Autor Thema: Was kommt nach der Hofaufgabe  (Gelesen 10467 mal)

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Online suederhof1Topic starter

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Was kommt nach der Hofaufgabe
« am: 02.08.16, 12:16 »
Überall hört man von Hofaufgabe, Verkauf der Tiere oder es gibt keinen Hofnachfolger um in den Betrieb grossartig zu investieren. :'(

Nun frag ich mich, was passiert dann ?
Womit verdiene die Landwirte und ihre Familien ihr Geld.
Viele sind ja nicht im Rentenalter. Was haben sie sich für Perspektiven erhofft oder welche haben sich ergeben ?
Allein vom Verpachten oder Verkaufspreis kann man ja nicht nur leben.

Und wie sieht es Zwischenmenschlich aus?
Sind alle Beteiligten mit der/den Entscheidung/en zufrieden ?




Offline Wiese

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #1 am: 02.08.16, 12:38 »
Wir sind auch am Überlegen die Hofaufgabe schneller zu vollziehen als ursprünglich geplant. Momentan ist nichts mehr zu verdienen, als nur umsonst zu arbeiten. Auflagen werden immer üppiger und oft nicht nachvollziehbar. Und kleinere Betrtiebe sind bei uns hier alle Auslaufmodelle.
 Da wir im Nebenerwerb sind haben wir noch ein zweites Standbein, mein Mann geht zur Arbeit und in einigen Jahren zur Rente. Bis dahin versuchen wir uns noch durch zu bringen und dann den Hof an Sohnemann zu übergeben.
Wird nicht leicht sein für ihn, nur mit der Außenwirtschaft neben seiner Arbeit alles zu bewältigen. Solange wir noch können, kann er mit unserer Hilfe rechnen. Und was er dann macht, ist seine Entscheidung.
Und wie es uns mit der Entscheidung letzt´s endlich geht, das müssen wir herrausfinden oder werden wir erleben.
Wer sich heute freuen kann,soll nicht bis morgen warten.
                     " Pestalozzi "

Online suederhof1Topic starter

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #2 am: 02.08.16, 12:51 »
OK Nebenerwerb ist klar, hoff ich jedenfalls.

Aber die im Haupterwerb Landwirte sind, was machen die in der Zukunft?
Stempeln gehn (salopp gesagt) oder auf anderen Betrieben angestellt.?
Geht die Frau ganztags Arbeiten und Haushalt und Kinder bleiben beim Vater?

Es sind doch andere Voraussetzungen da, wie bei "normal" Berufstätigen.
Da soll doch gerne eine Arbeitsstelle schon mal in Aussicht ein.
So eine Entscheidung fällt man ja nicht so schnell und ist auch nicht ganz einfach.

Offline Marina

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #3 am: 02.08.16, 14:17 »
Das ist etwas, was mich auch interessieren würde.
Wir haben Haupterwerb, sind 57 und 54 Jahre alt, also noch lange keine
Aussicht auf Rente. Der Hof wird einmal nicht weiter gehen, massig Eigentum
zum Verpachten haben wir auch nicht. Ein wirklich schwieriges Thema im Moment.

Gruß
Marina

Offline Ingrid2

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #4 am: 02.08.16, 14:36 »
Mein Mann und ich sind 53 und 55 Jahre alt. Unser Hof wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht weitergehen. Wir haben einen gut laufenden Betrieb mit Direktvermarktung usw., wir können nicht klagen. Wir verstehen aber auch, dass unsere Kinder nicht weitermachen wollen. Es wird in den letzten Jahren immer schwieriger, mit den Auflagen auf dem Laufenden zu bleiben. Immer mehr Vorschriften, immer mehr Dokumentationen, mit der Zeit bleibt die Lust an der Arbeit auf der Strecke. Es sind nicht die Kunden die die Arbeit so mühsam machen, sondern unsere Behörden. Und deshalb schauen wir, daß wir uns ein finanzielles Polster erarbeiten, damit wir in Rente gehen können. Was dann mit dem Betrieb tatsächlich wird, das kann ich heute noch nicht abschätzen. Wir wollen beide nicht weg vom Hof, es ist schwierig. Verkaufen oder verpachten geht also nicht, wir werden wohl "stillegen". Was dann mit den großen Gebäuden mal wird, das bereitet mir schon etwas Bauchweh.


Offline gammi

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #5 am: 02.08.16, 15:17 »
Bei größeren Betrieben/Gebäuden stellt sich dann ja meistens auch die Frage, wie sie sich später sinnvoll nutzen lassen.
Auch Laufstall-Kühe geben gute Milch

Offline Marina

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #6 am: 02.08.16, 15:30 »
Und bei vielen und alten Gebäuden, die teils auch noch unter Denkmalschutz stehen,
stellt sich zudem die Frage: wie und womit erhalte ich die Gebäude.

Offline martina

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #7 am: 02.08.16, 15:50 »
Versicherungen müssen in jedem Fall weiterlaufen. Und Umnutzen alter Gebäude geht auch nicht so ohne Weiteres, dann meldet sich der Fiskus nach der Nutzungsänderung. Da können schon die berühmten untergestellten Wohnwagen teuer werden.


Wir haben uns von einem Teilbetrieb getrennt, bzw. den Betriebszweig "Milchvieh" aufgegeben. Das war aber abzusehen, dass dieser Zweig irgendwann mal auslaufen würde, weil wir eben auch Anbindehaltung hatten und nur kleine Quote, aber alten arbeitsreichen Stall. Ich war daher eher erleichtert, als mein Mann im Herbst von der Molkereiversammlung kam und sagte, "Schluß aus, es reicht!" Unsere Kühe und Rinder sind an einen Kollegen 2 Orte weitergegangen, der gerade ausgebaut und aufgestockt hat. Da könnten wir unsere Kühe sogar immer besuchen, wenn wir das möchten.
Die Milch war aber nie unser wichtigstes Standbein, die Kühe waren halt immer da und wurden mitbetreut. Im Dezember hat mein Mann das letzte Mal gemolken und seit dem genießt er, sich seine Tage arbeitsmäßig komplett anders einteilen zu können. Morgens einmal bis 7 Uhr liegen zu bleiben, wenn es abends spät geworden ist, tut ihm auch gut.

Nein, Milchgeld kommt nicht mehr, aber auch keine Kraftfutterrechnungen, kein Tierarzt, kein Schroter und all die anderen Ausgaben, die für die Kühe nötig waren.
Das Amt des Moderators: Wie man es macht, ist es falsch. Macht man es gleich verkehrt, ist es auch nicht richtig.
Ich mag Euch trotzdem.

Offline Doris70

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #8 am: 02.08.16, 16:06 »
Mich würd ja mal eine Karte interessieren, auf welcher (Stand 2010 oder so) die Landwirtschaftlichen Betriebe eingezeichnet sind und eine, mit Stand 2017, wie schauts da in Bayern aus??

Ich für meinen Teil würde den Stall gerne behalten und Hühner oä drin halten. Gatte schwebt aber ein Leben ohne "angehängt sein" vor.

Unsere Landwirte haben doch alle eine solide Ausbildung! Das Problem liegt m.E. nicht nur an fehlenden Jobs, sondern auch: immer eigener Herr gewesen und nun plötzlich einen Chef haben? Da seh ich viele Probleme!

Aufhören tun hier bei uns die, die in Rentenerwartung stehen oder die noch ein zweites Standbein haben. Aber Vollerwerbler, die noch weit von der Rente sind ...die mühen sich weiter ab.

Gruss

Doris

Offline gammi

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #9 am: 02.08.16, 16:22 »
Die meisten haben aber "nur" eine landwirtschaftliche Ausbildung, d.h. sie bekommen auch "nur" einen (schlechter bezahlten) Hilfsarbeiterjob, da ohne entsprechende  Ausbildung.

Für Frauen ohne Berufserfahrung in anderen Bereichen gestaltet sich die Job-Suche auch recht schwierig.

Auch Laufstall-Kühe geben gute Milch

Online Annette

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #10 am: 02.08.16, 16:52 »
Das ist etwas, was mich auch interessieren würde.
Wir haben Haupterwerb, sind 57 und 54 Jahre alt, also noch lange keine
Aussicht auf Rente. Der Hof wird einmal nicht weiter gehen, massig Eigentum
zum Verpachten haben wir auch nicht. Ein wirklich schwieriges Thema im Moment.

Gruß
Marina

Könnten wir sein.

Dazu kommt meine pflegebedürftige SM, die mich daran "hindert", in Teilzeit zu arbeiten. Davon mal ganz abgesehen, das die Jobs, die man könnte und möchte auch nicht so auf der Straße liegen. Und genaugenommen ist man in der Arbeitswelt mit 54 auch schon alt, auch wenn ich rein theoretisch noch bis 67 arbeiten müsste. Göga ist 58, das gleiche in grün.

Wir sind von Vorranggebieten für Windkraft umzingelt bzw. liegen z. T. mit unseren Flächen darin und hoffen noch darauf, dass wir von dem Kuchen ein Stück abbekommen. Dann würden unsere Milchkühe auch wandern. Aber so recht daran glauben tun wir nicht. Also sehen wir zu, dass wir irgendwie die Runden kommen.

LG Annette
Lieber auf neuen Wegen stolpern, als in alten Bahnen auf der Stelle treten. (H.Hesse)

Offline Mathilde

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #11 am: 02.08.16, 18:16 »
Hallo,

da gibt es ja auch ganz verschiedene Gründe.
Teilaufgabe, also aufgeben eines Betriebszweiges ist ja was ganz anderes wie eine komplette Auflösung des Betriebes.
Bei letzterem ist ja auch ganz viel Geld für das Finanzamt vorzuhalten da sind die Steuerberater dann ordentlich gefordert.
Man kann Höfe komplett verkaufen und dann etwas ganz anderes machen und auch wo anders wohnen.
Man kann aber auch nur verpachten was sich wiederum nicht rechnet wenn sich dabei die Darlehen nicht durch die Pacht tilgen denn ich geh doch nicht auch noch arbeiten für betriebliche Investitionen die dann ohne Zweck da stehen.
Wir könnten z.B. den kompletten Hof verkaufen und von dem was übrig bleibt in einen kleineren Hof für ein paar Pferde am Bodensee investieren - das ist dann aber nicht an Nachfolger gedacht.
Ich könnte hier so viele Überlegungen schreiben aber mir schwirrt da der Kopf. Erstens weil ich das nicht will den Hof aufgeben. Zweitens weil wir da auch keinerlei Veranlassung dazu haben ausser Krankheit und Alter.
Bei mir würde dabei sicherlich auch die Familie oder besser gesagt dann meine Ehe zerbrechen denn meinen Mann halte ich so wie er grad ist nicht den ganzen Tag in einer Wohnung aus.......... ::) da flücht ich lieber.
Wenn das der Fall wäre dann würde ich zu meiner Mutter in die Einliegerwohnung ziehen und einen privaten Dienst aufmachen für Ältere. Sehe das doch an meiner Mutter, noch mobil aber eben nicht mehr in der Lage den Garten zu machen oder das Haus in Ordnung zu halten. Für alles braucht Sie jemand und gegen Anmeldung und legale Beschäftigung da kriegst ganz wenig Leute..........die meisten wollen das so.
Bei einer Bank brauch ich mit Sicherheit nicht mehr anklopfen.  Höchstens zum melken kann man sich noch was suchen da werden gute Leute immer noch händeringend gesucht und auch gut ausgebildete Landwirte haben durchaus eine Chance.
ui heute bin ich wieder wirr im Kopf  :o

LG Mathilde
Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins

Marie von Ebner-Eschenbach

Offline Mattea

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #12 am: 02.08.16, 20:09 »

Nachdem der Landwirt hier in Deutschland eh ganz unten angesiedelt ist, was Ansehen des Berufes betrifft, werden viele jüngere die Herkunft verschweigen und zusehen, dass sie andere Berufe finden.

Gruss

Doris


Das wird wohl noch schlimmer werden und das macht mir große Sorgen.

Der Landwirt nur noch als Subvenstionsempfänger, wo für nix arbeiten viel Geld bekommt,.... der Tierquäler und gieriger Massentierhalter, Giftspritzer,... Umweltzerstörer mit großen Auto und ständig neuen glänzend und immer größerwerdenen Traktoren,.... 

Der Landwirt ist soo gierig und versteht nicht das Landwirtschaft und landwirtschaftlichen Flächen auch der Allegemeinheit zur Verfügung zu stehen haben, schliesslich zahle man auch Steuern und wegen Subventionen, der Bürger hat eh ein Recht, auf Wiesen zu campen, grillen, Hund gassi führen, Streuobstwiesen zu plündern, Maiskolben raus zubrechen und was sonst noch gerade herum wächst usw....
oder haben sie mal ein Bündel Stroh,......ach was dafür wollen sie noch Geld.....

alles schon gehört und erlebt.
« Letzte Änderung: 02.08.16, 20:21 von Mattea »

Offline Doris70

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #13 am: 02.08.16, 20:29 »
Landwirtschaftsmeister ist schon eine solide "Ausbildung" - nix mit Hilfsarbeiter!
Aber bei der ganzen Hofaufgabe ist ja auch noch zu bedenken:

ICH bin der, der einen Hof, der über Generationen für den Lebensunterhalt gesorgt hat, "an die Wand fahre". ICH bin der, welcher das Andenken der Ahnen nicht mehr aufrecht erhalten kann:
"was Du ererbt von Deinen Vätern, erwirb es um es zu besitzen" kommt nicht von ungefähr.

Dies ist ja noch ein Punkt, der an vielen nagt!

Gruss

Doris

Offline Mattea

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Re: Was kommt nach der Hofaufgabe
« Antwort #14 am: 02.08.16, 20:32 »
Was kommt nach der Aufgabe,...

ich hab mich das auch schon gefragt, ob es hier weiter geht, ich weiß es nicht.

Auf der anderen Seite, schon 35 Jahre gebuckelt und was bleibt ist nicht so rosig, schon traurig.

Dann noch in der Gesellschaft so verachtet, als wir einen Teilbereich im Betrieb aufgeben mussten, aufgrund eines Krankheitsfalles,...... mussten wir uns sagen lassen,... schliesst ihr wegen Reichtum, hab ihr es nicht mehr nötig,..... ich darf gar nicht daran denken, war eine furchtbare Zeit.
Manchmal wünschte ich mir ich hätte soviel auf der hohen Kante und könnte nur noch Selbstversorgung betreiben.  Geht leider nicht, der ganze Motor Betrieb kostet halt jeden Monat einiges. 
Nicht alles so rosig und einfach wie in den Landlustzeitungen (die wie Pilze aus dem Boden geschossen sind), das Landleben verkauft wird. Mit Strohhut, Milchkännchen und Weidenkorb mit Obst und Gemüse,...

 


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