Ich habe noch nie in der Stadt gelebt, so gesehen fehlt mir der Vergleich.
Mir gefällt das Leben auf dem Land, wobei ich meiner schweizer Berufskollegin Recht geben muss, dass die Träume der Landlust mit dem Leben vom Hof nicht so ganz beieinander sind. Von Herausforderungen mit dem Wetter abgesehen, manchmal scheint es mir, als würden ganze Branchen daran arbeiten, von der Landwirtschaft einigermaßen gut zu leben, den Bäuerinnen und Bauern ihre Tage mit immer noch mehr Kontroll- und Schreibaufwand zu versüssen. So nach dem Motto, wenn der Tag nicht reicht, es gibt auch noch das elektrische Licht.
Hab vor einigen Jahren auf der Scheune eines Betriebes einen Spruch gelesen: Von der Lust auf dem Land zu leben und von der Kunst, davon zu leben.
Die Landzeitschriften scheinen die Sehnsucht nach Einfachheit, nach Überschaubarkeit, nach Nähe zur Natur und ein Eingebettetsein in die Vergangenheit in den Menschen, wohl besonders bei Frauen zu bedienen. Aber wenn diese Sehnsucht nicht da wäre, würden die Zeitschriften nicht wie die Pilze aus dem Boden schiessen.
Plötzlich ist es wieder in Marmelade zu machen, zu kochen, das Haus mit Naturdeko zu schmücken, vieles selbst zu machen.
Eigentlich alles Dinge, die auf den Höfen teilweise einfach dazugehörten.
Manufaktum bedient diesen Trend aufs Teuerste, selbst der kleine Hühnerstall für die nestwarmen Eier und dem glücklichen Hühnerleben ist für viel Geld käuflich und es muss kein Traum bleiben.

Ja, ich lebe sehr gerne auf dem Land, bin froh, dass ich dem Shoppingdiktat eher aus dem Weg gehen kann, es ist sicher aufwendiger ein Konzert, ein besonderes Theaterstück zu erleben, aber mit etwas gutem Willen gelingt das auch.
Ich schätze den Blick in die Weite und nicht gleich zur nächsten Mauer, den Garten so bewirtschaften zu können, wie ich mir das Vorstelle und nicht so wie ich es von vielen aus den Siedlungen mitbekomme, gleich mit Blicken und blöden Kommentaren bewertet zu werden.
Einen Nachthimmel mit Sternen auch noch wirklich zu sehen, das fällt mir immer im Winter auf, ohne durch die vielen Strassenbeleuchtungen belichtet.
Den Grossteil des Essens persönlich zu kennen, eingebetet in die Jahreszeit zu sein, zu wissen, dass die Bäume nicht in den Himmel wachsen, das Werden, Wachsen und Vergehen Teil des Lebens sind, das sind für mich die Vorteile des Landlebens.
Eine gute Beziehung zu den Nachbarn zu haben, zu wissen, dass man sich aufeinander verlassen kann und zum Glück aber nicht so eng aufeinander zu hocken, die neuen Siedlungen mit ihren Bodenspareffekten- da muss die nachbarliche Chemie schon sehr viel aushalten.
@fanni, vor ein paar Jahren war ein Vortrag von Alois Glück über das Leben im Alter in der Stadt - auf die Zukunft bezogen, das waren alles schöne Konzepte, aber auf meine Frage, wie sie das Leben im Alter auf dem Land auf die Zukunft bezogen sehen, bekam ich keine Antworten.
Am Samstag war in unserer Tageszeitung über eine Frau, die 1o8 Jahre alt wurde, auf dem Hof, auf dem sie eingeheiratet hat, noch immer lebt und von der Familie versorgt wird, sie hat die Urenkel noch mit dem Kinderwagen geschoben.
Zeitgleich der Trend berufsmässig immer mobiler zu werden- und die eine oder andere leise Stimme, dass die Pflegedienste mit der Herumfahrerei in die Pampa soviel Zeit verlieren- dass es doch besser wäre, dass sie zusammengefasst würden-
zeigt, dass das Altern auf dem Land wohl einige Herausforderungen zu bieten hat.
Ich hab mich schon oft gefragt,, wieviele Leser aus der Landwirtschaft Landlust und Co lesen- die Unterschiede zwischen diesen und den landw. Fachzeitschriften sind schon gewaltig.
Da liegt auch eine Gefahr, die Spannbreite zwischen dem Traum vom Landleben und das, was uns als die Zukunft der Landwirtschaft beschrieben wird- die wird immer grösser.
Hoffentlich hält die Landwirtschaft der Zukunft das mal aus.
Herzl. Grüsse
maria