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Autor Thema: Tierschutz - neues deutsches "Tierschutzlabel" entsteht  (Gelesen 1981 mal)
Mirjam
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« am: 14.09.10, 09:40 »

Hallo

interessanterweise vor allem in den FLEISCH-Fachmedien zu lesen: Ein neues Animal-Welfare-Projekt entsteht gerade - es soll/wird ein "Tierschutz-Label" geben, wo für Verbraucher eindeutig gekennzeichnet ist wie "gut" es den Tieren in der Produktion gegangen ist.

Hintergrund ist - so weit ich erkennen konnte - das die Schlachtung/Verarbeitung dem negativ-Image nicht mehr hinterherlaufen oder gegen den Tierschutz arbeiten möchte: Sondern mit ihm zusammen + die Basis des großen EU-Programms "welfare quality", also wie geht es dem Tier wirklich? (weil das Gegenteil von gut auch gut gemeint sein kann heißt eine Freilaufhennen/gruppe kann auch krank sein oder in einem Laufstall - 70 % der Tiere ob Mortellaro hinken).

Hier - leider nicht ausdruckbar - der Artikel/Hintergrund der Innitiatoren = Verfasser des Artikels in einer Fleischwirtschaftszeitung:

http://www.agrifood-consulting.de/fileadmin/agrifood/FLW_2010-03.pdf "Animal Welfare als Profilierungsinstrument"
Im Vordergrund steht die Kaskade: Wann kann ein Tier seinen natürlichen Bedürfnissen nachgehen und geht es einem Tier/gruppe wirklich gut (unabhängig davon ob rechtliche Vorgaben eingehalten werden)?

a) Tierverhalten (natürliche Bedürfnisse)
b) Tiergesundheit  (Mortalität/Medikamentenverbrauch)
c) Haltungssystem
d) betriebliches Management

Lt. Afz mit folgenden Teilnehmern im Projekt: Lt. allgemeiner Fleischerzeitung sitzen im Boot: Uni Göttingen (Verfasser siehe oben), Uni Kassel, FLInstitut, dt. Tierschutzbund, Neuland, Erzeugergemeinschaft Osnabrück, Bio = Demeter, Vion als Schlachter, Verarbeitung: Kff, Gebr. Stolle (Geflügel), LEH = Kaiser, Tengelmann, Edeka Minden.

Was haltet hier von dem Ansatz...?

Gruß Mirjam
« Letzte Änderung: 14.09.10, 10:40 von Mirjam » Gespeichert

Der Kopf ist rund - damit die Gedanken auch mal die Richtung ändern können!
K1
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« Antwort #1 am: 14.09.10, 13:17 »

Kann man dieses Label freiwillig beantragen?
Wer bestimmt was gut oder schlecht für die Tiere ist?
Wer zeritifiziert und kontrolliert?
Wie schaut es mit der Bürokratie aus?
Zahlt sich eine Projektteilnahme am Ende aus?
Wird es der Verbraucher honorieren?
Wird das mal in Zukunft für alle Gesetz?
und ........................................?
und ........................................?
und..........................................?
und .........................................?

Im übrigen, ist es doch schon seit Generationen unser Bestreben, unseren Tieren ein bestmöglichstes Umfeld zu geben, um nachhaltig erfolgreich zu sein.





« Letzte Änderung: 14.09.10, 13:23 von K1 » Gespeichert
Mirjam
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« Antwort #2 am: 14.09.10, 14:21 »

Hallo K1,

QS oder QM-Milch sind auch kein Gesetz - sondern die Marktpartner fordern es. Da brauchen sie kein Gesetz für. Genau so wenig wie International Food Standard oder IFS 5 oder der britische Standard kein Gesetz sind aber jeder Lebensmittelhersteller der dem LEH verkaufen möchte - diese nachweisen muss.

Ich weiß nicht, ob es "honoriert" wird oder schlichtweg wie QS einfach nur markterhaltend sein wird in der europäischen Konkurrenz. Alleinstellungsmerkmal - sind meistens nicht lange welche Lips Sealed.

Die Kriterien - nun schau dir die Zusammensetzung der Innitiatoren an - wenn man hier Fragen hat/Einfluss nehmen möchte, so sollte man oder frau das JETZT tun.
Was gut oder schlecht ist für Tiere, was Tiere an Verhalten benötigen - ist in den letzten 10 Jahren eine Menge an Forschungsarbeit gelaufen - in der Praxis wie in Haltungsversuchen, die Essenze daraus wird denke ich da einfliessen.

Was ich hier sehe und was in deinem letzten Satz angesprochen wird - geht nicht konform. An oberster Stelle steht bei dem Tierschutz-Label der Faktor "Verhalten". Nicht Gesundheit. Heißt - deine Kuh in Anbindehaltung kann noch so gesund sein, noch so viel Leistung bringen, noch so wenig AB benötigen:
Ohne Bewegung bekommst du kein Label. Mein Gedanke dabei.

Ich bekomme wöchentlich die Kaufland-Werbung. Die hat sich hier komplett vom Gesetzgeber verabschiedet und fährt eigene Tierschutzaktionen:

Gruß Mirjam

« Letzte Änderung: 14.09.10, 14:39 von Mirjam » Gespeichert

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muellerin
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« Antwort #3 am: 14.09.10, 14:46 »

Wenn man bedenkt, welch niedrigen Anteil zurzeit Biofleisch an der Gesamterzeugung hat, würde ich einem solchen Label nur geringe Chancen einräumen.
In der Bio-Haltung werden doch alle geünschten Aspekte berücksichtigt. Würden die Verbraucher es wirklich ernst meinen mit ihren in vielen Interviews und Umfragen geäußerten Meinungen, so müsste der Biofleisch-Anteil bei mindestens 50 % liegen.
Er erreicht aber nichtmal die 5%-Marke.

Schwierig erscheint mir auch die Umsetzung im Großhandel.

So etwas anzufangen, als Nischenprodukt, das wäre vielleicht machbar. Aber ob das Wachstum dann so einsetzt wie erhofft, das weiß ich nicht. Siehe faire Milch.
Manches wird auch nicht machbar sein. Gentechnikfreie Fütterung für alle Nutztiere in D zum Beispiel.

Das größte Problem sind m.E. der globalisierte Handel und der große Anteil an Verarbeitungsfleisch, der nicht über die Ladentheke gehandelt wird..

LG
Müllerin
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Mirjam
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« Antwort #4 am: 14.09.10, 14:53 »

In der Bio-Haltung werden doch alle geünschten Aspekte berücksichtigt.

Nein, darauf ist man ja gekommen - weil Mortalität da eben als "fassbarer" Masstab wie gut es dem Tier: Nicht berücksichtigt wird nur Haltung/Fütterung.
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Bullenmafia
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« Antwort #5 am: 14.09.10, 16:30 »

aber woran will man sehen ob es den Tier gut geht?Huh an der Tierarztrechnung??? ist ein Bauer der eine hohe Rechnung hat weil er öfters den TA hat, weil er sich eben schneller prof. Hilfe holt als ein anderer der selber rumdocktert??? also das finde ich eine schmale Gratwanderung.
und dass der Verbraucher viel redet und weniger handelt, sieht man meines Erachtens schon an Bio. und auch das mit der Anbindehaltung bzw. Laufstall finde ich auch sehr schwierig. weil automatisch der Bauer mit Anbindehaltung benachteiligt ist, obwohl die Tiere vielleicht viel gesünder sein können.
LG Petra
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Petra
Ingrid2
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« Antwort #6 am: 14.09.10, 17:05 »

Grundsätzlich finde ich die Idee sehr interessant. Schon deshalb, weil es nicht "nur" um Biobetriebe geht. Denn auch in den konventionellen Betrieben gibt es hinsichtlich der Tierhaltung sehr große Unterschiede. Wenn ich Schweine auf Stroh halte, dann bin ich nicht zwangsläufig bio, meinen Tieren geht es auch nicht zwangsläufig gut - da gehört auch bei dieser Haltungsform mehr dazu. Aber gerade die konventionelle Landwirtschaft wird sehr oft in einen Topf geworfen - mit Massentierhaltung, Tierquälerei,... Es wäre vielleicht eine Möglichkeit, auch diese Betriebe differenzierter zu betrachten.

Was ich aber schwierig finde, ist die schon wieder notwendige Zertifizierung der Betriebe. Und die damit verbundenen Kosten. Ich habe langsam keine Lust mehr auf immer neue Audits, immer noch mehr Dokumentationen - vieles wird doch heute schon doppelt und dreifach geprüft und bringt doch nur den Zertifizierern Geld ein. Wenn die zusätzlichen Kontrollen im Rahmen von CC-Kontrollen z.B. durchgeführt werden, dann wär das ja noch einfach. Wir z.B. werden kontrolliert im Rahmen von CC, dann Zertifizierung für die Edeka, dann zusätzliche Zertifizierung für die Regionaltheke (in Bezug auf die Regionalität), und QS-zertifiziert sind wir ja auch noch. Eigentlich muß doch mal gut sein.

Ingrid
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Bullenmafia
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« Antwort #7 am: 14.09.10, 18:11 »

Hallo Ingrid,
wir haben überhaupt kein Programm, weder QS, noch sonst irgendetwas, auch kein Kulap. Denn das einzige was meistens raus kommt ist mehr Arbeit und sonst nix. es wird aber auch überhaupt nichts verlangt bei uns.
Man kann QS machen, aber da ich nur mit Festpreis vermarkte, bringt es mir gar nichts.
LG Petra
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Petra
Ingrid2
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« Antwort #8 am: 14.09.10, 18:15 »

Petra, wir haben QS "nur" bei Rapskuchen und Rapsöl, das stellen wir ja selbst her. Und um an QS-Betriebe liefern zu können, brauchen wir auch QS... Hier bei uns in der Gegend haben die meisten Betriebe QS, also - was sollen wir machen?

Und genauso ist bei den anderen Zertifizierungen. Natürlich ist das alles auf "freiwilliger" Basis - aber wenn wir es nicht machen, dann dürfen wir eben nicht mehr liefern - soviel zum Thema Freiwilligkeit.

Und genau das ist es, was mich grad nervt - diese ewige Gängelei - aber ich glaube, ich komme vom Thema ab Undecided

Ingrid
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