Hallo,
hoffentlich kommt das nicht doch wieder so weit, dass die in Streik treten.
Mir reicht es ganz ehrlich noch von der letzten Aktion. Seither hängt bei uns der Dorfsegen mächtig schief. Und irgendwie kann ich auch nicht über meinen Schatten springen. Die Nachbarn, (leider Leute die nur aus Höfen stammen und selber gar keine Landwirtschaft haben) hatten damals mit uns echt so was wie ein Kesseltreiben veranstaltet und jene, die sich mit der Materie vorher gar nicht beschäftigten, gegen uns aufgehetzt und aufgefordert uns nicht mehr zu grüßen. Der Grund war, weil wir nicht solidarisch waren und weder streiken wollten, noch konnten.
Und jetzt macht man wieder freundliche Miene und schleimt mich an.
Ich bin seither sehr distanziert.
Mir kam das damals vor wie der Mopp, der sich im dritten Reich gegen Nichtarier und Juden verschworen hatte. Da war man auch sofort und kritiklos dabei. Seit dem Milchstreik, der natürlich nicht mit meinem letzten Beispiel vergleichbar ist, habe ich eine Vorstellung davon wie leicht so eine Gesellschaft zu beeinflussen ist und wie die alle sofort in eine Richtung bereit sind zu laufen.
Bis zum Zeitpunkt des letzten Milchstreiks dachte ich immer in einem demokratischen Staat zu leben. Ich wurde Besseres belehrt!
Man darf nicht selbst entscheiden sein Produkt weiter abzuliefern. Wenn man aus der Menge ausbricht beginnt ein Spießrutenlauf. Dabei frage ich mich heute noch ob es rechtens ist die Andienungspflicht zu verletzen. Man hat ja einmal mit der Molkerei diesbezüglich einen Vertrag gemacht....
Zudem ist es für mich zwar keine ethisch nicht vertretbare Sache seine Milch auf Feldern einzusetzen, bzw. der Gülle zuzuführen. Jedoch habe ich damals mit Sorge beobachtet, ob das im Aspekt des Umweltschutzes überhaupt vertretbar ist.
Fett und Eiweiß! - Dafür hat man in Metzgereien Fettabscheider, dass diese Rohstoffe nicht so ohne weiteres in die Kanalisation kommen können. Hier wäre es plötzlich in Ordnung....

Zu sehr ist uns aufgefallen wie sehr man doch mit der Gemeinschaft, die für uns Bauern die Verträge mit den Molkereien machen doch gebunden ist und keine eigene Entscheidungen treffen kann.
Hat uns veranlasst nach langer, langer Überlegung frei zu werden und haben uns von unserer MEG losgesagt.
Weit vor dem Streik waren wir schon einmal dagestanden und wir hätten mit unserer Morkereigenossenschaft nach Italien gehen sollen. Ich war mit jemand, der das verhindert hat und hab mir nur Feinde gemacht. Hinterher ging das bei den anderen mit der Italienlieferung mächtig in die Hose. Die Bauern bekamen zu Anfang nicht mal Milchgeld! Was war unsere Molkereigenossenschaft froh, diesen Weg nun doch nicht gegangen zu sein. Gehört hab ich aber kein Wort der Entschuldigung von jenen die uns bezichtigten ihnen in ihrer Entscheidung in den Rücken gefallen zu sein und die damals gesagt hatten bei solchen Entscheidungen würden sie uns vorerst gar nimmer informieren sondern einfach ohne uns zu fragen den geplanten Weg gehen...
Sorry, dann brauch ich so eine Vereinigung auch gar nicht wo ich "0" Mitspracherecht bekomme...