
Jaja, es ist mal wieder Fastenzeit angesagt . Hier ist zwar alles nicht so schlimm, weil ich in der tiefsten Diaspora lebe, aber dafür war der letzte katholische Platzhalter im Pfarramt Nigerianer. Der hat sich allen Ernstes für einen Revanche- Missionar gehalten und sich dabei durch und durch tiefdunkel angehört, aber das ist letztlich auch kein Grund gewesen, schwarz zu sehen – zumindestens bei öffentlichen Veranstaltungen wie Schützen- oder Altstadtfesten. Dort pflegte er immer in Stammestracht bunt zu schillern – es fehlte eigentlich nur noch eine richtige Maske über den Kopf. Aber das gehört wohl eher in den Karneval. Wobei ich nicht nur am Karnevalsatlas, sondern auch anhand von beobachtetem Interesse nebst Reaktionen auf mein Kabarettprogramm gestehen muss, dass in katholischen Gegenden und Gruppierungen der Sinn für Humor ausgeprägter zu sein scheint als hier. Die haben es wahrscheinlich nötiger. Wer protestiert, hat zudem offenbar keine Zeit zum Lachen.
Jetzt aber zum Fasten und damit zum Verzicht: Da bleibt nicht viel übrig, denn Rauchen, Naschen, Saufen, BigBrothergucken, Partymachen und Urlauben tu ich schon mal nicht. Trendy beraten und beschneiden lasse ich mich auch nicht: Feng- Shuizen, Normtypistinnen, Schönheits-, Fitness- , Diät- und Ernährungsergänzungsapostel ernten höchstens ein freigelegtes Schlupflid. Bei Anlageberatern reagiere ich erwartungsgemäß und lege prompt die Ohren an – damit der Wortschwall besser an mir vorbeiziehen kann.
Was bleibt da übrig?
Nun ja – Beifall von Leuten, die mich bewundern, wenn ich stur seit 9 Monaten täglich bei einigermaßen gutem Wetter meine Laufrunde durch die Gegend drehe. An meinem Programm haben dieselben Gaffer kein Interesse. Eineinhalb Stunden freier Vortrag mit Gesang kann gegen eine Stunde im Hamsterrad nicht anstinken. Es sei denn, ich würde im Hamsterrad auftreten und dabei den Vortrag von Auftritt zu Auftritt verkürzen – für das Guinessbuch in der Kategorie „5000 (Worte) – 1000 (Takte) – 10 (Kilometer)“ Dann würden sich die Veranstalter bestimmt um mich reißen.
Womit ich bei der zweiten Verzichtsmöglichkeit angelangt wäre: Unprofessionelle und halbherzige Veranstalter und solche, die sich vorher nicht richtig informieren , obwohl ich mittlerweile sämtliche Blätter weit weg puste, damit keins auch nur in Versuchung kommt, sich auf meinen Mund zu legen. Ich kann das dann nämlich ausbaden, wenn kein Hamsterrad auf der Bühne steht und mein Vortrag zu langsam ist, um nicht bei der Unterhaltung zu stören. Oder wenn gerade eine Denkpause eintreten sollte, die das Publikum womöglich polarisiert.
Im dritten Verzichtskistchen stecken Urkunden – besonders solche für langjährige Zugehörigkeit in Familie, Verein, Kirche oder Betrieb.
Aber warum mach ich mir eigentlich einen Kopf? Kommt Fasten eigentlich nicht von „Fast eaten“? Heißt das nicht, dass man da nur Fast - Food zu sich nehmen darf? Dann will ich den Fastenfreaks gern behilflich sein und selbst weiterhin darauf verzichten.
Carmen Caimanowa