Autor Thema: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG  (Gelesen 32564 mal)

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lucia

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Sicherer Umgang mit Bullen

Bayreuth (lsv-fob):
185 gemeldete Arbeitsunfälle mit Bullen in Franken und Oberbayern im vergangenen Jahr 2004 - darunter auch ein tödlicher - zeigen: Der Umgang mit den mächtigen Tieren ist nicht ungefährlich. Kraft und Aggressionspotential werden zum Teil unterschätzt. Auch der liebste „Sepp“ kann sich überraschend in den angriffslustigen Beschützer seiner Herde verwandeln. Besondere Sicherheitsvorkehrungen sind deshalb angebracht, rät die Land- und forstwirtschaftliche Berufsgenossenschaft Franken und Oberbayern.

Grundsätzlich gilt:
Reizsituationen unbedingt vermeiden! Gehen Sie ruhig und bestimmt mit den Tieren um! Behalten Sie die Tiere dabei immer im Blick und kehren Sie ihnen nie den Rücken zu. Nur so können Sie frühzeitig auf einen möglichen Angriff reagieren. Arbeiten Sie nie in gebückter Haltung vor den Tieren, denn diese springen unter Umständen auf. Übrigens: Enthornte Bullen sind in der Regel weniger aggressiv und durch die fehlenden Hörner auch weniger gefährlich.

Führen:
Für Zuchtbullen über 12 Monaten ist ein Nasenring vorgeschrieben. Zum Führen kann dort eine Führstange befestigt werden. Eine Augenblende blendet bei nervösen Tieren äußere Eindrücke aus. Immer auf Kopfhöhe mit dem Bullen gehen und geeignete Hilfsmittel zur Abwehr mitführen. Ein zusätzlich am Halfter befestigter Leitstrick darf beim Führen nie um die Hand gewickelt werden. In engen Türen und Räumen gehen Sie voraus.



Haltung im Stall:
Im Stall darauf achten, dass immer Schlupfmöglichkeiten zur Flucht vorhanden und mögliche Fluchtwege nicht verstellt sind. Die Haltung von Zuchtbullen in Ständen oder Buchten mit Absperrungen aus senkrechten Pfosten (Abständen je 30 bis 40 cm) ermöglicht dem Betreuer die Flucht und erleichtert das An- und Abbinden wesentlich.

Weidehaltung:

Treten Sie an Bullen nur dann heran, wenn ausreichende Fluchtmöglichkeiten bestehen – ein Schlepper mit Kabine auf der Weide kann da schon helfen. Bei Arbeiten in der Herde den Bullen mit einer Leitstange fixieren und während der Arbeit sicher anbinden. Leitstange immer von einem sicheren Punkt aus befestigen und lösen. Eine Alternative zur Leitstange bietet ein Fangstand. Das Tier wird hierbei zusammen mit einigen anderen Tieren durch mindestens zwei Personen mit Treibhilfen in den Stand getrieben und dort sicher arretiert.



LSV-Träger Franken und Oberbayern
Referat Öffentlichkeitsarbeit



Offline wannabefree87

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #1 am: 06.02.13, 15:02 »
Was bei den Tipps fehlt, ist, wie man Bullen trainiert und wie man sicherstellt, dass sie Respekt vor den Menschen haben.
Wenn noch jemand daran interessiert ist, können wir ein neues Thema aufmachen.

Offline Kleopatra

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #2 am: 06.02.13, 15:24 »
Da wir Bullen halten und weiden bin ich an diesem Thema sehr interessiert. Vor allem die Aufzucht, da bin ich immer noch am pröbeln. Einerseits möchte ich ein zutrauliches Tier, andrerseits soll er nicht frech. Wie macht ihr das. Ich z.B. verwende einige Zeit um das Tier als Kalb zutraulich zu bringen damit ich ihn nehmen kann, dann als Stier möchte ich ihn auf Distanz halten. So kraule ich ihn nur noch selten und nur wen er im Stall angebunden ist oder allenfalls über den Zaun. Kommt er mir zu nahe gebe ich ihm einen Klapps mit dem flachen Handrücken. Den wir gerade habe ist ein von mir aufgezogenes verschmustes Riesenbaby.

Offline Mathilde

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #3 am: 06.02.13, 16:27 »
Hallo,

ich mag diese vertüdelten Bullen gar nicht. Diejenigen die ich ignorieren kann und die mich ignorieren sind mir die liebsten in meiner Kuhherde. Bis dato hat das mit einigen ganz gut geklappt. Die anderen verreisen sofort auch wenn nur kurz davor ersteigert.
Am unmöglichsten war einer der wirklich von der Frau des Bauern "verzogen" war. Da konnte man zum Schluss fast nicht mehr in die Färsenweide da kam der schon angesaust. Immer nur mit Auto oder Trecker rein  >:( Dann Weideabtrieb und weg den Kerl
Habe jetzt vor 2 Tagen unserm "Mitläufer" die Fahrkarte angeboten.
LG Mathilde
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Marie von Ebner-Eschenbach

Offline Kleopatra

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #4 am: 06.02.13, 17:04 »
Hallo,

ich mag diese vertüdelten Bullen gar nicht. Diejenigen die ich ignorieren kann und die mich ignorieren sind mir die liebsten in meiner Kuhherde. Bis dato hat das mit einigen ganz gut geklappt. Die anderen verreisen sofort auch wenn nur kurz davor ersteigert.
Am unmöglichsten war einer der wirklich von der Frau des Bauern "verzogen" war. Da konnte man zum Schluss fast nicht mehr in die Färsenweide da kam der schon angesaust. Immer nur mit Auto oder Trecker rein  >:( Dann Weideabtrieb und weg den Kerl
Habe jetzt vor 2 Tagen unserm "Mitläufer" die Fahrkarte angeboten.
LG Mathilde

Ja, eben, dass ist auch mein Problem, vertüdelt mag ich sie auch nicht, und trotzdem tappe ich immer wieder in diese Falle weil es mir nicht gelingt diese optimale Mischung zwischen zutraulich und Distanz zu erreichen. Irgendwie kann ich es mir nicht vorstellen wie dann ein Tier reagiert das kein zutrauen zu mir hat. Bei den Mastkälbern gebe ich mir keine Mühe. Eines ist jetzt wieder extrem ängstlich, da bist du lange am pröbeln bist du den Brustumfang messen kannst. Heute war TA da zum spritzen weil er etwas hustet. Na einfangen geht bei 120 kg noch, aber in in eine Ecke drücken, Hals biegen so das Tierärztin in spritzen konnte. Man dann komme ich ins Schwitzen und sehe wie es ist ein ängstliches Tier zu pflegen. Wie reagiert dann so ein Tier wen es ausgewachsen ist?

Der jetztige Zuchtstier war eigentlich auch nicht als Zuchtstier gedacht und wird dann gegen Frühling gehen müssen. Ich habe ihn nur eingestallt weil der 3 Jährige im Herbst seine Hörner am Trac mit mir drauf  :-X wetzen musste. Der Neue, der von Geburt an zum Züchten bestimmt war und von mir schon seit er Kalb war nicht mehr gestreichelt wurde, ist jetzt 16 Monate alt und wird gegen Frühling wohl seinen Posten übernehmen dürfen. Und den wollte ich dann eigentlich behalten. Nasenring hat aber Keiner und am Stab führen tue ich auch Keinen.

Na und  im Januar habe ich einen 16 monatigen zum Schlachten gegeben, der Metzger hat mir danach erzählt der sei ihm einfach vom Treibgang her nachgelaufen. Ist doch auch schön wenn ein Tier so ohne Angst zum schlachten geht. Das spürt nichts Böses und Tschüss.

Offline Mathilde

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #5 am: 06.02.13, 17:34 »
Hallo,

führen tu ich unsere auch nicht aber einen Nasenring haben die schon. Da habe ich einmal in einem Buch gelesen dass der Ring einer das Leben gerettet hat. Der war wohl richtig zutraulich und hat Sie dann eines Tages abgepasst und gegen den Boden gedrückt. Nur mit Mühe und greifen nach dem Nasenring konnte Sie den Kerl dann daran hindern sie zu erdrücken und sich ganz langsam aus dem Gefahrenbereich robben. Krankenhausaufenthalt und gebrochene Rippen inklusive  :o

LG Mathilde
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Marie von Ebner-Eschenbach

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #6 am: 06.02.13, 19:53 »
Meine liebsten und handlichsten Bullen sind die im Kübel 8)

Na ja, irgend wer muß meine Jungspunde auch kaufen.

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Offline martina

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #7 am: 07.02.13, 06:47 »
Na, das war jetzt aber mal ein aussagekräfiger und inhaltsreicher Beitrag zum Thema ::)



Wie man es macht, ist es falsch. Macht man es gleich verkehrt, ist es auch nicht richtig.

Offline Internetschdrieler

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #8 am: 07.02.13, 23:05 »
Na, das war jetzt aber mal ein aussagekräftiger und inhaltsreicher Beitrag zum Thema ::)

Martina, ich wollte damit nur sagen, daß ein Deckbulle in der Kuhherde für mich ein NoGo ist und die Bullen im Stickstoffkübel wesentlich lieber, weil handlicher sind.
Aber ich dann doch wieder froh bin, wenn es Milchviehbetriebe gibt, die mir meine (Zucht)Jungbullen abkaufen, weil jeder ist kein Besamungsbullenkanditat.

Der Allgäuer sagt es manchmal hald mit weniger Worten ;)

Offline Tina

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #9 am: 07.02.13, 23:28 »
Also der Deckbulle bei/zwischen den melkenden Kühen - geht garnicht :-[
Unser Deckbulle läuft zwischen den hochtragenden Rindern und Rindern, die er decken soll. Brünstige Kühe werden dahin gebracht.
Kommt der TA, kommt er in Einzelhaft, und wird er frech, kann er garnicht so schnell gucken, wie er am Haken hängt. Der letzte hat es nicht mal ein Jahr bei uns ausgehalten - wer nicht spurt, muß die Konsequenzen spüren.

Und wenn ich dann les, das man den Bullen trainieren sollte, das er Respekt vor dem Menschen hat, das sträuben sich bei mir alle Haare, das geht nicht. Wenn der erst mal weiß, was er kann, dann ist es Zeit zu gehen.
LG
Tina
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Offline Kleopatra

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #10 am: 08.02.13, 05:44 »
Also der Deckbulle bei/zwischen den melkenden Kühen - geht garnicht :-[
 wird er frech, kann er garnicht so schnell gucken, wie er am Haken hängt.
Wenn der erst mal weiß, was er kann, dann ist es Zeit zu gehen.
LG
Tina

Das ist bei mir auch so. Aber ich würde diesen Moment gerne hinauszögern, meine Frage ist wie? Haltet mich für verrückt, aber dabei schliesse ich von einer Tierart auf die Nächste. In der Welt werden doch verschiedene grosse Tierarten auf irgend eine Weise genutzt. Ich stelle mir z.B. die Pferde vor.

Ein Zuchthengst muss das ja auch lernen. Viele werden jahrelang zum Züchten und zum Reiten eingesetzt. Weshalb klappt beim Hengst was beim Stier nicht klappen soll? 

Wie ist es mit dem Kamelhengsten? Elefanten? Neuweltkamelien?

@Internetschtrieler, also auch ich bin immer wieder froh um die Bullen in der Dose, vor allen wen ein Stier früher als geplant gehen muss, dann bestell ich auch mal gerne wieder einige Wochen den "Köferlimuni".

Offline martina

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #11 am: 08.02.13, 06:53 »
Ob ein Deckbulle in der Herde läuft oder nicht, darum geht es doch in diesem Thema gar nicht. Hier geht es darum, wie man die Bullen so zutraulich bekommt, dass sie sich vernünftig händeln lassen, beim Führen auf Schauen z.B., aber eben soviel Respekt und Abstand zum Menschen behalten, dass sie nicht gefährlich werden, weil sie einen beim Schmusenwollen erdrücken?

Wie man es macht, ist es falsch. Macht man es gleich verkehrt, ist es auch nicht richtig.

Offline Mathilde

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #12 am: 08.02.13, 07:16 »
Hallo,

danke Martina, genau darum geht es. Auch der "Samenspender" muss sich ja händeln lassen oder macht man das bei Internetschdrieler mit Telepathie? ;)
Irgendwie muss der Samen ja auch in den Kübel.

LG Mathilde
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Marie von Ebner-Eschenbach

Offline Kleopatra

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #13 am: 08.02.13, 10:10 »
Hallo,

danke Martina, genau darum geht es. Auch der "Samenspender" muss sich ja händeln lassen oder macht man das bei Internetschdrieler mit Telepathie? ;)
Irgendwie muss der Samen ja auch in den Kübel.

LG Mathilde

Stimmt eigentlich, nur das ich als Kuhhalterin in diesem Falle die Gefahr delegiere. Wen ich mich an meine Kindheit erinnere. Früher gab es kein KB, dann brachte man die brünstige Kuh zum Stierenhalter, meistens am Abend durfte eines der Kinder den Vater 1 h den Berg hinauf begleiten. Dort hat man wie heute in den KB Stationen einen Lockbullen  die Kuh in einem Stand fixiert und der Stierenhalter hat den Stier während dem Decken gehalten. Ich habe mich damals als Kind überhaupt nicht bedroht gefühlt.  Klar, der Stier hatte einen Nasenring. Und wen er frech wurde musste er gehen. Der Stier wurde aber im Anbindestall gehalten und kam nur geführt zum Decken oder mal zum spazieren ins Freie. Das ist heute nicht mehr Tierschutzkonform.

Gab es eigentlich damals auch so viele Unfälle? Ich meine gelesen zu haben, das die Stierenhaltung mit den neuen Tierschutzvorschriften gefährlicher geworden ist.

Offline Daggl

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Re: Richtiger Umgang mit Bullen - Infos von der BG
« Antwort #14 am: 08.02.13, 11:33 »
 Am besten schon mit den ganz kleinen Stieren das Führen üben. hab ich früher bei einem Betrieb, bei dem ich immer geholfen habe mit meiner Freundin sehr gerne gemacht. Wir sind dann mit denen schön spazieren gegangen, hat viel Spaß gemacht. Ab spätestens 1 jahr brauchen sie einen Nasenring. Wenn sie das Führen schon kennen, dann lassen sie sich in der Regel ganz gut führen. Ich hab auch schon Wartestiere (als es das noch gegeben hat) an einer Tierschau geführt (da war ich glaub ich 16 oder so) die warn ganz brav. Wobei ich aber immer Respekt (nicht Angst!) vor Stieren hab, und es gibt auch da ganz verschiedene Charaktäre.
Viele Grüße, Dagmar

Jesus verspricht: Ich bin bei euch alle Tages eures Lebens bis ans Ende der Zeit (Mt 28,20)

 


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