Autor Thema: Unfallfrei im Rinderstall!  (Gelesen 8674 mal)

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LSV-FOB

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Unfallfrei im Rinderstall!
« am: 11.10.07, 10:32 »
Richtiges Verhalten im Rinderstall

Betriebswirtschaftliche Erfordernisse­ veranlassen landwirtschaftliche Unternehmer, die Anzahl ihrer Tiere zu erhöhen um im Wettbewerb bestehen zu können. Dies, sowie der Wunsch und die Notwendigkeit, Arbeitsabläufe zu optimieren und die Arbeitsergonomie zu verbessern, machen neue Haltungsformen im Bereich der Rinderhaltung notwendig.

Ebenso wie bei der Weidehaltung kann es bei einer Umstrukturierung weg von der Anbindehaltung und hin zum Laufstall zu einer zunehmenden Entfremdung zwischen Mensch und Tier kommen. Verstärkt wird dieser Umstand mitunter dadurch, dass für das einzelne Tier immer weniger Zeit bleibt. In der Konsequenz ist der Mensch dem Tier nicht mehr vertraut. Er wird zum Eindringling und als eine mögliche Gefahr für die Herde wahrgenommen.


Mit den veränderten Haltungsformen hat sich auch das Unfallgeschehen gewandelt.
 
Zwar ist die Zahl der Unfälle­ im Rinderstall über die Jahre insgesamt gesunken, die Zahl der schweren und tödlichen Verletzungen ist jedoch im Vergleich angestiegen. Diese Entwicklung zeigt, dass neue Ansätze der Unfall­verhütung notwendig werden, um dieser Entwicklung entgegen zu wirken. Besonderen Stellenwert kommt dem richtigen Verhalten gegenüber den sich frei in ihrer Herde bewegenden Tieren zu. 

 Bewahren Sie Ruhe im Stall! Sprechen­ Sie Ihre Tiere an, besonders wenn Sie sich ihnen von hinten nähern müssen.

 Rinder sehen nur in einem Winkel von circa 45 Grad nach vorne deutlich. Sie sehen zwar auch seitlich, jedoch ist diese Sicht sehr eingeschränkt.

 Müssen Tiere behandelt werden, richten Sie den Arbeitsplatz so ein, dass Sie im Bedarfsfall flüchten und nicht zwischen Tier und Wand oder ähnlichem eingeklemmt werden können. Wir empfehlen Behandlungsstände!

 Nähern Sie sich den Tieren immer mit einer Treibhilfe; der Aufenthalt im Laufbereich von Rindern ist nur mit einer zweiten Person zulässig.

 Beachten sie auch die Hierarchie in ihren Lauftierhaltungen. Diese kann sich durch den Austausch von Tieren oder durch Erkrankung bzw. Neu­orientierung der Herde verändern. In der Regel gibt es eine Leitkuh, die in der Regel immer voraus geht, die aber nicht selbst die  Verteidigung der Herde übernimmt. Ihr zur Seite stehen einige sogenannte „Polizisten“. Auf diese ist besonders zu achten.

 Zuchtbullen müssen ab einem Alter von 12 Monaten mit einem Nasenring versehen sein. Führen sie diesen rechtzeitig ein und gewöhnen sie den Bullen an die Führstange. Halten sie die Führstange locker. Ein zu heftiger Einsatz dieses Hilfsmittels fügt dem Bullen Schmerzen zu, welche wiederum zu unerwarteten Reak­tionen des Tieres führen können. Bedenken sie immer den Gewichtsunterschied zwischen Tier und Mensch. Im Ernstfall ist der Mensch der Unterlegene. Idealer­weise werden Zuchtbullen räumlich getrennt von den Kühen und Jungrindern gehalten.


Mathilde

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Re: Unfallfrei im Rinderstall!
« Antwort #1 am: 11.10.07, 17:43 »
Hallo,

Britta da hast Du vollkommen recht. Wenn wir auch noch zu zweit die Kühe an den MR treiben würden dann wäre ja gar nichts mehr "geschafft" und unsere Kühe sind das gewöhnt dass ich da immer zwischendurch laufe die wissen auch i.d.R. dass sie nicht gemeint sind und nur die entsprechende die man gerade treibt. Nur die Färsen meinen am Anfang dass sie immer gemeint sind und laufen dann vor mir her  >:(
Den Bullen an der Stange  ??? ja haben wir auch schon gemacht aber das war in meinen Augen noch gefährlicher wie wenn der immer in der Herde mitläuft und dann bei den geringsten Anzeichen "gnadenlos" ausgetauscht wird.

LG Mathilde

Offline ELLI47

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Re: Unfallfrei im Rinderstall!
« Antwort #2 am: 12.10.07, 20:25 »
Bei uns läuft momentan ein Bulle (26 Mon.) in der Herde.Die Kühe werden zum melken immer rangeholt.Können 30 Kühe, im Melkstand stehen haben,mit Selbstfanggitter.Da ich der Melker bin ist es morgens meine Arbeit.
Wenn mein GÖga da ist,ist unser Bulle immer ganz unruhig.
Deshalb mache ich es alleine.Der Bulle steht immer ganz hinten und kümmert sich nicht um mich.
Muß sagen bin froh,wenn sie im Stall sind.Ich wollte ihn unbedingt behalten,also muss ich da durch.Er ist aber auch total ruhig.
  LG Elli
Liebe Grüsse aus Schleswig-Holstein
    
        Elli

Offline landleben

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Re: Unfallfrei im Rinderstall!
« Antwort #3 am: 12.10.07, 22:41 »
Wir haben für unseren Deckbullen eine separate Box. Früher (bis vor ein paar Jahren) hatten wir ihn in der Herde laufen.

Aber als wir mal einen neuen gekauft hatten, hat sich dieser nach nur knappen 8 Wochen die Schulter gebrochen. Beim Springen wohl ausgerutscht. Allein um dieses zu vermeiden, wurde eine Bullenbox gebaut. Nun bekommt unser Deckbulle die Damen zugeteilt. Wenn es auffällt, dass eine bullt, wird sie beim Bullen eingesperrt und muss dann bis zur nächsten Melkerzeit bei ihm ausharren.

Dadurch dass einer unserer Deckbullen mal die Fensterscheibe zum Kuhstall demoliert hat, können wir jetzt noch besser feststellen, wenn eine Kuh bullt. Sie steht dann vor dem Fenster und Bulle flirtet dann mit ihr. (*grins* stelle mir gerade vor : junger Mann steht HINTER dem Fenster und kommt nicht an das nette Mädel draußen ran). echt fies.

Vorteil von Einzelhaft des Bullen: Es werden nur die besamt, die auch wirklich sollen. Gefahr für Mensch etwas mehr gebannt. Zum Misten muss man da doch noch in die Box. Aber durch Gabe von Schrot kann man den jungen Mann dann etwas ablenken.

LG

britta, die dann mal langsam ins Bett geht.

Offline geli.G

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Re: Unfallfrei im Rinderstall!
« Antwort #4 am: 13.10.07, 08:21 »
Ich wollte ihn unbedingt behalten,also muss ich da durch.Er ist aber auch total ruhig.


....na da würde ja nix passieren, wenn man sich da mal drauf verlassen könnte. :-\
Ich bin jedenfalls froh, dass wir kein männliches Vieh hier im Stall haben.....außer mal einen Ochsen zum Schlachten..... ;)
Man kann dem Leben nicht mehr Tage geben, aber dem Tag mehr Leben.
Viele Grüße von Geli

LSV-FOB

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Re: Unfallfrei im Rinderstall!
« Antwort #5 am: 05.11.07, 18:08 »
Nur zu zweit in den Rinderstall - gilt nicht nur für die Bullenhaltung!

Die Vorschrift, dass man nicht alleine in den Rinderlaufstall oder auf die Weide gehen soll, ist keine realitätsferne Idee, geboren an einem Bürokratenschreibtisch. Dass sie durchaus ihre Berechtigung hat, zeigt - wie so oft – ein Blick in die Unfallstatistik:

Mit 2.265 Unfällen im Jahr 2006 nehmen die Unfälle im Umgang mit Rindern wie auch schon in den Vorjahren einen traurigen Spitzenplatz im Unfallgeschehen der Landwirtschaft in Franken und Oberbayern ein. Rinder können also treten, stoßen, ausschlagen oder unliebsame Eindringlinge einquetschen - Kühe oder Kälbinnen genauso wie Bullen! Doch selbst ohne Einwirkung der Tiere stürzen und fallen Menschen bei der Arbeit im Stall oder verletzen sich anderweitig, so dass sie in dieser Situation auf die schnelle Hilfe von anderen Menschen angewiesen sind.

Bemerkenswert ist, dass die Unfälle mit Bullen nicht überwiegen. Fast zweitausend Mal wurden Menschen durch Kühe oder Kälber so schwer verletzt, dass sie einen Arzt aufsuchen mussten und der Unfall an die Berufsgenossenschaft gemeldet wurde. Auch ein Blick auf die wenigen Unfälle mit tödlichem Ausgang zeigt, dass Bullen nicht die Hauptunfallverursacher sind.

Bäuerinnen sind besonders gefährdet, denn mehr als 850 der oben genannten Unfälle betreffen Frauen!

Unbestritten sind Zeit- und Arbeitskräftemangel Probleme, die sich nicht wegdiskutieren lassen. Beides wird aber nicht besser, wenn eine wesentliche Arbeitskraft, nämlich die Bäuerin, die neben ihren vielfältigen anderen Aufgaben auch noch den Stall versorgt, durch einen Unfall für mehr oder weniger lange Zeit ausfällt.

Wenn sich eine weitere Arbeitskraft nicht finanzieren lässt, dann sind kreative Lösungen gefragt. Vielleicht lässt sich an der Zeiteinteilung im Unternehmen etwas grundsätzlich verändern, so dass sich immer zwei Personen im Stall aufhalten, wenn dort bei den Tieren gearbeitet wird. Grundsätzliche Verbesserungen der Arbeitssituation bieten auch bauliche und technische Veränderungen wie zum Beispiel Fixiereinrichtungen, Selektiermöglichkeiten, Treibhilfen und Personendurchschlupfmöglichkeiten.

Wie auch immer - die Gefahr, die von Kühen ausgeht, sollte nicht unterschätzt werden. Jeder Unternehmer muss sich dessen bewusst sein und sich mit der Lösung dieses Problems auseinandersetzen. Für ein Beratungsgespräch stehen Ihnen die Sicherheitsberater der LBG gerne zur Verfügung.

H.B.

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Re: Unfallfrei im Rinderstall!
« Antwort #6 am: 05.11.07, 20:19 »
Für ein Beratungsgespräch stehen Ihnen die Sicherheitsberater der LBG gerne zur Verfügung.


schön Petra,


was wollt Ihr denn lernen?

Online suederhof1

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Re: Unfallfrei im Rinderstall!
« Antwort #7 am: 06.11.07, 10:13 »
Hallo

Kommen bei unseren Kühen 2 oder mehr Personen in den Laufstall werden sie nervös. :o
Geht nur einer hin um sie umzutreiben ist gar nichts los. Selbst die Trockensteher können in Ruhe aussortiert werden.  :)
Ähnlich ist es beim Jungvieh, bei den Bullen sollten sicher 2 da sein, um zumindestens Hilfe oder Ablenkung zu gewähren.

Beim umtreiben oder sortiern der Kälber ist eine 2 Person nötig, da die Kälber meistens anfangen zu schnullern und zu stossen,
(Bauch-Po bereich ) was sehr unangenhm sein kann. Und wenn da eine Ablenkung steht , gehts auch viel schneller.... ;)
LG Barbara

Jan

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Re: Unfallfrei im Rinderstall!
« Antwort #8 am: 06.11.07, 10:49 »
Wenn sich eine weitere Arbeitskraft nicht finanzieren lässt, dann sind kreative Lösungen gefragt. Vielleicht lässt sich an der Zeiteinteilung im Unternehmen etwas grundsätzlich verändern, so dass sich immer zwei Personen im Stall aufhalten, wenn dort bei den Tieren gearbeitet wird. Grundsätzliche Verbesserungen der Arbeitssituation bieten auch bauliche und technische Veränderungen wie zum Beispiel Fixiereinrichtungen, Selektiermöglichkeiten, Treibhilfen und Personendurchschlupfmöglichkeiten.

Wie auch immer - die Gefahr, die von Kühen ausgeht, sollte nicht unterschätzt werden. Jeder Unternehmer muss sich dessen bewusst sein und sich mit der Lösung dieses Problems auseinandersetzen. Für ein Beratungsgespräch stehen Ihnen die Sicherheitsberater der LBG gerne zur Verfügung.


So oder so, die Forderung bei Kühen immer mit zwei Mann zu jagen, ist nicht realisierbar. Von uns Milchviehbauern wird aus ökonomischen Gründen von der Beratung, und damit auch von der Politik und den Banken, zurecht, gefordert, daß eine AK 400 - 600 000 kg Milch im Jahr produziert. Auf der anderen Seite werden wir, und da ist die LSV führend, mit sinnlosem Papierkram vollgemüllt, damit die LSV auch noch mit der Forderung kommt, daß wir Tiere nur zu zweit jagen. Ich glaube, da sollte jemand mal wieder auf den Boden der Tatsachen zurückkommen.

Fixiermöglichkeiten, Selektionsmöglichkeiten usw sind vernünftige Forderungen, da sie die Sicherheit erhöhen und darüberhinaus helfen, die Arbeitswirtschaft besser in Griff zu bekommen.


LSV-FOB

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Mehr Sicherheit für Rinderhalter

LBG mit Hütehunden und Infostand vom 15. bis zum 17. August 2008 beim Weidefest in Schönbronn bei Rothenburg

Sicherheit für Rinderhalter ist eines der zentralen Themen der LBG Franken und Oberbayern auf dem Weidefest vom 15. bis zum 17. August 2008.
Denn besonders das Treiben und Fixieren der Tiere ist unfallträchtig und stellt den Rinderhalter immer wieder vor Probleme.


Hütehunde im Vorführring
Noch wenig bekannt aber sehr hilfreich ist der Einsatz von Hütehunden bei der Rinderhaltung auf der Weide und im Laufstall. Die klugen und gut abgerichteten Hunde übernehmen geschickt das Treiben der Rinder und helfen so mit, Arbeitsunfälle zu vermeiden. Auf Einladung der LBG Franken und Oberbayern wird Herbert Sehner, Landwirt und Züchter von Rindern und Border Collies  mehrmals täglich im großen Ring zeigen und erklären, wie seine Hunde mit den Rindern arbeiten, ohne dass er sich selbst im Gefahrenbereich aufhalten muss.

Tipps zu Treib- und Fixiereinrichtungen am LBG-Infostand 
Informieren Sie sich am Stand der LBG über die Notwendigkeit und über die Möglichkeiten mechanischer Treibhilfen im Laufstall. Intelligente Lösungen gibt es inzwischen - entweder als Festeinbau oder neu, jetzt auch zum Anbau an den Schlepper.

Ein weiterer Beratungsschwerpunkt liegt auf  Fang- und Fixiereinrichtungen für Großvieh. Die Sicherheitsberater informieren Sie, welches System für Sie ein Höchstmaß an Arbeitssicherheit bietet und gleichzeitig für Ihren Betrieb am sinnvollsten ist.

LBG Hautschutzkampagne
Im Rahmen der bundesweiten BG-Kamapagne „Deine Haut – die wichtigsten 2 qm deines Lebens“ beraten die LBG Mitarbeiter auf dem Weidefest über den notwendigen Hautschutz für Menschen, die in der Land- und Forstwirtschaft arbeiten. 

Schlepperturnier des ADAC, der LBG und des BBV
Beim ADAC-Schlepperturnier, das in Zusammenarbeit mit der LBG Franken und Oberbayern und dem BBV stattfindet, können interessierte Land- und Forstwirten im Wettkampf mit anderen Teilnehmern das eigene Fahrkönnen und ihre Geschicklichkeit testen und so das Gefühl für ihr schweres Gefährt verbessern. Das ist aus unfalltechnischer Sicht auch notwendig, denn obwohl der Überrollbügel seit vielen Jahrzehnten das Unfallgeschehen schon sehr wirkungsvoll eingedämmt hat, werden immer noch Landwirte durch umstürzende Schlepper verletzt oder gar getötet.  Neben einer theoretischen Prüfung sind im Parcours verschiedene knifflige Aufgaben wie zum Beispiel das Befahren einer Slalomstrecke oder das rückwärts Einrangieren zu meistern - nur einige Punkte aus dem Katalog, den Fachleute der LBG Franken und Oberbayern und des Fahrsicherheitszentrums des ADAC zusammen entwickelt haben. Weitere Informationen dazu erhalten Sie beim ADAC Nordbayern unter der Telefonnummer (0911) 959 52 11.


 


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