"Sau"guter Kommentar im "Spiegel. Wenn ich nicht so neugierig wäre, würde ich es langsam nicht mehr anschauen
http://www.spiegel.de/kultur/tv/0,1518,796433,00.html08.11.2011 "Bauer sucht Frau"-Kolumne "Ich bin die Königin dieses Feldes!" Von Arno Frank
Welche Dame darf beim Bauern in die Badewanne? Was passiert nachts auf dem Scheunenboden? In unserer "Bauer sucht Frau"-Kolumne ordnen wir die aktuellen Ereignisse für Sie ein. Diesmal: Rolf muss den Wagenheber noch drinlassen.
Angeblich kommen regelmäßig gut gelaunte Menschen zusammen, um im Fernsehen gemeinsam irgendeinen fahrlässigen Quatsch anzuschauen.
Das ist natürlich eine Propagandalüge. Niemand will vorbeikommen und "Bauer sucht Frau" sehen. Es ist ein einsames und entsprechend armseliges Vergnügen, vergleichbar dem Verzehr einer Tüte Kartoffelchips. Macht nicht satt, sondern erst Sodbrennen und später Pickel.
Womöglich liegt das an den Geschmacksverstärkern. Kaum ein Satz, kaum eine Szene und gewiss kein Sentiment, das nicht verdoppelt und verdreifacht würde. Lässt etwa der Uwe die Iris mit dem Trecker fahren, dann erklingt erstens "Drive My Car" von den Beatles, wird zweitens das Offensichtliche aus dem Off leicht überzuckert kommentiert ("Gefühlvoll setzt Iris das mächtige Gefährt in Bewegung") und drittens das ganze Spektakel nochmal in Zeitlupe wiederholt.
Gleich danach lässt sich Iris von der Baggerschaufel hochheben, Celine Dion singt "My Heart Will Go On", und Iris ruft tatsächlich nach Kräften, die Arme weit ausgebreitet: "Ich bin die Königin dieses Feldes!"
Weniger romantisch geht es bei Rolf und Silvia zu. Auch hier wird eine Treckerfahrt "in die Tat umgesetzt". Angeblich ist es aber gar so heiß, dass Silvia angeblich lieber im BH fahren will. Sehr zur Freude von Rolf, der spontan die Digitalkamera zückt und sich mehr als ein Bild macht von Silvia und ihrem "Getriebe", womit er ihren "Hintern" meint.
Da knistert's, und so werden noch mehr Metaphern aus dem Bereich der Kfz-Mechanik rausgekramt: "Mein Wagenheber inne Hose, der hätte fast schon einen Trecker hochgehoben." Der anschließende Dialog allerdings spielt überraschend auf die Geschichte der Befreiungskriege an: "Willst du noch mehr ausziehen?" - "Na, so schnell schießen die Preußen noch nicht" - "Im Münsterland schießen sie schon!" -"Beruhig dich, ruhig, Brauner". Tatsächlich wurde das Münsterland 1815 von den Preußen kampflos eingenommen. Zufall?
Das war's auch schon an Höhepunkten. Thomas und Diana turteln händchenhaltend hinter den Pferden her und wollen gemeinsam abspecken, um gemeinsam möglichst alt zu werden. Vorher gibt's aber noch eine Sahnetorte ("Yummy yummy yummy I got love in my tummy").
Auch die beiden tendenziell eher homosexuell veranlagten Kandidaten Veit und Philipp enttäuschen weiter. Zwar darf Veit einen Pfahl in die Erde hämmern, ansonsten herrscht gähnende Züchtigkeit. Philipp "sucht das Gespräch" mit seinem Vater Hans-Uwe, Veit "sucht das Gespräch" mit Philipps Mutter Elke. Beide finden alles total natürlich und normal ("I can't live if living is without you").
Inge will ihrem Friedrich die Kartoffeln in der Mikrowelle zubereiten, aber er steht nicht so auf diesen "Strahlenmist". Statt "Erdäpfel" hört er "Erpel" und hat das offenbar "akustisch nicht ganz vorschriftsmäßig verstanden". Inge will spazierengehen, und aus purer Renitenz und Langeweile einigt sich das Paar auf einen gemeinsamen 100-Meter-Lauf. Es läuft? "Die schnellste Maus von Mexiko". Leichtes Sodbrennen.