!
Re: Postchristliche Gesellschaft?
« Antwort #3 am: 24.11.18, 17:41 »
Ich habe in meinem Buch dieses Thema ja ein bisschen angerissen, aus ostdeutscher Sicht:

"Sie kehrte in die lärmende, nachkonzertliche Runde zurück, wo die Luft inzwischen zum Schneiden war und ihr Kopfschmerzen verursachte, außerdem griff die Müdigkeit jetzt unbarmherzig nach ihr. Die Männer hatten mittlerweile das Thema gewechselt und diskutierten, warum hier in der Gegend nur so wenige Menschen an Gott glaubten und ob das eine Ursache für die wachsende Verbreitung rechten Gedankengutes sei oder nicht. Die Landtagswahlen standen bevor, und die populistische Alternative Liste machte auch in Mecklenburg Furore.
Karen fühlte sich ein wenig in eine Verteidigungshaltung gedrängt, denn alle vier Gesprächspartner stammten aus den alten Bundesländern (Steven hatte zudem eine irische Mutter) und waren getauft, wie sich im Verlaufe der Diskussion herausgestellt hatte. Nun musste sie, als armes Heidenkind aus einem untergegangenen Staat, die Sachlage begründen, und sie verspürte an diesem späten Abend wenig Lust dazu.
Sie erklärte – wie man an ihrem Beispiel sehen könne –, dass eine Erziehung in der DDR durchaus eine humanistische Grundlage zu bieten hatte, dass letzten Endes, so wie überall, die handelnden Personen, also Eltern, Lehrer, Mitschüler den größten Einfluss auf die Entwicklung der Menschen ausgeübt hatten. Schon ihre Mutter, die vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges auf die Welt gekommen war, wurde zwar noch getauft, aber nicht mehr konfirmiert, teils aus Arbeitertradition, teils aus Auflehnung gegen eine katholische und streng konservative Schwiegermutter, teils aus sozialistischen, ideologischen Gründen. Aber es mochte schon so sein, dass vielen Menschen heute der Halt fehlte, der Glaube, und dass viele Menschen durch die Wende einen schweren Bruch in ihren Biografien erfahren mussten, der sie zutiefst verunsicherte. Wieviele solcher gravierender Umwälzungen ertrug ein Mensch in seinem Leben?"

Ich bin wie sehr viele meiner Altersgefährten atheistisch aufgewachsen. Schwer zu sagen, ob mir etwas fehlt...
Schwierig wird es sicher in komplizierten Lebenssituationen, bei Krankheit und Tod, wenn man nicht die Erwartung hat an ein Weiterleben der Seele nach dem Sterben.
An christliche Werte kann man sich trotzdem halten, auch an christliche Traditionen. Ich bin zum Beispiel kein Freund der Amerikanisierung und Verkitschung des Weihnachtsfestes, da mag ich es eher schlicht und ursprünglich. Aber ob es sich aufhalten lässt?

Lg
Müllerin

Offline Daggl

  • Obb.
  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 2200
  • Geschlecht: Weiblich
  • Ich liebe dieses Forum!
Re: Postchristliche Gesellschaft?
« Antwort #4 am: 24.11.18, 19:47 »
Ich seh den Grund darin, dass es in der Kirche leider oft nur im Erhaltung von äußeren Formen geht und den Sinn kaum noch jemand versteht, auch weil es nicht erklärt wird. Und auch dass es immer mehr um eher grün angehauchte Ideologie geht. Um eine politische Rede zu hören geh ICH nicht in die Kirche. Misereor ist für mich auch so ein Schreckensbeispiel. Und der Kern, die Verkündigung der Frohbotschaft und die Beziehung zu JESUS bleiben auf der Strecke. Ist ja auch so, dass viele (!) der Kirchgänger, Grad auf dem Dorf, deshalb gehen "weil man das halt so tut"

Bei uns im Dorf haben ist eine AG Verkündigung gegründet worden ( ich bin da auch dabei ) wo wir eben versuchen den Kern der Botschaft wieder aufzuzeigen.

Mir würde ohne Jesus was fehlen.. eigentlich alles.
Viele Grüße, Dagmar

Jesus verspricht: Ich bin bei euch alle Tages eures Lebens bis ans Ende der Zeit (Mt 28,20)

Online frankenpower41

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 5176
  • Geschlecht: Weiblich
  • Ich liebe dieses Forum!
Re: Postchristliche Gesellschaft?
« Antwort #5 am: 24.11.18, 20:26 »
Da geb ich Dir recht, die Kirche sollte sich mehr auf ihre eigentlichen Aufgaben beschränken und nicht meinen
sie muss in der Politik mitmischen.
Ich habe auch schon öfters gedacht ob das noch das ist, was ich vertrete, aber das liegt auch an den einzelnen Amtsträgern, wobei die Grundlinie schon so ist wie Du schreibst.

Ich habe Bekannte die Freikirchlich sind, da steht Jesus viel mehr im Vordergrund als bei uns.
Aber das hat jetzt mit dem eigentlich Thema hier wenig zu tun.

Ich stimmte Mucki zu und ich denke das war schon immer so, in Notzeiten wird eher an Gott gedacht als in Guten.
Wenn allerdings schon kein Bezug mehr da ist, ob das dann auch so ist, das weiß ich nicht.
Auf jeden Fall hat sich in den letzten 30 bis 40 Jahren sehr viel geändert, erstens wird viel mehr hinterfragt und der kindliche Glaube wie er meiner Generation meist noch vom Elternhaus her vermittelt wurde, das wird heutzutage nur noch selten gelebt. Das sehe ich auch in unserer Familie und auch meine Kinder haben, wie viele in ihrem Bekanntenkreis, nur noch wenig Bezug zu Gott und Kirche.
« Letzte Änderung: 24.11.18, 22:48 von frankenpower41 »

Offline maggie

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 3732
  • Geschlecht: Weiblich
  • auch Bäuerinnen freuen sich über Erneuerungen
Re: Postchristliche Gesellschaft?
« Antwort #6 am: 25.11.18, 00:01 »
ich weiss, ich bin jetzt wieder etwas provokant -

aber ich finde, gerade wenn ihr sagt, in schlechten Zeiten sucht man Gott,

da machen es sich viele einfach, man wirft die Ängste auf ihn und kann sich dann getröstet fühlen und die Ängste können/sollen verschwinden -
ich gebe zu, auch ich habe schon gebetet wenn es mir schlecht ging, aber ich finde, eigentlich bin ich zum grossen teil für mich selbst verantwortlich und es ist mir zu einfach, hilfe bei jemandem andern zu holen -

ich denke schon, dass es ein nachher gibt, aber was ?? das hat noch niemand gesehen, und wenn ich mir mühe gebe hier ein "gutes" leben zu führen, dann muss ich doch nicht in angst vor dem nachher leben -

was heisst gut - ich versuche für meine Umgebung dazusein, und die, die es nötig haben zu unterstützen, d.h. mit zeit, oder einfach einige worte
oder meine hilfe anzubieten
liebi grüess   und
bis bald   -  ihr werdet mich  so schnäll nöd wieder los

margrith  us der schwiiz

Offline mary

  • Vereinsmitglied
  • *
  • Beiträge: 10020
  • Geschlecht: Weiblich
  • Baeuerin - Beruf mit Herz
Re: Postchristliche Gesellschaft?
« Antwort #7 am: 25.11.18, 04:35 »
Ich hab so überlegt, wer war mir in jungen Jahren Vorbild, wo hab ich Glauben als positiv erfahren?
Die Frage, wo erleben heute junge Menschen Vorbilder, wo erfahren sie Glauben als positiv?
Speziell nur Kirche zu sehen, da bin ich skeptisch, da hab ich die Unterscheidung, Gott und Bodenpersonal. Und ob früher der Glauben tiefer angelegt war, wo alles so unter Zwang und unter Druck gelaufen ist, da habe ich starke Zweifel.
Ob der alte Spruch- Not lehrt beten - wirklich hilft, keine Ahnung, aber wenn es wirklich hammerhart im Leben kommt, dann ist es schon hilfreich, wess noch irgendwas da ist was trägt.
Aber was ich mich auch frage, wer füllt dann das Loch der postchristlichen Gesellschaft?
Denn irgendwas glaubt jeder.
Man kann heute sicher sehr viel mit wissenschaftlichen Fakten beweisen, aber schon alleine ein Blick in die Natur mit ihren vielen "Wundern" -- da wird man ob man will oder nicht sich damit auseinandersetzen müssen, dass das alles nicht einfach nur so aus Zufall geschehen kann.
Man braucht bloss zu den Bienen gehen und dann wird man mit so vielen Wundern überhäuft.


 


zum Seitenbeginn