Autor Thema: Biogasanlagen - Fermenter: Bei Reinigungsarbeiten droht Lebensgefahr  (Gelesen 3562 mal)

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Biogas-Fermenter

LBG warnt: bei Reinigungsarbeiten droht Lebensgefahr


Etwa alle drei bis fünf Jahre  - je nach Art und Menge der Substratablagerungen – müssen die Fermenter von Biogasanlagen gereinigt werden. Für viele Betreiber stehen diese Arbeiten in naher Zukunft zum ersten Mal an. Erfahrungen zu dieser schweren und auch gefährlichen Aufgabe gibt es noch kaum. Ein Biogasanlagenbetreiber aus Oberfranken hat deshalb die Reinigung seines Fermenters an eine Spezialfirma übertragen.  Gernot Sühler, Diplom Chemiker und zuständiger LBG-Sicherheitsberater war während der Arbeiten mit mehreren Gasmessgeräten vor Ort.

Bereits einen ganzen Tag lang hatten Gebläse dafür gesorgt, dass Frischluft in den leergepumpten sechs Meter tiefen, rund 800 Kubikmeter fassenden Behälter geflossen ist. Am Morgen des vereinbarten Tages überzeugte sich Gernot Sühler, dass der Einstieg in den Fermenter gefahrlos möglich sein würde. „Laufende Gasmessungen mit mehreren unabhängig von einander arbeitenden Messgeräten unmittelbar vor Arbeitsbeginn zeigten, dass die Gaskonzentration in der Raumluft des Behälters unter den gesetzlich festgesetzten Grenzwerten lag“, führt er aus. 

Mittlerweile waren auch die Mitarbeiter der Entsorgungsfirma eingetroffen und bereiteten sich auf ihren Einsatz vor. Professionelles Gerät hatten die Männer im Gepäck. Sorgfältig wurden die notwendigen Sicherungsmaßnahmen durchgeführt, die Arbeit konnte bei stetig laufender Gasmessung beginnen. Doch kaum hatten die Männer in der auf rund 40 Grad aufgeheizten Grube mit ihrer Arbeit begonnen, lösten die Messgeräte Alarm aus. Ein schriller Ton und blinkende Lichter machten unmissverständlich darauf aufmerksam, dass die Gase im Behälter eine gefährliche Konzentration erreicht hatten. Sofort wurden die Arbeiter nach oben beordert.

Was war passiert?

„Wir mussten feststellen, dass beim Reinigen des Fermenters, insbesondere beim Lösen der Sedimentreste durch unter Druck stehendem Wasser laufend neue Gase freigesetzt wurden. Insbesondere handelte es sich hierbei um den bereits in geringsten Konzentrationen lebensgefährlich wirkenden Schwefelwasserstoff (H2S) sowie um den stark reizenden Ammoniak (NH3). Durch die Bewegung in der Grube wurden diese aufgewirbelt. Die Arbeiter standen also unversehens innerhalb von nur einer Minute in einer Wolke von Gasen in einem höchst gesundheitsschädigendem Ausmaß. Wie hoch die Konzentration wirklich war, ließ sich nicht mehr nachvollziehen, denn die Skala der Messgeräte war für diese Mengen nicht mehr ausreichend. Auf jeden Fall lag sie über den zulässigen Arbeitsplatzgrenzwerten“, so Gernot Sühler

Unglaublich: Dass die Gaskonzentration innerhalb einer Minute  einen nahezu tödlichen Bereich angenommen hat, hatten die Arbeiter in der Grube nicht bemerkt! Keiner von ihnen hätte die Arbeit von sich aus zu diesem Zeitpunkt unterbrochen.

Stundenlang wurde nun versucht, durch das Einbringen von Wasser und durch Belüften die Gaskonzentration wieder auf ein ungefährliches Maß abzusenken – ohne Erfolg! Ständig wurden neue Gase freigesetzt, die ein erneutes Betreten der Grube unmöglich machten. Die stetig laufenden Messgeräte warnten lautstark.

Fazit: Ein gefahrloser Einstieg für Reinigungsarbeiten in einem Biogas-Fermenter ist ohne ein Frischluftdruckschlauchgerät nicht möglich!

Ein Frischluftdruckschlauchgerät ist ein Atemschutzgerät, das den Träger ständig mit Frischluft aus dem Außenbereich versorgt und verhindert, dass gefährliche Umgebungsluft eingeatmet wird. Die Gefahr, die von den Güllegasen ausgeht, darf keinesfalls unterschätzt werden.

Die Sicherheitsberater der LBG empfehlen unbedingt, diese Arbeiten an Fachfirmen zu vergeben,

Sie haben nicht nur das notwendige Atemschutzgerät, sondern verfügen auch über alle sonstigen notwendigen technischen Ausrüstungsgegenstände wie zum Beispiel ein Dreibein mit Flaschenzug oder Seilwinde zur schnellen Bergung, Halogenstrahler in explosionsgeschützter Ausführung oder den erforderlichen Anseilschutz. Ihre Mitarbeiter sind auf diese Arbeiten speziell geschult. 

Wer trotzdem plant, diese Arbeiten selbst durchzuführen, der muss unbedingt die notwendigen Schutzvorkehrungen treffen!

Die Sicherheitsberater der LBG informieren gerne, welche Voraussetzungen und welche technische Ausrüstung dazu notwendig ist. Ein Merkblatt der LBG Franken und Oberbayern zum sicheren Einstieg in Güllegruben und Biogas-Fermenter ist zur Zeit in Vorbereitung und steht in Kürze zum Download zur Verfügung. 


Offline reserl

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*schubs*

Wir beschäftigen uns gerade auch mit dieser Thematik. ::)

Wer von Euch hat damit schon Erfahrungen gemacht?
Mit welchen Firmen habt Ihr zusammengearbeitet?


Zu dem von der Berufsgenossenschaft vorgestellten Bericht
hab ich im Internet gerade eine interessante PDF-Datei mit vielen Bildern
gefunden:

http://www.alf-co.bayern.de/tierhaltung/23100/linkurl_5.pdf
lieben Gruß
Reserl



Manchmal ist es ein großes Glück,
nicht zu bekommen, was man haben will.

 


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