Autor Thema: Familienaufstellung nach Hellinger  (Gelesen 21332 mal)

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pah

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Re: Familienaufstellung nach Hellinger
« Antwort #45 am: 06.08.05, 17:14 »
Hallo, ich bin neu hier und habe mit Interesse dieses Diskussionsthema gelesen.
Auch ich habe im November letzten Jahres drei Tage (Freitag bis Sonntag) und im März dieses Jahres einen Tag lang (Nachbereitung) ein Seminar über Familienaufstellung mitgemacht.
Die Therapeuten (ein Mann und eine Frau) bieten schon seit Jahren zweimal im Jahr solche Aufstellungen an. Dabei muss ich betonen, dass diese Aufstellungen modifiziert und nicht zu 100% nach Hellingers Grundsätzen ablaufen. So wird niemand nach solch einem Seminar sich selbst überlassen (Nach dem Motto: Friss oder stirb), sondern bei Bedarf betreut. Allerdings befanden sich in meinem Fall alle Teilnehmer sowieso in einer Gesprächstherapie bei einem der beiden Therapeuten, wo in den nächsten Sitzungen das Erlebte aufgearbeitet und tiefergehend erläutert werden konnte.
Es ist für Außenstehende schwer zu begreifen, wie solch eine Familienaufstellung abläuft. So ist es absolut faszinierend, wie sich die Platzhalter für die einzelnen Familienmitglieder in deren Stimmungen einfühlen und reagieren können, ohne dass sie detailliert wissen, wie die einzelnen Personen zueinander stehen und so voreingenommen handeln könnten.
Es geht auch nicht darum, auf Biegen und Brechen irgendjemanden dazu zu bringen, einem anderen zu vergeben, wenn eine Annäherung partout nicht möglich ist (z.B. ein Kind kann seinem Vater dessen Missbrauch nicht verzeihen). In diesem Fall belässt der Therapeut es dabei, sich auf die rein biologischen Tatsachen zu beschränken und lediglich dem Kind klarzumachen, dass es von diesem Vater abstammt und durch sein Zutun das Leben geschenkt bekommen hat. Diese Verbindung zwischen Vater und Kind ist die mindeste Basis, die das Kind anerkennen und nicht verleugnen kann. Dieses Anerkennen dieser einfachen Tatsache hilft bei der Arbeit in den Einzelsitzungen weiter, seine Probleme zu kanalisieren und eventuell in ein anderes Licht zu rücken.
Weit entfernt war dieses Familienstellen jedoch von dem Geschmäckle, es hätte etwas mit Sekten, Gehirnwäsche oder sonstigem zu tun. Im Gegenteil, ich konnte durch meine Erzählungen meinen Mann dazu bringen, am nächsten Seminar im November teilzunehmen, um seine gravierenden Probleme mit seiner Mutter, mit der er vor fünf Jahren gebrochen hat, zu beleuchten.
Liebe Grüße von pah 

 


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